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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 4. Feb 2022, 15:37
von emil17
Dass an jeder wirtschaftlichen Wandlung Existenzen hängen, ist eine Tatsache, die nicht darüber weghilft, dass es in der Landwirtschaft wie anderswo auch Fehlentwicklungen gibt.
"und selbst fegst du in einem Nebensatz tausende bäuerliche Existenzen und die daran hängenden Menschen vom Tisch, nach immer dem gleichen Muster: Propagandistische Abwertung + Vernichtung. Hier: Das sind ja nur Massentierhalter, das kann weg ... "

Tja, Lesen und Unterlassen von Unterstellungen würde helfen:

1. Wenn Nennung von unbequemen Tatsachen schon propagandistische Abwertung ist, dann hat das Gewerbe ein Problem.

2. Ich muss nicht eine Lösung suchen für ein Gewerbe, das sich offenbar in eine Sackgasse investiert hat und sinkender Nachfrage und schlechten Preisen nur mit noch mehr Effizienz und Rationaliserung begegnen kann.

3. Es gibt zuviel Massentierhaltung. Das heisst nicht, dass die Tierhalter auch weg müssen, das ist eine Unterstellung von Dir. Die müssen halt, wenn sie nicht mehr unter geltenden Auflagen rentabel produzieren können, sich etwas anderes suchen. Genauso wie die Leute in anderen Gewerbe auch. Selbstgesuchte Opferrolle (der Staat oder die Kunden oder die Grünen oder sonstwer ist schuld) ist bequem, hift aber niemandem.

4. Es gibt zuviel Massentierhaltung. Das heisst nicht, dass ich die verbieten will, aber ich bin nicht verpflichtet, die toll zu finden oder sie gar fördern zu wollen. Und ich darf die gängige Subventionspraxis hinterfragen.

5. Bin ich allmächtig, dass ich "in einem Nebensatz Tausende Existenzen hinwegfegen kann" ? Mach dich doch lächerlich.

6. Wo ist die Gleichbehandlung mit anderen Gewerben? Wo sind all die Angestellten der Bundesbahn hin, die wegrationalisert wurden? Wo sind die Quartierkneipen? Wo die Tante-Emma-Läden? Wo die Schuhmacher, Dorfschmiede? Hat nach denen ein Hahn gekräht, als die nicht mehr konkurrenzfähig waren? Diese Gewerbe tragen mehr zu meinem Wohlbefinden bei als irgend eine Masthalle. Steht es dir zu, mich als Charakterlump darzustellen, nur weil ich die eher fördern würde, wenn es auf mich ankäme?

Du musst meinen Standpunkt nicht teilen, Ich verlange nur dass du aufhörst mir Dinge unterzuschieben und Aussagen zu unterstellen. Nein, ich will nicht alles verbieten, was ich nicht toll finde.

Das mit der Vernichtung der Juden in diesem Zusammenhang ist einfach nur peinlich.

"Und solange die Menschheit das nicht durch ganzheitliches Denken überwindet ... " Wie schön, ganzheitlich ist immer gut. Da kann man die absurdesten Dinge nach eigenem Belieben in irgend einen oder auch in keinen Zusammenhang bringen, denn es hängt ja alles zusammen.

Wenn schon ganzheitliche Betrachtung, dann ist auch die Frage erlaubt, ob Fleischproduktion so und in der Menge, wie sie derzeit in Deutschland und anderswo betrieben wird, für Gesellschaft und Umwelt gut sind. Wenn man diese Frage nicht einmal mehr stellen darf, ohne verleumdet zu werden, dann ist es mit ganzheitlichen Lösungen nicht weit her.

Machmal ist es erstaunlich einfach: wenn etwas offenbar im Übermass geschieht, kann man zurückfahren damit. Egal ob es Billigflugreisen oder Industriefleischproduktion sind.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 4. Feb 2022, 20:21
von Sven2
Rohana hat geschrieben: Do 3. Feb 2022, 23:04 jede Menge kleine und mittlere Metzgereien mit eigener Schlachtung und Warmfleischverarbeitung. Da liegen die Transportwege bei 5-20km, da wird definitiv von Hand gearbeitet... Noch - denn die haben massive Nachfolgerprobleme. Ich frag mich ja ernsthaft warum das niemand machen will wenn's alles so toll ist? :hmm:
Doofe Frage, im Sinne dass niemand mehr Metzger werden will, also du meinst dass die keine Azubis finden, oder? Sry, steh manchmal einfach auf dem Schlauch

