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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 12. Okt 2022, 09:27
von Rohana
Das geht halt Hand in Hand. Wir ergänzen das grünlandbasierte Futter nur, das wird ja nicht vollständig ersetzt. Findest du es sinnvoller, Gras in die Biogasanlage zu stecken? Und nochmal, wo ist denn die Nachfrage der Nutzung für menschliche Ernährung für das ganze Futter was angebaut wird *wenn jetzt schon* die Erzeugerpreise für die meisten Speisekulturen ziemlich moderat sind (nicht zuletzt weil fast alles aus dem Ausland billiger kommt)... Was wollt ihr dann da hinbauen, Monokultur Weizen? Wie soll das gedüngt werden ohne Organik?
Kann ja jeder hingehen und sich eine total geile biovegane Landwirtschaft aufbauen wegen mir. Hier passt es weder wirtschaftlich noch macht es in irgendeiner Weise Sinn für unsere Böden oder unsere Ernährung. Mein Biokollege im Norden macht ziemlich einen auf vegan, der kann sich das aber leisten weil a) er ganz andere Böden hat die zu den leistungsfähigsten in Deutschland gehören, die können das kompensieren und b) er durch Verträge für ziemlich seltene Kulturen gut bezahlt wird. B fällt weg wenn's jeder macht, A haben die wenigsten.
Tscharlie hat geschrieben: Di 11. Okt 2022, 18:26
Lustig.
Was ißt ein Steinzeitmensch wohl? Kartoffeln? Dann sollte er Lama und Meerschweinchenfleisch dazu essen.
Oder Wildschweinfleisch, dann aber mit Einkorngetreide.
Aber ist schon gut, jeder kann Pipi langstrumpf sein und sich seine Welt machen wir er/sie will.
Meine Tochter ist 3 und kennt weder Pipi Langstrumpf, noch irgendwelche Ernährungslehren.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 12. Okt 2022, 09:48
von Eberhard
Dass ich bei meinen Sätzen die Ironie eingeschaltet hatte, hat womöglich jemand bemerkt. Ich sprach ja wörtlich von Futter, nicht von Lebensmitteln. Auch nicht davon, das Gras unmittelbar zu essen.
Aber Tofu & Co. wachsen auch nicht zum Pflücken auf dem Baum, Bier und Cola kommen nicht aus dem Brunnen. Die Verarbeitung von irgendwelchen Ausgangsstoffen zu etwas Verwertbarem ist doch allgegenwärtig, es gibt eine riesige Palette an verfügbaren Stoffen, die dann dem Ganzen auch etwas Farbe, Geschmack und Struktur geben. Bei Vitaminen und Mineralstoffen, deren Anteil in Lebensmitteln durch die Erfolge der industriellen Landwirtschaft langfristig abgenommen hat (seit dem 2. Weltkrieg um teilweise 80 Prozent), ist es doch normal geworden, dass man sich die aus Apotheke und Drogerie holt.
Und wenn wir zu Mond und Mars fliegen wollen, soll doch keiner erzählen, wir könnten nicht etwas Zellulose und Lignin so aufspalten und verändern, dass das Ergebnis nicht nur den Bauch als Ballaststoffe füllt, sondern auch etwas Energie liefert.
Es ist nicht nur Fiktion:
Clean Meat – Ist Laborfleisch die Zukunft?
Nebenbeibetrachtung: Während ein Drittel der Weltbevölkerung mit Hunger zu tun hat, setzen sich die anderen zwei Drittel mit Übergewicht und resultierenden Folgen auseinander. Da kann doch etwas gestrecktes Futter ganz hilfreich sein, so als medizinische Vorsorge.
Das kann nur die Natur für uns erledigen.
Der Anteil der Menschen und Tiere, die sich unmittelbar aus der Natur ernähren, nimmt ständig ab.
Wenn ich einkaufen gehe, sehe ich nicht selten Einkaufswagen, die voll von Katzenfutter sind, der Eigenanteil für den Einkäufer selber ist da gering. In den Plastedosen sind bestimmt keine puren Mäuse. Und sage mir einer, die Menschen wären beim Futter klüger als Tiere.
Um die Realität zu sehen, muss man die Augen aufmachen.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 12. Okt 2022, 10:32
von penelope
Rohanna, ich habe nur allgemein und mit keinem Wort über euren speziellen Betrieb geschrieben.
Und ganz allgemein:
Auch Gras ist natürlich nicht gleich Gras. Zwischen einer artenreichen Wiese, die nach der Blüte gemäht wird und einer Fläche, die rein mit einem speziell gezüchteten Weidelgras eingesät wird, von der es bis zu fünf Schnitte im Jahr gibt und die natürlich entsprechend gedüngt wird, liegen Welten.
