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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Di 26. Jul 2022, 21:31
von sybille
Rohana, mir ist das egal ob das Brot schön aufgeht. Hauptsache es schneckt.
So geht's unseren Kühen auch, die müssen fressen was da ist, wir haben leider keine Wahl
Meine Schafen geht es dieses Jahr auch so. Ich füttere zwar Laub zu weil sie ansonsten gar nichts Frisches hätten aber zum Grasen ist eben kaum was da.
Und der Verbraucher verlangt immer die gleiche Menge in gleicher Qualität obwohl die Wetterbedingungen nicht stimmen aber Klimaschutz blahblah will er auch. Das paßt doch nicht.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Di 26. Jul 2022, 21:49
von penelope
@ Ölkanne:
Das ist von dir doch jetzt einfach in den Raum geschmissen und widersprich komplett dem Tenor der Studienlage zu dem Thema.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Di 26. Jul 2022, 21:52
von Rohana
Oelkanne hat geschrieben: Di 26. Jul 2022, 21:10
penelope hat geschrieben: Di 26. Jul 2022, 21:04
[...]Der Export von landwirtschaftlichen Gütern aus dem globalen Norden in den globalen Süden ist die Ursache für die Probleme dort und keinesfalls die Lösung.
Das Ertragspotential der dortigen Standorte reicht bei weitem nicht aus um die dortige Bevölkerung zu ernähren.
Also gibt es zwei Lösungen:
1. Leute weg
2. Essen her
Lösung 1 ist mit Hungertoten, Flüchtlingen usw. nicht so die Lösung finde ich...
Jein. Die Ursachen sind noch ein wenig vielschichtiger als nur dass das Ertragspotential der dortigen Standorte nicht reichen würde... was sicherlich auf einige Regionen zutrifft. In anderen Regionen herrscht Krieg oder zumindest kriegsähnliche Zustände, die Infrastruktur ist stark beschädigt, viele Menschen im arbeitsfähigen Alter sind auf der Flucht, zwangsrekrutiert oder tot. Wieder anderswo ist die Politik der grösste Hemmschuh, und nicht zuletzt haben einige Regionen in der letzten Zeit starke Dürren erfahren.
*diese* Probleme würden durch einen Import-Stopp von Nahrungsmitteln aus dem Norden kaum gelöst.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 27. Jul 2022, 07:04
von penelope
https://www.swissinfo.ch/ger/wirtschaft ... ce=twitter
Hier mal eine gute Zusammenfassung, welche Strukturen Hunger im globalen Süden entstehen lassen.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 27. Jul 2022, 08:03
von Benutzer 4754 gelöscht
Rohana hat geschrieben: Di 26. Jul 2022, 21:52
Oelkanne hat geschrieben: Di 26. Jul 2022, 21:10
penelope hat geschrieben: Di 26. Jul 2022, 21:04
[...]Der Export von landwirtschaftlichen Gütern aus dem globalen Norden in den globalen Süden ist die Ursache für die Probleme dort und keinesfalls die Lösung.
Das Ertragspotential der dortigen Standorte reicht bei weitem nicht aus um die dortige Bevölkerung zu ernähren.
Also gibt es zwei Lösungen:
1. Leute weg
2. Essen her
Lösung 1 ist mit Hungertoten, Flüchtlingen usw. nicht so die Lösung finde ich...
Jein. Die Ursachen sind noch ein wenig vielschichtiger als nur dass das Ertragspotential der dortigen Standorte nicht reichen würde... was sicherlich auf einige Regionen zutrifft. In anderen Regionen herrscht Krieg oder zumindest kriegsähnliche Zustände, die Infrastruktur ist stark beschädigt, viele Menschen im arbeitsfähigen Alter sind auf der Flucht, zwangsrekrutiert oder tot. Wieder anderswo ist die Politik der grösste Hemmschuh, und nicht zuletzt haben einige Regionen in der letzten Zeit starke Dürren erfahren.
*diese* Probleme würden durch einen Import-Stopp von Nahrungsmitteln aus dem Norden kaum gelöst.
Sicher war das stark verkürzt dargestellt,
aber alle von dir genannten Faktoren führen dazu, dass das eh schon geringe Ertragspotential nicht voll genutzt wird.
In Ägypten sind z.B. nur 4,5 % der Landesfläche landwirtschaftlich nutzbar: die Ufer des Nil.
Da wächst bei weitem nicht genug um die 102,3 Millionen Ägypter zu ernähren. Zudem kann man dort lukrative Exportgüter anbauen.
Warum sollte der Landwirt Getreide anbauen, wenn er auch mit der Produktion von Exportware mehr Geld verdienen kann?
