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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 13. Okt 2021, 21:05
von emil17
Manfred hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 20:54Tönnies hat seither massive Probleme die vorher begehrten Arbeitsplätze zu besetzen
So wie ich das aus unserer Presse mitbekommen habe, waren das Pseudoselbständige Subunternehmer, die in den von Tönnjes zur Verfügung gestellten Werkhallen mit Geräten und Einrichtungen von Tönnjes Tiere im Eigentum von Tönnjes im Akkord geschlachtet haben. Damit musste Tönnjes selber keine solchen Arbeitplätze besetzen, sondern nur eine möglichst niedrige Pauschale zahlen, angestellt und schecht bezahlt sind die Leute vom Sub-Unternehmer. Das läuft auch so beispielsweise im Tansportgewerbe, Damit ist man als Hauptunternehmer die ekelhaften Gesamtarbeitsversträge und Tariflöhne los.
Rechtlich sind das alles Konstrukte, die nur zum Ziel haben, den gesetzlichen Arbeitnehmerschutz zu unterlaufen.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 13. Okt 2021, 21:18
von emil17
Manfred hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 20:50
bei den sogenannten Umweltleistungen wird oft das genaue Gegenteil des Sinnvollen gefördert, weil nicht der Stand der Wissenschaft, sondern von Ideologien und finanziellen Interessen geprägte politische Entscheidungsprozesse die Programme festlegen.
Das Meiste, was heute im Naturschutz gefördert wird, könnte man mit gleichem Recht Antinaturschutz nennen.
Vieles davon habe ich lange Zeit selbst geglaubt, weil man es halt so lernt als junger Mensch. Aber je mehr ich dazu lerne, desto schmerzhafter wird die Erkenntnis, was in dem Bereich alles falsch läuft.
Die Steuerzahler würden sich die Haare raufen, wenn sie wüssten, wohin all die Naturschutzmilliarden versickern.
Die wichtigste Gegenmaßnahme wäre hier Transparenz. Jeder Cent den sogenannte gemeinnützige Organisationen und Stiftungen und die öffentlichen Haushalte in diesem Bereich ausgeben, müsste offengelegt werden. Das gäbe einen gewaltigen Aufschrei...
Womit wir diesen Rundumschlag auch fürs Jahr 2021 abhaken können. Es wird allerdings nicht wahrer, wenn man es öfter wiederholt.
Nur soviel: Gemeinnützige Organisationen sind an der Offenlegung ihrer Bilanzen und Ausgaben interessiert, denn sonst würden sie sich selber den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Zudem ist es eine Bedingung, um vom Gesetzgeber als gemeinnützig anerkannt und steuerbefreit oder privilegiert zu sein. Die Leute, die entscheiden, ob etwas gemeinnützig ist oder nicht, sitzen im Justizdepartement und nicht in der Naturschutzbehörde und sind nicht diejenigen, die in diesem Sektor arbeiten. Für Verschwörungs- und Klüngeltheorien ist hier sehr wenig Platz.
Diese Bilanzen sind öffentlich einsehbar, man muss es aber tun und sich bemühen, wenn man Bescheid wissen will. Das Gegenteil zu behaupten im Wissen, dass es nicht so ist, ist bequemer, aber unredlich.
Gemäss der Verfassung oder dem Grundgesetz frei sind gemeinnützige Organisationen in der Definiton ihres Zweckes, und zwar auch dann, wenn man selber diesen Zweck nicht mag oder ihn ganz anders verfolgen würde. Wenn die dann auch noch erfolgreich Gelder und sehr viele Mitglieder einwerben, kommt natürlich Neid auf - nach Wilhelm Busch ist das bekanntlich die ehrlichste Form der Anerkennung.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 13. Okt 2021, 21:21
von Manfred
emil17 hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 20:59
Als Einzeltäter und (für deutsche Verhältnisse) Kleinbauer musst du in Nischen Unterschlupf suchen. Du musst keine Lösungen für den Gesamtsektor erfinden - das ist nicht möglich, denn wenn es von unten kommt sind Pfründe der Grossen in Gefahr und wenns von oben kommt, sind wir da wo wir jetzt sind.
Müssen tue ich erstmal relativ wenig, außer sterben irgendwann.
Und ich bin durchaus in der Lage zwischen unternehmerischen Entscheidungen für meinen Betrieb und meinen Gedanken zur Verbesserung des Gesamtsystems zu unterscheiden.
Trotzdem bemühe ich mich, so gut es mir gelingt nach meinen Erkenntnissen und Überzeugungen zu handeln, auch was meine beiden kleinen Unternehmen angeht.
