Diese Woche wurden wieder die Ergebnisse der betriebswirtschaftlichen Auswertung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlicht.
Sie beinhaltet die Ergebnisse "repräsentativ ausgewählter Betriebe" aus dem sogenannten Testbetriebsnetz.
Wie die Auswahl erfolgt, ist nicht transparent. Zuständig sind die obersten Landesbehörden. Das Auswahlgremium ist zur Geheimhaltung verpflichtet. Erfasst werden anscheinend nur Betriebe, die von den landwirtschaftlichen Buchstellen der Bauernverbände betreut werden.
Im Groben kann man sagen, dass die Einkommen über die letzten 10 Jahre stagnieren, während Kosten und Schuldenstand deutlich gestiegen sind.
Das heißt unter dem Strich mehr Arbeit (mehr Fläche und Tiere je Betrieb) und mehr Fremdkapitaleinsatz für stagnierende Einkommen.
Der durchschnittliche Gewinn lag bei 34.490 Euro je Vollzeit-Familienarbeitskraft.
Aus diesem Gewinn müssen die Verzinsung für das eingesetzte Eigenkapital, die Entlohnung der Arbeitszeit und die Sozialversicherungskosten beglichen werden.
D.h. um den Gewinn mit Arbeitnehmer-Bruttoeinkommen vergleichbar zu machen, muss man davon nach die kalkulatorischen Zinsen für das im Hof gebundene Eigenkapital und den "Arbeitgeberanteil" an den Sozialversicherungskosten abziehen.
Teilt man den Rest durch die auf landwirtschaftlichen Betrieben üblichen Arbeitszeiten, liegt man weit unter dem Mindestlohn.
Ein Rechenbeispiel:
Betrieb mit 1,5 Familien AK und 51.087 Euro Gewinn.
Eigenkapital:
30 ha Eigenland mit 300 Euro / ja (Zinsanspruch bzw. mögl. Pachterlös bei Verpachtung) -> 9.000 Euro Pacht für Eigenland
500.000 Euro Kapital in Gebäuden, Maschinen und Ausrüstung, Tieren, Vorräten -> bei 6,5% durchschnittlicher Eigenkapitalverzinsung (durchschnittliche Aktienanlage) -> 32.500 Euro kalkulatorischer Eigenkaptialzins
Bleiben 9.587 Euro für ein Jahr Arbeitslohn für 1,5 Familien AK inkl. der Sozialversicherungskosten.
Zieht man davon nochmal 1/4 "Arbeitgeberanteil" ab und teilt den Rest durch angenommene 50 Arbeitsstunden je AK und Woche, bleiben stolze 2,30 Euro "Bruttolohn" je geleisteter Arbeitsstunde.
Evtl. fühlt sich Emil dann nicht mehr ganz so schlecht bezahlt...
Der durchschnittliche bayerische Haupterwerbslandwirt lebt praktisch von den Zinsen seines Eigenkapitals und betreibt die landwirtschaftliche Arbeit mehr oder minder als Hobby.

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Quelle: Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, Ausgabe 41/2021, Seite 53.