Realität ist das, was wir dafür halten und was uns interessiert. Meistens.
Manchmal, wie im Umweltbereich, lassen sich unbequeme Realitäten nicht mehr ignorieren.
Wenn man auf Kosten anderer produziert, nimmt man entweder eine Anleihe auf die Zukunft auf (Umweltschäden, andere müssen sie ertragen, irgendwer darf es irgendwann dann wiedergutmachen, wenn das geht) oder/und andere bezahlen unfreiwillig mit. Kurzfristig ist das rentabel. Deshalb muss der Gesetzgeber dafür sorgen, dass sich alle an die Spielregeln halten. Egal was es kostet - langfristig ist alles andere teurer.
So zu wirtschaften, dass auch andere dabei froh werden, ist letztlich eine Frage des Anstandes und des Sozialverhaltens. Manche haben es, andere weniger. Daran ändern auch pseudowissenschaftliche Argumente nichts:
Oelkanne hat geschrieben: Do 14. Jul 2022, 19:20Wenn du wild gewachsenes sammelst, schädigst du die Population der gesammelten Art
Das ist schlicht falsch - Früchte zum Essen sind von der Natur erfunden worden, weil auch die fruchttragende Pflanze etwas davon hat. Warum sonst sollte sie Früchte statt mit dem gleichen Aufwand mehr Samen bilden?
Oelkanne hat geschrieben: Do 14. Jul 2022, 19:20
Egal was der Mensch tut, um sich zu ernähren:
Er schadet IMMER anderen Spezies auf diesem Planeten.
Aus einer Frage der Menge, des Masses und des Respekts vor der Umwelt eine alles- oder nichts - Entscheidung zu machen, ist ein billiger rhetorischer Trick von Politikern, die Probleme durch Ignorieren lösen wollen. Zudem entbinden Naturgesetze nicht von verantwortungsvollem Handeln.
Produktion ist nur eine Seite der Geschichte, die andere ist, dass kein Lebewesen ohne andere existieren kann. Nur deshalb gibt es überhaupt Biodiversität. Das schlichte Produzieren von Biomasse beherrschen einzellige Algen immer noch am besten, und die gibt es schon seit etwa drei Milliarden Jahren.
Aber auch die wären bald wieder ausgestorben, wenn sich niemand darum gekümmert hätte, was mit all die Massen von Algen geschieht, nachdem sie sich gebildet haben.
Jede Art hat mehr Nachwuchs, als es Platz dafür hat. Was passiert in der "wilden ungeschädigten" Natur damit? Des weiteren führt Produktion ohne Konsum unfehlbar zum Ersticken an sich selber, genauso wie Konsum ohne Produktion zum Verhungern führt. Deshalb ist das eine ohne das andere undenkbar, und deshalb ist das obige Zitat schlichte Schaumschlägerei, denn es hat mit dem eigentlichen Problem nichts zu tun.
Die Frage ist nicht, ob man Landwirtschaft will oder nicht, sondern welche man will und welche man sich leisten kann. Die Diskussion geht darum, dass man innerhalb der Notwendigkeit, Flächen mit Nutzpflanzen zu bebauen und zu bewirtschaften - die niemand bestreitet - mehr oder weniger weise und vorausschauend handeln kann, und da läuft zur Zeit ziemlich viel schief.
Vielleicht sich von der Vorstellung lösen, dass die Masse der Konsumenten dumm und ignorant ist und nur das billigste kauft? Ja, die gibt es auch, aber es gibt immer mehr andere. Orientiert Euch doch an denen, dann macht das Erzeugen von Nahrung auch wieder Freude!
Offensichtliche Missbräuche auf Produktions- wie auf Konsumseite müssen durch Gesetze abgestellt werden, anderes geht es nicht - das ist leider überall so.