Ich prognostiziere seit Jahren, dass das High-Input-System an der Landwirtschaft an die Wand fährt, weil die Kosten schneller inflationieren als die Einnahmen. Also demechanisiere ich.
Ich habe gelernt, dass wir regenerativ wirtschaften müssen, also unsere Böden wieder aufbauen, eine ganzjährige lebende Bodenbedeckung erreichen, die Tiere reintegrieren, Kreisläufe schaffen. Also tue ich das.
Ich sage, dass wir die kleinen Betriebe im Westen arrondieren müssen, um die Tiere wieder auf die Fläche bringen zu können und die Produktionskosten reduzieren zu können. Also arrondiere ich nach und nach so gut es geht.
Gleichzeitig bin ich den Zwängen der Märkte und der politischen Willkür ausgesetzt. Also nutze ich die entsprechenden Vorgaben und Fördermöglichkeiten so gut es geht um, um sie zumindest auf meinem Betrieb in aus meiner Sicht sinnvolle Bahnen zu lenken.
Und natürlich denke ich über betriebliche Strategien für verschiedene politische Zukunftsszenarien nach.
Ich sehe weltweit viele positive Entwicklungen in der Landwirtschaft.
Sorgen macht mir die Anti-Aufklärung, in der die westliche Welt immer tiefer versinkt.
Es ist natürlich, dass es eine Gegenbewegung zur Aufklärung gibt. Dass diese so schnell und heftig verläuft, macht mir aber Angst für die Zukunft meiner Neffen und Nichten. Wir sind gesellschaftlich auf dem Weg zurück ins Mittelalter.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 13. Okt 2021, 21:29
von Manfred
emil17 hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 21:18
Nur soviel: Gemeinnützige Organisationen sind an der Offenlegung ihrer Bilanzen und Ausgaben interessiert, denn sonst würden sie sich selber den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Zudem ist es eine Bedingung, um vom Gesetzgeber als gemeinnützig anerkannt und steuerbefreit oder privilegiert zu sein. Die Leute, die entscheiden, ob etwas gemeinnützig ist oder nicht, sitzen im Justizdepartement und nicht in der Naturschutzbehörde und sind nicht diejenigen, die in diesem Sektor arbeiten. Für Verschwörungs- und Klüngeltheorien ist hier sehr wenig Platz.
Diese Bilanzen sind öffentlich einsehbar, man muss es aber tun und sich bemühen, wenn man Bescheid wissen will. Das Gegenteil zu behaupten im Wissen, dass es nicht so ist, ist bequemer, aber unredlich.
Gemäss der Verfassung oder dem Grundgesetz frei sind gemeinnützige Organisationen in der Definiton ihres Zweckes, und zwar auch dann, wenn man selber diesen Zweck nicht mag oder ihn ganz anders verfolgen würde. Wenn die dann auch noch erfolgreich Gelder und sehr viele Mitglieder einwerben, kommt natürlich Neid auf - nach Wilhelm Busch ist das bekanntlich die ehrlichste Form der Anerkennung.
Um in D als gemeinnützig anerkannt zu werden, brauch man nur irgendwas zu machen, was irgendwie unter "Umwelt" subsumiert werden kann. Offengelegt wird lediglich die Bilanz, und da natürlich nur der Teil, der in D ausgegeben wird. Und diese Zahlen sind völlig nichtssagend.
Das ist natürlich alles legal, eine Frage.
Aber es führt halt dazu, dass das Geld verpufft und dabei oft noch schädlich für die Natur wirkt.
Ich würde sehr viel genauer definieren, was unter Naturschutz zu verstehen ist, welche Quote der eingenommenen Mittel in konkrete Projekte zu fließen hat, und dass nicht nur die Bilanz, sondern jede einzelne Cent mit Empfänger und Zweck offengelegt werden muss.
Dann hätten wir einen komplett anderen, viel wirkungsvolleren Naturschutz.
Ich werden den Verdacht nicht los, dass du hauptberuflich in diesem Sektor tätig bis und ganz gut davon lebst, dass kaum jemand erfährt, wie die Gelder verteilt werden, oder zumindest finanzielle Verknüpfungen in diesem Sektor hast oder hattest.
Sonst würdest du wohl nicht jedes mal wie ein getroffener Hund aufheulen, wenn ich das Thema anschneide.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 13. Okt 2021, 22:23
von emil17
Manfred hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 21:29
Ich würde sehr viel genauer definieren, was unter Naturschutz zu verstehen ist
Das ist ein wissenschaftlicher oder gesellschaftlicher Konsens, wo bei wie vielen andere Themen auch nicht ein einzener den Anspruch haben kann, es alleine besser zu wissen. Was die Organisationen wollen und wie sie es zu verwirklichen suchen, das kann man bei ihnen nachlesen.