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 4. Feb 2022, 20:37
von Sven2
Ok, ich hab jetzt alle neuen Posts gelesen. Wisst ihr was, das macht keinen Spaß mehr. Wenn hier nichtmehr Meinungen gesagt werdn können, Runpelstilzchen andete als Rumpelzstilzchen beschimpft und nur noch gezetert wird, bin ich raus. Dafür gibts die PN Funktion.
Ich bin raus. Schade, fand den Thread, in dem man als Laie mit Landwirtschaftlichen Profis schreiben konnte, echt cool. Hat bei mir auch umdenken bewirkt. Aber wenn nur eine Seite recht haben kann, dann ist das nicht schön.
@Manfred:
Das mit den Juden, siehe Emils Post.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 4. Feb 2022, 20:51
von Rohana
Sven2 hat geschrieben: Fr 4. Feb 2022, 20:21
Rohana hat geschrieben: Do 3. Feb 2022, 23:04 jede Menge kleine und mittlere Metzgereien mit eigener Schlachtung und Warmfleischverarbeitung. Da liegen die Transportwege bei 5-20km, da wird definitiv von Hand gearbeitet... Noch - denn die haben massive Nachfolgerprobleme. Ich frag mich ja ernsthaft warum das niemand machen will wenn's alles so toll ist? :hmm:
Doofe Frage, im Sinne dass niemand mehr Metzger werden will, also du meinst dass die keine Azubis finden, oder? Sry, steh manchmal einfach auf dem Schlauch
Azubis gibts schon noch (aber anscheinend auch nicht mehr so üppig wie früher, wobei ja die meisten Handwerksberufe momentan händeringend Azubis suchen), aber die Nachfolge als Betriebsleiter eben... hier sieht man links und rechts die Metzgereien die mangels Nachfolger schliessen :( der Laden würde ja gut gehen und alles, nur machen muss es jemand auch.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 4. Feb 2022, 22:14
von Manfred
Emil, indem du mir eine Straftat unterstellst, gewinnen deine Aussagen nicht an inhaltlichem Wert.

Denke einfach mal darüber nach, wie du dir eine ideale Welt vorstellst, in einer fernen Zukunft, und wie man dorthin gelangen könnte.
Wie sieht die Landwirtschaft in dieser Zukunft aus?
Wie sieht die Schuhproduktion in dieser Zukunft aus?
Wie werden die Einkommen und die Lebensqualität der Landwirte und Schuhmacher deiner Zukunft gesichert?
Und die aller anderen Menschen?

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 5. Feb 2022, 08:24
von emil17
Ich unterstelle dir nichts, ich lese nur was du geschrieben hast.

Selbstverständlich denke ich über eine bessere Welt nach.
Ebenso selbstverständlich gibt es mehrere Ansichten dazu, wie die aussehen soll und wie man dorthin gelangen könnte.
Deshalb kann ein Staat niemals die bessere Welt erschaffen, er kann und soll nur allen ermöglichen, mit gleichen Voraussetzungen sein eigenes Leben und das seiner Angehörigen in diesem Sinne zu gestalten, indem er die in gesellschaftlichem Konsens erarbeiteten Spielregeln für alle und ohne Ausnahme durchsetzt. Die Bürger sind in der Pflicht, aktiv daran mitzuwirken und das Wohl der Gesellschaft von den kurzfristigen Auswirkungen auf ihr eigenes Einkommen zu unterscheiden.
Also durchaus im Sinne der amerikanischen Verfassung von 1776 - aber schau, was die Juristen und Wirtschaftslobbyisten daraus gemacht haben ...
Daraus ergibt sich doch zwanglos, dass alle gleichberechtigt mitzureden haben und dass niemand für andere die ideale Welt definieren kann.
Wenn meine Welt nicht so gut ist wie ich sie gerne hätte, dann bin ich selbst zuerst in der Pflicht, das in meinem Sinne zu ändern. Verglichen mit unseren Vorfahren haben wir trotz aller Übelstände viel bessere Voraussetzungen dazu.

