Glyphosat-Diskussion

unkrautaufesserin
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Re: Glyphosat-Diskussion

#421

Beitrag von unkrautaufesserin »

Den vorletzten Punkt finde ich sehr interessant. Also hatten die alten langhalmigen getreidesorten doch Vorteile außer der leichteren Händelbarkeit mit primitiven Mitteln!

Übrigens ist es ja keineswegs so, daß der Einsatz von Fungiziden ein schimmelfreies Produkt garantiert. Wer erinnert sich noch an den kurzen Aufreger gleich nach EHEC, als Schimmeltoxine in der Milch gefunden wurden? Die kamen über belasteten Futtermais aus Osteuropa da hinein...
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Glyphosat-Diskussion

#422

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Übrigens ist es ja keineswegs so, daß der Einsatz von Fungiziden ein schimmelfreies Produkt garantiert.
Ganz geht nie, das ist richtig.
Aber gegenüber einer unbehandelten Variante enthält die behandelte Variante bedeutend weniger Mykotoxine.
Wenn behandelt wurde und dann auch noch das Wetter mitspielt wird vermutlich garnix zu finden sein.
Ohne Behandlung wird nur unter optimalbedinungen nix gefunden.
Die kamen über belasteten Futtermais aus Osteuropa da hinein...
Mais darf nicht gegen Fusarien behandelt werden.
Seit kurzem sind zwei Mittel gegen Blattkrankheiten zugelassen die auch den Fusariendruck verringern sollen (als Nebenwirkung).
Die halte ich aber nicht für sinnvoll.

Silomais ist für mich eine "PSM-Sparkultur" einmal gegen das Unkraut behandeln und öfters möchte ich nicht mit der Spritze über den Acker fahren.

Kraut_ruebe:
man muss ja korn nicht unbedingt im feuchten klima anbauen, dann muss man sich auch nicht mit schimmelpilzen rumschlagen. die landstriche, die jeweils "kornkammer'' wie bei uns das marchfeld genannt werden, haben das richtige klima - zumeist sind das trockene tiefebenen.

im feuchten klima wächst sicher was andres brauchbares.
Emil17:
Wie KR sagt, ist es nicht so, dass man nur die Wahl hat zwischen Mykotoxinen oder Fungizidrückständen.
Wenn du nur noch in solchen Lagen Mais und Getreide anbauen willst, braucht ganz D nur noch eine Mühle ;)

Was soll den der Rest anbauen?
Fruchtfolge: Kartoffeln-Raps-Zuckerrüben?
Das ginge dann auch gründlich in die Hose...
centauri

Re: Glyphosat-Diskussion

#423

Beitrag von centauri »

@ölkanne
Du hast das warscheinlich noch nicht so mitbekommen,
es gibt eh nicht mehr so viele Mühlen. :ohoh:
Und vielleicht in ein paar Jahren auch nur noch eine. :)
Und Zeuchs in Regionen anbauen wo es nur durch hohen Einsatz von Maschinen, Pestiziden und Bewässerung möglich ist erscheint mir weniger sinnvoll.
Hier ist auch eine Getreideregion aber es werden eben auch Kartoffeln angebaut.
Nur bei den Kartoffeln lief letztes Jahr wochenlang ein Trecker mit Pumpe.
Gelöschter Benutzer 54

Re: Glyphosat-Diskussion

#424

Beitrag von Gelöschter Benutzer 54 »

getreide und körnermais sind verschienede klimalieblinge.

was ich so seh was funktioniert (gibts bestimmt auch wo aufgelistet?) nicht zwangsläufig hintereinander, aber immer in den jeweiligen regionen:

getreide und zuckerrüben
körnermais und ölkürbis und soja und hirse
ölkürbis und mohn (wo der taupunkt passt, mohn ist eher heikel)

raps ist wohl ein unkraut, der geht bald mal wo. kartoffel könnte zur mohnregion passen (=annahme, dort komm ich nie hin)
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Glyphosat-Diskussion

#425

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Du hast das warscheinlich noch nicht so mitbekommen,
es gibt eh nicht mehr so viele Mühlen. :ohoh:
Die Mühle im Nachbarort mahl nur eine ganz kurze Zeit (zwei max. drei Wochen pro Jahr) heimisches Getreide.
Der Rest kommt aus Übersee und Osteuropa per Schiff.

@KR
Hier wird meist Winterweizen, Wintergerste, Silo-/Körnermais und Zuckerrüben in eine Fruchtfolge gestellt.
WW-Mais-WG(-WW)-Rüben
Mache basteln da auch noch Raps oder Legus rein, sind aber wenige.
Landwirte ohne Rüben und Raps haben meist
WG-WW-Mais.
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Buchkammer
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Re: Glyphosat-Diskussion

#426

Beitrag von Buchkammer »

Passt vielleicht auch ganz gut hier rein: Einsicht in den Bewertungsbericht (zu Glyphosat) - vom Deutschen Bundestag

Ausarbeitung vom 15.02.2016 - über den Link ist das PDF direkt aufzurufen.
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Re: Glyphosat-Diskussion

#427

Beitrag von emil17 »

