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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 15. Dez 2022, 08:51
von Rohana
penelope hat geschrieben: Do 15. Dez 2022, 06:08 In Dänemark wird seit Anfang 2019 mit lokaler Betäubung kastriert.
Stimmt, verwechselt. Ändert aber nichts daran dass die lokale Betäubung bei uns nicht als Schmerzausschaltung anerkannt und erlaubt ist. :roll:

Momentan ist die Regierung superscharf auf verbesserten Zugang zu seltenen Erden, Lithium, Cobalt etc etc für die grosse Energiewende. Soja? Bei den derzeitigen Preisen wird die Eiweisslücke bald fast von selbst geschlossen (wobei ich nicht weiss ob konventionelles Soja, also genverändert, genau wie das GVO-freie um über 100% zum Vorjahr im Preis gestiegen ist). Auch da könnte die Regierung mal was positives für tun, tut sie aber nicht :im: Wir werden ja sehen wie schnell sich die Sauenhaltung aus D verabschiedet, die sinkt jedenfalls wesentlich stärker als der Ferkelbedarf in der Mast. Auf jeden Fall sollte deutlich sein wohin die deutschen Tierwohl-Anforderungen führen, wenn die nicht ansatzweise nach aussen geschützt werden. Da wird sich in den nächsten Jahren noch einiges tun.

Zur Grundproblematik dass man Importe mit Rückständen nicht-zugelassener Pflanzenschutzmittel geflissentlich nebenher laufen lässt... tja, damit werden die Verbraucher wohl leben müssen. Steht ja nicht drauf, was man nicht weiss macht einen nicht heiss und so. Ob die Glyphosat-Diskussion dann wohl wieder ausgegraben wird? :)

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 15. Dez 2022, 11:04
von penelope
Rohana hat geschrieben: Do 15. Dez 2022, 08:51
Zur Grundproblematik dass man Importe mit Rückständen nicht-zugelassener Pflanzenschutzmittel geflissentlich nebenher laufen lässt... tja, damit werden die Verbraucher wohl leben müssen. Steht ja nicht drauf, was man nicht weiss macht einen nicht heiss und so. Ob die Glyphosat-Diskussion dann wohl wieder ausgegraben wird? :)
Das steht so noch nicht mal in dem von dir selbst verlinkten Artikel. Rückstände von hier nicht zugelassenen Pflanzenschutzmittel müssen nur dann toleriert werden, wenn sie nachweislich gesundheitlich unbedenklich sind. Ist nicht einfach "scheißegal" so lange es aus dem Ausland kommt und nur in Deutschland wird genau hin geguckt. :roll:

Und zur rückläufigen Schweinefleischproduktion usw. in Deutschland?
Wer außer den Leuten, die selbst dran verdienen, hat denn ein Interesse daran, dass hier in Deutschland mehr als der Bedarf im eigenen Land produziert wird? Wohl eher niemand. Das sind einfach nur die privatwirtschaftlichen Interessen einiger weniger. Für deren Förderung wird schon echt viel öffentliches Geld hergenommen. Gut so, dass das immer weniger als selbstverständlich hingenommen wird und mehr in die Kritik kommt.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 15. Dez 2022, 11:49
von emil17
Die hohe Subventionierung der inländischen Landwirtschaft wird ja unter anderem damit begründet, dass sie Nahrungsmittelsicherheit schafft und dass das für ein Land essentiell ist.
Ich frage mich, warum dann "Tierveredelung" (Schweinemast, Hühnchenmast, Eierfabrik ...) basierend auf Importfutter auch darunter fällt und diese Art "Landwirtschaft" nicht wie jedes andere Gewerbe behandelt wird - man muss sich an gesetzliche Vorgaben halten und Gewinne versteuern. Dann wären mehr Gelder frei für die Landwirtschaft, die tatsächlich Nahrungsmittel auf eigenem Boden erzeugt. Man hätte gewisse Umweltprobleme nicht und vermutlich bessere Akzeptanz bei der Bevölkerung.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 15. Dez 2022, 11:57
von Rohana
emil17 hat geschrieben: Do 15. Dez 2022, 11:49 Die hohe Subventionierung der inländischen Landwirtschaft wird ja unter anderem damit begründet, dass sie Nahrungsmittelsicherheit schafft und dass das für ein Land essentiell ist.
Ich frage mich, warum dann "Tierveredelung" (Schweinemast, Hühnchenmast, Eierfabrik ...) basierend auf Importfutter auch darunter fällt und diese Art "Landwirtschaft" nicht wie jedes andere Gewerbe behandelt wird - man muss sich an gesetzliche Vorgaben halten und Gewinne versteuern. Dann wären mehr Gelder frei für die Landwirtschaft, die tatsächlich Nahrungsmittel auf eigenem Boden erzeugt. Man hätte gewisse Umweltprobleme nicht und vermutlich bessere Akzeptanz bei der Bevölkerung.
Äh. Meinst du dass die Landwirtschaft in der "Tierveredelung" sich nicht an gesetzliche Vorgaben halten und Gewinne auch nicht versteuern muss? Ernsthaft?

