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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 22. Okt 2021, 08:54
von Benutzer 4754 gelöscht
emil17 hat geschrieben: Fr 22. Okt 2021, 08:32 Oh, da werden sich die Spekulanten freuen und die Getreidepreise durch Terminkäufe noch zusätzlich in die Höhe treiben.
Das Problem:
Als Landwirt bekommt man zur Zeit praktisch keine Verträge. Kein Aufkäufer ist bereit die hohen Preise festzuschreiben.

Aber wenn's so weiter geht kann man auch mit 6,5 statt 9 Tonnen leben.
mehr steht dann aber auch nicht auf dem Acker....

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 22. Okt 2021, 09:20
von Manfred
emil17 hat geschrieben: Fr 22. Okt 2021, 08:32 Oh, da werden sich die Spekulanten freuen und die Getreidepreise durch Terminkäufe noch zusätzlich in die Höhe treiben.
Dann sind die Schuldigen für die mögliche Nahrungsmittelskrise ja schon gefunden, und ihre Mittäter fein heraus.
Laut Argumentation der Politik leisten die Spekulanten einen wertvollen Beitrag indem sie helfen, mögliche Versorgungskrisen frühzeitig zu erkennen und den Preis als Indikator entsprechend bewegen, was dann der Politik die Zeit gibt, ebenso frühzeitig zu reagieren.
Ich bin gespannt, welche Schlüsse bei den Koalitionsverhandlungen draus gezogen werden.
Die Politik hatte ja inzwischen 3 Jahre Zeit zu bemerken, dass die Spekulanten ihre Arbeit machen.

https://static.boerse.de/cache/charts/U ... 87aab4.png

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 22. Okt 2021, 09:59
von Oli
Manfred hat geschrieben: Fr 22. Okt 2021, 01:10 Wird spannend nächstes Jahr.
Jetzt werden neben Düngemitteln auch noch Pflanzenschutzmittel weltweit knapp.
China hat Ausführbeschränkungen verhängt, um wenigstens den eigenen Bedarf zu sichern.
In den USA schmieden die Pflanzenschutzdienste Notfallpläne.
Hoffentlich entspannt sich das noch bis zum Frühjahr. Sonst könnten Ende nächstes Jahr weltweit merkliche Ernteeinbußen zu Buche stehen.
Hoffentlich teilen wir dann bereitwillig mit den Ärmsten, die jetzt schon fast ihr gesamtes Einkommen für Lebensmittel ausgeben, wenn sich die Getreidepreise verdoppeln. Allein mir fehlt der Glaube...
Ich hörte vor einigen Wochen aus den USA, dass (logischerweise) auch der Markt und die Lieferketten für Ersatzteile für landwirtschaftliche Maschinen sehr in Bedrängnis geraten sei. Aktuell sei mit unvorhersehbar längeren Lieferzeiten zu rechnen, perspektivisch ... mindestens 3 Fragezeichen.

Ist das bei uns (auch) schon ein Thema? Werden Ersatzteile in ausreichender Anzahl vorgehalten oder verlässt man sich da auch auf just-in-time-Lieferung?

Die Frage geht übrigens an alle, die Bescheid wissen könnten.

Ich selber bin ja ein ziemlicher Laie, stelle es mir aber zumindest mal 'interessant' vor, was für eine Kaskade an Scheiße losrollt, wenn Mähdrescher & Co. nicht einsatzfähig sind, das gute Wetter nicht wartet bis die Teile da sind, nach der Reife die Rotte kommt usw. usf.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 22. Okt 2021, 10:56
von Benutzer 4754 gelöscht
Oli hat geschrieben: Fr 22. Okt 2021, 09:59
Manfred hat geschrieben: Fr 22. Okt 2021, 01:10 Wird spannend nächstes Jahr.
Jetzt werden neben Düngemitteln auch noch Pflanzenschutzmittel weltweit knapp.
China hat Ausführbeschränkungen verhängt, um wenigstens den eigenen Bedarf zu sichern.
In den USA schmieden die Pflanzenschutzdienste Notfallpläne.
Hoffentlich entspannt sich das noch bis zum Frühjahr. Sonst könnten Ende nächstes Jahr weltweit merkliche Ernteeinbußen zu Buche stehen.
Hoffentlich teilen wir dann bereitwillig mit den Ärmsten, die jetzt schon fast ihr gesamtes Einkommen für Lebensmittel ausgeben, wenn sich die Getreidepreise verdoppeln. Allein mir fehlt der Glaube...
Ich hörte vor einigen Wochen aus den USA, dass (logischerweise) auch der Markt und die Lieferketten für Ersatzteile für landwirtschaftliche Maschinen sehr in Bedrängnis geraten sei. Aktuell sei mit unvorhersehbar längeren Lieferzeiten zu rechnen, perspektivisch ... mindestens 3 Fragezeichen.

Ist das bei uns (auch) schon ein Thema? Werden Ersatzteile in ausreichender Anzahl vorgehalten oder verlässt man sich da auch auf just-in-time-Lieferung?

