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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 3. Mär 2024, 16:28
von emil17
Mal was anderes:
Offenbar möchte das deutsche Umweltministerium langfristig Holzheizungen unterdrücken, wegen Feinstaub und "weil es für die Umwelt nützlicher wäre, wenn das CO2 als Biomasse gebunden im Wald bliebe".
Mindestens hat in einer ARD-Sendung zum Thema sich ein hoher Beamter in diesem Sinne dazu geäussert.
Es geht mir hier nicht um Feinstaub. Das lässt sich technisch in den Griff bekommen.
Wie das mit dem CO2 bei nachwachsenden Brennstoffen sein soll, so geht der gute Mann offenbar davon aus, dass das Holz immer und ewig im Wald bleibt, wenn es keiner rausholt und verbrennt. In so einem Wald wachsen ja pro Hektar und Jahr 4 bis 10 Festmeter Holz je nach Standort zu. Also 1 bis 2.5 Tonnen Kohlenstoff, die der Atmosphäre entnommen werden, nicht wahr? Wenn man das einfach rausholt und verbrennt, werden ja die Klimaeffekte des Waldes unterlaufen!
Was passiert denn eigentlich mit dem Zuwachs, wenn ihn keiner aberntet? Das sollte man wissen, bevor man solchen Brösel behauptet. Als Chefbeamter eines Umweltministeriums ist man da auch ein wenig mehr in der Verantwortung, als am Stammtisch der Dorfkneipe.
Ich würde eigentlich von solchen "Fachleuten" mehr Fachwissen erwarten.
Einen Förster fragen könnte schon helfen.

Noch vor zwanzig Jahren wollte man Ackerland zur Biomassegewinnung für Energiezwecke nutzen, und jetzt will man aus dem gleichen Grund (Klima) auf die Nutzung von dem verzichten, was ganz von alleine und ohne Flächenkonkurrenz wächst.
Herr. lass Verstand vom Himmel fallen! Aber ziel gut! Der da ist es!

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 3. Mär 2024, 17:17
von Rohana
emil17 hat geschrieben: So 3. Mär 2024, 16:07 Ganz abgesehen davon ist es Unsinn, Dinge zu fördern, die man nicht födern möchte. Will man, dass viel Sprit auf Äckern verfahren wird?
Es wird ja auch keine Alternative gefördert. Warum? Weil es keine gibt - ausser Pferdekraft :engel:

Und egal was "man" so will, der Boden bearbeitet sich nicht von alleine. Selbst bei No-Till nicht.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 3. Mär 2024, 18:02
von woidler
Für die Pferdekraft brauchts dann aber auch Treibstoff in Form von Hafer und sonstigem Getreidekraftfutter und Heu, oder Gras. Da müsste man mal ausrechnen , wieviel Raps man anbauen muß , um mit dem dann hergestellten Rapsöl, einen Traktor zu betreiben, den man für die Bewirtschaftung von 10 ha zB Getreide braucht und was man an Pferdefutter braucht, wenn man die gleiche Fläche mit Pferden bewirtschaftet. Wobei man die Zahl der Rösser im AUgen haben sollte, weil man ja für diverse Arbeiten zB Ernten nicht beliebig viel Zeit hat ....

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 3. Mär 2024, 18:33
von Ferry
Tja, ganz so einfach ist die Rechnung nicht. Das was beim Pferd vorne reinwandert wandert hinten auch wieder raus und gibt Dünger. Das kann ein Traktor nicht. Wenn du ganz genau sein willst musst du die Energie für die Herstellung des Traktors mit einrechnen.

Die Bewirtschaftung der Ackerflächen kann eine ganz andere sein wenn du mit Pferd arbeitest und niemand zwingt dich mit einem Schlag ALLES mit Pferd zu machen. Aber jeder Arbeitsschritt mit Pferd spart Sprit und ist befriedigender.
Ich hab schon auf nem 160PS Schlepper gesessen und gepflügt und auch (wesentlich öfter) mit Pferd. Klar ist der Pferdepflug körperlich anstrengender, aber matschiger im Hirn war ich nach dem riesigen Traktor!