Der Ägyptische Bauer hat am Ende des Jahres mehr Geld in der Tasche, wenn er Mangos und Datteln für Europa anbaut und europäischen Weizen für sein Brot kauft wie wenn er den Weizen selbst anbaut.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 27. Jul 2022, 09:11
von penelope
Na immerhin schreibst du jetzt ein wenig direkter, was für dich der eigentliche Kern ist: die Maximierung privatwirtschaftlicher Gewinne.
Das ist grundsätzlich ok. Allerdings eben nur in dem Rahmen, in dem diese nicht auf Kosten anderer erzielt werden, was nun leider überall dort, wo im wesentlichen Naturgüter genutzt werden, ein Problem darstellt.
Darüber hinaus stellt sich die Frage, in wie weit ein privates Gewinnstreben mit öffentlichen Geldern (also Agrarsubventionen) unterstützt werden darf. In dieser Frage einfach nur die eigenen Interessen zu vertreten, ist dann vielleicht nur mäßig sozial aber auch noch ok. Kritisch wird es, wenn man seine eigene Interessen dann mit Scheinargumenten und einer Rhetorik vorantrieben will, die ansonsten vorwiegend im rechtspopulistischen Umfeld genutzt wird.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 27. Jul 2022, 09:43
von penelope
Von Scheinargumenten spreche ich z.B. deswegen:
4,5% der Landesfläche von Ägypten sind 45 045 Quadratkilometer. Wenn man zugrunde legt, dass seriösen Berechnungen zufolge durchschnittlich 2000 qm benötigt werden, um einen Menschen zu ernähren, kommt man drauf, dass das für knapp 90 Mio Menschen reichen müsste. Da das Nildelta überdurchschnittlich fruchtbar ist, sollte es zur Versorgung der Bevölkerung im Land reichen.
Nun verschlechtert sich die Versorgungslage in Ägypten jedoch dennoch. Gründe sind Verstädterung, Ausdehnung der Wüsten und der Dürren und der Anstieg des Meeresspiegels. Die beiden letzten Gründe hängen unmittelbar mit dem Klimawandel zusammen, der erste indirekt, da die Landflucht maßgeblich mit den sich verschlechternden Lebensbedingungen auf dem Land zu tun hat.
Es ist natürlich keine klimaschonende Landwirtschaft, wenn in Ägypten grüne Bohnen und Frühkartoffeln für den Export angebaut werden. Das Befeuert nur noch weiter den Klimawandel und verstärkt Abhängigkeitsstrukturen, die dann leider wieder zur Gewinnmaximierung an privater Stelle ausgenutzt werden.
Man löst Probleme nicht mit den gleichen Strukturen, durch die sie entstanden sind.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 27. Jul 2022, 14:25
von strega
Rohana hat geschrieben: Di 26. Jul 2022, 21:06
So geht's unseren Kühen auch, die müssen fressen was da ist, wir haben leider keine Wahl... mal haben wir richtig gute Futterqualitäten, mal ist es nicht so berauschend. Klar versucht man das über die Mischung irgendwie auszugleichen aber das Grundmaterial ist eben so wie es das Jahr hergibt.
Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, der Name des Herrn sei gepriesen.
damit haben die Bauern und alle anderen seit Jahrtausenden gelebt. Das ist völlig natürlich. Es gibt nicht immer Fettlebe. Deswegen sind wir heutzutage oft so degeneriert, weil es ständig alles und noch viel mehr im totalen Rausch gibt.
Die Natur jedoch lebt in Rhythmen, wenns ein Jahr viel gibt, dann gibts nächstes Jahr weniger....
und das ist gut so.
Nur die heutige verblendete Wirtschaft, die ständig nur das maximale an Gewinn überall rausschinden will und über Leichen geht dafür, die denkt es müsse jedes Jahr alles wachsen steil nach oben.....
aber nur Krebs funktioniert so
das muss aufhören
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 27. Jul 2022, 14:54
von Eule
@penelope:
ich bin eigentlich in allen genannten Punkten ganz bei Dir, aber dieser letzte Satz-
penelope hat geschrieben: Mi 27. Jul 2022, 09:43
Man löst Probleme nicht mit den gleichen Strukturen, durch die sie entstanden sind.
-ist gefährlich. denn zu den "Strukturen", durch welche die Probleme entstanden sind, gehören nämlich auch wir selbst mit den typisch menschlichen (und unmenschlichen) Eigenschaften
Daraus könnte man schließen, dass die Probleme deshalb nur
ohne uns gelöst werden können, also Extinction oder eine autonome KI an der Macht, oder hab ich noch eine Möglichkeit übersehen..?

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 27. Jul 2022, 14:58
von Rohana
Strega, willst du ernsthaft wieder zurück in die Zeit wo es regelmässig Hungersnöte gab, weil Überfluss so ungesund ist? Ich bin ja ganz froh dass wir den natürlichen Zyklen zu einem gewissen Grad entflohen sind und Hunger, Krankheit und Krieg relativ gut trotzen können, sonst gäb's weder mich noch meine Familie.