Die Frage geht übrigens an alle, die Bescheid wissen könnten.

Ich selber bin ja ein ziemlicher Laie, stelle es mir aber zumindest mal 'interessant' vor, was für eine Kaskade an Scheiße losrollt, wenn Mähdrescher & Co. nicht einsatzfähig sind, das gute Wetter nicht wartet bis die Teile da sind, nach der Reife die Rotte kommt usw. usf.
Wir warten seit drei Wochen auf Ölfilter für die Zentralhydraulik unserer Aufbereitung,
meine Winterreifen fürs Auto habe ich vor 4 Wochen bestellt, sie kommen hoffentlich nächste Woche
Der Mähdrescher eines Kollegen steht seit Wochen in der Werkstatt weil eine Kupplung nicht lieferbar ist.
Mein Kumpel hat Anfang September einen Mähdrescher und ein Hoflader bestellt:
Der Drescher kommt hoffentlich noch im Juni 2022, der Hoflader wird zu Weihnachten 2022 da sein.

Mähdrescher dauerten vor 3-4 Jahren noch 2 oder 3 Monate, Hoflader konnte man heute bestellen und nächste Woche fahren...

Es darf nichts kaputt gehen, sonst haben wir massive Probleme.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 22. Okt 2021, 11:35
von Oli
Danke für die rasche Antwort und Bestätigung. Es ist also nicht anders als im KfZ-Bereich.

Für mein 'altes' Auto habe ich auch wochenlang auf Reifen gewartet. Als sie montiert waren hatte ich einen Auffahrunfall und kam in die missliche Lage, ein neues gebrauchtes Fahrzeug zu benötigen. Über Beziehungen haben wir nach 3 Wochen ein einigermassen passendes Fahrzeug gefunden, was der findige Händler aus dem Ausland geholt hat. Die Lieferung dauerte dann nochmal ewig und heute kann ich nach 5 Wochen (so denn alles gut geht) endlich den Leihwagen abgeben und mein neues Fahrzeug übernehmen.

Ich weiß, dass einige hier das immer noch unheimlich witzig finden werden, aber ich überlege in der Tat einige typische Verschleißteile einzulagern.
Oder zu hoffen, dass es ein Fahrzeug ist, an dem im Zweifelsfall ein kundiger Bastler workarounds pfuschen kann wenn was kaputt geht.

Besteht bei den meines Wissens nach hochtechnisierten landwirtschaftlichen Fahrzeugen überhaupt noch die Möglichkeit mit Einfallsreichtum etwas zurecht zu basteln wenn das Ersatzteil in China zurückgehalten wird, im Suezkanal parkt oder sich in Deutschland wieder mal kein LKW-Fahrer findet, um es zum Händler zu bringen?




Man hat es ja in vielen, vielen Bereichen kommen sehen und wer im echten Leben unterwegs ist merkt täglich, dass Organisationstalent und Beziehungen täglich wichtiger werden bei der Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen. Einige wollten die Warnungen nicht hören, andere waren dankbar.

Die Auswirkungen allerdings dürften im landwirtschaftlichen Bereich etwas fundamentalere Folgen haben.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 22. Okt 2021, 11:39
von penelope
Und die Leute, die den Standpunkt "lieber alles ne Nummer kleiner, dafür mehr in der eigenen Hand" vertreten, sind ja die weltfremden Spinner...

Die ersten Leidtragenden, wenn es in der westlichen Welt zu Ernteeinbußen kommen sollte, werden die Menschen in den Entwicklungsländern sein, deren eigene Märkte durch die subentionierten Exporte der Industrienationen zerstört wurden und die dadurch in Abhängigkeiten getrieben wurden.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 22. Okt 2021, 12:06
von Manfred
Ich warte auch seit Monaten auf Ersatzteile für meinen Zaunmäher.
Lieferzeiten für Neumaschinen betragen ebenfalls oft mehrere Monate bis über ein Jahr.
Auch meine Lieferanten für den Handel haben anhaltende Lieferprobleme für diverse Artikel und haben dieses Jahr teilweise schon Mehrfach die Preise erhöht.
Bei Stahl scheint sich die Lage trotz der hohen Energiekosten etwas zu entspannen, aber Kunststoffe und einige Metalle, v.a. Magnesium sind extrem knapp.
Die massiven Störungen der Lieferketten durch die Corona-Maßnahmen und die Inflation durch viele Gelddruckerei werden uns noch länger begleiten. Das verursacht auch viele Klopapier-Effekte. Wer bei knapper Versorgung etwas ergattern kann, legt es sich als Vorrat auf Lager, um die eigene Versorgung zu sichern. So fehlt dann noch mehr Wahre für den aktuellen Bedarf.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 22. Okt 2021, 12:16
von Benutzer 4754 gelöscht
Manfred hat geschrieben: Fr 22. Okt 2021, 12:06 Das verursacht auch viele Klopapier-Effekte. Wer bei knapper Versorgung etwas ergattern kann, legt es sich als Vorrat auf Lager, um die eigene Versorgung zu sichern. So fehlt dann noch mehr Wahre für den aktuellen Bedarf.
ich gebe zu, das machen wir gerade bei Pflanzenschutzmitteln. Zur Schonung der Liquidität kaufen wird die eigentlich nur nach Bedarf.
Jetzt kaufen wir alles was die nächsten Jahre noch zugelassen ist und wir brauchen könnten. Billiger wird sicher nicht mehr und absehbar besser wird die Verfügbarkeit auch nicht. Also wird alles eingelagert was ins Lager passt und Sinn macht.
Oli hat geschrieben: Fr 22. Okt 2021, 11:35 Besteht bei den meines Wissens nach hochtechnisierten landwirtschaftlichen Fahrzeugen überhaupt noch die Möglichkeit mit Einfallsreichtum etwas zurecht zu basteln wenn das Ersatzteil in China zurückgehalten wird, im Suezkanal parkt oder sich in Deutschland wieder mal kein LKW-Fahrer findet, um es zum Händler zu bringen?