Sicherlich kann man tierische Lebensmittel auch sehr umweltfreundlich „produzieren“, wenn man Weidetiere auf artenreichen Dauergrünland hält. Fakt ist aber: das sind winzigste Ausnahmen, die in Bezug auf den gesamten Fleischkonsum kein Stück ins Gewicht fallen.
Und ob ich es sinnvoll finde, Gras oder Ernten, die für die menschliche Ernährung nicht geeignet sind, in die Biogasanlage zu stecken?
- Der durchschnittliche Deutsche isst so viele tierische Produkte, dass es der Gesundheit schadet. Übergewicht ist ein enorm großes Problem in den Industrieländern.
- Tiermast findet bis auf wenige, kaum ins Gewicht fallende Ausnahmen, unter Bedingungen statt, die für die Tiere ein erhebliches Leid verursachen.
- In den überwiegend verbreiten Formen der Tierhaltung entstehen in einem schädlichen Ausmaß Stoffe wie Methan und Nitrat. Es besteht dazu eine große Gefahr in Bezug auf die Entstehung von antibiotikaresitenten Keimen und die Verbreitung von Seuchen.
- Die verbreitete Form der Tierhaltung hat einen sehr großen Verbrauch an Wasser und Energie.
- Auf der anderen Seite haben wir einen zunehmend großen Bedarf an regenerativer Energie.
Selbstverständlich finde ich eine Biogasanlage sinnvoller als konventionelle Tierhaltung. Mehr oder weniger alles ist sinnvoller als das.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 12. Okt 2022, 15:56
von strega
Gras.... was genau bedeutet das? Gibt ja auch 1001 verschiedene Sorten, oder?
Njaa, ich hab junge Birkenblätter fermentiert wie Sauerkraut, schmeckt genial und ist echtes superfood.......
wenn sowas mit bestimmten Gräsern sich anbietet, warum nicht?
Klaro schreien dann die Fleischfressenden sogenannten sapiense auf, das sei ja Hasenfutter, sie fressen aber lieber die Hasen......
aber ich stell mich lieber vielfältig auf, anstatt nur auf Gekauftes sehr domestiziertes und degeneriertes und verzüchtetes zu bauen....
Natur nährt einfach konkurrenzlos genial und da gibts noch eine Menge unentdeckte Möglichkeiten, oder halt vergessene Möglichkeiten
vergessen deswegen, weil irgendwann wer hergegangen ist und gesagt hat das rentiert doch nicht...................................
fragt sich halt was rentiert, wirklich, für die Gesundheit aller Beteiligten, also Böden, Tiere, Mensch, Universum.....
und Gesundheit ist nicht eben nur knapp unter den erlaubten Schadstoffwerten bleiben bei irgendwelchen Nahrungsmitteln und so genannten Nahrungsmitteln, das ist unendlich mehr
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 12. Okt 2022, 20:05
von emil17
penelope hat geschrieben: Mi 12. Okt 2022, 08:25
Getreide ist ja letztlich Gras. Baumbus ebenso.
Schon, aber das hilft zum Verständnis physiologischer Vorgänge genauso nicht weiter wie es einem Architekten nicht weiterhilft, wenn er weiss, dass Beton letztlich Kies und Sand ist. Von unseren Nahrungspflnzen wissen wir, dass die wesentlichen Unterschiede der Verwendbarkeit auf Stufe Unterart oder Sorte zu finden sind - esse mal wilde Möhren oder Holzäpfel.
"Gras" ist eine Art pflanzlicher Biomasse, die nur von Blattfressern gut verwertet werden kann. Dabei spielt dann die Pflanzensystematik keine so grosse Rolle. Kühe fressen gerne Wegerich. Löwenzahn und anderes Zeugs, das systematisch kein Gras ist, aber eben Grünfutter. Mit Bambus oder Schilf wirst du jedoch Kühe nicht füttern können, obwohl Kühe Gras fressen und das Gräser sind. Getreide wollen wir wegen der Körner, nicht wegen dem Laub - obwohl man Getreide gut im Grasstadium mähen und verfüttern könnte.
penelope hat geschrieben: Mi 12. Okt 2022, 08:25
Das Problem ist die Celluluse. Dem Menschen fehlt das passende Enzym, um diese verdauen zu können. Daher können wir nur Gräsersorten bzw die Pflanzenteile mit wenig Zellulose verdauen.
Auch hier ist die Sache viel komplizierter.
Zellulose ist zusammen mit Lignin er Universalbaustoff der Pflanzen und damit mengenmässig der bedeutendste Naturstoff der belebten Welt.
Seltsamerweise können nur gewisse Bakterien und Pilze Zellulose enzymatisch abbauen, sowie gewisse Mollusken. Selbst Pflanzen können ihre einmal erzeugte Zellulose selbst nicht mehr abbauen, bzw. sie können es, wenn es um den Umbau lebender Zellwände geht, aber nicht, um einmal gebildetes verholztes Festigungsgewebe wieder anderswo verwerten zu können. Dabei wäre das von grossem Vorteil, wenn sich eine Pflanze zur Winterruhe ganz einziehn könnte. Stattdessen wird alles Verwertbare aus den Blättern und Stengeln heruasgezogen und diese vertrocknen dann.
