Eberhard hat geschrieben: Mo 31. Jul 2023, 10:24
Ob und wann ich an diese Schublade noch mal herangehe, weiß ich nicht.
Wir wissen es inzwischen, als Information ans Forum, aber bitte nicht nachprüfen wollen.
Eberhard hat geschrieben: Mo 31. Jul 2023, 10:24
Nährstoffe werden über die Ernte in Mengen entfernt, aber nicht sichtbar und bewusst ersetzt.
Meine Frage an die Personen mit einer erfolgreichen gymnasialen Ausbildung und womöglich einem akademischen Titel obendrüber wie auch die die Praktiker:
- Wie funktioniert das?
- Wie ist das mit physikalischen und chemischen Vorgängen zu erklären?
Fundierte Erklärungen dazu würden mich sehr interessieren
So Freunde. Wie ist die Reaktion, wenn Ihr mal nicht Wind erzeugt, sondern dieser jetzt mal in Euer Gesicht bläst?
Aber gerne doch.
Es entsteht nichts neu, es verschwindet nichts, es kommt alles irgendwo her und geht irgendwo hin. Wie lange etwas im Boden/Pflanzen-system bleibt, bis es endlich mit der Ernte abgeführt wird, und wie es in dieser Zeiot wann womit interagiert, sind ebenfalls andere Fragen. Dass die Art der Nachlieferung und Bereitstellung entscheidenden Einfluss auf das Bodenleben und die Pflanzengesundheit hat, sowie umgekehrt, dürfte bekannt sein.
Es sorgt für Verwirrung, wenn man beispielsweise bei Stickstoff einmal von Nitrat und dann von Stickstoff redet, oder einmal von Kalzium und dann von Kalk, weil sich dadurch die Mengen verändern. So enthalten 100 g Kalk 40 g Kalzium, der Rest ist Karbonat. Eine Pflanze oder ein Huhn können aus 40g Kalzium, die sie irgendwoher aufnehmen, folglich maximal 100 Gramm Kalk bilden.
Des weiteren setze ich voraus, dass bekannt ist, dass die Nährstoffe chemischen Reaktionen unterliegen und dass dadurch neue Substanzen mit neuen Eigenschaften entstehen. Die chemischen Elemente werden dadurch nicht verändert (und heissen deshalb so).
Es muss jedes einzelne Element gesondert betrachtet werden.
Die meisten Nährstoffe, ausgenommen Stickstoff, sind in wenigstens einem Mineral des Ausgangsgesteins enthalten. Viel wird auch durch Staubeintrag geliefert. Die Nährstoffnachlieferung erfolgt durch chemische Prozesse, die das Gestein angreifen. In geologischen Zeiträumen "verschwindet" das Gestein durch Verwitterung. Die dadurch freiwerdenden Ionen (das sind geladene Atome chemischer Elemente oder einfache chemische Verbindungen, etwa Ca++ für Kalzium oder NO3- für Nitrat) werden letztlich von den Pflanzenwurzeln aufgenommen und im Pflanzengewebe eingebaut, oder gehen durch Auswaschung oder Bodenerosion verloren, oder reichern sich im Boden an.
Dabei spielt der vorhandene Boden für die Art und Geschwindigkeit der Verwitterung, der Speicherung und der Aufnahme dieser Nährstoffe ebenso wie die Art des Ausgangsgesteins und des Klimas eine entscheidende Rolle, einmal indem er eine typische chemische Umgebung schafft, dann durch direkte enzymatische Tätigkeit der beteiligten Lebewesen.
Die wichtigste Quelle für die Pflanzen ist aber das Recycling von nicht mit der Ernte entferntem Material. Das wird hier nicht betrachtet, weil diese Nährstoffe im System verbleiben und dort zirkulieren, bis sie durch die Ernte weg sind.
Stickstoff kommt aus der Luft über Stickoxide, sowie über Stickstoffixierung durch Bodenmikroben oder Symbionten. All das sieht man nicht, man kann aber Stickstoff wie jedes andere chemische Element in jeder Art von Probe durch geeignete Analytik quantitativ nachweisen.
Den Stickstoffeintrag über vom Regen ausgewaschene Stickstoffverbindungen in der Luft, die z.B. durch Gewitter, aber auch durch Ozon und andere photochemische Prozesse entstehen, sowie in immer grösserem Masse in Verbrennungsmotoren und Vegetationsbränden, beträgt in Mitteleuropa rund 20 kg pro ha und Jahr, in manchen Lagen weniger, in manchen wesentlich mehr. Das kann man recht einfach im Niederschlagswasser messen.
Der Prozess der Nährstoffnachlieferung ist für natürliche Ökosysteme elementar wichtig, aber er begrenzt das Wachstum dort, wo es genügend Wasser und Licht gibt. Deshalb wirken anorganische Dünger wachstums- und produktionssteigernd und deshalb sind Böden sehr fruchtbar, wo die Nachlieferung durch Zufuhr von aussen oder unten besonders hoch ist: Böden über Vulkangestein und Auenböden. Andersrum sind Böden über reinen Quarzgesteinen sehr unfruchtbar, weil dort alles über Staub und Niederschlagswasser nachgeliefert werden muss.
Uber lange Zeit unbeeinflusste Ökosysteme können trotz geringer Nachlieferung grosse Mengen Nährstoffe in Boden und Vegetation gespeichert haben. DIese Böden sind dann sehr fruchtbar, es lässt aber rasch nach sobald diese Vorräte durch Ernten entfernt werden und aufgebraucht sind.
Bei Nährlementen aus Mineralien ist die Messung der Nachlieferung schwierig, weil der Boden nicht scharf gegen das Gestein abgrenzbar ist und die Vorräte im Gestein gegenüber den pflanzenverfügbaren Mengen gross sind.