Richtiger Bauer bin ich ja keiner. Weder hab ich es anständig gelernt, noch kann ich davon leben.
Bin immer am Hadern, ob ich jemandem zur Landwirtschaft raten soll. Viel Arbeit für wenig Geld und ständig diverse Behörden im Nacken. Aber die eigentliche Bauernarbeit ist für mich der schönste Beruf, den es gibt. Wenn man sich dazu berufen fühlt, sollte man auch in die Richtung gehen. Die Frage ist halt, ob man es beim Hobby belässt, oder ob man es zum Neben- oder gar Vollerwerb ausbauen will. Je mehr Erwerbsgedanken mit rein spielt, desto größer werden die Zwänge und desto häufiger die Kompromisse.
Das Anmelden ist kein großes Problem:
-Landwirtschaftsamt, wegen Betriebsnummer, Anmeldung als Futtermittelunternehmer, Förderung
-Veterinäramt, bei Tierhaltung
-Tierseuchenkasse (via Veterinäramt)
-Landwirtschaftliche Sozialversicherung (Berufsgenossenschaft, Rentenkasse, Krankenkasse)
-Eine Versicherung deiner Wahl wegen Betriebshaftpflicht
-Finanzamt (die vergeben dann eine eigene Steuernummer für deinen Landwirtschaftsbetrieb)
-Steuerberater der Ahnung von Landwirtschaft hat (würde ich zumindest in den ersten Jahren dringet zu raten, danach kannst du die Steuererklärung evtl. auch selbst machen)
-evtl. untere Naturschutzbehörde, falls für Landschaftspflegetätigkeiten eine Förderung von deren Seite gewünscht ist
-Bio-Kontrollstelle deiner Wahl, falls du eine Bio-Zertifizierung willst (die ist auch Voraussetzung für Bio-Fördermittel der EU)
-Bio-Anbauverband deiner Wahl, falls du zusätzlich eine Zertifizierung eines bestimmten Anbauverbandes willst
Gewerbeanmeldung brauchst du keine. Land- und Forstwirtschaft hat da einen Sonderstatus.
Die größten Fallstricke drohen bei der landwirtschaftlichen Sozialversicherung.
Um die Berufsgenossenschaft kommst du nicht herum.
Bei der landwirtschaftlichen Kranken- und Alterskasse ist die Frage, ob du rein willst oder nicht.
Bei der Krankenkasse entscheidet idR woher der größte Teil des Einkommens kommt. D.h. wenn du mehr außerlandwirtschaftlich verdienst, bleibst du bei deiner alten Kasse. Die berechnen dann anhand deines jährlichen Einkommenssteuerbescheides, wie viel du zu zahlen hast.
Von der landwirtschaftlichen Alterskasse kannst du dich befreien lassen, wenn du mehr als einen bestimmten Mindestbetrag (ich glaube aktuell 410 Euro) an außerlandwirtschaftlichem Erwerbseinkommen hast.
Wenn du in die landwirtschaftliche Alters- und Krankenasse musst, werden die Beiträge nicht nach dem tatsächlichen Einkommen, sondern nach Regelsätzen pro Nutzfläche, Bewirtschaftungsart und Viehbestand berechnet.
Und bei Verheirateten wird es besonders verzwickt. Wenn du einen normalen Job hast und die Landwirtschaft zusätzlich alleine machst, deine Frau aber Hausfrau ist (d.h. nicht mind. 410 Euro monatliches Erwerbseinkommen hat), dann wird deine Frau automatisch Pflichtmitglied in den landwirtschaftlichen Kassen und muss volle Beiträge bezahlen, auch wenn sie nie nicht einen Finger im Landwirtschaftsbetrieb krumm macht.
Das hat schon öfter dazu geführt, dass kleine Nebenerwerbsbauern tausende Euro für Jahre rückwirkend nachzahlen mussten, wenn die Frau nicht angemeldet war und die Kassen das herausgefunden haben. Unvorstellbar bei allen anderen Selbständigen, aber in der Landwirtschaft ist das Recht und Gesetz. So kann ein kleiner Nebenerwerb sehr schnell sehr teuer werden.
Wenn diese Fallstricke geklärt sind, kannst du munter loslegen.
Wenn du nur wenig Fläche intensiv bewirtschaftest ist zu überlegen, ob du überhaupt den Mehrfachantrag für die EU- und Landesfördermittel stellst. Der bürokratische Aufwand und die Kontrollen sind nicht ohne.
Wenn du größere Flächen bewirtschaftest, kommst du um den Antrag nicht herum. Sonst kommst du finanziell auf keinen grünen Zweig.
Um überhaupt EU-Fördermittel beantragen zu können, brauchst du sogenannte Zahlungsansprüche. Die musst du von anderen Bauern kaufen, die welche übrig haben, z.B. wegen Flächenverlust.
Zusätzlich zu den EU-Mitteln gibt es verschiedenste Förderprogramme der Bundeländer, meist für extensives Wirtschaften.
Außerdem gibt es Fördermittel für Baumaßnahmen etc.
Es sind jeweils eine Menge an Bedingungen einzuhalten.
Für die EU-Mittel wird die Einhaltung der Cross-Compliance-Bedingungen vorausgesetzt.
Die kannst du z.B. da runterladen zum Nachlesen:
http://www.stmelf.bayern.de/agrarpolitik/001318/
Einige der möglichen Förderungen für das Beispiel Bayern kannst du hier nachlesen:
http://www.stmelf.bayern.de/foerderwegweiser
http://www.stmelf.bayern.de/agrarpoliti ... ng/003649/
Ist eine Menge Arbeit, sich da als Anfänger reinzufuchsen, aber da muss man leider durch.
Wenn man mal rausgefunden hat was für die eigenen Betriebszweige zutrifft und man ein oder zwei mal mit den Anträgen durch ist, wird es leichter.
Zum Thema Obstbau kann ich wenig sagen.
Ich habe einen gewaltigen Respekt vor Leuten, die reproduzierbar marktfähiges Tafelobst erzeugen, vor allem im Bio-Bereich.
Da ist m.E. viel mehr Wissen und können nötig als für meine Mutterkuhhaltung.
In der Landwirtschaft gibt es nicht ohne Grund eine Latte von verschiedenen Lehrberufen.
Aber auch in den Obstbau kann man sich reinfuchsen, wenn man genug Willen und Interesse mitbringt.