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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 7. Jul 2022, 21:57
von emil17
Landwirtschaft ist nun mal der grösste flächenwirksame Gewerbezweig und Überdüngung ist nun mal ein Umweltproblem.
Im Link steht:
"Die Bauern protestieren gegen die geplante Stickstoff-Maßnahmen der Regierung. Der Ausstoß von Stickstoff muss nach einem höchstrichterlichen Urteil stark reduziert werden."
Also wurde die Regierung von einem Gericht dazu verdonnert - die topagrar hat es offenbar nicht nötig, die Urteilsbegründung zu zitieren. Seriöser Journalismus geht anders. Man kann bloss raten, warum welches Gericht so entschieden hat: "Auch in den Niederlanden kocht das Thema N-Überschüsse im Boden". Also gibt es irgendwo N-Überschüsse in den Böden.

Die Bauern sind auf die Regierung wütend, nicht auf das Gericht, welches das alles veranlasst hat.
Legislative-Exekutive-Judikative, wie geht das schon wieder?

"Schon krass, dass Bauern mal wieder die einzigen sind die sich einschränken müssen."
Stimmt das? Wenn man nur so einseitige Bericht wie den zitierten liest, stimmt es wohl.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 7. Jul 2022, 23:50
von penelope
Dass " mal wieder nur die Bauern" eingeschränkt werden, ist eine .... eigenwillige Wahrnehmung nach zwei Jahren Corona-Pandemie, die teilweise die komplette Gastronomie und Unterhaltungsbranche, den Einzelhandel und viele viele andere Bereiche komplett lahmgelegt hat und eine wahnsinnige Belastung für nahezu jeden im Gesundheitswesen war.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 8. Jul 2022, 12:17
von Rohana
penelope hat geschrieben: Do 7. Jul 2022, 23:50 Dass " mal wieder nur die Bauern" eingeschränkt werden, ist eine .... eigenwillige Wahrnehmung nach zwei Jahren Corona-Pandemie, die teilweise die komplette Gastronomie und Unterhaltungsbranche, den Einzelhandel und viele viele andere Bereiche komplett lahmgelegt hat und eine wahnsinnige Belastung für nahezu jeden im Gesundheitswesen war.
Haja. Was hat Corona mit Nitrat zu tun? Dass da grade einem Drittel der holländischen Bauern mit Enteignung und Berufsverbot gedroht wird, weil Richtlinie aus Brüssel, halte ich für eine sehr menschengemachte Entscheidung und willkürliche Entscheidung im Gegensatz zu einer Pandemie um die keiner gebeten hat. Dieselben Politiker haben Jahre und Jahrzehnte zugeguckt, die intensive Landwirtschaft in Holland ist ja nicht vom Himmel gefallen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 8. Jul 2022, 13:59
von Benutzer 6456 gelöscht
Nun ja, aber es ist nunmal auch kein Geheimnis, dass die Koppelung Fläche/Tierbestand in den Niederlanden seit Jahren nicht mehr im Lot ist. Was hier im Münsterland recht lange abging, war schon heftig, aber der Gülleanfall in den Niederlanden ist so hoch, dass das Zeug seit Jahren exportiert wird. Erst hierhin, weil wir ja auch so schön durchlässige Sandböden haben, dann nach MeckPomm, als auch hier die Nitratwerte im Trinkwasser entgleisten.

Die Bauern sind dort gehalten worden, den Tierbestand so zu reduzieren, dass das Flächen/Tierverhältnis wieder angeglichen wird. Von Enteignung spricht da niemand. Dass dort natürlich alle ähnlich wie hier horrende Kredite abzählen müssen für die Erweiterungen der Ställe, erklärt die Wut. Aber die sollte sich mal an die Herren der Bauernverbände richten, die das wie Banken jahrelang propagiert haben. Schweine mussten ja unbedingt ein Exportartikel werden statt Menschen in diesem Land ernähren. Darum geht es schon lange nicht mehr

