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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 00:24
von Benutzer 4754 gelöscht
penelope hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 00:04 Ja klar, aber auch in Kaufkraft umgerechnet sind in den meisten Ländern die Einkommen nicht auf dem Niveau wie bei uns.

Du findest es wahrscheinlich total normal, dass du mit deiner Ausbildung ein ganz gute Wohnung drin ist, irgendwann mal ein eigenes Haus, ein Auto, Urlaubsreisen und ein nettes Hobby. Krankenversicherung, gesetzliche Rente und Urlaubsanspruch findest du vermutlich ganz selbstverständlich. Das ist es aber in den allermeisten Ländern der Welt nicht - auch nicht für Leute mit Ingenieursausbildung.
Ja und?
Ich weis immer noch nicht was du mir damit sagen willst.
penelope hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 00:09
Oelkanne hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 23:56
Mein lohn schöpft in teilen den Mehrwert ab, den ich für das Unternehmen bringe.
Wäre das so, dann würde dein Chef nichts verdienen 😉
Du hast mein Text nicht gelesen sondern nur überflogen, kein wunder dass wir permanent aneinander vorbei reden.
Ich habe dir mal das wichtigste in diesem Absatz markiert

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 00:27
von Manfred
penelope hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 00:04 Ja klar, aber auch in Kaufkraft umgerechnet sind in den meisten Ländern die Einkommen nicht auf dem Niveau wie bei uns.
Hm. In welchen Ländern findet man denn diese unterbezahlten Ingenieure?
(Und wir reden hier von Akademikern, nicht von Technikern, die auch oft als engineer bezeichnet werden.)
Gerade in Russland, wo sie im Gegensatz zu hier idR nicht zur Hälfte als Traktorist tätig sind, sondern größere Betriebe oder Abteilungen davon leiten und eine viel geringere Abgabenquote haben als hierzulande, dürften sie relativ gut gestellt sein, zumal Russland jahrelang Agrarfachleute aus Mitteleuropa angeworben hat, weil sie selbst gar nicht schnell genug für den Bedarf ausbilden konnten.
Inzwischen ist Russland zu einer der führenden Agrarnationen geworden und arbeitet konsequent daran, das weiter auszubauen.

Im Verhältnis zu ihrer Qualifikation unterbezahlte Agraringenieure sehe ich am ehesten in der westlichen Welt, weil viele Betriebe zu klein sind, um ihre Qualifikation auszulasten.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 00:58
von penelope
@ Ölkanne: stimmt, da hast du Recht. Ich sollte langsam mal Schafen. Aber wie groß die Teile sind, kann sehr sehr unterschiedlich sein.

@ Manfred: ab Zentralasien, spätestens in China oder Indien, ist der durchschnittliche Lebensstandard, auch in hochqualifizierten Berufen, deutlich unter dem, was man in Mitteleuropa so für normal hält. Von den meisten afrikanischen Ländern ganz zu schweigen. Und das ist nunmal der Großteil der Welt. Ich glaub gerne, dass mal ein paar Leute sehr gute Jobs in Russland erhalten haben, ein paar gute Leute haben sicher auch hier eine richtig gute Position. Über den Durchschnitt einer Berufsgruppe in einem Land sagt das aber noch nicht viel aus. Zudem hat Russland zwar eine recht niedrige Einkommenssteuer, dafür aber keinen Steuerfreibetrag. Mit einem niedrigen bis mittleren Einkommen kommst du da viel schlechter weg als hier.

Klar liegt der Ingenieur überall über dem einfachen Arbeiter. Aber was wo anders schon ganz lange als richtig guter Lebensstandard gilt, wird hier eher als Grundsicherung angesehen.

Edith:
Gerade Mal ergoogelt: der durchschnittliche Lohn in Russland liegt bei 630 Euro im Monat, ein Ingenieursgehalt liegt bei etwa 1000 Euro. Bei zwar geringeren Lebenshaltungskosten, aber lange nicht in der Relation. Ich wünsch euch denn mal viel Spaß dort :pfeif:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 03:29
von Rohana
Der Boden ist hier, da haben wir halt nicht viel Wahlmöglichkeit wo wir gerne arbeiten wollen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 08:45
von emil17
Oelkanne hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 23:35Tja, kleine Betriebe kann man nur noch erhalten enn sie nicht mehr von ihrem Produkt leben müssen sondern allein aus der Hand des Steuerzahlers. Und darüber beklagst du dich immer.
Bitte lies genau: ich beklage mich nicht darüber, dass sehr viel Steuergeld in die Landwirtschaft fliesst.
Mich stört, dass trotz des vielen Geldes für die Landwirtschaft trotzdem so vieles nicht funktioniert, wie es sollte (Biodiversitätsverluste, Grundwasserprobleme, um nur zwei zu nennen) , und dass das Steuervolk zwar zahlen, aber sonst die Klappe halten soll, da ja jeder Einwand gegen noch mehr Effizienz nur beweist, dass es von der Sache nichts versteht.

