Re: Gärtnern ohne Umgraben/Waldgärten
Verfasst: Sa 1. Jan 2011, 16:45
Hallo,
unser Boden wurde seit gut 15 Jahren nicht mehr gepfluegt. Ausser fuer die Kartoffelernte und um Kohl oder andere Starkzehrer mit etwas Kompost zu pflanzen, vermeide ich jede Stoerung des Bodenlebens.
Durch Pfluegen oder Umgraben wird der Boden aufgelockert. Dadurch koennen sich Wurzeln besser ausbreiten. Jedoch wird beim naechsten starken Regen der Boden wegen der zerstoerten Bodenstruktur noch mehr verdichtet als vorher. Dies erfordert wiederholtes Pfluegen. Pflanzen zeigen nach dem Pfluegen staerkeres Wachstum, weil Naehrstoffe durch die vermehrte Sauerstoffzufuhr freigesetzt werden. Die Pflanzen koennen aber nur einen Teil dieser Naehrstoffe aufnehmen. Ein anderer Teil geht durch Oxidation und Erosion verloren. Deshalb muss in den Folgejahren mit Kunstduenger, Stallmist oder Kompost geduengt werden, um den Naehrstoffverlust auszugleichen. Diese Duengung zerstoert das natuerliche Gleichgewicht des Bodens und resultiert in Pflanzen mit Naehrstoffmaengeln, die auf lange Sicht auch bei Menschen zu Mangelerscheinungen und Krankheit fuehren koennen.
Das Ziel sollte also sein, Pflanzen natuerlich ohne Duengung (auch ohne biologischen Duenger oder Kompost) anzubauen. Reduzierung von Bodenbearbeitung auf ein Minimum ist ein wichtiges Mittel, um dies zu erreichen.
Soweit organische Materialien (Stroh, Kuechenabfaelle, Unkraut, gehaeckselte Zweige, usw.) vorhanden sind, ist Mulchen das einfachste Mittel, um ohne Umgraben zu gaertnern. Jedoch sollte Mulch nur soviel verwendet werden, wie noetig ist, damit die Nutzpflanzen nicht vom Unkraut ueberwuchert werden. Pflanzen erhalten den groessten Teil ihrer Naehrstoffe aus der Luft. Dadurch wird die Fruchtbarkeit des Bodens erhalten. Deshalb ist ein dicht bewachsener Boden besser als ein nackter oder gemulchter Boden. Boden mit Karton oder Folie abzudecken ist oft schaedlicher als Umgraben.
Samen fuer Huelsenfruechte, Mais, Kuerbis, Rettiche, Rueben, usw. werfe ich ins hohe Gras. Das Gras wird niedergetrampelt und mit ca. 3 cm Mulch bedeckt. Wenn genuegend Feuchtigkeit vorhanden ist, wachsen die Triebe nach einigen Tagen durch die Mulchschicht. Bei ausreichender Feuchtigkeit verwandelt sich die Mulchschicht zusammen mit dem darunter liegenden Gras samt Wurzeln nach einigen Wochen oder Monaten in schwarze Humuserde. Manche Samen (z.B. dicke Bohnen) muss ich mit einem Stecheisen in ca. 3 cm tiefe Loecher pflanzen, weil sie sonst von Wuermern gefressen werden.
Andere Gemuese (Paprika, Auberginen, Tomaten, Okra, Gurken, Salate, Kohl, Sellerie, Zucchini, Fenchel, usw. ) ziehe ich in Saatkaesten vor, um sie dann durch die Mulchschicht zu pflanzen. Fuer die Direktsaat ist es hier in Suedportugal meistens zu trocken.
Fuer die Direktsaat von Weizen, Feldsalat, roter Beete, Karotten und anderem Wurzelgemuese zieh ich flache Furchen mit einer Hacke in die Erdoberflaeche, arbeite die Samen leicht ein und bedecke den Boden ganz leicht mit etwas Mulch.
