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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 19. Dez 2022, 10:38
von Rohana
Lieber Emil, nochmal zum mitschreiben: Mein Problem mit den tollen "Zukunftswäldern" die auf Laubholz basieren und wo die Fichte keine Rolle mehr spielen soll, ist schlichtweg dass die Verwendung der Laubhölzer nur bedingt gegeben ist es sei denn du hast ausschliesslich Edelholzanteil, aber das scheint mir SEHR unrealistisch. Wenn weiterhin Konstruktionsholz (was den Hauptteil der Holzverwendung ausmacht) generell auf Nadelholz basiert, funktioniert die Rechnung langfristig nicht. Das könnte sogar n Blinder mit'm Krückstock erkennen und du bist doch sonst nicht auf'n Kopf gefallen :hmm: Abgesehen davon hab ich nie gesagt dass der Wald an sich nicht laufen würde. Von den schlechten Holzpreisen am Markt vor einiger Zeit waren alle Waldbesitzer incl der Staatsforsten betroffen, ist halt Markt... und dass es mir in der Seele wehtut dass die schönen Buchen nur Brennholz werden und viel zu billig sind, tja. Jetzt wo der run auf Brennholz ist könnten wir auf einmal dreifach davon zum doppelten Preis verkaufen :kaffee:


@Penelope: Nein wir haben keinen Harvester, so gross ist die Fläche dann auch wieder nicht. Also, klar, könnte man sich anschaffen, müsste dann aber die halbe Woche irgendwo im Lohn fahren damit der Spass sich ansatzweise lohnt. Wird bei euch nur mit Harvester geerntet? Bei uns nimmt man Motorsäge, Seilwinde und Rückewagen... :pfeif:

Wenn mir ständig wer erzählen will dass Fichte so schlecht ist weil sonstwas und ich dagegenhalte dass selbst die schlechteste Käferfichte mehr im Verkauf bringt als die Standard-Buche, dann ist das kein Anzeichen dafür dass es bei uns im Wald schlecht läuft sondern schlichte Marktrealität (siehe oben an Emil). Dass die letzten Jahre mit Trockenheit und Käfer im Sommer bissl scheisse waren, ist halt so - war ja nicht nur bei uns, sondern auch anscheinend bei dir, sonst würdest du nicht schreiben dass immer irgendwas ist...
Weisst du eigentlich was der Förster in deinem Wald so alles treibt oder reicht es dir gelegentlich das Formblatt für die Kalkung zu unterschreiben? Könntest ja doch mal verraten wie Geld generiert wird bei euch, und das obwohl du ja gar keinen so tollen Zukunftswald hast bisher. Irgendwas muss die Fichte ja damit zu tun haben :)

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 19. Dez 2022, 11:10
von penelope
Die grundsätzliche Frage ist halt, woran man sich bei der Überlegung, auf welche Baumarten man setzt, orientiert. Daran, was man glaubt, was in 60 bis 100 Jahren gebraucht wird oder daran, was nach aktuellem Erkenntnisstand am stabilsten wachsen wird.

Ihr glaubt, dass ihr genau wisst, was für Holz in Zukunft nachgefragt sein wird und messt den Prognosen, nachdem sich die Bedingungen für Kiefer und Fichte weiter verschlechtern werden, nicht besonders viel Bedeutung zu. Wir gehen davon aus, dass niemand den Markt der Zukunft vorhersehen kann und orientieren und an den Empfehlungen der Experten auf dem Gebiet in Bezug auf die Widerstandsfähigkeit der zukünftigen Wälder. Sind halt zwei unterschiedliche Ansätze.

Relativ rentabel war der Wald in den letzten Jahren durch glückliches Timing. Es gab zwar unglaublich viel Schadholz, was raus musste (ja, im platten Land hier fahren Harvester, nicht überall, aber auch), aber da wir das relativ spät raugeholt haben, konnte das trotz minderer Qualität echt noch gut verkauft werden, als die Holzpreise von jetzt auf gleich wieder gestiegen sind. Aber auch wenn es jetzt mal gut lief ist uns klar, dass das zum Großteil einfach Glück war. Den Ertrag, den man sich bei der Aufforstung mal ausgerechnet und erhofft hat, hat sich nicht ansatzweise eingestellt. Folgerichtig wird nun die Strategie geändert und nicht einfach nochmal das gleiche, was schon einmal nicht funktioniert hat, wiederholt. Und nun gibt es eben die Teilnahme am Förderprogramm für natürliche Waldverjüngung, die Geld bringt.

