Hallo Oelkanne,
das mit dem Rasternetz macht man, wenn man noch gar nichts weiss über die zu erwartenden Daten und die zu untersuchenden Flächen. Diese Methodik ist eine feine Sache, wenn das Rasternetz dicht genug ist, denn dann kann man nachträglich nach allen möglichen Kriterien unterteilen, weil, wenn der Raster fein genug ist, die Anteile der Rasterpunkte dann dem Flächenanteil der betreffenden Nutzung entspricht. Klassische Anwendung für hochauflösende Raster ist alles, was man mit remote sensing erfassen kann, Grundwasserqualität gehört leider nicht dazu.
Durch rasches Suchen
finde ich, dass das deutsche statistische Amt 357'000km2 Gesamtfläche angibt, davon 50.6% Anteil Landwirtschaft (und 52.6 ha Flächenumwandlung
pro Tag durch Siedlung und Verkehr, was eine umweltpolitische Katastrophe ist).
Es würden also bei gleichmässigem Raster rund die Hälfte der Messorte in der landwirtschaftlichen Nutzfläche liegen,
und für diese wären dann ähnliche Ergebnisse wie auch jetzt schon zu erwarten.
Wenn die Aufgabenstellung aber war, die Belastung unter landwirtschaftlichen Nutzflächen zu messen, dann wäre es reine Geldverschwendung, ein Raster über die ganze BRD zu legen, denn man hätte dann die Hälfte des Messaufwandes für nicht interessierende Daten verwendet.
Die Extrapolation in die Fläche kann bei einem ausreichend feinen Raster entfallen, sonst ist grosser Aufwand nötig (Beachtung von Grundwasserströmen usw.), was aber mit modernen GIS-Applikationen, falls die Karten vorhanden sind, kein grosses Problem ist. Deshalb sind gezielte Extrapolationen meist billiger als ein dichtes Raster, wenn die Punktdaten aufwendig sind, wie das bei Grundwassermessungen der Fall ist. Zudem erlaubt es gezielte Aussagen über einzelne Kulturformen oder Gegenden, was beim allgemeinen Raster nur geht, wenn es entsprechend engmaschig (und teuer!) ist.
Man kann das mit der gezielten Personenbefragung für Wahlvoraussagen vergleichen, wo die Prognosen nach ähnlichen Prinzipien berechnet werden und der Fehler dann bei wenigen Prozent liegt.
Deshalb kann die katastrophale Grundwassersituation unter landwirtschaftlichen Nutzflächen nicht einer falschen Methodik der Messung angelastet werden. Im zitierten Expertenbericht wird ja auch darauf hingewiesen, dass gewisse Dinge, wie ein unbeschädigtes Rohr der Messstelle bis ins Grundwasser hinein, kritisch sind.
Der Vegleich mit dem Holzofen trifft es auch nicht, denn Grundwasser ist eben nicht Oberflächenwasser. Wie man Grundwasser misst, ist Handwerk der Leute die das machen, genauso wie Pflügen Handwerk der Landwirte ist. Denen muss man nicht sagen, wie es geht.
Wenn man nun von vielen Messtellen unter landwirtschaftlichen Nutzflächen sehr hohe Jahresmittelwerte bekommt, dann kann das nur auf eine sehr hohe Belastung im Jahresmittel zurückzuführen sein - die Irrtumswahrscheinlichkeit lässt sich mit einfachen statistischen Tests berechnen, was zur Erstsemesterausbildung von Biologen gehört.
Ich mache deshalb einen Vergleich, der es besser trifft: Wenn bei Geschwindigkeitskontrollen an gewissen Schnellstrassen regelmässig Raser erwischt werden, dann deutet das darauf hin, dass dort oft zu schnell gefahren wird, und man kann sich nicht damit herausreden, dass die meisten Strassen des Landes keine Schnellstrassen seien und deshalb eine verzerrte Abbildung des tatsächlichen Fahrverhaltens vorliege.
Wie bei den Geschwindigkeitskontrollen, wo die Polizei weiss, wo es sich zu messen lohnt, ist es auch bei Umweltproblemen zulässig, dort mehr zu messen, wo aufgrund von Voruntersuchungen oder Erfahrung Probleme zu erwarten sind. Es geht schliesslich wie bei der Geschwindigkeit auch um Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Da ist es nur logisch, dass man dort vermehrt kontrolliert, wo vermehrt Probleme zu erwarten sind.
Auf die Extrapolation in die Fläche wirkt sich das nicht aus, denn bei einem verdichteten Messnetz erhält jede Messstelle eine geringere Fläche zugewiesen.
Bei Mittelwerten geht übrigens gerne die eigentliche Aussage verloren: Wenn du, um bei deinem Holzofenvergleich zu bleiben, ein Dorf mit einer Dreckschleuder und 99 sauberen Öfen hast, dann stinkt es überall, obwohl 99% aller Öfen sauber sind.
Daraus ergibt sich im Umkehrschluss eine starke Aussage: Wenn sehr viele der Messwerte im Nutzgebiet starke Belastung anzeigen, dann ist es unmöglich, dass in Wirklichkeit keine grosse Belastung vorliegt und alle immer zufällig sehr viel messen.
Was die Sache damit zu tun hat, dass der Verzehr nitrathaltigen Gemüses lebensverlängernd sein könnte oder dass sich Nitrat im Grundwasser rasch abbaue, erschliesst sich zudem keinem - wäre Nitrat abbaubar (wie denn ???), würden ja konstant hohe Belastungen noch deutlicher auf konstant hohen Eintrag hinweisen.