Gelegentliches Unkrautjaeten ist weniger zeitaufwendig als Umgraben und Saatbett-Vorbereitung. Nach der Ernte bleiben alle Pflanzenreste samt Wurzeln auf/in der Erde. Dadurch wird die Erde jedes Jahr etwas besser. Manchmal kann ich schon vor der Ernte die naechste Feldfrucht saeen oder pflanzen. Bei Stangenbohnen kann ich den Samen fuer die Folgefrucht einfach zwischen die alten Pflanzen saeen und dann die Bohnen samt Bohnenstangen aus Chinaschilf mit der Motorsense ummaehen. Die Bohnenstangen brauchen etwas laenger, aber selbst sie werden nach einiger Zeit zu Erde.
Alle Gaerten sollten Baeume und andere mehrjaehrige Pflanzen enthalten. Aber nicht zu viel! Die meisten einjaehrigen Pflanzen wachsen nicht oder nur schlecht unter Baeumen, weil sie Sonnenlicht brauchen und weil das Laub der Baeume das Wachstum der einjaehrigen Pflanzen unterdrueckt. Die Bodenlebewesen in Waldboeden sind von Pilzgeflechten dominiert, wogegen Gartenboeden fuer Gemuese, Getreide und Huelsenfruechte durch Mikroben gekennzeichnet sind. Aus diesem Grund wachsen die meisten Gemuese nicht in Waldboeden, auch wenn diese als sehr fruchtbar bezeichnet werden. Waldboden kann sehr schnell in Gartenboden umgewandelt werden. Dazu muessen aber die Baeume entfernt werden. Die Idee von Gartenwaeldern fuehrt in die Sackgasse.
Mehrjaehrige Pflanzen, die sich in unserem Garten bewaehrt haben, sind Gruenspargel (wie schon erwaehnt), Knollenfenchel (ist mehrjaehrig in warmen Laendern), Artischocken (Wuehlmaeuse lieben die Wurzeln) und essbare Bambussprossen und Neuseelandspinat. Mangold, Gartenmelde, Ruccola und andere robuste Pflanzen saeen sich selbst aus.
Dieter,
Alentejo
unser Boden wurde seit gut 15 Jahren nicht mehr gepfluegt. Ausser fuer die Kartoffelernte und um Kohl oder andere Starkzehrer mit etwas Kompost zu pflanzen, vermeide ich jede Stoerung des Bodenlebens.
Durch Pfluegen oder Umgraben wird der Boden aufgelockert. Dadurch koennen sich Wurzeln besser ausbreiten. Jedoch wird beim naechsten starken Regen der Boden wegen der zerstoerten Bodenstruktur noch mehr verdichtet als vorher. Dies erfordert wiederholtes Pfluegen. Pflanzen zeigen nach dem Pfluegen staerkeres Wachstum, weil Naehrstoffe durch die vermehrte Sauerstoffzufuhr freigesetzt werden. Die Pflanzen koennen aber nur einen Teil dieser Naehrstoffe aufnehmen. Ein anderer Teil geht durch Oxidation und Erosion verloren. Deshalb muss in den Folgejahren mit Kunstduenger, Stallmist oder Kompost geduengt werden, um den Naehrstoffverlust auszugleichen. Diese Duengung zerstoert das natuerliche Gleichgewicht des Bodens und resultiert in Pflanzen mit Naehrstoffmaengeln, die auf lange Sicht auch bei Menschen zu Mangelerscheinungen und Krankheit fuehren koennen.
Das Ziel sollte also sein, Pflanzen natuerlich ohne Duengung (auch ohne biologischen Duenger oder Kompost) anzubauen. Reduzierung von Bodenbearbeitung auf ein Minimum ist ein wichtiges Mittel, um dies zu erreichen.
