Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Dyrsian
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3091

Ungelesener Beitrag von Dyrsian »

penelope hat geschrieben: Do 21. Okt 2021, 13:15 Finanziell wird der allein durch seinen Landbesitz abgesichert sein.
Wie - sorry - die meisten Bauern. Mindestens bei den derzeitigen Boden- und Immobilienpreisen.
Die werden sich bald ändern - vermutlich nach unten. Also wenn aufhören, dann wohl jetzt.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3092

Ungelesener Beitrag von Manfred »

penelope hat geschrieben: Do 21. Okt 2021, 13:15 Dirk Andresen ist ein sehr sehr großer Schweinebauer, aus dessem Stall diese Bilder kommen:
https://www.spiegel.de/wirtschaft/schwe ... 02e3407268
Über das "sehr groß" kann man im internationale und auch nationalen Vergleich ja noch lachen,
aber was genau hast du denn an den Bildern auszusetzen?
Soll er die Sau töten, statt sie zu behandeln, weil sie eine entzündete Zitze hat? Die Ferkel dann gleich mit?
Soll jedes Tier getötet werden, dass irgendwo eine Schürfwunde hat?
Gegen Kastenstände kann man natürlich sein. Dann muss man im gleichen Zug aber auch klar sagen, dass man damit eine höhere Zahl erdrückter Ferkel im Kauf nimmt.

Das "Modellvorhaben ökologische Sauenhaltung" im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse, von der Größe her nicht mal ein Kleinbetrieb und personell besetzt wie eine Behörde, also mit einer Betreuungsdichte, die kein Landwirt in der Praxis erreichen kann, hatte laut diesem Bericht im Versuchsjahr 2001/02 folgende Ergebnisse:
Je Wurf gab es im Schnitt 12,52 lebend und 0,63 tot geborene Ferkel.
Davon wurden 9,56 Ferkel mit im Schnitt 13,1 kg abgesetzt.
D.h. von den 12,52 lebend geborenen Ferkeln sind bis zum Ende der Stillphase 2,96 gestorben. Das entspricht 23,64%
https://www.landwirtschaftskammer.de/du ... hweine.pdf

In der konventionellen Herde von Haus Düsse betragen die Ferkelverluste bis zum Absetzen im Schnitt ca. 12,6%
https://www.landwirtschaftskammer.de/du ... nherde.pdf

Will sagen, ohne Kastenstand werden im Schnitt 1 bis 2 Ferkel mehr je Wurf in der Säugezeit von der Sau erdrückt.
Die durchschnittliche Sau macht im Leben ca. 5 Würfe (wenn ich die Zahl richtig im Kopf habe, bin kein Schweinehalter).
Für jede Sau, die nach der Geburt nicht eine Zeit lang im Kastenstand steht, sterben also ca. 5 bis 7,5 Ferkel.

Wenn ich jetzt eine Volksbefragen machen würde mit der Frage:
Sind sie für ein Kastenstandverbot in der Sauenhaltung?
Stimmt vermutlich eine große Mehrheit für ja.
Frage ich dagegen: Sind sie dafür, die Regeln für die Schweinehaltung so zu ändern, dass je Sausauenleben 6 Ferkel mehr in der Säugezeit erdrückt werden, dann stimmt vermutlich eine große Mehrheit für nein.
Ja was denn nun?
Mehr Ehrlichkeit in der Debatte wäre hilfreich...
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3093

Ungelesener Beitrag von penelope »

Du weisst doch selbst ganz genau, dass Sauen nicht nur kurz nach der Geburt in den Kastenstand kommen.
Manfred hat geschrieben: Do 21. Okt 2021, 15:52 Mehr Ehrlichkeit in der Debatte wäre hilfreich...
Ganz genau.

Zwischen in (viel zu später) Zukunft dann maximal 5 Tagen nach der Geburt im Stand und aktuell kanpp dem halben Leben ist wohl schon ein sehr sehr erheblicher Unterschied für das Tier.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3094

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Hey,
die Bilder einer solchen Tierhaltung sprechen doch für sich. Da muss man nicht mit Zahlen kommen.
Nach dieser Logik ist jede naturnahe Tierhaltung Tierquälerei, da ja bekanntlich beim Wild die Nachwuchssterblichkeit weit höher ist als bei jeder kommerziellen Tierhaltung. Wahrscheinlich ist es auch im Interesse des Tiers, dass es keine Spur von Einstreu hat, denn sowas wäre ja unhygienisch.
Mit Fliegenlarven darf man sowas in der Anzucht vielleicht machen, aber nicht mit Schweinen, die ein hochentwickeltes Sozial - und Explorationsverhalten hätten - wenn man sie liesse.
Wenn sich auch Bauern, die sich um artgerechte Tierhaltung und um ganzheitliche Betrachtung bemühen, nicht von solchen Haltungsmethoden distanzieren, sondern dies noch schönrechnen, dann sollte man sich nicht wundern, wenn es mit der Konsumentenakzeptanz nicht recht vorwärts will.
Das Argument, "im Ausland ist es noch schlimmer" zieht nicht: So etwas ist unterhalb jeder Akzeptanz, egal wo es sich ereignet.
Die oft gehörte Behauptung, der Konsument wolle es so, kann man ja leicht bestätigen, indem man solche Bilder publiziert.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3095

