Rohana hat geschrieben: Sa 5. Feb 2022, 10:56
Naja... für dich ist ja jegliche moderne Landwirtschaft gleich industriell. Ist für viele andere auch so, ändert aber nichts daran dass so ziemlich sämtliche unter dieser Prämisse getroffenen Forderungen vor allem den Strukturwandel vor Ort beschleunigen und die grundlegenden Probleme der Landwirtschaft in andere Regionen der Welt auslagern.
Ich merke gerade, dass da ein Missverständnis vorliegt: Die Tatsache, dass industrielle Landwirtschaft Umweltprobleme verursacht, heisst nicht, dass man damit aufhören soll, sondern dass sich einiges ändern muss. Dann kann man nämlich auch ohne schlechtes Gewissen die Vorteile rationeller Lebensmittelerzeugung geniessen.
Was den Strukturwandel vor Ort angeht, das ist eine andere Baustelle. Es hat wohl damit zu tun, dass wegen Konkurrenz und Effizienz jede produktionserschwerende Auflage gleich zu vielen Betriebsaufgaben führt. Aber man kann nicht einfach weitermachen und fördern, denn damit zementiert man Übelstände, auch wenn die die Bauern nicht alleine zu verantworten haben. Wie ein Ausweg aussehen könnte, das wäre doch mal ein Diskussionsthema hier. Das Thema betrifft nicht nur die Landwirtschaft.
Manfred hat geschrieben: Sa 5. Feb 2022, 12:49
Du bist derjenige, der die Zerschlagung der aktuellen Agrarstrukturen zugunsten noch viel größerer Strukturen befürwortet oder zumindest als unausweichlich in Kauf nimmt.
Ich sage in Diskussionen, an denen ich persönlich teilnehme, gerne selber, was ich befürworte. Zum Beispiel befürworte ich, dass Landwirtschaft gefördert wird, aber nur dann, wenn diejenigen, die den ganzen Geldsegen bezahlen, auch mitzureden haben, wie und was gefördert wird.
Manfred hat geschrieben: Sa 5. Feb 2022, 16:48
Wir verschieben mehrere Milliarden an Wirtschaftsleistung und Steueraufkommen ins Ausland, zerstören unsere Versorgungssicherheit, verlängern die Transportwege und für den Großteil der Tiere wird keine Verbesserung erreicht, sondern für viele das Gegenteil. Und die Infrastruktur und die Fachkräfte, die wir dabei verlieren, werden in Zukunft kaum wieder herstellbar sein. Dabei haben wir heute schon viel zu wenige Landwirte, um die Tierhaltung zu den angeblich gewünschten, viel personalintensiveren Formen umzubauen.
Wer sind "wir"? Soviel ich weiss, versucht der Staat, mit Wirtschaftsföderungsprogrammen Gewerbe und Industrie anzuziehen, indem er seine Standortsvorteile darlegt. Oft ist auch noch Steuerrabatt und dergleichen im Spiel.
Es sind die Unternehmer selber, welche die Produktion auslagern, um ihre Gewinne zu optimieren. Keiner zwingt sie dazu.
Weniger Kostendurck, geringere Lohnnebenkosten, weniger Umweltauflagen, weniger Bürokratie ... mag alles sein. Dennoch ist es der alleinige Entscheid der Geschäftsführung, zu verlagern.
Man kann nun natürlich argumentieren, dass die Gesellschaft die Unternehmer durch hohe Steuern und Auflagen dazu zwinge, so zu handeln, um zu überleben.
Das ist ein ruinöser Wettberwerb der Gemeinwesen, der dazu führt, dass die grossen Unternehmen Staaten und Länder und Gemeinden gegeneinander ausspielen und dass schliesslich nur noch die sesshaften Leute die ganze Steuerlast tragen müssen, weil die Unternehmen ja abwandern könnten, wenn der Staat mit Steuern und Umweltschutzauflagen zu lästig wird.
Zudem wird verkannt, dass nur ein funktionierender Staat gute Produktionsvoraussetzungen schaffen kann. Deshalb, und nicht weil den grossen Unternehmen das deutsche oder schweizerische Volkswohl am Herzen liegt, sind Unternehmen hier. Viele davon nehmen auch ihre Verantwortung wahr, bilden Lehrlinge aus, statt der Konkurrenz Fachkräfte abzuwerben, erpressen die Gemeinden nicht mit Wegzugdrohungen und zahlen Steuern.
Aber allzuviele wollen die Regierungen dazukriegen, alle diese Kosten auf den Mittelstand abzuwälzen, der ihnen nicht ausweichen kann. In der Schweiz beispielsweise legt das Parlament dem Volk dauernd solche Mogelpackungen vor. Wie viele Kleingewerbler gehören auch die Mehrzahl der Landwirte hierzu.
Ich finde es aber normal und gerecht und nicht weiterer Begründung bedürftig, dass man für das bezahlt, wovon man profitiert.