Manfred hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 21:29welche Quote der eingenommenen Mittel in konkrete Projekte zu fließen hat, und dass nicht nur die Bilanz, sondern jede einzelne Cent mit Empfänger und Zweck offengelegt werden muss.
Dann hätten wir einen komplett anderen, viel wirkungsvolleren Naturschutz.
Wenn du den Leuten nicht zutraust, dass sie gewisse Entscheidungen selbständig treffen können, dann ist deine Kur doch eh nur eine noch grössere Aufblähung der Bürokratie, die du denen schon jetzt vorwirfst.
Manfred hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 21:29Ich werden den Verdacht nicht los, dass du hauptberuflich in diesem Sektor tätig bis und ganz gut davon lebst, dass kaum jemand erfährt, wie die Gelder verteilt werden
Bitte auf den Ball, nicht auf den Mann spielen.
Manfred hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 21:29oder zumindest finanzielle Verknüpfungen in diesem Sektor hast oder hattest.
Etwas Zurückhaltung mit solchen Unterstellungen wäre angebracht, wenn man selber in der Landwirtschaft arbeitet, weil dort - weniger von den Bauern, aber von der Industrie und den Verbänden - ja auch einiges mit öffentlichen und privaten Geldern geschieht, was man lieber nicht so genau weiss. Subventionsbetrug, Lebensmittelskandale, unzulässig hohe Pestizidrückstände - der Landwirtschaftssektor ist ein zuverlässiger Lieferant für solche Geschichten, und sie als bewusst gewollt von jedem einzelnen darzustellen, der als Landwirt seine Famile ernährt, wäre einfach nur schäbig. Also lass das, bitte.
Abgesehen davon ist es normal, etwas beruflich zu tun, was man persönlich gut findet und wovon man auch noch anständig bezahlt wird, einerlei ob das im Naturschutz, in einem Orchester oder an einer Schule oder in der Industrie ist.
Nein, ich arbeite nicht im Naturschutzbereich. Ich finde ihn aber gut und bin hobbymässig dort aktiv, allerdings nicht in Vereinen oder Organisationen.
Manfred hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 21:29Sonst würdest du wohl nicht jedes mal wie ein getroffener Hund aufheulen, wenn ich das Thema anschneide.
Mich stört nicht, dass du ein etwas schwieriges Verhältnis zu dem hast, wofür sich in Deutschland und der Schweiz problemlos Millionen mobiliseren lassen, weil es ihnen ein wichtiges Anliegen ist, sondern dass du in diesem Zusammenhang dauernd schlicht unwahre Behauptungen wider besseren Wissens machst.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 14. Okt 2021, 00:26
von Benutzer 4754 gelöscht
emil17 hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 22:23
Etwas Zurückhaltung mit solchen Unterstellungen wäre angebracht, wenn man selber in der Landwirtschaft arbeitet, weil dort - weniger von den Bauern, aber von der Industrie und den Verbänden - ja auch einiges mit öffentlichen und privaten Geldern geschieht, was man lieber nicht so genau weiss.
Subventionsbetrug, Lebensmittelskandale, unzulässig hohe Pestizidrückstände - der Landwirtschaftssektor ist ein zuverlässiger Lieferant für solche Geschichten
Da hätte ich gerne je drei Beispiele aus den zurückliegenden 3 Jahre aus Deutschland und deutschen Produkten/Betrieben.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 14. Okt 2021, 01:13
von Rohana
emil17 hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 20:59
Aber: Ich habe in den letzten 20 Jahren noch nie Holz kaufen müssen und noch nie eine kalte Hütte gehabt, ausser wenn ich es so wollte. Für die gesamte Schweiz ist Stückholz sicher keine Lösung, aber für mich - und nur darauf kommt es an.
Mit Stückholz heizen ist wohl genau so wenig zeitgemäss wie Kühe, die sich ihr Futter auf der Weide selber suchen müssen
Rohana hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 00:30
Leistungseinbussen durch deutlich subtoptimale Fütterung
Fragt sich, wie man Leistung definiert: Wenn eine Kuh ein Verfahren ist, um aus Gras Milch zu machen, dann lohnt sich reine Stallfütterung, weil mehr Milch pro Aufwand rumkommt. Wenn aber die natürliche Lebensweise suboptimal ist - und ich bin als Biologe, aber Landwirtschaftslaie der naiven Ansicht, dass das bei Rindviechern Weidegang ist - dann habe ich Mühe mit der ebenfalls oft gehörten Aussage seitens der Landwirtschaft, das Tierwohl stehe an oberster Stelle. Nein, ich bin nicht bei Pegida, aber sowas ist doch Wasser auf denen ihre Mühle.
