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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 12:09
von Rohana
emil17 hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 08:45 Wie man aus deinen Beiträgen sehr schön sehen kann, sind die Bauern selbst die Haupttreiber des Strukturwandels, der immer mehr Betrieben das Leben kostet. Ob die Umgestaltung der Landschaft mit dem einzigen Ziel der Produktionsoptimierung wünschenswert ist, da hat die ganze Bevölkerung mitzureden, schliesslich ist das die Umwelt von allen.
Produktionsoptimierung heisst für uns der Unterschied zwischen überleben und leben.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 13:50
von Dyrsian
Ich möchte hier nur mal anmerken: Schon mal Einblicke in den so hochgelobten ingenieurstechnischen Mittelbau der chemischen Industrie bekommen? Den extremen Druck, den Stress, die 60 Stunden Wochen? Das (häufig) von Angst geprägte Arbeitsklima?
Ja, da verdient man ganz ordentlich. Aber alles hat seinen Preis.

Als Landwirt hat man auch viele Vorteile von denen andere nur träumen, nicht vergessen!

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 14:07
von Benutzer 4754 gelöscht
emil17 hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 08:45
Oelkanne hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 23:35Tja, kleine Betriebe kann man nur noch erhalten enn sie nicht mehr von ihrem Produkt leben müssen sondern allein aus der Hand des Steuerzahlers. Und darüber beklagst du dich immer.
Bitte lies genau: ich beklage mich nicht darüber, dass sehr viel Steuergeld in die Landwirtschaft fliesst.
Mich stört, dass trotz des vielen Geldes für die Landwirtschaft trotzdem so vieles nicht funktioniert, wie es sollte (Biodiversitätsverluste, Grundwasserprobleme, um nur zwei zu nennen) sorge dafür dass die Produkte angemessen bezahlt werden und du hast dieses Problem nicht mehr. Oder bekomme Lebensmittel zum Weltmarktpreis zu Weltmarktbedingungen , und dass das Steuervolk zwar zahlen, aber sonst die Klappe halten soll, da ja jeder Einwand gegen noch mehr Effizienz nur beweist, dass es von der Sache nichts versteht.deine Forderungen sorgen für ein mehr an Importware, bringen nichts in Sachen Umweltschutz und treiben die Betriebe in den Ruin. Aber das versucht dir Manfred schon lange zu erklären.

Wie man aus deinen Beiträgen sehr schön sehen kann, sind die Bauern selbst die Haupttreiber des Strukturwandels, der immer mehr Betrieben das Leben kostet.die Marktwirtschaftlichen Prinzipen sorgen für den Rückgang der Betriebsahl. Auch die Landwirtschaft kann die Marktwirtschaft nicht ignorieren. In der Schweiz wird das mit imensen Kosten versucht. Klappt aber auch nicht. Ob die Umgestaltung der Landschaft mit dem einzigen Ziel der Produktionsoptimierung wünschenswert istdie ist nötig um deine wünsche zu finanzieren, du willst dafür ja nicht bezahlen , da hat die ganze Bevölkerung mitzureden, schliesslich ist das die Umwelt von allen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 14:27
von Benutzer 4754 gelöscht
Dyrsian hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 13:50 Ich möchte hier nur mal anmerken: Schon mal Einblicke in den so hochgelobten ingenieurstechnischen Mittelbau der chemischen Industrie bekommen? Den extremen Druck, den Stress, die 60 Stunden Wochen? Das (häufig) von Angst geprägte Arbeitsklima?
Ja, da verdient man ganz ordentlich. Aber alles hat seinen Preis.

Als Landwirt hat man auch viele Vorteile von denen andere nur träumen, nicht vergessen!
Emil wird das jetzt wieder als Gejammer auffassen und mir empfehlen den Beruf zu wechseln, aber egal:

Du scheinst eine falsche Vorstellung des Berufsbildes zu haben.

Wir haben eine Chance pro Jahr alles so richtig zumachen wie es geht, Korrekturen sind nicht möglich. Gleichzeitig gibt dir ekiner auhc nur irgend eine Versicherung was in Zukunft ist (kein Regen, doch regen? wie ist das Wetter in 2 Monaten? Wie werden sich die Pflanzen entwickeln? gibt's drei tage vor der Ernte Hagel und alles ist hin): willkommen beim Druck und Stress.
Die Natur richtet sich nicht nach Kalender und Uhr: willkommen bei der unbegrenzten Arbeitszeit, die bei 60h in der Saison schon Freitags voll ist und dann geht man trotzdem noch Samstag und Sonntag auf Arbeit.

Tja, mein Arbeitsklima wird maßgeblich von Brüssel und Berlin bestimmt, ändern kann ich es nicht.
Was machen wir wenn die Energie und damit Düngerpreise weiter steigen?
Ich weis es nicht.
Aktuell beschäftige ich mit damit welche Kulturen wir großhungern können, da kommt man sich vor wie die Hungerhilfe in Afrika.
Was tun wir wenn weitere Pflanzenschutzmittel wegfallen?
Überaschen lassen, meist fallen sie von heute auf morgen weg und dann mus man eben sehen wie man mit dem Rest zurecht kommt.
Wir haben zum Glück keine Tierhaltung. Unsere Nachbarn schon. Deren Hähnchenstall steht leer.
Der Leerstand ist günstiger als Gas und Futter zu kaufen

Alles nicht das was man sich von seiner täglichen Arbeit wünscht: Mangel und rote Zahlen verwalten.

