Rohana hat geschrieben: Mi 10. Apr 2024, 07:19Durch die Auflagen der roten Gebiete muss man zwangsläufig immer 20% unter der "nötigen" Menge bleiben, egal wie die aussieht. Dummerweise wird damit auf längere Sicht der Bodenvorrat angegriffen weil die Kultur trotzdem Hunger hat, also wird Humus abgebaut. Ich gehe auch jede Wette ein dass diese Massnahmen eben nicht grossartig die Nitratwerte im Grundwasser ändern werden.
Hierzu hätte ich betriebswirtschaftliche Fragen.
[Hinweis an mod: Falls sinnvoll, gerne neues Thema draus machen. Ich möchte das auch nicht in eine letztlich ergebnislose Grundsatzdiskussion ausufern lassen, aber mich interessiert, was in unserer realen Welt hier und jetzt möglich ist. Auch deshalb sind Ertragswerte regenerativer Methoden wichtig, damit man so grob abschätzen kann, was das betrriebswirtschaftlich bedeutet. Im Hausgarten hat man sehr viel mehr Möglichkeiten - aber solange 90% oder mehr der Bevölkerung keinen Garten haben und fernab von den Flächen wohnen, auf denen ihr Essen erzeugt wird, muss man sich an die realen Möglichkeiten von Erwerbsbetrieben halten. Denn Landwirtschaft nur um des Humusaufbaus willen zu betreiben, wird sich kaum ein Betrieb leisten können.]
Wenn man weniger N (und P und K usw.) auf den Acker gibt als abgeerntet wird abzüglich Nachlieferung durch natürliche Prozesse, dann muss der Vorrat abnehmen. Wenn die Speicherkapazität des Bodens schlecht ist, z.B. wegen ungünstiger Struktur oder Humusarmut, dann müsste man, um Auswaschungen ins Grundwasser zu vermeiden, oft, und wenig pro Gabe, düngen. Das ist ein Mehraufwand, verglichen mit wenn man alles unter zweimal oder so ausbringen könnte. Kann es sein, dass man Düngerverluste in Kauf nimmt, weil der Mehrdünger weniger kostet als der vemiedene Aufwand für häufigeres Ausbringen? Zumal ja gewisse Kulturen ungern befahren werden, wenn sie hoch stehen?
Ein weiterer Grund könnte sein, dass bei Abernte plötzlich das ganze Wurzelwerk abstirbt, weil ja der grüne Teil der Pflanze weg ist, dieses sich dann rasch zersetzt und mangels Speicherfähigkeit des Bodens die Nährstoffe unten rauskommen, die vorher in den Wurzeln waren. Das ist z.B. aus der Forstwirtschaft bekannt, wo nach Kahlschlag ein Nährstoffschub auftritt, der letztlich aus den Baumwurzeln kommt. Und das sind Böden, die nicht durch falsche Bewirtschaftung zerstört worden sind, sondern jahrzehntelang in Ruhe gelassen wurden.
Gibt es dazu Untersuchungen von landwirtschaftlichen Forschungsanstalten oder Musterbetrieben? Irgendwie müssen die ja auf die 20% gekommen sein.
Mir leuchtet nur ein, dass man hier umso weniger Spielraum hat, je schlechter der Boden ist. Humus aufzubessern, indem man Mist oder Kompost auffährt, dürfte im gewerblichen Anbau auf grossen Flächen an der erforderlichen Menge und an der Logistik dazu scheitern.
Eine Möglichkeit ist wohl Gründüngung, indem man einen Teil der (durch Wurzelabbau abgeenteter Ertragspflanzen) freiwerdenden Nährstoffe in diese rasch wachsende Biomasse verlagern kann, wo sie dann vor Auswaschung geschützt ist.
Aber eben die Frage: Was ist real machbar und was bringt es? Bewirken die Auflagen der Behörden, die ja nicht ohne Grund erlassen wurden und offensichtliche Misstände beheben wollen, etwas oder verhindern sie eher andere Möglichkeiten, die unterm Strich besser wären?