Wir heizen auch mit Holz!
Als Biologe wirst du wohl in der Lage sein zu erkennen dass Weide, Weide und Weide qualitative Unterschiede jenseits von gut und böse haben können. Wie also willst du "Weidegang" allgemein definieren? Woanders ist das hochpraktikabel, *bei uns am Hof und in der Region* eben nicht, und das nicht erst seit gestern. Weiter will ich da gar nicht ins Detail gehen.
Natürlich kann ich die Kuh nach draussen stellen und da füttern, ob das den Kern der Sache trifft sei dahingestellt...
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 14. Okt 2021, 08:09
von emil17
Rohana hat geschrieben: Do 14. Okt 2021, 01:13
Als Biologe wirst du wohl in der Lage sein zu erkennen dass Weide, Weide und Weide qualitative Unterschiede jenseits von gut und böse haben können. Wie also willst du "Weidegang" allgemein definieren? Woanders ist das hochpraktikabel, *bei uns am Hof und in der Region* eben nicht, und das nicht erst seit gestern. Weiter will ich da gar nicht ins Detail gehen.
Mich stört an der Sache hauptsächlich, dass die Superkühe mit einer Milchleistung, die sie ohne Zusatzfutter und nur im Stall überhaupt erbringen können, als normal angesehen werden und alles andere "Leistungseinbussen" sein sollen.
Natürlich nutzt man damit den Aufwuchs viel besser aus, aber da das alle machen (müssen) gibts daraus eine Milchschwemme, die Preise sind tief und die Leute sind, mit dem Zusatzaufwand der Stallfütterung (und Zusatzinvestitionen, etwa für das Problem, wohin im WInter mit der vielen Gülle), wieder gleich weit wie vorher. Die Effizienzfalle ...
Hauptunterschied aus SIcht des Naturschutzes ist, dass nun die Wiesen extrem nährstoffreich und artenarm sind.
Aus Sicht der Steuerzahler stellt sich die Frage, ob man mit den Subventionen diese Art von Betriebsführung am Leben erhalten will.
(Für Manfred: Da dürfte man dann doch auch verlangen, dass diese Beiträge auf den Cent genau aufgeschlüsselt werden, der Gleichbehandlung wegen. Wir fördern damit offiziell Landwirtschaft in klimatisch schwierigen Lagen und bezahlen in Realität grössere Jauchegruben und Melkroboter, oder so. Wenn die Leute das nicht spontan gut finden, muss man ihnen halt erklären, dass sie nichts von landwirtschaftlicher Betriebsführung verstehen)
Woher das Zusatzfutter kommt und wie es produziert wird, das wäre dann nochmals eine Frage. Aus dem Ausland? Die produzieren ohne Auflagen und sind damit unfair billig. Aus dem Inland? Dann gibts dafür auch wieder Subventionen.
Wenn man die Milchleistung nicht über das steigerte, was die Wiesen bei Weidegang und Heuwirtschaft hergeben, und auf den Zusatzfutterflächen anderes anbaute, würde unterm Strich wohl mehr herauskommen, wenn Nahrungsmittelproduktion für Menschen das Ziel ist.
Rohana hat geschrieben: Do 14. Okt 2021, 01:13
Natürlich kann ich die Kuh nach draussen stellen und da füttern, ob das den Kern der Sache trifft sei dahingestellt...
Wahrscheinlich machen das sogar einige, damit man Weidemilch oder Freilandkuhhaltung auf die Packung schreiben kann.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 14. Okt 2021, 08:40
von penelope
@manfred:
Mir war schon klar, dass du mit meiner Antwort nicht zufrieden sein wirst, aber was wären denn aus deiner Sicht gute und konkrete Maßnahmen, die die aktuelle Situation verbessern würden? Und die kein mehr an Bürokratie verursachen, immer zielgenau ihren Zweck erfüllen und gleichzeitig, ohne aufwendige Kontrollen, von niemanden missbraucht werden können?
Ich befürchte leider, diese eierlegende Wollmilchsau wird es nie geben. Man wird immer, wohl auch in jedem Lebensbereich, mit einem etwas unvollkommenen, aber hoffentlich unterm Strich recht guten, Ergebnis leben müssen.