Die Pflanzenzüchtung hat sehr viel getan, um Sorten zu züchten, die weniger Cellulose und statt dessen mehr (für die Pflanze gleich teure) Stärke erzeugen. Der oft grosse Aufwand in scheinbar nutzlose Strukturen, den die Pflanzen treiben (Fichtenzapfen, Grannen gewisser Getreidearten usw.) deutet aber darauf hin, dass Cellulose für Pflanzen nicht limitierend ist, ausser vielleicht bei etremen Schattenpflanzen.
Tiere (und menschen) beruhen auf Proteinen auch als Bausubstanz, deshalb ist Zellulose ziemlich nutzlos, wenn man wachsen will. Deshalb hat sich die Fähigkeit, Zellulose verdauen zu können, in der Evolution wohl nicht als lohnend erwiesen, obwohl es natürlich ein reizvolles Gedankenspiel ist, mit Stroh und Totholz das Welternährungsproblem lösen zu können.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 13. Okt 2022, 08:21
von Tscharlie
Heuer war das leider wieder zu sehen:
Pflanzen trocknen aus und sterben.
Anders die Gräser, die kommen beim ersten Regen sofort wieder. Hier ist eine wirklich sehr gut angepasste Symbiose zwischen Gras und echten Grasfressern (Wiederkäuer) entstanden. Wenn man immer sagt, die Ernährung der Welt ist so zentral, dann kann man auf diese Nahrungsquelle auch nicht verzichten.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 13. Okt 2022, 09:11
von Rohana
Der Knackpunkt ist immer noch der Verbraucher. Es ist kein Problem sich mit weniger Fleisch zu ernähren, warum also tut es nicht jede(r)? Überhaupt wär die einfachste Lösung für viele Probleme eine radikale FdH-Kur für die Hälfte der Bevölkerung, würde unglaublich viele Ressourcen einsparen, dazu Krankenkassen entlasten, den Menschen guttun... Energie sparen hier und da und dort aber mal beim Essen zu schauen was wird wirklich gebraucht und worauf könnte man verzichten, ein Ding der Unmöglichkeit für die breite Masse. Essen ist Status, Essen ist Genuss, Essen ist sozial, Essen ist alles mögliche aber NICHT Vernunft.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 13. Okt 2022, 10:33
von Eberhard
Essen ist Status, Essen ist Genuss, Essen ist sozial, Essen ist alles mögliche aber NICHT Vernunft.
Einige "Restaurant"-Ketten wie jene mit dem geschwungenen M haben spürbare Trends gesetzt, die sich durchaus nutzen lassen.
Jeder Anteil einer Mahlzeit wird schnell in Pappe oder Plaste eingepackt, damit man es nicht genau ansieht, in die Hand, bei vielem eine knusprige Panade drumherum, und rundherum eine Werbekapagne, wie toll die Ausgangsstoffe sind.
Es muss da nicht jeder mitmachen. Aber das Konzept findet sehr viele Liebhaber. Wenn man es als Marke kennt und es gesundheitlich unbedenklich ist und schmeckt und gut aussieht und einen zu einer Elite erhebt - da wollen viele dabei sein.
Die meisten Menschen ahmen andere einfach nur nach, die Vorbilder müssen nur elektrisieren.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 13. Okt 2022, 10:54
von penelope
Vor allem waren und sind Ernährungsgewohnheiten stetig im Wandel.
Das einzige, was man als gewiss ansehen kann, ist, dass wir uns in ein paar Jahren bis Jahrzehnten anders ernähren werden, als heute.
In welche Richtung es gehen wird, darüber kann man unterschiedlicher Ansicht sein. Hoffentlich werden es die meisten von uns noch erleben.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 13. Okt 2022, 11:42
von Tscharlie
Wenn die Menschen hierzulande weniger essen, dann wird noch mehr weggeschmissen.

Denn die meisten haben ja verlernt wie man richtig einkauft.
Und klar soll Essen auch Genuß sein. Aber ist es für den Genuß wichtig von etwas möglichst viel zu essen? Oder kommt es eher darauf an das etwas wenigere zu genießen. Und nach dem Genuß zwar gerne einen Grappa trinken, aber nur weil er gut schmeckt und z.B. eine tolle Farbe hat.
Und nicht weil man sich über(fr-)essen hat und meint das mit einem Schnaps zu verbessern.
Die Ms haben es natürlich drauf, mit bestimmten Geschmacksverstärkern wird der Kunde auf den Hackfleischhaufen gelenkt, davon kommt man dann nicht so leicht wieder weg.