Manfred hat geschrieben: Di 2. Nov 2021, 17:51
Wenn man den Sojaanbau einschränkt, muss auch beantwortet werden, wie das Pflanzenöl dann erzeugt werden soll.
Das ist der übliche Argumentationsfehler, um nichts ändern zu müssen: Verbrauch wird mit Bedarf verwechselt. Dabei ist das eine stets eine Folge des anderen.
Die Synergie von Sojakuchen als Tierfutter und Sojaöl für fast alles sorgt für ein hohes Angebot an billigem Material, weil die Verwertbarkeit der Soja sehr gut ist. Die Industrie kann Sojaöl wie andere pflanzliche und tierische Öle und Fette für fast alles zugänglich machen. Das ist an sich nicht schlecht. Um das Produkt auf dem Markt konkurrenzfähiger zu machen und den eigenen Absatz zu steigern, kann man auch Bauern dahingehend informieren, dass durch Zufütterung des Presskuchens, der sonst in diesen Mengen Abfall wäre, die Milchleistung von Kühen bedeutend gesteigert werden kann. Dadurch kann wiederum das Öl billiger produziert werden, weil ein Teil des Deckungsbeitrages durch das Futtermittel geleistet wird.
Die Produktionsflächen sind billig, weil keiner Geld für sowas wie Aufforstungen oder nachhaltigen Anbau, geschweige denn für Humusaufbau verschwendet, ausser auf Vorzeigeflächen für Greenwashing. Das würde ja nur das Produkt verteuern.
Das führt dazu, dass Soja aus nicht nachhaltigem Anbau so billig und in so grossen Mengen erzeugt wird und verfügbar ist, dass man auch fast alles draus macht - von Salatöl über Kosmetika bis zu Biodiesel. Spätestens wenn aus potentiellen Lebensmittel Diesel gemacht wird, darf man den Begriff Überproduktion gebrauchen - sowas macht man vor allem, um über künstliche Nachfrage die inländische Produktion zu stützen.
Manfred hat geschrieben: Di 2. Nov 2021, 17:51
Auf Regenwaldflächen hat er m.E. nichts verloren, bzw. höchstens als Unterkultur in Agroforstsystemen.
Womit der Grossteil der Produktion und damit der Menge als Problem erkannt ist.
Mit der gleichen Argumentation "Wenn man den Anbau einschränkt, muss auch beantwortet werden, wie das Produkt dann erzeugt werden soll" wird man auch Palmölplantagen oder Baumwollenanbau und Kohlekraftwerke und überhaupt fast alles befürworten.
Das Problem ist der viel zu hohe Verbrauch in den Industrieländern. Wir kaufen Soja, um damit Fleisch und Milch zu produzieren und weil das Öl ein billiger Rohstoff für sehr vieles ist. Folglich ist es "Bedarf", folglich wird es angebaut, folglich wird es verbraucht, folglich wird die Produktion ausgeweitet, folglich ... Aufhören tut es, wenn es etwas noch besseres oder noch billigeres gibt, oder wenn die Produktionsgrundlage, in vielen Fällen rodbare Wälder, rar werden.
Die Lösung des Problems findet man, indem man darüber nachdenkt, ob der durchschnittliche Verbrauch bei uns gerechtfertigt oder bloss Bequemlichkeit oder gar Verschwendung ist. Bei Baumwolle wäre es besonders einfach: Könnte der durchschnittliche Verbrauch von 60 Kleidungsstücken pro Jahr und Kopf der Deutschen (oder Schweizer oder Österreicher) damit etwas zu tun haben?.
Die Marktwirtschaft alleine kann das Problem nicht lösen, denn ein Produkt gilt dann als gerechtfertigt, wenn man damit Geld verdienen kann. Andere Kriterien gibt es nicht.