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 8. Jul 2022, 14:24
von emil17
Was hat Corona mit Nitrat zu tun? Dass da grade einem Drittel der holländischen Bauern mit Enteignung und Berufsverbot gedroht wird, weil Richtlinie aus Brüssel, halte ich für eine sehr menschengemachte Entscheidung und willkürliche Entscheidung im Gegensatz zu einer Pandemie um die keiner gebeten hat.
Natürlich ist das für die betroffenen Betriebe ein Problem. Aber was tun Handwerker, die Aufträge nicht ausführen können, weil entweder Material fehlt oder die Kunden aussteigen, weil sie die Preise nicht mehr bezahlen können? Was tun all die Kleingewerbler, die vom Amt teure und aufwändige Massnahmen zur Behandlung von Sonderabfällen verordnet bekommen?

Immerhin wurde jetzt aber "von höchstem Gericht" wieder einmal festgestellt und nicht einmal von der topagrar bestritten, dass es Nitrat-Überschüsse im Boden gibt. Nachdem Deutschland die Düngemengen etwas reduzieren musste, behaupteten "die Bauern" (topagrar &co), alle ausser den Deutschen würden von der EU besser behandelt.

Jede Entscheidung für etwas mehr Umweltschutz ist eine willkürliche Entscheidung - wenn man deswegen sein Geschäftsmodell oder seine Betriebsführung ändern muss. Aber zuviel Nitrat ist auch etwas was eigentlich keiner will. Und was hat das nun plötzlich mit Enteignung und Berufsverbot zu tun?

Die gegenwärtige Energieknappheit und Teuerung tragen natürlich dazu bei, dass man Überdüngung nun endlich angehen muss, zumal ja allgemein eine Düngemittelknappheit drohen könnte.
An sich wäre das ja eine feine Sache: Wenn die Erträge wegen weniger Überdüngung tatsächlich zurückgehen, alles was produziert wird aber Bedarf ist, dann werden logischerweise die Preise für die landwirtschaftlichen Primärprodukte steigen, was eine gute Nachicht ist und was ich den Bauern gönne, denn was kostet wird weniger verschwendet.
Statt dessen wird Jauche über Hunderte Kilometer verfahren, weil man so noch die Mastbetriebe einige Zeit am Leben erhalten kann. Sowas ist offensichtlicher Unfug! Da muss sich doch jeder Bauer, der seinen Betrieb halbwegs nachhaltig und zukunftssicher führen möchte, über seine "Berufskollegen" ärgern.
Hier ärgere ich mich über die Bauernverbände, die so tun, als verträten sie die Meinung aller Bauern.