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 3. Mär 2024, 19:14
von emil17
Mir ging es nicht darum dass man ohne Maschinen Land bewirtschaften soll. Aber man soll das direkt fördern, was man möchte, nicht indirekt indem man etwas fördert was man für das braucht was man eigentlich möchte. Und man soll Leistungen abgelten, nicht Verbrauch verbilligen.
In dem Falle, eine nachhaltige Bewirtschaftung mit Nebenzielen wie mehr Biodiversität, sauberes Grundwasser usw. Bei hohen Dieselpreisen wäre dann der Anreiz da, dies mit möglichst wenig Treibstoff zu erledigen. Wird Treibstoff verbilligt, fährt man für alles mögliche rum, weils eben wenig kostet.

Bei uns ist das jettzt gut am Strom zu sehen. Seit Jahrzehnten schon gibts Aufrufe zum Sparen, Ersatz uneffizienter Geräte auch in Industrie und Gewerbe. Und erst jetzt, wo Strom deutlich teurer geworden ist, rechnet sich das plötzlich und es wird gemacht.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 3. Mär 2024, 19:17
von Rohana
Zeit ist halt der Schlüssel. Es müssten viel mehr Personenzeitstunden aufgewendet werden um x ha zu pflügen mit Pferdekraft. Bei unserem Boden wäre das eh eine Strafarbeit für die armen Gäule, da bin ich nicht böse dass es ein Traktor macht, aber trotzdem gäbe es das ein oder andere was man sicher auch mit Pferd erledigen kann.

Emil: Beim Einsatz für Feldarbeiten kann man nur sehr bedingt Sprit sparen. IdR ist schon alles optimiert was optimierbar ist, weil Sprit so oder so nicht umsonst ist (und auch Treckerstunden nicht...). Ob er nun viel oder weniger kostet ist total wurscht weil Arbeit X eben erledigt werden muss. Ich weiss echt nicht was ihr euch da vorstellt!

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 3. Mär 2024, 20:11
von emil17
Rohana hat geschrieben: So 3. Mär 2024, 19:17Ob er nun viel oder weniger kostet ist total wurscht
Warum dann der Aufstand?

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 3. Mär 2024, 21:28
von Bernd Belgien
Warum nicht?

Streiken können die nicht mal eben für ein paar Euro mehr pro Stunde.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 4. Mär 2024, 04:20
von Nordhang
emil17 hat geschrieben: So 3. Mär 2024, 20:11
Rohana hat geschrieben: So 3. Mär 2024, 19:17Ob er nun viel oder weniger kostet ist total wurscht
Warum dann der Aufstand?
Der Punkt ist lohnt sich für den Produzenten am Ende die Arbeit. Investitionen von Geld und Zeit und wie hoch sind Abhängigkeiten bei einzelnen Kulturen. Überspitzt gesagt: Lohnt sich keine Milchkuhhaltung, wechsele ich auf Hirsche und treibe sie einmal im Jahr zusammen. Die Produktivität pro ha sinkt zwar extrem aber für den einzelnen Erzeuger wäre entscheidend was er am Ende im Geldbeutel hat. Das Gegenbeispiel ist die Zuckerrübe. Viele teure Maschienenarbeit, Abhängigkeit von einer Fabrik und dem Weltmarktpreis für Zucker.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 4. Mär 2024, 05:42
von emil17
Das habe ich alles begriffen. Nur: Wieso soll man mit Subventionen Produktionsweisen verbilligen und damit erst ermöglichen, ohne dass für die Gesellschaft ein direkter Gegenwert dabei rumkommt, ausser eben dass das Produkt da ist (dessen Nutzen sich in der Marktwirtschaft immer über den Preis definiert, den der Kunde zu bezahlen bereit ist)?
Alos kann man entweder alles dem Markt überlassen, dann gibts eben mehr Hirsch und weniger Zuckerrüben, oder man knüpft die Beiträge an Nebenleistungen, die nicht ins Produkt eingepreist werden können, wie eben Naturschutz oder Biodiversität. Und die sind nachzuweisen.
Das ist doch das, was die Regierung will - weg von Subventionen, bloss damit man weitermachen kann wie bisher.
Die Regierung stützt ja auch nicht die Produktion von nicht marktfähigen Industriewaren, bloss weil die sich früher einmal noch gut verkauft haben.

Davon unberührt sind echte Leistungen wie Ernährungssicherheit. Ebenso ist die Forderung berechtigt, dass man Importe von Billgprodukten verbietet, die so im Inland nicht erzeugt werden dürften.