Natürlich sind das keine großen Summen die man bekommt, aber dafür werden auf der anderen Seite auch keine großen Summen eingesetzt und der Aufwand hält sich in engen Grenzen. Ob etwas rentabel ist oder nicht, richtet sich ja nicht danach, ob man besonders hohen Erlös erzielt, sondern in welchem Verhältnis der Erlös zu dem eingesetzten Aufwand und Kosten steht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 19. Dez 2022, 14:04
von Küstenharry
Spätestens in 10-15 Jahren wird man auch Buche zum Bauen nutzen müssen, wenn der Käfer alle Fichten aufgefressen hat.
Der Marktpreis der Fichte regelt das dann. Wenn keine mehr da ist, wird auch Fichte zum Wertholz.
Mein ex Prof forscht in der Richtung, siehe auch Pollmeier Baubuche.
Schon jetzt werden Rähm und Schwelle in statisch hoch belasteten Wänden aus Buche Furnierschichtholzträgern ausgeführt.
Jetzt muss man nur anfangen die Wälder Klimaresistenter umzubauen, also Mischwälder, die auch Nadelhölzer beinhalten.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 19. Dez 2022, 18:01
von Rohana
penelope hat geschrieben: Mo 19. Dez 2022, 11:10 Die grundsätzliche Frage ist halt, woran man sich bei der Überlegung, auf welche Baumarten man setzt, orientiert. Daran, was man glaubt, was in 60 bis 100 Jahren gebraucht wird oder daran, was nach aktuellem Erkenntnisstand am stabilsten wachsen wird.
Was nützt es ganz viel tolles stabil gewachsenes Holz zu haben was dann Papier oder Brennholz wird? Wie schonmal erwähnt, die grundsätzlichen Eigenschaften der Hölzer werden sich auch auf absehbare Zeit nicht ändern. Abgesehen davon wechseln die Experten ihre Meinung wie die Unterhosen, alle Jahre wird ein neuer Zukunftsbaum durch das Dorf getrieben.
Es ist ziemlich sicher dass in Zukunft Nadelholz gefragt sein wird, also schauen wir dass wir eine Kombination aus dem finden was a) wächst und b) gebraucht wird. Ein guter Teil der Fichten ist momentan als Begleitbaum ausgelegt, damit die Goldjungs auch schön brav und grade wachsen. Ist wirklich keine Hexerei vorherzusehen dass gut sägegeeignete Stämme immer gefragt sein werden! Ein paar Edellaubhölzer kommen auch mit in den Mix, Eicheln auf den Hähertisch und Buche geht auf wie Unkraut, da braucht man gar nix dran tun. Interessant ist auch was im Zaun alles wächst was draussen keine Chance hat, aber das werden (vermutlich) keine Bäume die grossartig wirtschaftlich sind. Die erfreuen dann die Vögel und andere Tiere.
Relativ rentabel war der Wald in den letzten Jahren durch glückliches Timing.
Und ich dachte schon... :lol:
Und nun gibt es eben die Teilnahme am Förderprogramm für natürliche Waldverjüngung, die Geld bringt.
Verstehe. Was verjüngt sich denn so bei euch förderfähiges, wenn das kein gescheiter Mischwald ist?



@Küstenharry: Ich kenne das BuchenBauholz. Ist für mich allerdings kein Holz, sondern ein Holzprodukt, weil hochverarbeitet. Immerhin - es ist ein interessanter Ansatz. Wird sich zeigen ob das mit der Preisfindung langfristig zur Alternative "Import von Nadelholz" passt... :lala:
Ein weiterer Nachteil der Buche, die ist eben auch nicht wirklich klimastabil, leidet jetzt schon unter Trockenstress laut jüngsten Studien - sogar in Norddeutschland! Der heilige Gral der Zukunftsbäume ist noch nicht gefunden mMn. Ich bin auch nicht sicher ob es den überhaupt gibt. Laufend kommen neue Erkenntnisse dazu, neue Schädlinge (z.B. ganz heiss für Laubholz: Asiatischer Laubholzbockkäfer, Asiatischer Moschusbockkäfer), neue Krankheiten (z.B. das bakteriell verursachte Rindensterben der Rosskastanie) die sich teils durch den Klimawandel verstärkt hier möglicherweise etablieren können, oder auch alte Schaderreger wie Verticillium dahliae der (genau wie die Borkenkäfer bei Fichten) die Schwäche seiner Zielbäume nach Trockenstress ausnutzt.