Soweit organische Materialien (Stroh, Kuechenabfaelle, Unkraut, gehaeckselte Zweige, usw.) vorhanden sind, ist Mulchen das einfachste Mittel, um ohne Umgraben zu gaertnern. Jedoch sollte Mulch nur soviel verwendet werden, wie noetig ist, damit die Nutzpflanzen nicht vom Unkraut ueberwuchert werden. Pflanzen erhalten den groessten Teil ihrer Naehrstoffe aus der Luft. Dadurch wird die Fruchtbarkeit des Bodens erhalten. Deshalb ist ein dicht bewachsener Boden besser als ein nackter oder gemulchter Boden. Boden mit Karton oder Folie abzudecken ist oft schaedlicher als Umgraben.
Samen fuer Huelsenfruechte, Mais, Kuerbis, Rettiche, Rueben, usw. werfe ich ins hohe Gras. Das Gras wird niedergetrampelt und mit ca. 3 cm Mulch bedeckt. Wenn genuegend Feuchtigkeit vorhanden ist, wachsen die Triebe nach einigen Tagen durch die Mulchschicht. Bei ausreichender Feuchtigkeit verwandelt sich die Mulchschicht zusammen mit dem darunter liegenden Gras samt Wurzeln nach einigen Wochen oder Monaten in schwarze Humuserde. Manche Samen (z.B. dicke Bohnen) muss ich mit einem Stecheisen in ca. 3 cm tiefe Loecher pflanzen, weil sie sonst von Wuermern gefressen werden.
Andere Gemuese (Paprika, Auberginen, Tomaten, Okra, Gurken, Salate, Kohl, Sellerie, Zucchini, Fenchel, usw. ) ziehe ich in Saatkaesten vor, um sie dann durch die Mulchschicht zu pflanzen. Fuer die Direktsaat ist es hier in Suedportugal meistens zu trocken.
Fuer die Direktsaat von Weizen, Feldsalat, roter Beete, Karotten und anderem Wurzelgemuese zieh ich flache Furchen mit einer Hacke in die Erdoberflaeche, arbeite die Samen leicht ein und bedecke den Boden ganz leicht mit etwas Mulch.
Gelegentliches Unkrautjaeten ist weniger zeitaufwendig als Umgraben und Saatbett-Vorbereitung. Nach der Ernte bleiben alle Pflanzenreste samt Wurzeln auf/in der Erde. Dadurch wird die Erde jedes Jahr etwas besser. Manchmal kann ich schon vor der Ernte die naechste Feldfrucht saeen oder pflanzen. Bei Stangenbohnen kann ich den Samen fuer die Folgefrucht einfach zwischen die alten Pflanzen saeen und dann die Bohnen samt Bohnenstangen aus Chinaschilf mit der Motorsense ummaehen. Die Bohnenstangen brauchen etwas laenger, aber selbst sie werden nach einiger Zeit zu Erde.
Alle Gaerten sollten Baeume und andere mehrjaehrige Pflanzen enthalten. Aber nicht zu viel! Die meisten einjaehrigen Pflanzen wachsen nicht oder nur schlecht unter Baeumen, weil sie Sonnenlicht brauchen und weil das Laub der Baeume das Wachstum der einjaehrigen Pflanzen unterdrueckt. Die Bodenlebewesen in Waldboeden sind von Pilzgeflechten dominiert, wogegen Gartenboeden fuer Gemuese, Getreide und Huelsenfruechte durch Mikroben gekennzeichnet sind. Aus diesem Grund wachsen die meisten Gemuese nicht in Waldboeden, auch wenn diese als sehr fruchtbar bezeichnet werden. Waldboden kann sehr schnell in Gartenboden umgewandelt werden. Dazu muessen aber die Baeume entfernt werden. Die Idee von Gartenwaeldern fuehrt in die Sackgasse.
Mehrjaehrige Pflanzen, die sich in unserem Garten bewaehrt haben, sind Gruenspargel (wie schon erwaehnt), Knollenfenchel (ist mehrjaehrig in warmen Laendern), Artischocken (Wuehlmaeuse lieben die Wurzeln) und essbare Bambussprossen und Neuseelandspinat. Mangold, Gartenmelde, Ruccola und andere robuste Pflanzen saeen sich selbst aus.
Dieter,
Alentejo