Ich finde, du wiedersprichst dir in deiner eigenen Argumentation. Weiter oben schreibst du, wie belastend die Bürokratie ist (was ich dir ohne jeden Vorbehalt glaube), wie aufwendig aber gleichzeitig schlecht Kontrollen sind und wie anfällig für Korruption und Besch*** das ganze System ist. Und dann meinst du gleichzeitig, dass man doch ohne Probleme weiterhin Tiermehl hätte verfüttern können, nur halt mit entsprechenden Auflagen und Kontrollen. Und in dem Fall (wie gesagt: es reichen wirklich minimale Mengen für eine Infektion) hätte das dann lückenlos, perfekt und ganz praktisch funktioniert? Wie willst du denn ein Lager, Silo, Anhänger etc. in der Praxis ganz garantiert auf 0,1g genau reinigen? Ich denke nach wie vor, dass das Verbot der Tiermehlfütterung damals eine klare sinnvolle Maßnahme war, die ja nun auch zu einem Erfolg geführt hat.
Zur „Zwangsveganisierung“ von Hühnern:
Wir halten hoch spezialisiert gezüchtete Hühnerrassen, die je nach dem nur entweder für Eier oder für Fleisch gezüchtet werden, in Ställen mit mehreren tausend Individuen, klimatisiert und ohne Tageslicht, brüten sie künstlich aus und versorgen sie mit Medikamenten. Und wenn die dann Soja statt Schweinemehl bekommen (wo Hühnervögel in der Natur ja besonders regelmäßig größere Säugetiere fressen) ist das nicht mehr natürlich. Diese Trennlinie erscheint mir doch sehr willkürlich.
Und ganz nebenbei hole ich hier auch Rohmilch bei einem Bauern im Ort (für 1 Euro pro Liter), der seine Kühe auf die Wiese lässt. Am Stall hat er nicht die großen Weideflächen, sodass es mehr Auslauf als Nahrungsgrundlage ist, aber er ist damit sehr zufrieden und laut seiner Auskunft rechnet sich das auch durch die bessere Gesundheit seiner Tiere. Im Umkreis hier gibt es zwei Solawis, eine dritte entsteht gerade – und alle haben Wartelisten. Und hier im platten Land ist so gar kein typisches Gemüseanbaugebiet. Natürlich ist das keine Lösung für alle – den Betrieb auf mehrere tausend Hektar vergrößern ist es aber ja auch nicht.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 14. Okt 2021, 08:44
von Manfred
"Bis 2030 soll der Hunger auf der Welt ausgemerzt sein. Das ist das Ziel der Vereinten Nationen. Doch die Welthungerhilfe ist deutlich skeptischer: Man sei "dramatisch" von diesem Kurs abgekommen. Auch Entwicklungsminister Müller schlägt Alarm und sieht einen "unglaublichen Skandal"."
https://www.n-tv.de/politik/41-Millione ... 64584.html
Diesen Teil der Aufgabe der Landwirtschaft sollte man nicht aus den Augen verlieren, wenn man ersthaft um Lösungen bemüht ist.
Als "Naturschützer" hat man im Prinzip zwei Möglichkeiten.
Man kann den Naturschutz seinen persönlichen Interessen opfern oder man kann die Probleme benennen und sich darum bemühen, dass die verfügbaren Mittel bestmöglich zur Behebung dieser Probleme eingesetzt werden.
Aus den Systemwissenschaften wissen wir, dass jede menschliche Organisation unvermeidlich zum Selbstzweck degeneriert, wenn sie nicht mit extremer Disziplin immer wieder auf ihren Kern reduziert wird.
Dabei ist es egal, ob es sich um eine politische Partei, einen "Bauern"verband oder eine "Naturschutz"organisation handelt.
Weil das so ist, geben "Naturschutz"organisationen den größten Teil ihrer Einnahmen für Werbung, Lobbyarbeit und eigenes Personal aus, mit dem Hauptziel, den eigenen Umsatz zu erhöhen, und noch mehr Geld an angeschlossene Personen verteilen zu können. Die Wissenschaft degeneriert man dabei zur Antiwissenschaft, indem selektiv die Informationen ausgewählt und verteilt werden, die dem Selbstzweck am nützlichsten sind.
Hat eine Organisation diesen Zustand erreicht, ist sie von innen heraus nicht mehr reformfähig. Zumindest gibt es kein mir bekanntes Beispiel, wo eine solche Reform von innen geglückt wäre.
Reformen sind dann nur noch durch massiven Druck von außen möglich, in der Regel dann, wenn die Stimmung der Geldgeber kippt, weil diese erkennen, dass die gegebenen Mittel nicht bestmöglich eingesetzt werden.