Insgesamt ziehen wir für uns das Fazit ziehen, der Mix macht's, irgendwas wird schon überleben :mrgreen: hilft aber nix wenn man von Anfang an nur Zeug dahin tut wovon man schon weiss dass es nicht sehr wirtschaftlich sein wird. Lieber nach Wirtschaftlichkeit planen und den Rest ergänzen und auch über die Jahre entstehende Lücken wieder ergänzen. Dazu muss man halt rausgehen... :aeh:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 20. Dez 2022, 06:04
von penelope
Rohana hat geschrieben: Mo 19. Dez 2022, 18:01
Relativ rentabel war der Wald in den letzten Jahren durch glückliches Timing.
Und ich dachte schon... :lol:
Ach Rohana :mued:
Du nimmst dir hier wieder einen kleinen Schnipsel aus einem längeren Text und das zu bestätigen, was du unbedingt sehen willst, was aber gar nicht da ist.

Nochmal in kurzer Zusammenfassung:
Die konventionelle Bewirtschaftung hat sich in den letzten paar Jahren (wo du dich echt oft beklagt hast) schon relativ gelohnt - durch glückliche Fügung an an den Märkten. Über die letzten Jahrzehnte gesehen lief es oft genug aber auch überhaupt nicht gut - beispielsweise die Jahre nach Kyrill. Mit dem aktuellen Förderprogramm werden wir vermutlich finanziell nicht schlechter dastehen, als im Schnitt der letzten Jahre/Jahrzehnte. Daher (und auch natürlich weil wir es inhaltlich sinnvoll finden) finden wir die aktuelle Förderpolitik Richtung Waldumbau sehr gut. :)

Es ging mir am Anfang der Diskussion darum, genau das Darzustellen: es gibt auch "Betroffene", die an der aktuellen Situation nicht alles schlecht finden. Ich hab bei deinen Beiträgen oft das Gefühl, dass du der Ansicht bist, man als Bauer/Waldbesitzer zwangsläufig deine Perspektive teilen muss, wer was anderes denkt hat auf jeden Fall selbst keine direkten Berührungspunkte mit dem Thema. Das haben wir hier jetzt ja mal widerlegt: zwei User im Forum aus Familien mit Waldbesitz - zwei unterschiedliche Ansichten. ;)

Wer hier sonst noch so mitliest sieht ja vermutlich immer mal wieder selbst den Zustand der Wälder in Deutschland und kann sich eine eigenen Meinung dazu bilden, ob Waldumbau in Richtung Klimastabilität sinnvoll ist, oder ob das "bla bla" ist (wie du oben geschrieben hast) und ob das jetzt tatsächlich einfach mal nur ein paar trockene Jahre waren.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 20. Dez 2022, 10:02
von Rohana
Die konventionelle Bewirtschaftung hat sich in den letzten paar Jahren (wo du dich echt oft beklagt hast) schon relativ gelohnt - durch glückliche Fügung an an den Märkten. Über die letzten Jahrzehnte gesehen lief es oft genug aber auch überhaupt nicht gut - beispielsweise die Jahre nach Kyrill.
Worüber ich mich idR "beklage", das sind Aussagen anderer User "man müsste nur XY" oder "das ist doch alles ganz einfach so und so". Genauso übrigens wie dein Förster der schon auf einen zukommt und man ja sonst nix tun muss - in Bayern gibt es zwar jederzeit Beratungsmöglichkeiten die man kostenfrei aufsuchen kann, aber maximal kommt hier der Staatsförster auf dich zu wenn es brennt! Es ist jeder grundsätzlich verpflichtet seinen Wald selbst zu betreuen bzw. dafür zu sorgen dass es gemacht wird, dazu gehört Käferkontrolle und Handeln im Bedarfsfall.*
Und was bitte ist eine konventionelle Bewirtschaftung (und was im Gegensatz dazu eine unkonventionelle?) Einschlagen kann man nur was da ist, ungeachtet deiner Einstellung dazu... :hmm:


Last not least liegt der grösste Unterschied zwischen deinem und meinem Fall schlicht darin dass bei uns der Forst zum Haupterwerb gehört. Land- und Forstwirtschaft finanzieren hier einen 6-Personen-Haushalt. Da ist logisch dass wir auf die Wirtschaftlichkeit achten, auch wenn die irgendwo in einer Zukunft liegt die man immer nur bedingt einschätzen kann. Kann ja auch sein dass alles in 10 Jahren aufgegeben wird und unsere Enkel nie im Wald stehen werden :ohoh: Sicherlich ist der Klimawandel ein Teil dieser Zukunft, aber nicht der einzige den es zu beachten gilt.