Trotzdem mache ich den beruf, weil er mir Spaß macht:
Jetzt im Herbst wenn die Saat aufgeht, der Tau an den Blattspitzen hängt und bei der Bonitur die Sonne aufgeht :rot:
Im Juni wenn sich der Weizen in der Blüte im Wind wiegt (Gerste sieht noch toller aus, aber die haben wir nicht) und man nebendran den Rüben beim Wachsen zusehen kann :rot:
Oder Im Sommer wenn alles reif ist, der Weizen knackt und man dann die Drescher losschickt und der erste Wagen Weizen in Silo prasselt.
Da vergisst man die ganzen Sorgen, steht da, grinst über beide Ohren und freut sich einfach. :)

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 20:47
von Manfred
Ja. Ich denke, das steckt in allen von uns. Die Freude, etwas wachsen und gedeihen zu sehen, all die Tiere, die Pflanzen, den Boden mit seinen Mikrolebewesen.
Schade, dass so viele Menschen den Kontakt dazu verloren haben und jetzt versuchen, diesen Verlust durch irgendwelche Extreme zu kompensieren.
Deshalb bin ich so froh um jeden, der Selbstversorgung betreibt. Das erdet und führt zu einem Lernprozess.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 21:22
von Manfred
"Studie der Universität Wageningen sieht erhebliche Einbußen bei der landwirtschaftlichen Produktion in Europa"

https://www.iva.de/newsroom/pressemitte ... schaetzung

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 21:50
von emil17
Oelkanne hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 14:07sorge dafür dass die Produkte angemessen bezahlt werden und du hast dieses Problem nicht mehr. Oder bekomme Lebensmittel zum Weltmarktpreis zu Weltmarktbedingungen
Jetzt bekommen wir trotz Subventionen Lebensmittel in Weltmarktqualität. Entscheiden ob ich die Landwirtschaft subventionieren will oder nicht kann der Steuerzahler nicht, das erfolgt automatisch. D.h. selbst wenn ich Bio-Lebensmittel zum doppelten Preis kaufe, finanziere ich als Steuerzahler die anderen mit, die auf eine Art produzeren, die ich nicht fördern will.
Aus Sicht vieler Bauern mag es sein, dass sie das Gefühl haben, sehr viel Bürokratie sei nur der produktionserschwerenden Umweltauflagen wegen. Aber wenn man den Zustand der Umwelt in den Gebieten ansieht, die von intensiver Landwirtschaft dominiert werden, dann liegt da noch manches im Argen. Folglich setzen die Subventionen falsche Anreize.

Die Forderung nach angemessener Bezahlung ist in Ordnung, aber bitte vergesst nicht, dass Slogans wie "Geiz ist geil" oder "Ich bin doch nicht blöd" von deutschen Marketingspezialisten erfunden worden sind.

In der Schweiz funktioniert das mit Umwelt und Landwirtschaft im Berggebiet ziemlich gut, weil dort der Bedingungen wegen gar nicht beliebig intensivert werden kann. Es mag auch eine Rolle spielen, dass unser Nationalheld Tell, den es vermutlich gar nie gegeben hat, Bergbauer war, und dass 70% der Landesfläche Berggebiet ist.
Dort bezahlen wir sehr viel für relativ wenig Produktivität, und die Leistungen der Berglandwirtschaft für die Allgemeinheit sind sichtbar und politisch breit akzeptiert.
Im Tal gibts die gleichen Probleme wie in der EU: Mehr Geld bitte, und sonst redet uns nicht drein, Artenverluste, Grundwasserbelastungen, das Übliche eben.
Oelkanne hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 14:27 Emil wird das jetzt wieder als Gejammer auffassen und mir empfehlen den Beruf zu wechseln, aber egal:
Nö, tut er nicht. Aber glaube nicht, andere Gewerbe hätten keine Probleme. Zum Beispiel die Dumpingpreise beim Detailhandel und bei lokalen Handwerkern durch Konkurrenz aus Deutschland ...

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 23:07
von Manfred
Dokufilm "Septemberweizen", 1980

https://www.youtube.com/watch?v=4nO8AEykOXQ

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 17. Okt 2021, 01:40
von Rohana
emil17 hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 21:50
Oelkanne hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 14:07sorge dafür dass die Produkte angemessen bezahlt werden und du hast dieses Problem nicht mehr. Oder bekomme Lebensmittel zum Weltmarktpreis zu Weltmarktbedingungen
Jetzt bekommen wir trotz Subventionen Lebensmittel in Weltmarktqualität.
Die basics der deutschen Produktion, sprich die gesetzlichen Rahmenbedingungen, liegen weit höher als in den meisten Teilen der Welt. Auch wenn dir das anscheinend nicht reicht.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 17. Okt 2021, 08:08
von Dyrsian
Rohana hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 01:40 Die basics der deutschen Produktion, sprich die gesetzlichen Rahmenbedingungen, liegen weit höher als in den meisten Teilen der Welt. Auch wenn dir das anscheinend nicht reicht.
Das ist bestimmt richtig, nur kommt der Fraß bei Aldi überwiegend nicht aus Deutschland. Hier wachsen halt weder Tomaten noch Paprika, und auch Lammfleisch kann man in Neuseeland scheinbar billiger produzieren.

Durch die Subventionen wird eine industrialisierte Landwirtschaft mit großen Flächen und starkem mechanisierungsgrad gefördert. Das weiß jeder.

Das Insektensterben und das Nitrat im Grundwasser kommen nicht von ungefähr. Auch das ist allen klar. Nur wenn es so verdammt lukrativ ist niederländische Gülle in NRW zu verklappen, dann wird sich auch immer jemand finden der das macht.
Und solange man Essen zu Schleudwrpreisen raushaut, wird es auch immer jemanden geben der das kauft oder kaufen muss.