Ich sehe folgende dringend nötige Verbesserungen auf der Ebene der Staaten, um näher an ein Ziel zu kommen, das man nie wird erreichen können:
a) Sämtliche Umweltbelastungen und sozialen Nachteile eines Produktes müssen in die Ware eingepreist werden, selbstverständlich auch bei Import. Selbstverständlich kann man das nur von anderen fordern, nachdem man hier selbst korrekt handelt.
b) Weniger wäre mehr - vor allem bei Konsumartikeln, die nur scheinbar die Lebensqualität verbessern. Da jeder andere Vorlieben hat, muss das niemand für andere entscheiden, wenn a) gegeben ist.
c) Eine wirtschaftliche Sicherung der Einkommen als Voraussetzung für Lebensqualität bedingt eine viel höhere steuerliche Belastung der leistungslosen Einkommen zugunsten derjenigen, die die Arbeit tatsächlich machen.
d) Es muss unterschieden werden zwischen Eigentum, das der Lebensqualität dient (z.B. um seinen Lebensunterhalt damit zu erwerben, etwa Hof und Land des Selbstbewirtschafters), und Eigentum, das nur dazu dient, auf Kosten der anderen zu leben. Das erste verdient staatlichen Schutz, das zweite nicht. Wo man die Grenze zieht, ist wiederum Ergebnis eines gesellschaftlichen Konsens.

Wir zwei reiben uns vor allem daran, dass ich industriell betriebene Landwirtschaft als eine (von mehreren) Hauptursachen unserer Umweltprobleme ansehe, während das für dich ausser Diskussion steht. Des weiteren bin ich grundsätzlich anderer Meinung, wenn es darum geht, ob der Staat fördern soll, nur um Produzenten das wirtschaftliche Überleben zu sichern, und wo er durch Vorschriften in die Produktion eingreifen darf.
Und ja, ich habe Mühe damit, wenn Fakten bestritten werden, um Übelstände einer Produktionsweise oder eines Gewerbezweiges nicht diskutieren zu müssen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 5. Feb 2022, 09:07
von Tscharlie
Ich denke schon dass das Parlament eventuell auch die EU oder die Weltgemeinschaft Regeln vorgeben müssen.
Wobei nur die Rahmenbedingungen vorgegeben werden.

Ein Beispiel: Es dürfen nur Stoffe hergestellt werden, die entweder (wie Metalle) zu 100 % recyelbar sind oder von der Natur binnen sagen wir 10 Jahren wieder aufgenommen werden.

Schon wäre das Problem Plastik in der Umwelt gelöst.
Heute ist es so: Ihr habrt einen Gartenzaun, den streicht ihr mit einer "Wasserlasur" in der Meinung: alles gut.
Nichts ist gut, das Gift das das Holz vor verrotten schützen soll ist in euren Grundwasser. (Diese Stoffe sind in der Landwirtschaft seit langem verboten!)
Im Laufe der Zeit baut sich die Lasur ab, nein tut sie nicht denn das enthaltende Acryl wird nur ein Microplatirkteilchen zerlegt und landen in eurem Garten.

Also nicht so sehr auf das Plastik in den Oceanen schimpfen, wenn ihr es im Vorgarten selbst produziert.

Einmal hat das übrigens binnen weniger Jahre geklappt, alle haben weltweit mitgezogen. Das was das Problem mit den FCKWs, nur die Autoindustrie hat an ihren Klimaanlagen mit FCKW festhalten wollen. Ich würde wenn es um Erhaltung der Welt gehen jeden fragen, außer die Autoindustrie.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 5. Feb 2022, 10:56
von Rohana
emil17 hat geschrieben: Sa 5. Feb 2022, 08:24 Wir zwei reiben uns vor allem daran, dass ich industriell betriebene Landwirtschaft als eine (von mehreren) Hauptursachen unserer Umweltprobleme ansehe, während das für dich ausser Diskussion steht.
Naja... für dich ist ja jegliche moderne Landwirtschaft gleich industriell. Ist für viele andere auch so, ändert aber nichts daran dass so ziemlich sämtliche unter dieser Prämisse getroffenen Forderungen vor allem den Strukturwandel vor Ort beschleunigen und die grundlegenden Probleme der Landwirtschaft in andere Regionen der Welt auslagern. :im:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 5. Feb 2022, 12:49
von Manfred
emil17 hat geschrieben: Sa 5. Feb 2022, 08:24 Wir zwei reiben uns vor allem daran, dass ich industriell betriebene Landwirtschaft als eine (von mehreren) Hauptursachen unserer Umweltprobleme ansehe, während das für dich ausser Diskussion steht.
Du weißt so gut wie ich, dass das nicht zutrifft.
Ganz im Gegenteil.
Du bist derjenige, der die Zerschlagung der aktuellen Agrarstrukturen zugunsten noch viel größerer Strukturen befürwortet oder zumindest als unausweichlich in Kauf nimmt.
Die kritisierst die aktuellen Strukturen als industriell. Was sollen dann die entstehenden noch viel größeren Strukturen sein?
Deine Aussagen sind ein ständiger Widerspruch. Du förderst genau das, was du angeblich ablehnst.
Des weiteren bin ich grundsätzlich anderer Meinung, wenn es darum geht, ob der Staat fördern soll, nur um Produzenten das wirtschaftliche Überleben zu sichern, und wo er durch Vorschriften in die Produktion eingreifen darf.
Das mag sein.
Ich stelle wiederholt fest, dass die deutschen Produzenten die an sie gestellten Forderungen nicht leisten können, wenn nicht entweder die Mehrkosten durch Zuschüsse ausgeglichen werden oder ein konsequenter Außenschutz dafür sorgt, dass keine Ware mehr ins Land gelangt, die die Forderungen an die heimische Produktion nicht ebenfalls erfüllt.
Du dagegen siehst es für völlig normal an, die heimischen Produzenten massiv finanziell zu benachteiligen und so ihre Existenzen zu zerstören.
Und ja, ich habe Mühe damit, wenn Fakten bestritten werden, um Übelstände einer Produktionsweise oder eines Gewerbezweiges nicht diskutieren zu müssen.
Ja. Das geht mir umgekehrt genauso...

