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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Di 17. Nov 2015, 13:24
von Benutzer 4754 gelöscht
Steinbock, der Landwirt verkauft seine Ernte ja praktisch im voraus und die liefermengen sind vertraglich festgeschrieben.
Was macht der gute Herr bei einem Ernteausfall?
Ist das "richtige" Direktvermarktung auf einem "freien" Markt?
Wenn ihno seine 50t Kartoffeln schon im Frühjahr an irgentwen verkauft zu einem festen preis (der wird dann aber deutlich unter 1€/kg liegen) kann er sich m.M.n. nicht immer glücklich schätzen, bei Ertragseinbrüchen hat er aber ein Problem an der Backe....
wenn der Markt mehr als den Vertragspreis bieten würde hat er immer noch seine Lieferverpflichtungen zum "Ramschpreis"...
Ich produziere meine Tonne "auf Halde" und muss dann zu sehen das ich sie zu einem guten Preis los bekomme

Bei einem Vertragspreis von 50ct/kg würde
ich sofort mehr produzieren, aber nur 300dt/ha schon "verkaufen" das ich die Sicherheit habe das ich den Vertrag bedienen kann, auch wenn es ein schlechtes Jahr gibt, in guten Jahren muss man dann eben doch noch 200dt/ha "extra" verkaufen.
Der Landwirt vom Kattendorfer Hof bekommt 1012€ pro ha (178€*(10000:2500)+300€), wenn die Vermarktung nichts Kosten würde, müsste er mindestens 33,74ct/kg Kartoffeln verlangen um auf den selben Betrag zu kommen.
300dt/ha vorausgesetzt. Das ist ca. die Spitze des Kartoffelbergs im Öko-Landbau.
Re: Mal ein bischen Abwechslung für den heimischen Speisepla
Verfasst: Di 17. Nov 2015, 13:40
von Benutzer 4754 gelöscht
Mehlwürmer in Nahrungsmitteln und Futtermitteln für Säugetiere sind für mich immer noch Schädlinge die bekämpft werden müssen.
Wer allerdings gerne Mehlwürmer frisst ist sind Hühner, v.a. wenn sie im eigenen Futtersack wuchsen