Ungelesener Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Do 21. Okt 2021, 16:53 Das Argument, "im Ausland ist es noch schlimmer" zieht nicht: So etwas ist unterhalb jeder Akzeptanz, egal wo es sich ereignet.
Du möchtest also lieber die inländische Haltung durch Auflagen wirtschaftlich so unmöglich machen, dass der Grossteil ins Ausland abwandert bzw. Produkte von dort importiert werden, aber die Konsequenzen daraus "ziehen nicht"? :hmm: :im:

Auch wenn die Politik die Quadratierung des Kreises gerne hätte, möglicher wird sie dadurch nicht. Die Mehrheit der Leute sieht die Sau im Kastenstand und findet das fürchterlich, die erdrückten Ferkel zählen aber nicht - und wenn, dann nur weil der Bauer sich ja "bereichern" will, was natürlich wieder ein Argument gegen den Bauern ist... :roll:
Ich möchte wirklich sehen wie zahlentechnisch "naturnahe" Ferkelverluste mit dem Tierschutzgesetz in Einklang gebracht werden sollen.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3096

Ungelesener Beitrag von penelope »

Es ist halt einfach beschlossene Sache, dass die Kastenhaltung in der Form nicht mehr weitergeführt werden darf. Alternativen müssen kommen, Alternativen werden kommen und bei aktuell 40 Prozent Produktion für den Export sind wir sehr weit davon entfernt, dann große Mengen importieren zu müssen, zumal der Konsum an Schweinefleisch in Deutschland rückläufig ist.
sybille
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3097

Ungelesener Beitrag von sybille »

emil17 hat geschrieben: Do 21. Okt 2021, 16:53 Hey,
die Bilder einer solchen Tierhaltung sprechen doch für sich. Da muss man nicht mit Zahlen kommen.
Nach dieser Logik ist jede naturnahe Tierhaltung Tierquälerei, da ja bekanntlich beim Wild die Nachwuchssterblichkeit weit höher ist als bei jeder kommerziellen Tierhaltung. Wahrscheinlich ist es auch im Interesse des Tiers, dass es keine Spur von Einstreu hat, denn sowas wäre ja unhygienisch.
Mit Fliegenlarven darf man sowas in der Anzucht vielleicht machen, aber nicht mit Schweinen, die ein hochentwickeltes Sozial - und Explorationsverhalten hätten - wenn man sie liesse.
Wenn sich auch Bauern, die sich um artgerechte Tierhaltung und um ganzheitliche Betrachtung bemühen, nicht von solchen Haltungsmethoden distanzieren, sondern dies noch schönrechnen, dann sollte man sich nicht wundern, wenn es mit der Konsumentenakzeptanz nicht recht vorwärts will.
Das Argument, "im Ausland ist es noch schlimmer" zieht nicht: So etwas ist unterhalb jeder Akzeptanz, egal wo es sich ereignet.
Die oft gehörte Behauptung, der Konsument wolle es so, kann man ja leicht bestätigen, indem man solche Bilder publiziert.
emil :daumen:

Es geht ja. Ich sehe es hier bei einigen Höfen die von artgerechter Haltung ihrer Tiere leben. Natürlich ist das Fleisch teurer wenn es über den Handel geht. Aber wer bewußt lebt kann sich durchaus 2mal die Woche ein Stück Fleisch leisten selbst wenn er wenig Geld hat und vor Allem selber kocht.
Hühner sind Menschen wie Du und ich, nur das sie zur Hausordnung Hackordnung sagen.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3098

Ungelesener Beitrag von Manfred »

Ich fasse die letzten Beiträge zusammen:
-Erdrücke Ferkel sind egal. Ihr Leben hat gemessen an der Freiheit der Sau keinen Wert.
-Ein deutlich höhere Rate parasitärer Erkrankungen ist egal, inkl. Tierleid und der bei der Schlachtung entsorgten Innereien.
-Ein Abwandern der Produktion ins Ausland ist egal.
Daraus könnte man schließend: Euch ist Tierwohl in Wahrheit völlig egal. Es muss nur aus menschlicher Perspektive hübsch aussehen, was ihr vor der Nase habt.