Wie man aus deinen Beiträgen sehr schön sehen kann, sind die Bauern selbst die Haupttreiber des Strukturwandels, der immer mehr Betrieben das Leben kostet. Ob die Umgestaltung der Landschaft mit dem einzigen Ziel der Produktionsoptimierung wünschenswert ist, da hat die ganze Bevölkerung mitzureden, schliesslich ist das die Umwelt von allen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 09:14
von emil17
Manfred hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 00:27
Hm. In welchen Ländern findet man denn diese unterbezahlten Ingenieure?
(Und wir reden hier von Akademikern, nicht von Technikern, die auch oft als engineer bezeichnet werden.)
Gerade in Russland, wo sie im Gegensatz zu hier idR nicht zur Hälfte als Traktorist tätig sind, sondern größere Betriebe oder Abteilungen davon leiten und eine viel geringere Abgabenquote haben als hierzulande, dürften sie relativ gut gestellt sein, zumal Russland jahrelang Agrarfachleute aus Mitteleuropa angeworben hat, weil sie selbst gar nicht schnell genug für den Bedarf ausbilden konnten.
Inzwischen ist Russland zu einer der führenden Agrarnationen geworden und arbeitet konsequent daran, das weiter auszubauen.
Einmal ist zu bedenken, dass nicht nur der Lohn allein über die Attraktivität eines Berufes in einem fremden Land entscheidet. Will man in einem Staat leben, wo jeder eingekastelt wird, der den Präsidenten nicht so toll findet, und das auch noch zu sagen wagt? Wo du dich mit einem Geldschein von Schikanen bei Verkehrskontrollen freikaufen kannst und das auch musst? Wo das Gesundheitssystem nur funktioniert, wenn man selber nie krank wird? Hier haben wir in der EU und in der CH ganz erhebliche Mehrwerte der Lebensqualität, die man stets vergisst, weil es zu selbstverständlich geworden ist.
Es kann übrigens jeder, der findet, anderswo sei alles besser, mit den Füssen abstimmen und seine Koffer packen. Gerade bei den Bauern ist es kaum verständlich, dass wir hier noch welche haben, wo sie doch von der Bürokratie, den Umweltauflagen, den Konsumentenwünschen und der ausländischen Konkurrenz so gequält werden.

Dann ist da noch die klassische Neidfalle: Der Agroingenieur vergleicht seinen Lohn mit dem Chemie- oder Tiefbauingenieur und fühlt sich unterbezahlt. Ist er das, vergleicht er sein Einkommen mit dem eines Vermögensberaters, und ist er dort, findet er problemlos Direktoren, die bei vergleichbarer oder geringerer Qualifikation mehr bekommen. Hast du den Golf, hat der Nachbar bald einen Audi. Hast du dann den teureren Mercedes, kauft sich der Saukerl ein Boot und stellt das provokativ zur Schau.

Das hört nie auf.
Wenn man seinen Beruf nur des Einkommens wegen ausübt, sollte man schon nach der Matura die Weichen richtig stellen. Agroingenieur ist kein guter Weg, um im geheizten Büro richtg viel Kohle zu machen. Naturschutzbeauftragter übrigens auch nicht. Das hätte man wissen können.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 12:09
von Rohana
emil17 hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 08:45 Wie man aus deinen Beiträgen sehr schön sehen kann, sind die Bauern selbst die Haupttreiber des Strukturwandels, der immer mehr Betrieben das Leben kostet. Ob die Umgestaltung der Landschaft mit dem einzigen Ziel der Produktionsoptimierung wünschenswert ist, da hat die ganze Bevölkerung mitzureden, schliesslich ist das die Umwelt von allen.
Produktionsoptimierung heisst für uns der Unterschied zwischen überleben und leben.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 13:50
von Dyrsian
Ich möchte hier nur mal anmerken: Schon mal Einblicke in den so hochgelobten ingenieurstechnischen Mittelbau der chemischen Industrie bekommen? Den extremen Druck, den Stress, die 60 Stunden Wochen? Das (häufig) von Angst geprägte Arbeitsklima?
Ja, da verdient man ganz ordentlich. Aber alles hat seinen Preis.

Als Landwirt hat man auch viele Vorteile von denen andere nur träumen, nicht vergessen!