immer noch besser als Garnelenschrot, der vorher verfüttert wurde.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Di 17. Nov 2015, 16:17
von Steinbock
Ölkanne hat geschrieben:Was macht der gute Herr bei einem Ernteausfall?
Dann gibt's z.B. 'ne Rundmail, dass es erst in ein paar Wochen wieder Kopfsalat gibt, weil der Frost die jungen Pflanzen geschädigt hat.
Ölkanne hat geschrieben:Ist das "richtige" Direktvermarktung auf einem "freien" Markt?
Du hast Kunden, die bereit sind für gutes Essen gutes Geld zu bezahlen. Ich habe jetzt noch nicht genau gerechnet was das im Verhältnis zu Supermarktpreisen wäre, aber ich weiß von Bioläden dass z.B. Biokartoffeln auch nicht sooo viel teurer sind.
Ansonsten gibt es halt das Gemüse was die Saison hergibt. Außerdem hast Du keine Zwischenhändler zwischen Landwirt und Verbraucher.
Hier ist ein Vortrag von Herrn von Mirbach in dem er erzählt wie das Ganze gekommen ist und sich entwickelt hat:
Mathias von Mirbach: Solidarische Landwirtschaft: Stadt-Land-Beziehung auf Gegenseitigkeit (26min05)
https://www.youtube.com/watch?v=4TNe4rIdVog
Ölkanne hat geschrieben:Der Landwirt vom Kattendorfer Hof bekommt 1012€ pro ha (178€*(10000:2500)+300€), wenn die Vermarktung nichts Kosten würde, müsste er mindestens 33,74ct/kg Kartoffeln verlangen um auf den selben Betrag zu kommen.
Die 300,- Euro sind die EU-Prämie?
Der Witz ist ja dass der Hof alle möglichen Produkte verkauft und dadurch breit aufgestellt ist. So kann er immer noch wirtschaften auch wenn mal ein Produkt nicht zu haben ist.
Eine Ursache für die Misere, neben der EU-Bürokratie, sind die geringen Löhne oder genauer die geringen Lohnsteigerungen in den letzten 20 Jahren. Die Leute würden sicher lieber gute Vollmilch kaufen als die nicht so gut riechende für 55 Cent pro Liter aus'm Tetrapack.
Die beste Milch, d.h. die mit dem besten Geschmack, ist übrigens die Biomilch von der Molkerei Schwarzwaldmilch (am Besten natürlich in der Glasflasche). Die schlägt die Demeter-Milch um Längen.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Di 17. Nov 2015, 16:27
von Manfred
Das ist der Monatsbeitrag, nicht der Jahresbeitrag.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Di 17. Nov 2015, 16:37
von Benutzer 4754 gelöscht
Manfred hat geschrieben:Das ist der Monatsbeitrag, nicht der Jahresbeitrag.
Ups, da hab ich mich verrechnet
Der gute Mann hat pro Jahr und Hektar 2436€ zu Verfügung (178*12+300) wenn es keine Vegetarier gäbe.
Ja die 300€ sind die EU-Ausgleichszahlungen.
Das kommt jetzt für einen Gemüsebauer hin
Wenn er konventionell Weizen anbauen würde hätte er aktuell 1800€/ha/Jahr zur Verfügung (100dt/ha Ertrag, 180€/t), Gemüse ist aber, va. Ökolagisch Angebaut, wesentlich arbeitsintensiver als Weizen.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Di 17. Nov 2015, 16:53
von Manfred
Beitrag pro Monat und 2500m2
Wobei da ja die ganze Verarbeitung von Milch und Fleisch mit dran hängt und wohl auch der Zukauf von den Partnerbetrieben.
Das wird sich ohne Kenntnis der internen Abrechnung nicht aufdröseln lassen.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Di 17. Nov 2015, 17:17
von Benutzer 4754 gelöscht
Beitrag pro Monat und 2500m2
Ach man
Nach 210 Minuten Matheklausur geht irgentwie nix mehr
8844€/ha/Jahr (178*12*4+300), damit lässt sich als Ackerbaubetrieb gut leben

Auch wenn der geldfressende Rattenschwanz davon bezahlt werden muss.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Di 17. Nov 2015, 18:34
von Steinbock
Ölkanne hat geschrieben:Beitrag pro Monat und 2500m2
Ach man
Nach 210 Minuten Matheklausur geht irgentwie nix mehr
8844€/ha/Jahr (178*12*4+300), damit lässt sich als Ackerbaubetrieb gut leben

Auch wenn der geldfressende Rattenschwanz davon bezahlt werden muss.
Und die Kunden kommen auch noch ein- oder zweimal pro Jahr auf den Hof und helfen mit.
Und ich kenne noch einen anderen Landwirt der lässt sich von einem (oder mehreren?) Nachbarn sich drei oder vier Schweine großziehen (das Futter kommt glaube ich vom Landwirt). Wenn die Schweine dann groß sind darf der Nachbar eines als Lohn behalten. Die Schweine werden dann in der hofeigenen Schlachterei geschlachtet und zu Wurst und Fleisch verarbeitet.
Hier:
http://www.gutswerk.de
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 18. Nov 2015, 09:51
von marceb
Noch ein Landwirt, der neue Wege geht:
Tief im Matsch: Schweine in Freilandhaltung
http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig ... st202.html
Gruß
Martina
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 19. Nov 2015, 11:58
von hobbygaertnerin
In unserer Tageszeitung stand, dass auf Grund einer Änderung der Tierschutz-Schlachtverordnung künftig auch solche Direkvermarkter eine behördliche Sachkundebescheinigung benötigen, die auch nur in geringen Mengen Geflügel oder Kaninchen schlachten. Wer das bis 8.Dezember beantragt, kann noch unter erleichterden Bedigungen eine Bescheinigung erhalten, etas mit dem Nachweis einer !einschlägigen dreijährigen Berufserfahrung- nach dem 8. Dezember ist eine vorherige Teinahme an einem speziellen Sachkundekurs erforderlich.