Rohana hat geschrieben: Sa 2. Mär 2024, 08:29
"Die" Bauern bringst du eh nicht unter einen Hut. Und ich muss sagen grad die riesigen Protestaktionen sind bisher SEHR geordnet und toll gelaufen - haben sie deswegen was gebracht? Nö, das nimmt man so als selbstverständlich hin. Aber wehe irgenda Depp baut mal Mist, dann sind gleich "die" Bauern dran.
98% der Bevölkerung sind nicht Bauern. Die Wahrnehmung der Bauern in der Gesellschaft ist also entscheidend für das Wohlwollen, und da gibts ein paar Probleme - die meisten sind eine verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit. Die zunehmenden Entfremdung der immer mehr städtischen Gesellschaft (3/4 der Deutschen leben in Städten oder Agglomerationen) tut ihr Übriges dazu.
Da gibts die Pseudogrünen, vorwiegend gut verdienende Leute mit akademischem Hintergrund und städtischer Sozialiserung, die ab und zu bio einkaufen und als Gegenleistung erwarten, dass jeder Hof ein Freilichtpark ist, wo die Tiere dauernd im Blütenmeer der Naturwiesen herumlaufen. Dafür darf die Veggiewurst ohne Tierleid auf Sojabasis auch 30 Cent das Stück mehr kosten.
Dann gibt es leider immer mehr Leute, die aus weltanschaulichen Gründen seltsame Ernährungsgewohnehiten haben, aus Langewiele oder weil sie sonst lkeine Probleme haben. Auch die bringen der Landwirtschaft und der realität da draussen wenig Verständnis entgegen.
Es gibt die grosse Menge der Leute, die kaum wissen wie sie durchkommen, und die es nicht gerechtfertigt finden, dass die Bauern so viel vom Staat einfordern, und um sie selber kümmert sich keiner.
Es gibt die grosse Menge der Leute, denen es zeimlich egal ist, was sie (fr)essen, Hauptsache billig.
Auch die Demos helfen da nicht weiter: So lange die mit so grossen Treckern rumfahren, kann es mit dem Einkommen ja wohl nicht so schlimm sein.
Auch die Botschaft "weil wir Bauern und deshalb wichtig sind, muss der Staat uns dauernd Extrawürste braten" kommt nicht gut an.
Dei Hauptfehler vieler Bauern: Man bekämpft die falschen Feinde. Statt erkennbar Natur- und Landschaftsschutz zu betreiben, was von einem grossen Teil der Bevölkerung anerkannt wird und was auch bezahlt gehört und wird, werden Naturschutz und Umweltschutzauflagen als produktionshemmende Bürokratieschikanen ohne Relevanz dargestellt. Typisch ist, dass die Bauern auf die Strasse gehen, weil Dieselsubventionen gestrichen werden und nicht, wenn die EU wieder ein Freihandelsabkommen mit irgend einem Land abschliesst oder weil es nach wie vor erlaubt ist, dass ausländische Lebensmittel importiert werden, die so nicht bei uns erzeugt werden dürften.
Hinzu kommt, dass inzwischen bei jeder Demo sich die Rechtsextremen aufpfropfen, weil man da Randale machen könnte.
Ebenfalls hinzu kommt die aus meiner Schweizer Sicht unselige Politkultur in Deutschland, wo Politik nur darin zu bestehen scheint, Feinde zu definieren und öffentlich kleinzumachen.
Und ja: wenn du die Hälfte deines Einkommens als Subventionen und Direktzahlungen hast, dann musst du akzeptieren, dass diejenigen dreinreden, die das bezahlen. Deshalb will die Politik ja auch weg von Subventionen (das sind Beiträge ohne Gegenleistung) hin zu zweckgebundenen Zahlungen für Gegenleistungen. Dasss genau dagegen protestiert wird, kommt nicht gut an, denn Otto Normalmensch kriegt auch nix geschenkt.