penelope hat geschrieben: Do 21. Okt 2021, 16:48 Zwischen in (viel zu später) Zukunft dann maximal 5 Tagen nach der Geburt im Stand und aktuell kanpp dem halben Leben ist wohl schon ein sehr sehr erheblicher Unterschied für das Tier.
Soweit ich die Zahlen recherchieren konnte:
-Erstbesamung und damit der erste Aufenthalt im Deckzentrum erfolgt mit ca. 215 Tagen (0,59 Jahre)
-Ab denn beträgt die durchschnittliche Nutzungsdauer 5,55 Würfe bzw. 2,3 Jahre.
->Durchschnittliche Lebensdauer der Sauen 2,89 Jahre bzw. 150 Wochen.
-Aufenthalt im Deckzentrum in Betrieben, die noch ohne offenes Deckzentrum arbeiten (die, die ich kenne haben alle umgestellt?) 4-5 Wochen je Wurf
-Aufenthalt in den Abferkelbuchten 4-5 Wochen je Wurf (davon in den Betrieben, die ich kenne ca. 3 Wochen im Kasten, danach wird der Kasten einseitig geöffnet, wenn die Ferkel eine gewisse Größe haben und kaum noch erdrückt werden können)
Also gesamt max. 10 Wochen, min. 3 Wochen im Kasten je Wurf.
Bei 5,55 Würfen gesamt 55,50 Wochen max., 16,65 Wochen min. im Kasten.
Macht einen Anteil von 37% max. und 11% min. im Kastenstand.
Die Deckzentren müssen in 7 Jahren auf Gruppenhaltung mit mind. 5m2 je Sau umgestellt sein.
Die Abferkelbuchten in 15 Jahren auf max. 1 Woche im Kastenstand.

Das einzige EU-Land, das bisher im Alleingang umgestellt hat war Schweden.
Die bewegen sich in der Schweineproduktion bei ca. 1/3 ihres Eigenbedarfs.
Viele Erzeuger haben dann auf Geflügel umgestellt, aber auch da kann Schweden seinen Eigenbedarf nicht mehr decken.
Darauf wird es wohl auch in Deutschland langfristig hinauslaufen.
1/3 des Bedarfs wird hier dekorativ produziert.
2/3 ist Importware, wo es völlig egal ist, wie es den Tieren geht.
Dann ist vermutlich alles gut…

Würde die Debatte ehrlich geführt, könnten wir Landwirte im Rahmen des EU-Rechts fast alle Schweinefleischkunden in D bedienen, jeden mit der Produktionsform, die er möchte und bereit ist zu bezahlen.
Bio-Schweinefleisch hat aktuell einen Marktanteil von 0,6%, weil die Bio-Schweinefleischproduktion sehr viel teurer ist als die Konventionelle, aber nicht mehr als 0,6% der Verbraucher bereit sind, den nötigen Preis zu bezahlen.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3099

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: Do 21. Okt 2021, 20:52 Daraus könnte man schließen: Euch ist Tierwohl in Wahrheit völlig egal. Es muss nur aus menschlicher Perspektive hübsch aussehen, was ihr vor der Nase habt.
Ja, das muss es,. Wenn ich einen Stall hätte, wo ich aus Angst vor schlechter Presse keinen reinlassen darf, Journalisten schon gar nicht, dann passt es einfach nicht. Oder das Bleichgesicht redet mit gespaltener Zunge.
Es gibt genug Forschung, die aussagt, was Tiere mindestens brauchen, um halbwegs artgerecht gehalten zu werden. Die Ergebnisse braucht man aber nicht zu kennen, ein wenig Achtung vor der Kreatur reicht schon aus, um solche Dinge im eigenen Stall nicht zu dulden.
Die Tiere sind übrigens nicht blöde, wenn sie genug Platz und Strukturen haben, erdrücken sie ihre Ferkel nicht und sauber sind sie auch.
Ich würde sicher eher gar kein Fleisch produzieren als solches ... Wie soll ich sonst in den Spiegel gucken?
Also bleibt noch der finanzielle Aspekt. Dann ist das eines der Gewerbe, die für Geld alles machen ...
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3100

Ungelesener Beitrag von Manfred »

Wir leben aber halt nicht in einer Wünsch-dir-was-Welt, sondern in der Realität.
Du kannst die Folgen solcher politischen Entscheidungen gerne verdrängen, aber sie ändern halt nichts daran, dass es nur für einen Bruchteil der Tiere besser wird und für den Rest schlechter.
Es gibt Länder, die haben das viel besser gelöst, wie die Schweiz und Norwegen.
Die haben einen relativ konsequenten Außenschutz für ihre hohen Tierhaltungsstandards, so dass die meisten Tiere für ihren heimischen Bedarf davon profitieren können und gleichzeitig die Bauern ein Auskommen haben, weil sie die entsprechend höheren Produktpreise auf die Verbraucher umlegen können.
Das haben wir hier nicht, also haben wir völlig andere Voraussetzungen.

Und selbst wenn wir diese Voraussetzungen hätte, kann man Faktoren wie höhere Ferkelverluste nicht einfach negieren.
Du kannst dir zwar wünschen und einreden, dass freilaufende Sauen mit reichlich Platz keine Ferkel erdrücken, lebend fressen oder vernachlässigen, das tun sie aber trotzdem, und zwar im höheren Raten als in der Abferkelbucht.
Dass kannst es auch mit dem Attribut "natürlich" abtun. Einem Wort, dass immer nichtssagender und auslegbarer wird, je länger man darüber nachdenkt.

Du lebst in der Welt deiner Vorstellungen. Von der Praxis der verschiedenen Haltungssysteme hast du keine Ahnung, wie die meisten Menschen, die sich schnell ihre Meinung bilden.

https://www.youtube.com/watch?v=UH7h_rjvx1k
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