Re: Schnellwüchsiger Baum gesucht
Verfasst: Di 12. Apr 2022, 13:14
Zum Thema Baumarten:
Fichte hat den grossen Vorteil, dass sie raschwüchsig und leicht zu kultivieren ist und einen sehr grossen Anteil Nutzholz am Gesamtvolumen hat.
Man pflanzt ja auch Kartoffeln und Mais an Standorten, wo sie ohne dauernde Pflege eingehen würden.
Als Bauholz taugen Buche, Eiche und Co. nun mal eher weniger.
Der Fehler ist, jede grössere Baumgruppe mit den Masstäben des natürlichen Waldes zu beurteilen. Womit nichts gegen natürlichen Waldbau gesagt sein soll - nur sieht man die Bewirtschaftungsziele heute anders als damals, wo der Holzmangel viel grösser war als heute und wo man die Langzeit-Nachteile der Fichte im Tiefland noch nicht einschätzen konnte.
Bitte denkt daran, dass heute wertvolle Wälder früher zu einem sehr hohen Preis erkauft worden sind: Viele Fürsten hatten zum Beispiel keine Probleme damit, quadratkilometerweise Jagdreviere aus Spass an der Freude zu haben und die Landbevölkerung im Winter frieren zu lassen, wegen Brennholzmangel.
Weil die Fichte im Tiefland eine Baumart am Rande des klimatischen Toleranzbereiches ist, reagiert sie heute dort sehr empfindlich auf Erwärmung und Trockenheit. Sturmfestigkeit ist insofern kein Problem, als dass natürliche Wälder sich nach Windwurf sehr rasch regenerieren, nur ist das natürlich nicht im Sinne des Försters.
Es passt hier gut die Aussage von Lichtenberg: Jeder Fehler ist unsäglich dumm, nämlich wenn andere ihn begehen.
Würden wir nur anbauen, was klimatisch passt, wäre unser Speisezettel sehr, sehr langweilig.
Zum Thema Neophyten: Üblicherweise wird als Neophyt bezeichnet, was erst seit Kolumbus'Zeiten hier vorhanden ist, und was sich ohne Zutun des Menschen halten und vermehren kann. Meist wird implizit ein Nachteil dieser Arten für andere Arten oder Ökosysteme behauptet. Eine scharfe Grenze zu Nutz- oder Zierpflanzen gibt es nicht (der japanische Knöterich etwa wurde als Zierpflanze bewusst eingeführt). Arten, die seit Beginn der Landwirtschaft hier heimisch sind, heissen Archaeophyten (etwa die Kornblume). Viele dieser Arten benehmen sich in Europa sehr anders und viel aggressiver als da wo sie herkommen - etwa die Goldruten. Man vergesse auch nicht, dass viele europäische Arten anderswo eine Plage sind - etwa die Waldrebe oder die Brombeeren in Nordamerika. Europäische Wiesengräser, die etwa in Amerika die einheimischen Arten weitgehend verdrängt haben, werden dort gewöhnlich nicht als Neophyten betrachtet, weil sie das Weideland wesentlich verbessern.
Jede dieser Definitionen ist problematisch; vor 20'000 Jahren gab es nur Kältehalbwüste oder Eis - also wäre so ziemlich jede Gehölzart nicht einheimisch, wenn man den Zeitrahmen ändert.
Fichte hat den grossen Vorteil, dass sie raschwüchsig und leicht zu kultivieren ist und einen sehr grossen Anteil Nutzholz am Gesamtvolumen hat.
Man pflanzt ja auch Kartoffeln und Mais an Standorten, wo sie ohne dauernde Pflege eingehen würden.
Als Bauholz taugen Buche, Eiche und Co. nun mal eher weniger.
Der Fehler ist, jede grössere Baumgruppe mit den Masstäben des natürlichen Waldes zu beurteilen. Womit nichts gegen natürlichen Waldbau gesagt sein soll - nur sieht man die Bewirtschaftungsziele heute anders als damals, wo der Holzmangel viel grösser war als heute und wo man die Langzeit-Nachteile der Fichte im Tiefland noch nicht einschätzen konnte.
Bitte denkt daran, dass heute wertvolle Wälder früher zu einem sehr hohen Preis erkauft worden sind: Viele Fürsten hatten zum Beispiel keine Probleme damit, quadratkilometerweise Jagdreviere aus Spass an der Freude zu haben und die Landbevölkerung im Winter frieren zu lassen, wegen Brennholzmangel.
Weil die Fichte im Tiefland eine Baumart am Rande des klimatischen Toleranzbereiches ist, reagiert sie heute dort sehr empfindlich auf Erwärmung und Trockenheit. Sturmfestigkeit ist insofern kein Problem, als dass natürliche Wälder sich nach Windwurf sehr rasch regenerieren, nur ist das natürlich nicht im Sinne des Försters.
Es passt hier gut die Aussage von Lichtenberg: Jeder Fehler ist unsäglich dumm, nämlich wenn andere ihn begehen.
Würden wir nur anbauen, was klimatisch passt, wäre unser Speisezettel sehr, sehr langweilig.
Zum Thema Neophyten: Üblicherweise wird als Neophyt bezeichnet, was erst seit Kolumbus'Zeiten hier vorhanden ist, und was sich ohne Zutun des Menschen halten und vermehren kann. Meist wird implizit ein Nachteil dieser Arten für andere Arten oder Ökosysteme behauptet. Eine scharfe Grenze zu Nutz- oder Zierpflanzen gibt es nicht (der japanische Knöterich etwa wurde als Zierpflanze bewusst eingeführt). Arten, die seit Beginn der Landwirtschaft hier heimisch sind, heissen Archaeophyten (etwa die Kornblume). Viele dieser Arten benehmen sich in Europa sehr anders und viel aggressiver als da wo sie herkommen - etwa die Goldruten. Man vergesse auch nicht, dass viele europäische Arten anderswo eine Plage sind - etwa die Waldrebe oder die Brombeeren in Nordamerika. Europäische Wiesengräser, die etwa in Amerika die einheimischen Arten weitgehend verdrängt haben, werden dort gewöhnlich nicht als Neophyten betrachtet, weil sie das Weideland wesentlich verbessern.
Jede dieser Definitionen ist problematisch; vor 20'000 Jahren gab es nur Kältehalbwüste oder Eis - also wäre so ziemlich jede Gehölzart nicht einheimisch, wenn man den Zeitrahmen ändert.