Die Auswirkungen allerdings dürften im landwirtschaftlichen Bereich etwas fundamentalere Folgen haben.

Ganz klar: nein. Die modernen Maschinen stehen still wenn auch nur ein Kleinteil nicht lieferbar ist und selbst stricken geht schon lange nicht mehr.

Die Auswirkungen sind recht einfach: in Rotterdam, Rostock und am GTH wird eben en Schiff mehr leergesaugt und dann hat sich die Sache für uns Europäer erledigt.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 22. Okt 2021, 16:20
von Oli
Ah ja, alles wie vermutet. Vielen Dank für die Rückmeldungen!

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 22. Okt 2021, 16:51
von Manfred
In Nordamerika ist einfachere, gebrauchte Technik, die ein guter Mechaniker noch selbst reparieren und notfalls das eine oder andere Teil nachfertigen kann, seit einigen Jahren sehr gefragt, weil die Vertragshändler der Maschinenkonzerne extrem hohe Preise für Ersatzteile und Reparaturarbeitszeit aufrufen und die neuen, hochtechnisierten Maschinen oft sogar schon vertrag nicht mehr selbst repariert werden dürfen oder die Bauern keinen Zugang zur nötigen Analyse- und Einstellungssoftware erhalten.
Das wird sich durch die aktuellen Lieferprobleme sicher noch deutlich verschärfen.
In Gegenzug haben sich auch Händler für einfachere Technik aus Osteuropa dort etablieren können.
Der russische Traktorenhersteller Rostelmasch z.B. drängt dort unter der Marke Versatile in den Markt.
Wo die Entwicklung hin geht, ist schwer zu sagen.
Auf der einen Seite wird immer mehr automatisiert und mehr und mehr autonome Schlepper kommen auf den Markt.
Auf der anderen Seite ist die Monopolisierung so weit fortgeschritten, dass die Bauern ausgequetscht werden, wenn sie nicht doch wieder auf einfachere, Technik zurückgreifen...
Ich denke mal im Ackerbau geht es dahin, dass große Agrarunternehmen mit autonomen Schlepper, entsprechenden Mechanikerteams für die Wartung und ein paar Agraringenieuren für die Anbauplanung die Masse der Fläche bewirtschaften werden. Kleinbetriebe werden sich nur in Nischen und klein strukturierten Regionen mit geringer Wirtschaftlichkeit halten können.
Auch im Fleischrinderbereich wird immer mehr automatisiert. Die GPS-Halsbänder mit eingebauten Elektropulsern werden immer besser. Die funktionieren ähnlich wie ein Hundezaun. Das Tier erhält ein akustisches Warnsignal, wenn es sich in einen unerwünschten Bereich bewegt und wenn das nicht hilft einen kleinen Elektroschock, ähnlich wie beim Weidezaun.
Die Tiere lernen das sehr schnell und mit entsprechender Software kann man die Herde so über die Weideflächen lotsen, wo man sie hinhaben will.
Für Jungtiere sind die Halsbänder weniger geeignet, weil man ständig die Halsweite anpassen müssten, aber wenn einige ranghohe Kühe der Herde damit gelenkt werden, kann man die Ganze Herde damit auf großen Flächen lenken.
Und durch die Auswertung der Bewegungsprofile kann man auch auf den Gesundheitsstatus, Brunst, Geburt, Stress etc. einzelner Tiere schließen und sie bei Bedarf aufsuchen.
Da werden den Großbetriebe mit arrondierten Flächen weiteres Personal einsparen können und wir Kleinstbetriebe noch weiter zurückfallen.
Wir sind in einem Bereich der Entwicklung angelangt, wo die Demokratie wirklich überlegen sollte, was für eine Landwirtschaft sie möchte und wie sie diese bezahlen will.
Ansonsten wird sich der Strukturwandel noch erheblich beschleunigen, alleine schon deshalb, weil viel zu wenig Bauern und potentielle Landwirtschaftsarbeitskräfte nachkommen.