Bevor sich jemand beschwert dass ich mich nicht genug beschwere: Grundsteuer machen mit ELSTER ... :bang: aber so lernt man die Flurstückskarte gut kennen. Falls jemand in Bayern Werte (Bodenschätzung) vom Bodenatlas braucht, wir haben anscheinend sogar Zugriff auf die Detaildaten ausserhalb der eigenen Flurstücke :pfeif:




* Ich weiss nicht wie's bei euch da oben so aussieht mit den Besitzverhältnissen im Wald, hier sind die Strukturen teilweise zum davonlaufen. Bald fangen sie an die Bäume zu teilen! Da ist fast logisch dass man dem Förster nicht zumuten kann hinter jedem Waldbesitzer her zu sein. Die Streifen sind so 10 bis 15m breit und gehören alle verschiedenen Leuten :platt: (ist in der Nähe, wir selbst haben zum Glück grössere Zusammenhänge).
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 20. Dez 2022, 11:28
von Gelöschter Benutzer 54
'Hosenträger-Grundstücke' nennen wir das bei uns.

Vermutlich entstanden vor einigen Generationen, als es üblich war, jedem Sohn ein Stück Land zu vererben, wozu Wälder in so ungefähr 6 ar-Streifen geteilt wurden (6000 qm Wald reichten um ein Bauernhaus mit Brennholz zu versorgen).

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 21. Dez 2022, 07:51
von emil17
Aufgrund der Form der Streifen quer zum Hang könnten die Flurstücke als Aufteilung von Äckern entstanden sein, weil dafür die Form das Pflügen erleichtert. Der Wald wäre dann erst später gewachsen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 21. Dez 2022, 08:34
von Rohana
emil17 hat geschrieben: Mi 21. Dez 2022, 07:51 Aufgrund der Form der Streifen quer zum Hang könnten die Flurstücke als Aufteilung von Äckern entstanden sein, weil dafür die Form das Pflügen erleichtert. Der Wald wäre dann erst später gewachsen.
Glaube ich nichtmal. Die Äcker sind relativ gut in den Flurstücken abgebildet. Es ist meist explizit im Wald wo es abschnittweise, nicht überall!, so elendige Streifen hat. Zum Ort hin ist wieder so ein Abschnitt, das müsste mal Wald gewesen sein, jetzt offiziell Grünland/Wald. Vielleicht ein Resultat alter Allmende-Gebiete die irgendwann aufgeteilt wurden so dass jeder Dorfbewohner einen eigenen Streifen hatte zum Holz werben? Siehst ja den Unterschied zum Wald oberhalb und zum Acker :im:
Ich weiss leider nicht wann die grundlegende Vermessung für diese Karte gemacht wurde... wenn man Wiki glauben darf, Anfang des 19. Jahrhunderts (https://de.wikipedia.org/wiki/Flurkarte) Finde ich sehr spannend das alles!
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 21. Dez 2022, 22:28
von emil17
Vielleicht war es ja zur Zeit der Ersterfassung eine Nutzung als Niederwald, da würden solche Parzellen mehr Sinn machen zumal man dann das Holz auf dem eigenen Grund nach unten herausnehmen kann und Brennholz damals eine sehr gefragte Nutzung war.
Es sieht auf Grund dieser Grenzziehung so aus, als wäre in Eurer Gegend früher Realteilung üblich gewesen. Wenn du 5 Kinder hast wird alles gefünftelt. Heiraten muss man über den Misthaufen, denn sonst hat man zu wenig Grund um die Familie durchzubringen. Soldaten und Nonnen waren gern gesehene Lebenspläne, denn die wollen nicht erben.
In unserem Zivilgesetzbuch steht extra, dass die Regelungen über Anries in Waldgrundstücken keine Anwendung finden, denn bei so kleinen Streifen stehen plötzlich viele Bäume auf der Grenze und wer darf die Fichtenzapfen und toten Äste einsammlen, die von Nachbars Baum auf dein Grundstück fallen ... heute eine absurde Frage, früher aus wirtschaftlicher Not durchaus aktuell.