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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 23. Dez 2021, 17:02
von sybille
Hildegard hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 00:00 /Unser Milchbauer (Bio Heumilch , Kühe mit Hörnern, Weide)..verlangt pro Liter ab Tank 70ct. Zugang zum Tank rund um die Uhr...Selbstbedienung. Abgerechnet wird nach persönlichem "Ermessen" . Monatlich/ Jährlich, oder bei Erreichen eines bestimmten Betrages...und auf Vertrauensbasis, dass die Menge stimmt. Gibt keine Kontrolle am Tank. Daheim wird geholte Menge in den Milchkalender eingetragen .Funktioniert seit 40 Jahren so!! Jeden 2. Nachmittag wird der Tank entleert, da gibts die Milch erst am Abend ab 18 Uhr wieder. Muss man sich halt merken. Da sie nur gekühlt, aber nicht entrahmt ist, kann man den Rahm auch noch abschöpfen. Kein Verpackungsmüll > Kanne, wenig /keine Extra Fahrtkosten...4 Strassen km entfernt,
( obwohl man von uns fast bei der Stalltür hineinschauen kann, liegt aber auf der anderen Seite des "Tales". Auf der "Diritissima ist keine Brücke über den Bach ) Man nimmt sie mit, wenn jemand ohnehin dort vorbeifährt oder die Tochter die dort nebenan wohnt, bringt sie mit. Sie hält auch fast eine Woche im KS. Ist für uns die optimale Lösung.
So ähnlich ist das 2 Dörfer entfernt von mir auch. Er verkauft morgens und abends für 60 Cent/Liter.
Ich frage mich warum es nicht mehr Bauern so machen statt zu jammern. Es lohnt sich scheinbar denn sonst würde der Bauer das nicht machen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 23. Dez 2021, 18:55
von Hildegard
Für ihn lohnt es sich auch wenn die Menge gering ist, hat aber mehr private Abnehmer...ist ja der einzige im "Dorf" mit Milchkühen. Der Preis ist auch etwas höher, als ihm die Molkerei bezahlt...und für uns ca die Hälfte vom Handel. außerdem hat er absolut keine Arbeit damit, weil jeder sich die Milch selbst vom Tankhahn abläßt und auch wegspült, Licht ausmacht usw...zusätzlich kann er mit Unterstützung von Einigen rechnen, wenn mal geschwind wo ein paar Hände fehlen. Also win-win.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 23. Dez 2021, 19:52
von Manfred
Erstaunlich, dass eure Bauern ihre Buchführung jedem ihrer Kunden offenlegen. Das findet man nur sehr selten.
Ich bin mit dem Versuch gescheitert, wenigstens im einen oder anderen einschlägigen Forum eine entsprechende geschlossene Gruppe unter Bauern einzurichten.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 23. Dez 2021, 23:09
von Rohana
sybille hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 17:02 Es lohnt sich scheinbar denn sonst würde der Bauer das nicht machen.
Haja... "lohnen" ist so lala. Es macht halt keine Arbeit! Bei 600-800l pro Tag wie bei uns, brauchts halt n paar Kunden dass man da was von merkt. Mal ganz abgsehen davon dass nicht jeder Hinz und Kunz am Milchtank haben möchte.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 24. Dez 2021, 10:51
von Manfred
@Rohana: Dürftet ihr das überhaupt, von eurem Molkereivertrag her? Stichwort Andienungspflicht.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 24. Dez 2021, 12:37
von emil17
Hildegard hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 18:55 Also win-win.
Für und win win win: Der Berg von Milchpackungen fällt auch weg.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 24. Dez 2021, 15:51
von sybille
Rohana hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 23:09
sybille hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 17:02 Es lohnt sich scheinbar denn sonst würde der Bauer das nicht machen.
Haja... "lohnen" ist so lala. Es macht halt keine Arbeit! Bei 600-800l pro Tag wie bei uns, brauchts halt n paar Kunden dass man da was von merkt. Mal ganz abgsehen davon dass nicht jeder Hinz und Kunz am Milchtank haben möchte.
Der Bauer, bei dem ich die Milch hole, verkauft morgens und abends. Die Zeit muss er bzw. seine Frau sich nehmen denn dort füllen nur er oder seine Frau die Milchflaschen der Kundschaft ab. Einfacher wäre es sicher die Milch von 100 Kühen komplett an die Molkerei zu verkaufen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 24. Dez 2021, 23:23
von Rohana
Ich bezog mich auf Hildegard, bei der das offensichtlich alles sehr formlos abläuft. Kann ja jeder halten wie er möchte.

@Manfred: Muss man, soweit ich weiss, bei der Molkerei anmelden.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 25. Dez 2021, 08:43
von emil17
Rohana hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 23:09 Bei 600-800l pro Tag wie bei uns, brauchts halt n paar Kunden dass man da was von merkt. Mal ganz abgsehen davon dass nicht jeder Hinz und Kunz am Milchtank haben möchte.
Bei unserer Käserei füllt selbstverständlich das Personal ab. Am einfachsten geht das für alle, wenn man zwei angeschriebene Gebinde hat, dann lässt man das saubere leere da und nimmt das abgefüllte mit.
Das hat aber den Vorteil, dass die Leute an den Hof kommen und sehen wie ihr wirtschaftet. Dann stellste im Herbst auch mal ein paar Kisten Obst oder Lagergemüse da, das verkauft sich dann auch.
Kleinvieh mancht bekanntlich auch Mist. 100 Liter im Monat zu 50 ct geben 50 Euro sind 600 pro Jahr, ist doch schon mal was.
Dann kommt vielleicht plötzlich noch Ware vom Nachbarn dazu, der vielleicht selber Wurstwaren macht oder Wein oder Eier hat. Bei uns sind viele Hofläden so entstanden.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 25. Dez 2021, 11:03
von Manfred
Die Vollkosten für die konventionelle Milchproduktion liegen in D inzwischen bei ca. 45 Cent netto pro Liter, Tendenz schnell steigend. Bio entsprechend höher.
Wenn ich da Milch für 60 Cent / l ab Tank verkaufe und dann auch noch Arbeitszeit fürs Abfüllen anfällt, ist das kein Geschäft.

Bei mir im Handel brauche ich als Einzelkämpfer ca. 1000 Euro Umsatz am Tag, 365 Tage im Jahr, um die Kosten zu decken. Und ich habe eine sehr flache Kostenstruktur.
Ich gehe davon aus, dass wir 2022 nochmal starke Inflation sehen werden, mit im schlimmsten Fall über 50% Kaufkraftverlust. Da werden sich viele grüne Träume in Luft auflösen, weil die Bevölkerung sie einfach nicht mehr bezahlen kann. Und für meinen extensiven Weidehaltungsbetrieb könnte das das wirtschaftliche Aus bedeuten. Wir überlegen mehrgleisig, wie es weitergehen könnte. Als Notfallplan würden wir auf Subsistenzwirtschaft zurückfahren. Zumindest diese möchten wir in der Familie erhalten.

Vom Biofleisch im Discounter werden übrigens aktuell schon ca. 30% entsorgt, weil sie sich nicht verkaufen.
Beim konventionellen Fleisch sind es 2% bis 5%.