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 14:07
von Benutzer 4754 gelöscht
emil17 hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 08:45
Oelkanne hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 23:35Tja, kleine Betriebe kann man nur noch erhalten enn sie nicht mehr von ihrem Produkt leben müssen sondern allein aus der Hand des Steuerzahlers. Und darüber beklagst du dich immer.
Bitte lies genau: ich beklage mich nicht darüber, dass sehr viel Steuergeld in die Landwirtschaft fliesst.
Mich stört, dass trotz des vielen Geldes für die Landwirtschaft trotzdem so vieles nicht funktioniert, wie es sollte (Biodiversitätsverluste, Grundwasserprobleme, um nur zwei zu nennen) sorge dafür dass die Produkte angemessen bezahlt werden und du hast dieses Problem nicht mehr. Oder bekomme Lebensmittel zum Weltmarktpreis zu Weltmarktbedingungen , und dass das Steuervolk zwar zahlen, aber sonst die Klappe halten soll, da ja jeder Einwand gegen noch mehr Effizienz nur beweist, dass es von der Sache nichts versteht.deine Forderungen sorgen für ein mehr an Importware, bringen nichts in Sachen Umweltschutz und treiben die Betriebe in den Ruin. Aber das versucht dir Manfred schon lange zu erklären.

Wie man aus deinen Beiträgen sehr schön sehen kann, sind die Bauern selbst die Haupttreiber des Strukturwandels, der immer mehr Betrieben das Leben kostet.die Marktwirtschaftlichen Prinzipen sorgen für den Rückgang der Betriebsahl. Auch die Landwirtschaft kann die Marktwirtschaft nicht ignorieren. In der Schweiz wird das mit imensen Kosten versucht. Klappt aber auch nicht. Ob die Umgestaltung der Landschaft mit dem einzigen Ziel der Produktionsoptimierung wünschenswert istdie ist nötig um deine wünsche zu finanzieren, du willst dafür ja nicht bezahlen , da hat die ganze Bevölkerung mitzureden, schliesslich ist das die Umwelt von allen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 14:27
von Benutzer 4754 gelöscht
Dyrsian hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 13:50 Ich möchte hier nur mal anmerken: Schon mal Einblicke in den so hochgelobten ingenieurstechnischen Mittelbau der chemischen Industrie bekommen? Den extremen Druck, den Stress, die 60 Stunden Wochen? Das (häufig) von Angst geprägte Arbeitsklima?
Ja, da verdient man ganz ordentlich. Aber alles hat seinen Preis.

Als Landwirt hat man auch viele Vorteile von denen andere nur träumen, nicht vergessen!
Emil wird das jetzt wieder als Gejammer auffassen und mir empfehlen den Beruf zu wechseln, aber egal:

Du scheinst eine falsche Vorstellung des Berufsbildes zu haben.

Wir haben eine Chance pro Jahr alles so richtig zumachen wie es geht, Korrekturen sind nicht möglich. Gleichzeitig gibt dir ekiner auhc nur irgend eine Versicherung was in Zukunft ist (kein Regen, doch regen? wie ist das Wetter in 2 Monaten? Wie werden sich die Pflanzen entwickeln? gibt's drei tage vor der Ernte Hagel und alles ist hin): willkommen beim Druck und Stress.
Die Natur richtet sich nicht nach Kalender und Uhr: willkommen bei der unbegrenzten Arbeitszeit, die bei 60h in der Saison schon Freitags voll ist und dann geht man trotzdem noch Samstag und Sonntag auf Arbeit.

Tja, mein Arbeitsklima wird maßgeblich von Brüssel und Berlin bestimmt, ändern kann ich es nicht.
Was machen wir wenn die Energie und damit Düngerpreise weiter steigen?
Ich weis es nicht.
Aktuell beschäftige ich mit damit welche Kulturen wir großhungern können, da kommt man sich vor wie die Hungerhilfe in Afrika.
Was tun wir wenn weitere Pflanzenschutzmittel wegfallen?
Überaschen lassen, meist fallen sie von heute auf morgen weg und dann mus man eben sehen wie man mit dem Rest zurecht kommt.
Wir haben zum Glück keine Tierhaltung. Unsere Nachbarn schon. Deren Hähnchenstall steht leer.
Der Leerstand ist günstiger als Gas und Futter zu kaufen

Alles nicht das was man sich von seiner täglichen Arbeit wünscht: Mangel und rote Zahlen verwalten.

Trotzdem mache ich den beruf, weil er mir Spaß macht:
Jetzt im Herbst wenn die Saat aufgeht, der Tau an den Blattspitzen hängt und bei der Bonitur die Sonne aufgeht :rot:
Im Juni wenn sich der Weizen in der Blüte im Wind wiegt (Gerste sieht noch toller aus, aber die haben wir nicht) und man nebendran den Rüben beim Wachsen zusehen kann :rot:
Oder Im Sommer wenn alles reif ist, der Weizen knackt und man dann die Drescher losschickt und der erste Wagen Weizen in Silo prasselt.
Da vergisst man die ganzen Sorgen, steht da, grinst über beide Ohren und freut sich einfach. :)