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 5. Feb 2022, 16:48
von Manfred
DLG-Mitgliedernewsletter 05/2022

Der Handlungsdruck steigt
Dr. Albert Hortmann-Scholten zum Schlachtschweinemarkt

Die explosionsartig ansteigenden Corona-Neuinfektionen setzen den Schweine- und Ferkelmarkt erneut unter Druck. In den Schlacht- und Zerlegebetrieben fehlen zahlreiche Arbeitskräfte. Befürchtungen werden laut, dass sich erneut ein Schweinestau bilden könnte, wie im Herbst 2020. Von der Absatzseite werden die Märkte ebenfalls durch die Schließungen von Gastronomie und Kantinen massiv gedrosselt. Der Warenabfluss stagniert.

Mittlerweile wird vielen Marktbeteiligten klar, dass es sich am Schweinemarkt nicht mehr um ein normales zyklisches Preistief handelt, sondern um einen dramatischen Strukturanpassungsprozess. Von diesem ist der gesamte Fleischsektor einschließlich der vor- und nachgelagerten Bereiche betroffen. Der nach der Rindersparte ökonomisch bedeutendste Sektor der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft ist stark gefährdet. Landwirte, die weiterhin mit der Schweinehaltung Geld verdienen wollen, müssen sich über folgende drei Punkte im Klaren sein:

Aufgrund der kostenträchtigen Auflagenflut und einer ausufernden Bürokratisierung hat die Bundesrepublik seine Marktführerschaft sowohl innerhalb der Europäischen Union als auch auf dem Weltmarkt verloren. Die von hiesigen Erzeugern in den letzten 18 Monaten freigesetzten Marktanteile sind von EU-Wettbewerbern ohne Probleme - auch auf den asiatischen Märkten - übernommen worden. Von der Krise in Deutschland profitieren u. a. Spanier und Dänen. Dort steigt die Produktion schneller als sie bei uns zurückgeht. Eine zyklische Preiswende kann daher kaum erwartet werden. Statistiker prognostizieren für den EU-Binnenmarkt im laufenden Jahr einen Selbstversorgungsgrad von 127 Prozent bei gleichzeitig rückläufigem Pro-Kopf-Verbrauch. In Deutschland wird der Schweinefleischverzehr in diesem Jahr die 30-Kilogramm-Grenze unterschreiten. Selbst wenn wir zum Frühsommer aufgrund einer besseren Nachfrage steigende Schweine- und Ferkelpreise sehen werden, wird aufgrund der hohen Produktionskosten die Gewinnschwelle nicht erreicht.

Sektoral werden die Belastungen in der gesamten Erzeugungskette zunehmen. Alleine durch die Folgen der Corona-Krise sind auf Dauer Zusatzkosten z. B. aufgrund von höheren Hygiene- und Arbeitsschutzmaßnahmen entstanden, die in einem schrumpfenden Markt kaum an den Endverbraucher weitergegeben werden können. In allen Betrieben der vor- und nachgelagerten Industriebereiche steigen neben den variablen auch die Fixkosten überproportional an, da der verringerte Mengenumsatz zu Überkapazitäten führt. Schlachthöfe und Mischfutterbetriebe werden aufgrund der geringeren Produktion zu Betriebsschließungen gezwungen. Im gesamten Sektor wird man verstärkt über Kooperationen oder Fusionen nachdenken müssen. Aufgrund dessen etablieren sich auch im Rotfleischbereich Integrierte Produktionssysteme. Durch die Corona Krise haben viele Schweinehalter gelernt, dass sie sich vertraglich absichern müssen. Aufgabe der Branchenverbände wird es sein, dass Vertragskonstruktionen entwickelt werden, die auf Erzeugerseite eine Kostendeckendung erlauben.

