DieterB hat geschrieben:
Nein, Huelsenfruechte brauchen natuerlich keinen Duenger. Die sollen ja den Stickstoff aus der Luft sammeln. Aber humusreicher Boden hilft. Alle Pflanzen wachsen besser auf humusreichen Boeden. (...)
Dicke Bohnen benoetigen aber Stickstoffbakterien, um den Stickstoff aus der Luft an der Wurzel zu speichern.
(...) Aber es kann sein, dass in Gegenden, wo niemals dicke Bohnen angebaut wurden, es an den notwendigen Stickstoffbakterien fehlt. Dann werden die Bohnenkerne nicht richtig ausgebildet. Bei mir ist das z. B. bei Sojabohnen der Fall. Die Soja-Pflanzen wachsen zwar gut, aber die Bohnen sind nur ganz klein. Man kann die Bakterien impfen, aber da ich naturgemaessen Anbau ohne jegliche Zusaetze betreibe, verzichte ich lieber auf Pflanzen, die bei mir nicht natuerlich wachsen.
Hmm ... da stimmt einiges aus botanischer Sicht nicht so ganz - obwohl in der Praxis der Praktiker recht hat:
Hülsenfrüchte brauchen selbstverständlich Dünger, nur eben nicht so viel Stickstoff, der bei uns gewöhnlich das wachstumsbegrenzende Element auf nicht gedüngten Standorten ist. Hingegen stellen sie erhöhte Ansprüche an die Phosphatversorgung. Auch Kali sollte ausreichend vorhanden sein. Aus Magerwiesen wurden früher durch Düngung mit Thomasmehl, das viel P und kaum N enthält, üppige Kleewiesen und dann in der Folge ertragreichere Futterwiesen erzielt, weil der Klee den Stickstoff einbringt.
Dass die Stickstoffbakterien in mitteleuropäischen Böden fehlen könnten, ist sehr unwahrscheinlich. Deinen Sojabohnen dürfte es schlicht an der notwendigen Wärme zur Ausreifung der Früchte gefehlt haben. Soja braucht Wärme; Sojaanbau nördlich der Alpen lohnt sich in der Regel nicht. (Zit.
Wiki: "Ein Anbau kommt in Europa nur dort in Betracht, wo während der unter europäischen Klimabedingungen gegebenen Vegetationszeit von 150 bis 180 Tagen eine Wärmesumme von 1500 bis 2000 °C bezogen auf einen Schwellenwert von 6 °C erreicht wird. Zur Keimung der Sojasaat ist eine Bodentemperatur von circa 10 °C erforderlich.")
D.h. es geht nur in Gegenden, wo der Boden schon Ende April sicher 10 Grad warm ist - denn die Saat muss Anfang Mai zuverlässig auflaufen, da die Monate Mai bis September gerade so eben für die Vegetationszeit ausreichen. Eine Wärmesumme von 1500 Gradtagen bezogen auf 6 Grad bedeutet eine Mitteltemperatur von 16 Grad in dieser Zeit. Das sind in Deutschland die besten Weinbaugebiete.
Für einen Landwirt ist das Risiko zu gross, eine grosse Fläche besten Ackerlandes mit Soja zu bestellen und dann eine Missernte zu haben, weil das Jahr kühler als der Durchschnitt ist. Es braucht dazu nur ein nasses Frühjahr, wo der Boden nicht warm werden will und diese Hochleistungspflanzen gar nicht recht auf Touren kommen.
Deshalb werden auch dort lieber Zuckerrüben und dergleichen angebaut, wo in normalen bis guten Jahren Soja noch anbaubar wäre.
Im Garten kann man mit Folien und dergleichen natürlich nachhelfen.
Ein Problem bei Wärmekeimern (Mais als Beispiel) ist auch, dass sie den Acker erst decken und somit die Strahlung voll ausnutzen, wenn der höchste Sonnenstand schon wieder vorüber ist und die Tage wieder kürzer werden. Aus genau diesem Grund sind die bei uns konkurrenzkräftigen Wildpflanzen ausnahmslos solche, die die kühlen Tage ausnutzen können, auch wenn sie im Hochsommer weniger Leistung bringen als tropische Arten. Wer den März und den April und den halben Mai verpasst, weil er zum Keimen Wärme braucht, der verliert soviel Sonnenstrahlung wie in der Zeit von Ende Juli bis Anfang Oktober.
Es ist wie beim Skat: Meistens gewinnt der, der mässige Blätter ausreizt, und nicht der, der auf einen Grand mit vieren wartet. Im Hitzejahr 2003 hätte man Soja wahrscheinlich auch in SH anbauen können - nur hat das vorher keiner gesagt.