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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: So 21. Aug 2022, 11:06
von Rohana
"Die Naturschutzorganisationen kriegen offenbar keine Flächenbeiträge, bloss weil sie darauf nach ihren Vorstellungen Naturschutz machen."
Die Naturschutzorganisationen betreiben keine Landwirtschaft, warum sollten die also landwirtschaftliche(!) Direktzahlungen bekommen?? Nochmal, das was jetzt unter Subventionen läfut war mal Ausgleich für zurückgenommene Stützpreise etc. (siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Agrarsubv ... schichte_2).
Ich spreche von Deutschland, nicht von EU, und wenn du da mal hinguckst für die kommende Förderperiode, ist da etwa die gleiche Menge "einkommensunterstützende Direktzahlungen" in der 1. Säule wie ELER in der 2. Säule... und von der ersten Säule geht nochmal so Zeugs wie Greening ab, das ist auch an "Umweltschutz-Bedingungen geknüpft.
Aber jeder so wie er meint. Wie gesagt, ich hätte lieber gescheite Produktpreise als x Millionen "Experten" die meinen uns reinreden zu müssen weil sie Steuern zahlen. Wobei gewisse Dinge dann schlicht nicht bezahlbar werden bzw. deren Anbau/Bewirtschaftung hierzulande aufgegeben wird. Und wie wollt ihr den Billigproduzenten im Ausland reinreden? Spätestens dann wenn's keine Alternativen mehr gibt weil die inländische Produktion den Bach runter ist, tanzen die euch auf der Nase rum. Guten Appetit beim Naturschutzwiesen abgrasen

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: So 21. Aug 2022, 13:09
von emil17
Statt Stützpreise sind es nun Direktzahlungen, sind alles Subventionen.
Die gescheiten Produktpreise wurden früher durch ebendese Stützpreise erzielt, sie führten zu einer Überproduktion die dann teuer wieder verwertet werden musste. Ein schönes Beispiel ist die Schweizer Weinschwemme, ausgelöst durch Abnahmegarantie des Bundes zu Fixpreisen.
Mehr Geld für gleiche Ware führt zu mehr Produktion, nicht automatisch zu besserer Ware!. Insofern sind Direktzahlungen ein Fortschritt. Was nötig ist und was die derzeitige Regierung anstrebt, sind Zahlungen gekoppelt an umweltrelevante Dienstleistungen.
Rohana hat geschrieben: So 21. Aug 2022, 11:06
als x Millionen "Experten" die meinen uns reinreden zu müssen weil sie Steuern zahlen
Das ist ein berechtigter Grund zum Mitreden, unser politisches System funktioniert nun mal so.
Dieser Standpunkt zeigt, warum viele Bauern ein Öffentlichkeitsproblem haben. Da, wo es an euer Geld geht, nämlich bei produktionserschwerenden Umweltauflagen, redet ihr ja selbstverständlich auch mit, obwohl viele dieser Äusserungen zeigen, dass ihr im Umweltbereich (Massentierhaltung, Nitrat im Grundwasser ... ) auch bloss "Experten" im Sinne des obigen Zitates seid.
Es ist unklug, in die Hand zu beissen, die einen füttert.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: So 21. Aug 2022, 14:21
von Rohana
Die Hand die füttert sind vermutlich eher die Landwirte, denn weder Geld noch Naturschutz noch Ideologie kann man essen

irgendwer muss die Arbeit ja auch machen, und die Reinreder tun es nicht. Ist halt so.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: So 21. Aug 2022, 15:47
von strega
Rohana hat geschrieben: So 21. Aug 2022, 14:21
Die Hand die füttert sind vermutlich eher die Landwirte, denn weder Geld noch Naturschutz noch Ideologie kann man essen irgendwer muss die Arbeit ja auch machen, und die Reinreder tun es nicht. Ist halt so.
und welche Hand füttert die Landwirte??
Ist halt so, dass die leider nicht mehr selbständig wirtschaften können (????) und speichelleckend den Subventionsgebern gefallen müssen
und wer füttert die Hand, die die Landwirte füttert???
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: So 21. Aug 2022, 16:02
von Rohana
Tja, Huhn Ei und so. Ich bleibe trotzdem dabei dass man Geld nicht essen kann. Speichelleckend? Also so langsam reicht's echt.