Ich denke, das ist erst der Anfang:
Die niederländische Glashaus-Landwirtschaft ist besonders abhängig von Erdgas, da sind ja ganze Provinzen unter Glas. Dies ist umweltmässig und volkswirtschaftlich ein Unsinn. Egal, solange Gas da ist und die Subventionen fliessen. Damit dürfte nun aber Schluss sein.
Treibhausware ist ein elastisches Marktgut, wenns zu teuer wird kauft man es nicht und die Produzenten können sehen wo sie bleiben. Schuld sind nicht nur die Konsumenten, welche die billigen Treibhaustomaten kaufen. Jede halbwegs fähige Regierung wird da eingreifen müssen, wenn Gas knapp wird.
Da dürfte auf die niederländische Intensivlandwirtschaft, wie auch auf die anderer Länder, noch einiges zukommen, und da geht es dann nicht mehr um "willkürliche" Entscheidungen. Wahrscheinlich werden betroffene Kreise aber auch dann wieder den Begriff Ernährungssicherheit strapazieren und sich im Gegensatz zu allen anderen Gewerben krass schlechter behandelt fühlen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 8. Jul 2022, 15:43
von Rohana
SunOdyssey hat geschrieben: Fr 8. Jul 2022, 13:59 Nun ja, aber es ist nunmal auch kein Geheimnis, dass die Koppelung Fläche/Tierbestand in den Niederlanden seit Jahren nicht mehr im Lot ist.
Richtig. Ich frage mich aber wer das gefordert und gefördert hat, weil eine dermassen extreme Aufstockung nicht über Nacht passiert!
Die Bauern sind dort gehalten worden, den Tierbestand so zu reduzieren, dass das Flächen/Tierverhältnis wieder angeglichen wird. Von Enteignung spricht da niemand.
Von Enteignung sprechen einige. https://exxpress.at/bauern-rebellieren- ... hrung-aus/ (oder beliebigen Artikel wenn man unter "Enteignung Bauern Niederlande" sucht, gibt mehr als genug).
Und auch nicht erst seit ein paar Tagen: https://www.agrarheute.com/politik/zwan ... ise-584860
Spannend finde ich ja, dass die Tiere mitsamt den Haltern weg sollen, nicht damit die "Stickstoffkrise" gelöst wird sondern damit man ungehemmt Wohnungen bauen kann...
https://www.uni-muenster.de/Niederlande ... auern.html
Dass dort natürlich alle ähnlich wie hier horrende Kredite abzählen müssen für die Erweiterungen der Ställe, erklärt die Wut. Aber die sollte sich mal an die Herren der Bauernverbände richten, die das wie Banken jahrelang propagiert haben. Schweine mussten ja unbedingt ein Exportartikel werden statt Menschen in diesem Land ernähren. Darum geht es schon lange nicht mehr
Da ist doch die Politik genauso hintergestanden, sonst wäre das gar nicht soweit gekommen. Landwirtschaft existiert nicht im luftleeren Raum, genausowenig wie Industrie oder Handel. Warum haben wir dann VW und BMW in Deutschland? Braucht man nicht, ein Bruchteil der Autos dürfte reichen. Und sag bitte nicht dass die keine Emissionen hätten. Klar, Selbstversorgung ist grade in der Landwirtschaft ein wichtiger Aspekt und auf Dauer hat diese Intensivst-Tierhaltung wie in Holland sicher keine Chance. Aber muss da jetzt so ein Hauruck-Verfahren sein?


emil17 hat geschrieben: Fr 8. Jul 2022, 14:24 Jede Entscheidung für etwas mehr Umweltschutz ist eine willkürliche Entscheidung - wenn man deswegen sein Geschäftsmodell oder seine Betriebsführung ändern muss. Aber zuviel Nitrat ist auch etwas was eigentlich keiner will. Und was hat das nun plötzlich mit Enteignung und Berufsverbot zu tun?
Siehe links weiter oben. Mit ein bisschen reduzieren ist es da offensichtlich nicht getan. Die Bauern stören, die müssen weg... :hmm:
Die gegenwärtige Energieknappheit und Teuerung tragen natürlich dazu bei, dass man Überdüngung nun endlich angehen muss, zumal ja allgemein eine Düngemittelknappheit drohen könnte.
Welche Überdüngung genau? In D kann doch theoretisch keine stattfinden, weil wir uns ja brav an die x-te Auflage der DüVO halten. :roll: Das, was wirklich problematisch ist, ist das Zusammenspiel von Düngung und Umweltbedingungen. Leider haben wir keine Glaskugeln, sonst würde vielleicht manche Entscheidung anders getroffen - im Rahmen der Fenster die uns die Vorschriften auf der einen, Wetter und Kultur auf der anderen Seite lassen.
Diese Problematik lässt sich aber durch Vorschriften nicht ausschalten!
Statt dessen wird Jauche über Hunderte Kilometer verfahren, weil man so noch die Mastbetriebe einige Zeit am Leben erhalten kann. Sowas ist offensichtlicher Unfug!
Tja. Bei anderen Rohstoffen ist das gang und gäbe, siehe das was VW und BMW für ihre Autos brauchen, das wird sicherlich nicht alles in D gefördert und die Autos gehen ja auch wieder in die Welt raus... ich bin ganz bei dir, an sich ist das logistischer Unfug. Aber wer N in Form von Viehfutter oder Menschennahrung (!) um den halben Globus fährt, warum soll dann N in Form von Ausscheidungen nicht ebenfalls gescheit verteilt werden? Das MUSS doch passieren um keine punktuellen Überschüsse und damit Probleme zu bekommen. Bei Menschen ist das mehr oder minder elegant gelöst, keiner guckt nach was mit dem passiert was ins Klo geht...

