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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 16. Jan 2022, 21:47
von Sven2
Ich gehe jetzt davon aus, dass damit die Abholzung von Regenwälder in Südamerika gemeint sein soll, und ich gehe davon aus dass diese tendenziell schon der natürliche Standort für dieses Ökosystem ist?

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 17. Jan 2022, 08:12
von emil17
Du kannst die Äusserung von Manfred nur verstehen, wenn du seine etwas eigenwillige Definition von natürlichem Ökosystem kennst, Stichwort Megaherbivorentheorie. Ob irgendwo Wald wäre oder nicht, hängt vor allem vom Klima ab.

In diesem Fall ist es sowieso unwesentlich, weil die EU ja damit bewirken will, "daß diese Produkte nicht im Rahmen oder als Folge von Entwaldungsmaßnahmen erzeugt wurden" (Zit. woidler).
Der Begriff "natürliches Ökosystem" wird nicht verwendet, denn das ist nicht immer leicht festzustellen, zumal es ja auch verschiedene Waldtypen gibt.
Entwaldung bewirkt stets eine riesige Freisetzung von CO2, und eine viel höhere Anfälligkeit der betroffenen Flächen auf Bodendegradierung und Erosion. Dabei ist es erst mal unerheblich, ob der entfernte Wald das natürliche Ökosystem war oder nicht. Das ist auch bei der nationalen Gesetzgebung bezüglich Waldrodung in europäischen Ländern so.

"eine solche alleine durch ihre Pauschalität unsinnige Regelung die Wiederherstellung der Ökosysteme verhindern würde" (zit. manfred) ist als Kommentar natürlich genauso pauschal und unsinnig.
Aus Sicht der Biodiversität und auch der Ökosystemfunktionen ist es ebenso eine Katastrophe, wenn man Primärwald rodet und dort Eukalypten, Pinus radiata oder andere kurszfristig sehr produktive Baumarten in Reinkultur anbaut, obwohl man dann ja behaupten kann, es sei nicht entwaldet worden.

Die EU versucht damit auf den Vorwurf zu regieren, man exportiere Umweltprobleme einfach nach irgendwo, damit man selber nicht roden muss. Dieser Vorwurf trifft.

Ich befürchte, Oelkanne hat mit seinen Befürchtungen recht. Es braucht nicht mal Strohmänner, man kann ja den Europäern die Ware von länger bestehenden Flächen liefern und den nicht so heiklen Ländern die der frisch entwaldeten Flächen. Dann macht man noch ein paar Tochterfirmen, die sich das Zeug gegenseitig deklarieren und liefern, und kann behaupten, man halte sich an die gesetzlichen Vorgaben des jeweiligen Landes, habe aber auf die Zulieferer keinen Einfluss und könne sich nur auf deren Angaben verlassen. Dann noch etwas umetikettieren und mischen, und plötzlich braucht es ganz legal keine Herkunftsdeklaration mehr. Diese Art Produkte gibts ja auch zur Genüge in Europa, etwa Schwarzwaldschinken aus niedersächsischen Mastschweinen oder Bündner Trockenfleisch aus brasilianischen Rindern. Es erzeugt zu Recht bei den Konsumenten das Gefühl, verschaukelt worden zu sein. Als Folge davon kommen einerseits die Bauern schlechter weg als sie es sind, und man kauft das Billigste, weil eh alles gleich aussieht.