Der Lebensmittelhandel (LEH) will vermehrt Fleisch aus alternativer Erzeugung an den dt. Markt bringen. Die vom LEH geschaffene Haltungsinitiative wird aufgrund von Wettbewerbsnachteilen ausländische Produzenten noch besser ins Spiel bringen. Denn die präferierten Haltungsformen 3 und 4 sind derzeit alleine aus baurechtlichen Gründen kaum in der Breite auszurollen. Zudem werden offenkundige Zielkonflikte zwischen Immissions- und Tierschutz und den damit zusammenhängenden ökonomischen Herausforderungen von der Politik kurzfristig nicht gelöst. Erst bis Ende 2022 will die neue Bunderegierung ein Paket aus Haltungskennzeichnung, Finanzierung und geändertem Genehmigungsrecht für Stallbauten erarbeiten. Bei der Herkunftskennzeichnung setzt das BMEL auf eine europäische Lösung, was sich noch schwieriger gestalten dürfte.
Angesichts der desaströsen wirtschaftlichen Lage werden viele Betriebe bis dahin längst ihre Hoftore geschlossen haben. Der Handlungsdruck auf die Brache, vor allem aber auf die Politik steigt.
Fazit: Für viele Schweinehalter stellt sich jetzt die Grundsatzfrage: Weiter Eigenkapital verbrennen oder aussteigen. Auch wenn einige Frühindikatoren mittelfristig für eine Preiserholung sprechen, wird sich die verfahrene Situation kaum wie in früheren zyklischen Preistiefs durch eine Angebotsreduktion der deutschen Schweinehaltung lösen. Für den politisch geforderten Umbau der Tierhaltung und eine damit hoffentlich einhergehende bessere wirtschaftliche Lage auf den Höfen ist eine breite gesellschaftlich Unterstützung erforderlich.
Heißt eingedeutscht: Auch in der kleinen Marktnische Frischfleisch (wo nur die Edelteile bezahlt werden, der Rest bleibt billige Verarbeitungsware) der Haltungsstufen 3 und 4 werden ohne 5 x D (das schon wieder am Wanken ist, weil die Verbraucher den Mehrpreis nicht Zahlen, sondern die billigere Aktionsware kaufen) die deutschen Schweinehalter keine Überlebenschance finden, weil das Fleisch dafür aus Südfrankreich und Spanien aus den aufgrund des Klimas dort eh schon vorhandenen Offenställen importiert wird.

Wenn die Politik nicht massiv eingreift, werden mittelfristig nur noch 10 bis 20 % des Schweinefleisch-Eigendarfs aus D kommen, für Nischenmärkte. Alles andere ist hier wirtschaftlich nicht mehr darstellbar. Wer unter den derzeitigen Rahmenbedingungen in dem Markt bleibt, verbrennt sein Vermögen.
Wir verschieben mehrere Milliarden an Wirtschaftsleistung und Steueraufkommen ins Ausland, zerstören unsere Versorgungssicherheit, verlängern die Transportwege und für den Großteil der Tiere wird keine Verbesserung erreicht, sondern für viele das Gegenteil. Und die Infrastruktur und die Fachkräfte, die wir dabei verlieren, werden in Zukunft kaum wieder herstellbar sein. Dabei haben wir heute schon viel zu wenige Landwirte, um die Tierhaltung zu den angeblich gewünschten, viel personalintensiveren Formen umzubauen. Gut organisierte konventionelle Mastbetriebe benötigen heute ca. 0,5 bis 0,7 Stunden Arbeitszeit je erzeugtem Mastschwein. Im Biobereich auf Stroh sind es ca. 1,5 Stunden. Der Marktanteil von Bioschweinefleisch liegt irgendwo bei 1 - 2%.
D.h. selbst wenn wir es schaffen würden, das aktuell noch vorhandene Personal komplett in der Schweinehaltung zu behalten, könnten wir damit nach gewünschten Standards nur noch 50% der ehemaligen Produktion fahren.
Das Personal wird aber jedes Jahr weniger und es gibt fast kein Nachwuchs mehr.

Es ist völlig irre, was Politik und NGOs aktuell treiben. Einfach nur blindwütige Zerstörung.