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 8. Jul 2022, 19:34
von emil17
Also ...
Wenn die Regierung landwirtschftliche Nutzfläche in Wohnbaugebiet umwidmet dann ist das de facto eine Enteignung, weil der Landwirt nachher für die gleiche Fläche wesentlich mehr Vermögen versteuern muss, da es ja Bauerwartungsland ist. Diese Art Enteignung mit dem goldenen Fallschirm trifft aber jeden, der Land an strategisch wichtiger Stelle hat.
Die Behörde handelt da nach dem grössten Nutzen für die meisten Leute. Ich finde jetzt auch relativ mühelos hundert Wohnungen nützlicher für die Gesellschaft als einen Schweinemastbetrieb mit Futterimport, Gülleausbringung und Gülleexport auf der gleichen Fläche.

Das kann dir auch passieren, wenn da eine Autobahn oder eine Schnellbahn durch soll. Auch die Flächen für den neuen Flughafen wurden ja nicht ins Niemandsland gebaut. Natürlich sind da manche gleicher als andere, aber in der Regel geht die Gleichheit dahin, wessen Land zuerst eingezont wird.

Das ist etwas grundsätzlich anderes als wenn du einen Betrieb wegen produktionserschwerender Auflagen nicht wirtschaftlich weiterführen kannst.
Würde aber gerne wissen wie die das rechnen, soviele Wohnungen kann man gar nicht bauen dass deshalb die Stickstofflast wegen Landwirtschaft auf weniger Fläche merklich zurückgeht.

Welche Überdüngung genau?
Wenn man die Grundwasserqualität hernimmt, kann es keine Überdüngung geben, wenn die Grenzwerte eingehalten werden. Weil aber jedes Gesetz durch allerlei Lobbyarbeit (Bauern sind wie Autohersteller darin sehr erfolgreich) entschärft wird, kommt es dazu, dass es nicht den gewünschten Effekt hat. Daran trifft die keine Schuld, die sich an die Regeln halten, aber die Nachteile davon ausbaden müssen. Auch hier sind manche gleicher als andere, weshalb Flugstartbahnen selten in der Nähe von Bonzenhügeln gebaut werden, obwohl oder weil genau hier diejenigen wohnen, die am meisten davon haben.
Dass man Rohstoffe importiert, ist logisch und sinnvoll. Sonst hätten die Lichtensteiner noch Feuersteinwerkzeuge, weil es bei denen nicht mal Eisenerz gibt. Dass man aber verdünnte Scheisse quer durch Deutschland fahren darf und das auch tut, um weiterhin im Nordwesten zu viele Schweine pro Fläche mit Importfutter mästen zu können, das ist schlicht und einfach Unfug. Mit dem, was die Landwirtschaft von sich behauptet, nämlich Nahrungsmittel auf landwirtschaftlicher Nutzfläche zu PRODUZIEREN um damit Menschen zu ernähren, hat das nichts zu tun.
Obst- und Fruchtsäfte werden eingedickt, um die Transportkosten zu senken. Gülle ist offenbar zu schade dazu.