Abhilfe schafft deshalb nur der Verzicht auf Produkte, etwa Palmöl und Soja (direkt als Futter- oder Nahrungsmittel oder indirekt als damit erzeugtes Fleisch oder Milchprodukt). Das ist im Einzelfall sehr kompliziert festzustellen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 17. Jan 2022, 09:32
von Rohana
emil17 hat geschrieben: Mo 17. Jan 2022, 08:12 Abhilfe schafft deshalb nur der Verzicht auf Produkte, etwa Palmöl und Soja (direkt als Futter- oder Nahrungsmittel oder indirekt als damit erzeugtes Fleisch oder Milchprodukt). Das ist im Einzelfall sehr kompliziert festzustellen.
Abhilfe schafft der Verzicht nicht, denn wenn wir es nicht kaufen wird es jemand anderes tun. Wie wär's mit Förderung der heimischen Produktion entsprechend dem was gebraucht wird? Wir können die Eiweisslücke vielleicht nicht zu 100% schliessen, aber dem schon um einiges näher kommen:
- Tiermehlprodukte bzw. Schlachtnebenprodukte dort wieder zulassen, wo es sinnvoll und sicher ist (Fütterung von Schwein und Geflügel)
- Insektenmehlprodukte zulassen bzw. deren Produktion beforschen und fördern
- Anbau von Leguminosen fördern, auch über Züchtung geeigneter Sorten und Abbau bürokratischer Hemnisse (statt Verbot von Pflanzenschutz auf ÖVF)
- Gezielten Ausgleich von Aminosäuren fördern, um die Nachteile heimischer Eiweisspflanzen abzumildern
- Frühe(re)n Schnitt und angemessen Düngung von Grünland (wieder) erlauben

Aber für sowas interessiert sich ja niemand. Einfach XY verbieten und die Landwirte müssen sehen wie sie klarkommen, damit die Produkte weiterhin billig im Regal liegen. Und falls es nicht funktioniert, wird's importiert. :lala:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 17. Jan 2022, 09:45
von penelope
Oder man schließt die "Eiweißlücke" von der anderen Seite und verbraucht weniger Eiweiß - insbesondere durch weniger intensive Tiermast.

Natürlich ist dann der Konsum von den Mengen an Fleisch zu den Preisen wie jetzt nicht mehr drin, aber der ist ja eben auch bei jeder anderen Lösung der kritische Punkt.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 17. Jan 2022, 10:33
von Sven2
emil17 hat geschrieben: Mo 17. Jan 2022, 08:12 Du kannst die Äusserung von Manfred nur verstehen, wenn du seine etwas eigenwillige Definition von natürlichem Ökosystem kennst, Stichwort Megaherbivorentheorie.
Och, ich bin ja schon ein paar Tage Mitleser im Forum und vielleicht ein, zwei mal über die Ansicht gestolpert, ich glaube ich weiß grob wie das gemeint ist ;)

Nein, i h Frage mich eher, ob eben die Megaherbiviorentheorie (unabhängig von den Ansichten ob richtig oder falsch) im Urwald greift, oder ob sie nocht eher auf unsere Breiten bzw Gegebenheiten passt, wie ich sie verstanden hatte.
penelope hat geschrieben: Mo 17. Jan 2022, 09:45 Oder man schließt die "Eiweißlücke" von der anderen Seite und verbraucht weniger Eiweiß - insbesondere durch weniger intensive Tiermast.

Natürlich ist dann der Konsum von den Mengen an Fleisch zu den Preisen wie jetzt nicht mehr drin, aber der ist ja eben auch bei jeder anderen Lösung der kritische Punkt.
Ich glaube, die Eiweißlücke bezieht sich ja auf den Eiweißbedarf der Nutztiere, nicht direkt auf unseren Konsum. Oder meinst du das im Sinne von "Rückkehr zu alten Rassen", die durch weniger Wachstum/Leistung vielleicht auch weniger Eiweiß benötigen?

Edit: ich hab gerade selbst bemerkt, dass deine Formulierung eigentlich eindeutig war :pfeif:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 17. Jan 2022, 10:55
von penelope
Post hat sich durch Svens edit erledigt. ;)

