Re: Schnecken verwüsten fast alles
Verfasst: Mi 22. Okt 2014, 10:34
Eigentlich wollte ich jetzt ein Kochrezept verlinken, das an eine Bundeswehrvorschrift angelehnt ist. Aber leider muß man dazu mittlerweile in diesem Forum angemeldet sein. Ich mache deshalb einfach eine Kopie:
Liebe Grüße, M.
Nein, ich habe es noch nicht probiert. Bisher war meine Verzweiflung noch nicht groß genug...Gebratene Nacktschnecken
Um es gleich vorwegzunehmen: Nein, das ist kein Scherz; es handelt sich hierbei
um die Weiterentwicklung einer Rezeptur aus einer Bundeswehrvorschrift. Darüber
hinaus ist zu erwähnen, daß z. B. Weinbergschnecken als Delikatesse gelten und
daher auch für viel Geld auf diversen Speisekarten zu finden sind. Und Schnecken
aus dem heimischen Garten sind dem gegenüber auch nicht viel anders.
Gestoßen bin ich auf die Idee beim Durchstöbern besagter Vorschrift, die sich mit
dem „Überleben im Gefecht“ befaßt – und hier speziell das Thema Ernährung. Die
Zubereitung an sich kann u. U. bis zu einer Stunde dauern (warum – dazu später
mehr). Pro Portion benötigt man etwa 20 Exemplare dieser glitschigen Schleimkrie-
cher. Es spielt dabei übrigens keine Rolle, welche Farbe die Schnecken haben; sie
sollten jedoch mindestens daumendick sein, um sie auch vernünftig verarbeiten zu
können.
Es gibt generell zwei Möglichkeiten, Schnecken zu sammeln. Zum einen kann man
ausreichend Schnecken auf einmal suchen und diese dann direkt verarbeiten, oder
man sammelt die Tiere sporadisch und friert sie zunächst weitgehend unbehandelt
in der Gefriertruhe ein.
Und wo findet man Schnecken? In der Regel ziehen sich Schnecken aller Art tags-
über in dunkle, kühle Ecken zurück oder kriechen unter Steine. Man findet sie aber
auch in hohlen Baumstämmen sowie in Komposthaufen oder aber in (betonierten)
Schächten.
Die Vorbereitung:
Zunächst benötigt man eine stark übersättigte Salzlösung aus Wasser und handels-
üblichem Speisesalz, die zum Kochen gebracht wird. Das Salz darf hier auf keinen
Fall zu sparsam angewendet werden! Erst dann, wenn sich kein weiteres Salz mehr
im Wasser löst, ist die richtige Konsistenz erreicht. Hat die Lake eine entsprechend
hohe Temperatur, werden die mit Wasser abgespülten und gereinigten Schnecken
(keine Angst vor dem Schleim) in das kochende Wasser gegeben.
Anmerkung: Man kann natürlich darüber streiten und diskutieren, wie man die Tiere
schnell tötet. Schaut man sich aber mal die Tötung eines Schweins zwecks Schlach-
tung an (mit Stromschlag durch den Kopf!), so erinnert das schockartige Abkochen
wiederum an die Zubereitung, wie sie z. B. bei Hummern bekannt ist. Dem gegen-
über steht das vorherige Einfrieren, wobei man aber bedenken muß, daß Schnecken
zu den Kaltblütern zählen und beim Einfrieren allmählich nur träge werden bis hin
zur vollständigen Starre.