Hier würde ich tatsächlich diejenigen in die Pflicht nehmen, die sich das Prinzip augedacht und es gefördert haben. Logisch und normal wäre es doch, dass man Mast- und Getreidebaubetriebe lokal so kombiniert, dass es mit den geschlossenen Nährstoffkreisläufen klappt.
Vermutlich müsste man bloss diese Art Transporte nicht direkt oder indirekt subventionieren, sondern sich gleich teuer bezahlen lassen wie eine andere Fracht. Dann kann sich der Getreidebauer in Meck-VP immer noch seinen Acker mit Hühnergülle aus der Wesermarsch düngen, wenns ihm Spass macht.
Oder du machst einen Ackerbaubetrieb im Schweinezuchtgebiet; die Nachbarn bezahlen dich noch dafür, dass sie deine Flächen düngen dürfen. Oder nen Mastbetrieb im Getredegebiet, die Gülle lokal verwerten und nur die Tiere transportieren statt beides müsste sich doch eigentlich rechnen.

Damit will ich aber diejenigen Bauern, die so wirtschaften, nicht aus der Verantwortung nehmen: Wenn man eine Wirtschaftsweise hat, von der jeder halbwegs normale Mensch den Unsinn dahinter bemerken muss, dann kann man sich nicht damit herausreden, dass es erlaubt ist und sich rechnet. Denn dann gehört man zu denen, die für Geld alles machen..

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 10. Jul 2022, 12:55
von Benutzer 6456 gelöscht
Ich habe keine Ahnung, warum du mich auf Autokonzerne wie VW und BMW ansprichst, ich arbeite weder in einem solchen, noch unterstütze ich diese, weil ich leidenschaftliche ÖPNV-Nutzerin bin. Also was was soll das?

Ich stimme uneingeschränkt allen Punkten im Vortext von Emil zu: als Landwirtsfrau wirst auch du bestimmt wissen, wie es zu dieser unsäglichen Entwicklung kam. Bauernverbände, Großmetzgereien und Handel waren sich schnell einig, wie die Landwirtschaft effizienter gestaltet werden könnte, und haben das ab den 80ger Jahren mithilfe der Chemie- und Saatgutkonzerne konsequent umgesetzt. Arbeitskräfte waren zu teuer, also wurde auch maschinell hochgerüstet mit dem Ergebnis, dass ein Landwirt eher ein Fabrikant statt ein bodenkundiger und tiergerechter Bauer war. Hat mein Nachbar mir mit seinem jetzt immerhin 80 Jahren gesagt, dass er zu den jetzigen Bedingungen diesen Beruf nicht mehr machen würde.

Und ja, seit den 2000dern kämpfen weite Teile des Münsterlandes und auch der Cloppenburger Schweinegürtel mit sehr deutlich erhöhten Nitratwerten im Grundwasser mit der erschreckenden Erkenntnis, dass das allerschlimmste noch kommen wird durch die Zeitverzögerung im Versickerungsprozess. Wenn das in NL genauso ist - und davon gehe ich stark aus-, dann ist doch klar warum die Notbremse gezogen werden musste. Übrigens, Rohana, du musst hier gar nicht mehr so viel düngen, weil mittlerweile so viel Ammoniak in der Luft ist, dass es an manch warmen Tagen schon unerträglich ist, draußen zu sitzen. Das löst sich bei Regen und geht ebenfalls direkt in den Boden.
Das Wort "Enteignung" solltest du übrigens mal googeln, so wie es die Bauern in NL gebrauchen, trifft es ja wohl nicht ansatzweise den Kern dessen.
Und ich empfehle dir die Doku auf ARTE, die sehr gut die Zusammenhänge in der Landwirtschaft erklären, die leider nie zum Ziel hatten, es Bauern gut gehen zu lassen oder die Menschheit zu ernähren. Das einzige Ziel war und ist, Abhängigkeiten zu schaffen, damit man sich dauerhaft die Taschen voll machen kann. Ich meine Aktionäre von Syngenta, Monsanto, Großmaschinenhersteller und Großschlachtereien a la Tönnies und Co. und da fast alle Bauern am Haken von Banken hängen, machen sie mit, weil sie müssen, oder hängen sich auf!