Entweder es wird sachlich diskutiert, oder ich bin raus. Dann habt ihr endlich die perfekte Echokammer!
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: So 21. Aug 2022, 16:15
von strega
speichelleckend?
naja, was wird getan, um die Zuschüsse abzugreifen? Oft in Nachtschichten die online-formulare ausgefüllt, mehr tot als lebendig (versteh ich, die meisten Leut ham anderes zu tun und nicht gerade knapp)
naja, nicht speichelleckend?
was würde passieren wenn die Zuschüsse nicht abgegriffen können werden fristgemäss?
Was wären die Leut bereit zu tun für die Zuschüsse??
Eine Schreinerei könnte sich das nicht erlauben und würde sich das nicht erlauben. Die müssen halt wirtschaftlich arbeiten und fertig.
@rohana
brauchst dich net angegriffen fühlen, ich greif niemand persönlich an
will nur auf die absolut absurden Zustände aufmerksam machen, falls die nicht schon präsent sind
und ich wünsch mir Landwirte in diesem komischen Land, die aufrecht ihre Rechte einfordern
nicht die Rechte, den Boden vergiften zu dürfen nach Strich und Faden wie es grad beliebt für den maximalen Mammon
aber das Recht auf seriöse Arbeit, auf engagierte Arbeit mit gerechtem Lohn (was ist das? Den neuen 100 000 Teuro Traktor gratis oder fast halt über Absetzung oder halt Essen und Heizung gesichert wie so viele NormalbürgerInnen es sich auch wünschen, aber keine Zuschüsse für nix bekommen??)
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: So 21. Aug 2022, 16:22
von sybille
strega, meine Eltern hatten Landwirtschaft. In den 60ger Jahren verkauften wir den Liter Milch an der Haustür für 1 DM. Heute bezahl ich für den Liter Milch an der Haustür 60 Cent. Beim Weizen ist es ähnlich.
Wie sollen die Landwirte denn ohne die Subventionen zurechtkommen? Denen macht das sicher keinen Spaß sich die Nächte um die Ohren zu schlagen.
Die Schreinerei hat ordentlich im Preis aufschlagen können.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: So 21. Aug 2022, 16:38
von strega
anstatt den Tank voll Milch an die Kooperative zu verscheuern unter Wert
lieber direktvermarkten???
Klaro, dafür muss der Markt erst geschaffen werden....
aber lokal ist immer gut derzeit und besser als überregional.....
ma könnt ja mal eindrittel auf zweidrittel anfangen?
wenns kein adblue mehr gibt können auch die ach so modernen lkws nicht mehr fahren und die meisten modernen unternehmen sind halt modern und sonst nix..............................................................
also besser lokal und regional Strukturen aufbauen als auf überregional und ausbeuterisch vertrauen weils halt immer so funktioniert hat....
wie war das mit den Teiglingen aus China? Meine, ich hab in dem betreffenden Faden nie eine wirklich aufschlussreiche Antwort erhalten von den Experten der professionellen Landwirtschaft..?
ach ja, Fahrradkurier (nicht Ihhbike) geht immer noch regional und lokal mit Anhänger, wenn alles andere abkackt..... dank der teutoniscschen Regierung...
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: So 21. Aug 2022, 16:45
von sybille
anstatt den Tank voll Milch an die Kooperative zu verscheuern unter Wert
lieber direktvermarkten???
strega, Du hast was falsch verstanden. Wenn wir den Liter Milch in den 60ger Jahren an der Haustür für 1 Dm verkauften müsste der Landwirt doch heute sicher 2 € für den Liter nehmen (wenn er keine Subventionen bekäme) statt 60 Cent. Alles ist seit damals viel teurer geworden.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: So 21. Aug 2022, 17:13
von emil17
Ja, der Durchschnittshaushalt gibt heute weniger Geld für mehr Nahrung aus als damals.
Nur ist das bei allen Gewerben so - der Uterschied zur Landwirtschaft ist, dass viele Gewerbe einfasch verschwunden sind.
Die Landwirtschaft kriegt Subventionen, damit sie weitermachen können, sind also gegenüber so ziemlich allen anderen Gewerben schon allein dadurch sehr bevorzugt. Wenn nämlich die Schreinerei ihre Kosten nicht mehr reinkriegt, um beim Vergleich zu bleiben, dann sind die einfach weg und kriegen nicht vom Staat Geld bloss dafür, dass sie Möbel oder Särge machen, obwohl Schreinereien zweifellos auch nützliche Gewerbe sind. Wer lebt schon ohne Möbel?
Das ist in Ordnung, aber dann sollten diejenigen, die das bezahlen, auch sagen dürfen, welchen Gegenwert sie dafür erwarten. Das ist eine nachhaltige und umweltfreundliche Landwirtschaft und nicht staatlich geförderte Grundwasserverunreinigung und auch nicht Gülletourismus mit steuerbefreitem Agrodiesel. Da hilft es auch nicht weiter, denen, die diesen Unfug nicht wollen, vorzuwerfen sie würden die Arbeit ja nicht machen.
Leider werden diejenigen Bauern, die versuchen, den Spagat zwischen Einkommen und Nachhaltigkeit irgendwie zu stemmen (und dazu zähle ich auch rohana) getrietzt durch Vorschriften und politische Forderungen, die nur aufkommen, weil die Grossen der Branche machen was sie wollen, und weil es inzwischen wirklich jedem auffallen muss, dass da einiges schief läuft.
Da hilft es dann auch nicht weiter, dass man einfach fordert, der Staat solle mehr bezahlen und weniger dreinreden.
Die Konsumenten sind nicht die Feinde, sondern die Kunden! Die behahndelt man nicht wie Vieh, wo es darauf ankommt, mit wenig Futter viel Milch zu kriegen.