Die vermutlich kleinste taurine Rinderrasse der Welt lebt in Nepal/Mustang:
Das Lulu-Rind:
Kühe bis knapp 80 cm, Bullen bis knapp 100 cm hoch.
Angepasst an extreme Höhenlagen von 2.800 - 4.700m und Luft mit extrem niedrigem Sauerstoffgehalt.
Sowie an knappes und dürftiges Futter.
Es gab Ende der 1990er etwas über 4000 weibliche und rd. 1500 männliche Tiere.
Ein Versuch, die gefährdete Lulu-Rasse durch Zucht einiger Tiere in üppigeren Lagen zu vermehren, schlug aus unbekannten Gründen fehl
(möglich wären Stoffwechselstörungen und ungewohnte Krankheitserreger).
In diesem Artikel wird beklagt, daß die Lulu-Zucht stagniert, weil andere Einkommensquellen lukrativer sind,
was zu einem Aussterben der Rasse führen könne:
http://thehimalayantimes.com/nepal/must ... xtinction/
Das wäre ein unersetzlicher Verlust, denn eine derartige Anpassung an extrem unwirtliche Gebirgslagen wäre durch Neuzüchtung wohl schwerlich in absehbarer Zeit zu erreichen.
Und für Selbstversorger im Hochgebirge könnte gerade die Kleinheit, das geringe Gewicht und die Milchleistung von 1-2 Litern auch unter Extrembedingungen attraktiv sein.
Wenn es möglich wäre, mit Lulu-Sperma hiesige Hochgebirgsrassen zu besamen, könnte man die genetische Basis verbreitern, ohne daß die weiblichen Lulus dem Risiko einer Ortsveränderung ausgesetzt werden.
Freilich sind auch viele unserer alpinen Hochgebirgsrassen im Bestand gefährdet.
Aber vielleicht könnte man alpine Kühe, die wegen Kleinheit von der Zucht ausgeschlossen werden, mit Lulu besamen, um damit eine tibeto-alpine Mischrasse zu schaffen, die die wertvollen Überlebenseigenschaften bewahrt?
Oder Färsen mit Lulu besamen, damit das erste Kalb besonders klein und die Geburt leicht ist?
Manche Lulus auf dem Foto haben eine Fellzeichnung ähnlich wie Vogeser oder Pinzgauer.
Ergänzung:
Die nepalesische Agrarbehörde scheint derzeit eher darauf fokussiert zu sein, europäische Hochleistungsrassen in die autochthonen Rassen einzukreuzen, um Ertrag und Einkommen der Bauern zu steigern:
http://narc.gov.np/org/bovine_research_program.php
Dagegen ist prinzipiell nichts einzwenden.
Allerdings sollte nicht aus den Augen verloren werden, daß sich dadurch die genetische Grundlage der Nutzrinder weltweit immer mehr verschmälert,
wenn nicht zugleich Erhaltungsmaßnahmen ergriffen werden.
Beispielsweise wäre zu überlegen, ob Hochgebirgsbauern in Nepal nicht mit alpinen Rassen eher gedient wäre als mit Allerwelts-HF und Jersey.
So könnte ein Programm der Sicherung genetischer Ressourcen auf Gegenseitigkeit ins Leben gerufen werden, was das Risiko des unwiederbringlichen Verlustes aufgrund lokaler Ereignisse (z.B. Seuchen) verringern könnte.
Oder man könnte Lulu mit der kleinsten europäischen Rasse Dexter kombinieren und somit eine neue Zwergrasse mit guter Höhenanpassung bei besserer Leistung gewinnen.
Dazu könnte man Kühe nehmen, die wegen unerwünschter Farbmerkmale in der Dexter-Zucht unterbewertet werden.
http://www.dexter-verband-deutschland.d ... kmale.html