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 17. Jan 2022, 11:25
von emil17
Die Ideen finde ich gut, aber konkret muss man das den Fachleuten aus der Landwirtschaft und den anderen relevanten Wissenschaften überlassen. Ich will ja dem Maler auch nicht dreinreden, welchen Pinsel er verwenden soll, wenn er meine Wohnung streicht. Dafür ist er Fachmann. Kritereien "von aussen" sind Umweltbelastung und Nachhaltigkeit und dafür soll es selbstverständlich auch Förderung geben. Hoffnung besteht, weil endlich Umwelt- und Landwirtschaft nicht mehr getrennte Ministerien sind.
Das mit alten Rassen, die schlechtes Weideland noch ausnützen können, ist ein Problem. Offenbar lohnt es sich mehr, weniger Stück Hochleistungsvieh zu halten, die dann auch entsprechend gefüttert werden müssen, und andersrum versucht man, die Verbrachung schlechter Weideflächen durch Bewirtschaftungsbeiträge aufzuhalten.
Das läuft auch anderweit so: Unqualifizierte Stellen werden sogar beim Staat durch Roboter ersetzt, und die Leute, die es gibt und die nur das können, liegen dann dem Sozialamt auf der Tasche.
Rohana hat geschrieben: Mo 17. Jan 2022, 09:32 Abhilfe schafft der Verzicht nicht, denn wenn wir es nicht kaufen wird es jemand anderes tun.
Das geht so nicht, denn die anderen sagen das auch. Deshalb muss man zuerst vor der eigenen Türe kehren, bevor man auf die anderen zeigt. Für die Produzenten heisst das, in Vorleistung gehen und nicht auf Subventionen warten. Wenn einer das freiwillig macht, obwohl es erst einmal produktionserschwerend ist, wird er dadurch glaubwürdiger, als wenn er es nur wegen dem Geld macht.
"Wieso kauf ich eine Fahrkarte wenn andere schwarz fahren" funktioniert ja auch nicht, und mit der Zigarre im Mund kann man anderen schlecht vom Rauchen abraten.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 17. Jan 2022, 12:47
von Rohana
emil17 hat geschrieben: Mo 17. Jan 2022, 11:25 Für die Produzenten heisst das, in Vorleistung gehen und nicht auf Subventionen warten. Wenn einer das freiwillig macht, obwohl es erst einmal produktionserschwerend ist, wird er dadurch glaubwürdiger, als wenn er es nur wegen dem Geld macht.
Du hast vergessen, dass wir alle von dem Geld leben - im Grund "machen" wir das alle "wegen dem Geld"! Derowegen MUSS es wirtschaftlich sein. Sonst ist es Hobby, was ja völlig legitim ist für Leute die das Geld über haben... aber ja, der Trend geht zum Nebenerwerb. Frag dich mal warum ;)

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 17. Jan 2022, 19:10
von Benutzer 4754 gelöscht
Ab nächstem Jahr kann man Stickstoffdünger der ohne fossile Energie hergestellt wurde kaufen.

Spätestens wenn sich das durchzusetzen beginnt, hat der Ökolandbau ein großes Argument verloren. Denn dann fallen die meisten CO2 Emissionen des konventionellen Ackerbaus weg.

https://www.agrar-presseportal.de/landw ... 32072.html

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 17. Jan 2022, 20:57
von emil17
Rohana hat geschrieben: Mo 17. Jan 2022, 12:47 Du hast vergessen, dass wir alle von dem Geld leben - im Grund "machen" wir das alle "wegen dem Geld"! Derowegen MUSS es wirtschaftlich sein. Sonst ist es Hobby, was ja völlig legitim ist für Leute die das Geld über haben... aber ja, der Trend geht zum Nebenerwerb. Frag dich mal warum ;)
Ich habe das nicht vergessen. Nur, wenn man sich nicht mehr die geringste Kreativität im Beruf leisten kann, weil es sich dann nicht mehr rechnet, dann ist man doch nur noch der Knecht seiner eigenen Betriebsrentabilität ... Da ist es doch besser für das eigene Wohlbefinden, das mit weniger Rentabilitätsdruck im Nebenerwerb zu machen und die Freude daran zu behalten.
Rentabilität hilft ja auch nicht, seit Jahrzehnten werden alle immer effizienter und es wird trotzdem nicht besser.