Warum nun derart viel Salz? Das ist ganz einfach. Salz zerstört die Eiweißmoleküle
des Schleims und lösen diesen somit langsam auf. Es ist allerdings wichtig, daß ab
und an weiteres Salz dem Sud hinzugefügt wird, da durch eine chemische Reaktion
die Ionen des Salzes neutralisiert werden. (Warum das so ist, hab’ ich aber bislang
noch nicht herausgefunden.) Übrigens: Während dieses (zuweilen ungewöhnlichen)
Kochvorgangs entsteht ein Geruch, der in etwa an Fisch und Hallenbad erinnert
und nicht weiter stören sollte. Der Schaum ist ebenfalls eine chemische Reaktion
und auf die großen Eiweißmoleküle des Schleims zurückzuführen. Die braune Far-
be des Kochsuds entsteht, wenn sich die Pigmente der braunen Nacktschnecken
aus der Haut selbiger herauslösen. Beides ist nicht weiter schlimm. Die weißen, an-
getrockneten Rückstände, die sich u. U. außen am Topf bilden können, lassen sich
leicht mit einem feuchten Lappen entfernen.
Wann ist dieser Schritt der Vorbereitung zu Ende? Das kann man sehr leicht über-
prüfen, indem hin und wieder ein Kochlöffel o. ä. in den Sud gehalten und wieder
herausgezogen wird. Je nach Menge kann dieser Vorgang 20 bis 30 Minuten dau-
ern. Und erst dann, wenn sich keine Schleimfäden mehr bilden, ist dieser Vorgang
abgeschlossen. Die Kochstufe selbst sollte hierfür nicht zu gering gehalten werden;
permanentes Kochen am Siedepunkt ist jedoch auch nicht notwendig. Sollten in der
Zwischenzeit einzelne Schnecken gar geplatzt sein, so macht das nichts aus; denn
im nächsten Schritt müssen alle Schnecken zerschnitten werden. Mit kaltem Was-
ser werden die Schnecken jetzt abgeschreckt. Auf diese Weise verschwinden zu-
dem letzte Schmutzpartikel. Die Konsistenz erinnert hier an weiche Lakritze, und
alle Schnecken sind grau bis schwarz.
Sicherheitshinweis:
Im Unterschied zu Weinbergschnecken, die ausschließlich aus anerkannten Zucht-
betrieben stammen, handelt es sich bei Nacktschnecken (auch aus dem heimischen
Garten) grundsätzlich um wildlebende Tiere. Es ist daher unbedingt notwendig, daß
wirklich alle Schnecken einzeln der Länge nach aufgeschnitten werden, um auf die-
se Weise sämtliche schwarzen Eingeweide zu entfernen. Man weiß ja nie, was die
Schnecke vorher gefressen hat. Dem gegenüber läßt man (gezüchtete) Weinberg-
schnecken mindestens eine Woche lang hungern (damit sich deren Darm entleert)
und verarbeitet sie erst danach weiter (abkochen, sortieren, verpacken usw.). Hier-
bei zeigt sich auch, warum man möglichst große Exemplare sammeln sollte, zumal
die Schnecken selbst durch den langen Kochvorgang schrumpfen. Ein übermäßig
salziges Aroma entsteht hier allerdings nicht, was man aufgrund der extrem hohen
Salzmenge ja vermuten könnte.
Die eigentliche Zubereitung:
Nachdem alle Schnecken einzeln ausgenommen und ein letztes Mal gereinigt wor-
den sind, können die fertigen Filets (sehen aus fein Geschnetzeltes) nach belieben
gewürzt und in der Pfanne gebraten werden. Sehr gut passen hier Waldpilze wie z.
B. Pfifferlinge, Maronen oder Steinpilze. Eine weitere Variante ist eine sogenannte
Gemüsepfanne mit beliebigen Beilagen.
Weiterer Tip: Zusammen mit Champignons gebraten und auf Toast serviert.
Übrigens: 100 g Schneckenfleisch (netto) hat in etwa den gleichen Nährwert wie
ein Rindersteak zu 250 g oder ein Schweinesteak zu 300 g. Zudem ist das Fleisch
einer Schnecke zu 100 % cholesterinfrei.
Na dann – guten Appetit!
Gruß, Thomas
[Dieser Beitrag wurde am 15.01.2011 - 04:12 von Triceratops aktualisiert]
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Liebe Grüße, M.