Das zu lesen ist aber eine gewaltige Strafaufgabe. Amtsdeutsch im Kanzleistil vom Feinsten ...
Zur Sache steht da gar nichts drin, es geht nur darum wer die Zulassungsdokumente überhaupt einsehen darf.
Das ist zwar im EU-Recht verbindlich geregelt - jeder EU-Bürger hat das Recht dazu - , aber die wollen offenbar nicht, dass das gelesen wird, also macht man auf Verwaltungsbremse.
Leicht verständliche Sätze lesen sich zum Beispiel so:
Eine Prüfung dieser Normen im Hinblick auf die vorliegende Konstellation würde eine längere Bearbeitungszeit voraussetzen und kann daher vorliegend nicht erfolgen. Insbesondere kann aufgrund der kurzen Bearbeitungszeit auch nicht geklärt werden, inwiefern der berichterstattende Mitgliedstaat bzw. seine Behörden nach den Vorgaben des Unionsrechts verpflichtet sind, Einsicht in den Bewertungsbericht zu gewähren, bzw. den Bewertungsbericht bestimmten Personengruppen zur Verfügung stellen dürfen.
Wenn die Bundestagsabgeordneten dauernd mit solchem Papierkram gefüttert werden, ist erstaunlich, wie viele trotzdem noch nicht in der Klapse gelandet sind ...
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
henmen

Re: Glyphosat-Diskussion

#428

Beitrag von henmen »

... ich denke das Problem ist, dass die Konzerne mit Glyphosat & Co. die Landwirte im Laufe der Jahre immer dümmer gemacht haben und blind für das was sich auch ohne Chemie über tausende von Jahren an Fortschritten in der Landwirtschaft tatsächlich entwickeln konnte. Heute, so habe ich den Eindruck, sitzt der moderne Bauer in seinem vollklimatisiertem Fernsehsessel in der Treckerkanzel, drückt auf die Fernbedienung und spielt genau das ab, was sich die Programmmacher für ihn ausgedacht haben. Und beileibe - das Programm ist grottenschlecht, weil es letztlich nur dazu dient den Programmdirektoren die Taschen zu füllen und den Zuschauer einzulullen und zu verdummen, statt selbst über ihr Tun nachzudenken und ihr eigenes Programm zu gestalten.

Der Schlüssel einer Landwirtschaft mit guten Erträgen und gesunden Pflanzen und Tieren war und ist schon immer eine intelligente Fruchtfolge gewesen, ein nahezu ausgestorbene Kunst, wie es scheint.

Hier das Beispiel einer Fruchtfolge aus dem Jahr 1808*, bezogen auf einen fetten oder sandigen Lehmboden, der vor und nach dieser Fruchtfolge für 3 Jahre als Weide eingesät wird.

1.Rüben oder Kohl
2.Hafer
3.Klee
4.Weizen
5.Rüben oder Kohl
6.Gerste
7.Bohnen
8.Weizen

*Quelle: Der practische Ackerbau von R.W. Dickson, Herausgeber Albrecht Thaer
centauri

Re: Glyphosat-Diskussion

#429

Beitrag von centauri »

Henmen :daumen:
So sehe ich das auch.
Und was schlimm ist, ist das durch guten Lobbyismus der Agrarindustrie die Fördermaßnahmen der EU dementsprechend ausgeschüttet werden.
Z.B. Meine 4000 m2 hinterm Haus sind noch an den Bauern hier verpachtet.
Der nutzt diese als Stilllegungsfläche oder so.
Dort wird nix produziert.
Wem nutzt das eigentlich?
Matz

Re: Glyphosat-Diskussion

#430

Beitrag von Matz »

centauri hat geschrieben:Henmen :daumen:
So sehe ich das auch.
Und was schlimm ist, ist das durch guten Lobbyismus der Agrarindustrie die Fördermaßnahmen der EU dementsprechend ausgeschüttet werden.
Z.B. Meine 4000 m2 hinterm Haus sind noch an den Bauern hier verpachtet.
Der nutzt diese als Stilllegungsfläche oder so.
Dort wird nix produziert.
Wem nutzt das eigentlich?
Naja, die Fläche wird er wahrscheinlich als Greening-Fläche (ökologische Vorrangfläche) nutzen. Landwirte ab einer bestimmten Größe (15 ha) müssen neuerdings ökologische Vorrangflächen ausweisen (Zwischenfrucht, Hecken, Brachen, etc.). Das nutzt prinzipiell den Wildtieren.
Hier kann ein Hase eher seine Jungen großziehen, weil nicht 4 mal im Jahr gemäht wird. Oder andere Bodenbrüter etc.

Nur halte ich von Dauerbrachen nicht viel. Es sollte abgewechselt werden. Abwechslung ist das, was unsere Kulturlandschaft jahrhundertelang geprägt hat und erst für den Artenreichtum sorgte, den wir einmal hatten.

Du kannst ja die Verpachtung kündigen, die Fläche selst pflegen (mindestens ein Schnitt im Jahr) und Agrarförderungsgelder einstreichen. Wir machen das inzwischen so. Ich bin zwar gegen Agrarförderungen, aber ich nehme auch gern Steuergelder, die wir im übertriebenen Maße an den Staat zahlen, zurück.
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