Re: gutshaus
Verfasst: Di 21. Okt 2014, 10:39
Damit keine Irrtümer aufkommen: An Manfreds Darstellung ist gar nichts falsch.
Wer sein Auskommen durch Landwirtschaft selbst erwirtschaftet, sieht eben vieles realistischer, als wer in der durch eine Stiftung finanzierten Idylle ohne Rentabilitätszwang ist.
Ich habe keine Mühe mit Leuten, die solche ehemaligen Herrschaftssitze erhalten und restaurieren, solange das Vermögen, womit sie dies finanzieren, durch ehrliche Arbeit ohne Ausbeutung anderer und ohne unfaire Geschäftspraktiken entstanden ist (gibt es das?). Nur sollte man eben, wenn man solche Herrschaftshäuser als Zeugen der guten alten Zeit betrachtet, die Schattenseiten auch zur Kenntnis nehmen.
Deswegen muss man diese Gebäude nicht abbrechen. Immerhin wirken die eindrucksvollen hohen Räume, Speisesäle und Lesezimmer auf mich anders, wenn ich weiss, dass die Leute, die das zum Heizen nötige Holz herbeizuschaffen hatten, froh waren, zu Hause wenigstens einen halbwegs warmen Raum und irgend etwas auf dem Tisch zu haben. Etwas weniger Mahagoni im Jagdzimmer der Sommerresidenz und dafür den Landarbeitern anständige Löhne bezahlen wäre ja auch eine Variante gewesen.
Mir ist bewusst, dass bei strenger Auslegung die Benutzung von fast allem, was die moderne Gesellschaft so bequem macht, unzulässig wäre.
Diese Gutssitze stehen oder standen aber als Symbol für eine feudale, von Grunde auf unfaire Gesellschaftsordnung. Sie wurden extra so gebaut, um zu zeigen, wer der Herr war.
Es wäre schön, daneben auch noch eine Landarbeiterkate in der Originaleinrichtung zu zeigen.
Literatur zum Thema:
a) Rehbein, Franz, Das Leben eines Landarbeiters. Jena, Diederichs 1911. Darüber wurde bereits hier im Forum geredet.
b) Thorstein Veblen, Theorie der feinen Leute (orig. englisch: Theory of the Leisure Class, 1899)
Etwas mehr Verständnis für die geschichtlichen Hintergründe würde wohl auch helfen, die heute vor allem in Deutschland so verbreitete Unzufriedenheit (mindestens empfinde ich es so) als das einzuordnen, was sie ist - jammern auf sehr hohem Niveau.
Wer sein Auskommen durch Landwirtschaft selbst erwirtschaftet, sieht eben vieles realistischer, als wer in der durch eine Stiftung finanzierten Idylle ohne Rentabilitätszwang ist.
Ich habe keine Mühe mit Leuten, die solche ehemaligen Herrschaftssitze erhalten und restaurieren, solange das Vermögen, womit sie dies finanzieren, durch ehrliche Arbeit ohne Ausbeutung anderer und ohne unfaire Geschäftspraktiken entstanden ist (gibt es das?). Nur sollte man eben, wenn man solche Herrschaftshäuser als Zeugen der guten alten Zeit betrachtet, die Schattenseiten auch zur Kenntnis nehmen.
Deswegen muss man diese Gebäude nicht abbrechen. Immerhin wirken die eindrucksvollen hohen Räume, Speisesäle und Lesezimmer auf mich anders, wenn ich weiss, dass die Leute, die das zum Heizen nötige Holz herbeizuschaffen hatten, froh waren, zu Hause wenigstens einen halbwegs warmen Raum und irgend etwas auf dem Tisch zu haben. Etwas weniger Mahagoni im Jagdzimmer der Sommerresidenz und dafür den Landarbeitern anständige Löhne bezahlen wäre ja auch eine Variante gewesen.
Mir ist bewusst, dass bei strenger Auslegung die Benutzung von fast allem, was die moderne Gesellschaft so bequem macht, unzulässig wäre.
Diese Gutssitze stehen oder standen aber als Symbol für eine feudale, von Grunde auf unfaire Gesellschaftsordnung. Sie wurden extra so gebaut, um zu zeigen, wer der Herr war.
Es wäre schön, daneben auch noch eine Landarbeiterkate in der Originaleinrichtung zu zeigen.
Literatur zum Thema:
a) Rehbein, Franz, Das Leben eines Landarbeiters. Jena, Diederichs 1911. Darüber wurde bereits hier im Forum geredet.
b) Thorstein Veblen, Theorie der feinen Leute (orig. englisch: Theory of the Leisure Class, 1899)
Etwas mehr Verständnis für die geschichtlichen Hintergründe würde wohl auch helfen, die heute vor allem in Deutschland so verbreitete Unzufriedenheit (mindestens empfinde ich es so) als das einzuordnen, was sie ist - jammern auf sehr hohem Niveau.