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 15. Dez 2022, 12:30
von emil17
Nö. ich meine, dass man das (ich wiederhole: Tiermast basierend auf Importfutter) wie jedes andere Gewerbe auch behandeln soll. Wenn man es macht, muss man sich an gesetzliche Vorgaben halten und die daraus erzielten Gewinne versteuern. Förderung gibts deswegen nicht, ob das Produkt notwendig ist oder nicht, entscheidet nicht ein Amt oder die Politik sondern der Kunde indem er kauft oder nicht. Vielleicht zahlt er ja aus Solidarität mehr als für nicht erkennbar schlechtere ausländische Ware. Staatlich verordneten Konkurrenzschutz gegen aussen gibts selbstverständlich überhaupt nicht, ebenso nicht die Betriebsgenehmigung im landwirtschaftlichen Aussenbereich. Wieviel dein Futter kostet ist ganz alleine dein Problem. Dafür hast du die volle unternehmerische Freiheit. Über produktionsverteuernde staatliche Auflagen darfst du genau so klagen. Ebenso darfst du auch Lobbyarbeit betreiben, wenn dir das tunlich erscheint, und zum Beispiel eine Zeitschrift herausgeben oder mitfinanzieren wo du behaupten kannst, du würdest unfair behandelt - etwa indem das Umweltamt Messtellen zum Belastungsmonitoring extra an ungünstigen Orten anlege, und so weiter.
Ebenso ist es viel einfacher all die selbsternannten Experten los zu werden, die berufsfremd nichts von der Sache verstehen und dennoch überall drein- und mitreden wollen, weil die sich nicht mehr darauf berufen können, dass dein Gewerbe vom Steuerzahler mitfinanziert wird.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 15. Dez 2022, 14:39
von penelope
https://www.deutschlandfunk.de/55-jahre ... n-100.html
Falls es jemanden interssiert ist hier ein ganz guter Artikel der aufzeigt, wie es dazu gekommen ist, dass wir uns von einer Situation nach den Weltkriegen, in der es großen Mangel gab der schnellstmöglich behoben werden musste in eine Lage manöviert haben, in der es nun eines der größten Probleme ist, die Überproduktion an Agrargütern in den Griff zu bekommen. Milchseen und Butterberge sind inzwischen gebräuchliche Begriffe - was sehr traurig ist.

Interessant in dem Artikel ist auch, dass speziell der Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich herausgearbeitet wird. Innerhalb des gleichen EU-Rahmens ist Deutschland einen sehr marktliberalen Weg gegangen, während Frankreich stärker Nieschenlandwirtschaft fördert. In Frankreich überleben dadurch mehr kleinere und familiengeführte Betriebe.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 15. Dez 2022, 15:21
von Rohana
@Emil
Ich frag mich halt wie du dir die "Tiermast basierend auf Importfutter" vorstellst. Es ist nicht wirtschaftlich darstellbar, Ferkel zu kaufen, Importfutter zu kaufen, und damit erfolgreich Schweine zu mästen. Mal ganz abgesehen davon dass der Sojaanteil im Schweinefutter roundabout 15% ausmacht - was meinst du denn was der Rest ist und wo der herkommt? Man könnte physiologisch mit Soja noch höher gehen, ich weiss nicht genau die absolute Grenze, aber es ist einfach unrealistisch zu denken man steckt oben Soja rein und unten kommt Schweinefleisch raus. :hmm:

@Penelope ich hab keine Ahnung wo du grade Milchseen oder Butterberge siehst. Beides ist knapp bis ausreichend, und nicht erst seit gestern.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 15. Dez 2022, 16:00
von penelope
Du willst jetzt wirklich sagen, dass die Milchproduktion in Deutschland nur gerade so knapp reicht, um den eigenen Bedarf zudecken und dass es keine Überproduktion gibt? Das ist doch wirklich absurdes Wunschdenken. So was ist doch nun wirklich anhand einfacher Daten zu ermitteln und keine Ansichtssage.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 15. Dez 2022, 16:24
von Rohana
penelope hat geschrieben: Do 15. Dez 2022, 16:00 Du willst jetzt wirklich sagen, dass die Milchproduktion in Deutschland nur gerade so knapp reicht, um den eigenen Bedarf zudecken und dass es keine Überproduktion gibt? Das ist doch wirklich absurdes Wunschdenken. So was ist doch nun wirklich anhand einfacher Daten zu ermitteln und keine Ansichtssage.
Natürlich exportieren wir Milch. Aber die ist sehr gefragt, es gibt keine "Milchseen" wie anno dazumal wo man ewig viel Pulver aus Interventionskäufen gelagert hätte um den Preis zu stützen. Diese Milch war "über", das ist jetzt absolut nicht der Fall. Was ist dein Problem damit? Dass der Markt grösser ist als die Landesgrenzen von Deutschland? :im:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 15. Dez 2022, 16:51
von penelope
Milch, in erster Linie ist es ja Milchpulver, aus Deutschland ist insbesondere in den Schwellenländer ja nicht so beliebt, weil es so super gut ist, sondern weil es billiger ist, als die dort heimischen Produkte. Das deutsche Milchpulver kann so günstig angeboten werden, weil die Produktion hier sehr sehr stark subventioniert wird. Das führt zum Einbruch der lokalen Märkte und somit zu einer sich weiter verstärkenden Abhängigkeit. DAS ist das Problem bei der Sache.

Zudem stellt sich halt immer wieder die Frage, warum die Produktion von einem Gut, welchem auch immer, über den Bedarf im eigenen Land hinaus, mit öffentlichen Geldern gefördert werden sollte?