Ich wundere mich, dass du so eine Scheisse überhaupt verteidigst, du bist doch eigentlich ein kluges Mädchen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 10. Jul 2022, 18:52
von Rohana
Unsere Verhältnisse in D sind nichtmal im Schweinegürtel so extrem wie teils in den Niederlanden, das ist nicht vergleichbar, genausowenig wie die Enteignungspläne. VW und BMW existieren trotzdem in D, egal ob du ÖPNV nutzt oder nicht ;) sind nur ein Beispiel für Produktion die deutlich über Selbstversorgung hinausgeht.

Zum Thema "Aufrüstung": Es ist nicht alles so simpel wie es von aussen aussieht. Frag mal die Landwirte ob sie wirklich lieber wieder Handarbeit wollen. Frag mal meinen Mann ob er noch einen zweiten Bandscheibenvorfall möchte, und dafür ein paar Maschinen weniger. Die alten Bauern und Bäuerinnen bei uns waren ausnahmslos froh sich Arbeit erleichtern zu können... und man sieht es ihren Körpern an warum (ich bin ein bisschen rumgekommen und ehrlich gesagt mehr als schockiert gewesen wie die teils beisammen sind). Mittlerweile ist dieses hirnlose Nachrennen hinterm bunten Blech ein Selbstzweck geworden, klar, aber die basics (von Stahl, Zuchtfortschritt und Chemie) - mein Gott, ohne die würde immer noch die Hälfte der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten MÜSSEN, mit dem heutigen Verhältnis zwischen Mindestlohn und Lebensmittelpreisen absolut unvorstellbar.

Siehst ja jetzt in der Krise wo die Leute das Sparen anfangen... verzichten die am ehesten auf Handy, Urlaub, Flugreisen, oder drehen sie die Heizung ein Grad runter? An (deutschen!) Erdbeeren und Spargel wird gespart, HartzIV Empfänger müssen sich alles leisten können, Lebensmittel sind zu teuer (sonst heisst es immer Lebensmittel sind zu billig)... aber Preissteigerungen bei anderen Dingen, tja, die sind halt so.

Die Konzentration der intensiven Tierhaltung auf gewisse Regionen sind nicht zuletzt der verfügbaren Infrastruktur geschuldet. Bei armen Böden hat der Acker halt nix hergegeben, geschlossener Nährstoffkreislauf hin oder her... erst durch Importe von Eiweissfutter ging da mehr, je näher am Hafen desto besser, dem ist die Schlachtung und Verarbeitung gefolgt (Oldenburger Land, Münsterland). Wo gute Böden sind, findest du eh keine bzw. kaum Tierhaltung (Börden).

Die jetzigen Bedingungen, die deinen Nachbarn abschrecken, könnten auch die unsäglichen Auflagen, Einschränkungen und Dokumentationspflichten sein. Heutzutage hat man nur Frust wenn man boden- und tierkundig ist. Hey, wir wollen jetzt nach der Gerstenernte gern Zwischenfrucht ansäen, aber wissen gar nicht ob wir das dürfen/können/sollen weil ja die 4% Stillegung noch im Raum steht von der man nicht weiss ob sie kommt und wenn ja, wie sie kommt. Und während die da oben beraten (oder auch nicht) läuft die Zeit davon :roll: also entweder die Zeit, oder wir haben das Geld zum Fenster rausgeschmissen :aeug:


Edit: Grad noch was gefunden... wir haben ja jetzt ein tolles Freihandelsabkommen mit Neuseeland, damit wir mehr Milch und Fleisch importieren können (und dafür was genau exportieren? Hmmmm?) weil wir das ja unbedingt brauchen. Aber davon können beide Volkswirtschaften profitieren!!
Ich kotze im Strahl :bang: https://www.zeit.de/politik/2022-06/eu- ... grar.de%2F

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 10. Jul 2022, 19:35
von Tscharlie
Solange wir ca 12.000.000 Tonnen der Erzeugten Lebensmittel wegwerferfen können, ist jeder Diskussion obsolet.