Novemberblues
Vielleicht hast du auch vom World Happiness Report 2017 gehört. Diese Studie
ermittelt jedes Jahr die statistisch gesehen glücklichsten Länder.
Dieses Jahr stand überraschenderweise Norwegen auf dem ersten Platz!
"Wirklich, Norwegen? Das Land mit dem langen, dunklen Winter, der
'nachgewiesenermaßen' depressiv machen kann?"
Jawohl, Norwegen. Mit wurde früher mal gesagt, dass ich meine Webseite auf jeden
Fall auf Norwegisch übersetzen sollte, daher hat mich dieses Ergebnis sehr überrascht.
Glücklicherweise hatte zu dem Zeitpunkt, als der World Hapiness Report herauskam,
gerade ein Freund von mir dort studiert. Also nahm ich meinen Anruf zu seinem
Geburtstag gleich zum Anlass, ihm ein paar Fragen zu stellen...
Er erklärte mir Folgendes:
"Der Winter hier ist wirklich ganz anders als in Deutschland. Klar, einerseits, weil es
dunkler ist, für 2 Monate sogar durchweg fast völlig ohne Sonne.
Aber die Menschen hier haben eine andere Einstellung zum Winter.
Für die Deutschen ist die Sommerzeit der Höhepunkt des Jahres. Im Sommer gehen
sie viel raus, unternehmen viel miteinander und machen Urlaub.
Die Norweger machen diese Abstufung nicht. Sie sind das ganze Jahr sozial. Gehen
raus, gehen zusammen einen trinken und machen Sport zusammen.
Wir Deutschen warten auf den Sommer und die Rente. Die Norweger nutzen ihre
Freizeit um das zu tun, was sich die Deutschen für Sommer und Rente aufheben.
Sie nehmen schlechtes oder kaltes Wetter als Anlass, sich wärmer anzuziehen, nicht,
um drinnen zu bleiben.
Außerdem, weißt du, in Deutschland wird uns alles abgenommen.
Wir können jeden Mist einklagen. Wir bekommen mittlerweile sogar Nahrungsmittel nach
Hause geliefert. Der Bus hält in den meisten Orten ca. aller 100 Meter, damit man nicht
zu weit laufen muss. Die Filme werden alle auf Deutsch synchronisiert, damit wir kein
Englisch lernen müssen.
Die Menschen hier erwarten nicht, dass einem alles in den A** geblasen wird. Die
kümmern sich selbst um das, was sie wollen.
Sie lassen sich aber auch Zeit, mit dem was sie tun. Alles geht hier etwas langsamer
zu. Keiner hat Angst, was zu verpassen.
Die Einstellung zum Karriere machen ist bei den meisten hier: 'Und wo bleibt dann die
Zeit für meine Freunde?' Lieber arm und mit anderen Menschen verbunden, als allein
alles zu haben, was einem Hollywood vorzeigt.
Dadurch haben die Norweger eine größere Resilienz als die Deutschen. Selbst, wenn
der Hormonhaushalt durch den gestörten Tag-Nacht-Rhythmus aus dem Gleichgewicht
gerät, knicken die Menschen hier nicht ein, da sie sozialen Rückhalt und die
Einstellung haben, dass alles gut wird, wenn sie sich selbst darum kümmern."
Dieses Telefonat hat mich stark zum Nachdenken angeregt... und vielleicht kann es
dir ja auch ein paar Impulse für die Herbst- und Winterzeit geben :-)
Quelle:
arne@echtleben.com Arne Tempel