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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 11. Okt 2021, 22:23
von Benutzer 4754 gelöscht
Zottelgeiss hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 21:28
Manfred hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 14:24
Zottelgeiss hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 14:08 Dazu ein kurzer Einwurf:
https://hamfelderhof.de/

Die erhöhen den Verkaufspreis pro Liter um 20 Cent.
Das ist ja gut und schön, dass es einen Nischenmarkt von kleiner 1% der Gesamtmenge gibt, der das kann,
aber es ist halt keine Lösung für die Masse der Betriebe.
Laut der betriebswirtschaftlichen Auswertungen sind sogar die meisten Milchautomaten defizitär. Da braucht es schon einen echt guten Standort in der richtigen Region mit entsprechend zahlungswilligen Kunden.
Natürlich nicht, ich wollte nur darauf hinweisen, das es durchaus eine regionale Molkerei gibt, die ihren Kunden soweit vertraut, das diese den Preis mit trägt und dafür sorgt, das die Arbeit der Milcherzeuger auskömmlicher und besser bezahlt wird. Ist doch schon mal ein Anfang :)
Ich kaufe seit Jahren ausschließlich diese Milch, weil mich das Konzept überzeugt und die Qualität außerordentlich ist. Der Hofladen ist leider zu weit weg, daher über den Einzelhandel oder unseren Bio Großhändler (über die Food Coop).
Wir bauen auf 3.000 Hektar Brotweizen an. wie sollen wir ganz Bochum oder Ludwigshafen und Leverkusen zusammen mit Weizenmehl bedienen?
Vom Pro Kopf verbrauch und der Einwohneranzahl kommt es hin.
Ohne Verarbeiter und Zwischenhändler geht es nicht.
Selbst die DDR, welche ihr Wirtschafts- und Handelssystem völlig neu aus dem Boden gestampft hat um die Bevölkerung nach allen Möglichkeiten gut und günstig zu versorgen hat auf ein Netzt aus Zwischenhändlern und zentralen Verarbeitern gebaut

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 11. Okt 2021, 22:24
von emil17
Schau mal die Geographie der Schweiz an; einfach Subventionen durch ha zu teilen gibt eine Zahl, die nicht viel aussagt.
Wir haben 8 Mio. Einwohner auf 42'000 km2 und wir haben etwa 1000 km2 Gletscher, also wohnen rechnerisch 190'000 Leute auf ewigem Eis. So einfach kann Statistik sein!
"Der Milchpreis von 65 Rappen ist 1,75 mal so hoch wie in D." - und die Konsumentenpreise und Lebenshaltungskosten sind doppelt so hoch wie in D. Das Einkommen einer Bergbauernfamilie, die nur von der Landwirtschaft lebt, ist unterduchschnittlich und gemessen an der Arbeitszeit miserabel.
Die Subventionen sind politisch nur dort umstritten, wo es Umweltprobleme in der Landwirtschaft gibt. Das sind - man staune - Intensiv-Betriebe im Tiefland.

Käseverkauf lohnt nicht "sogar" - viele Betriebe in der Bergzone können nur Milchwirtschaft, und wenn der Käse nicht gut ist liegt der wie Blei in den Regalen. Aber weil er gut ist, gibts auch anständige Preise dafür und die Leute sind zu Recht stolz auf ihre regionalen Käse.

In D gibt es auch genug Betriebe die so etwas können, also liegt es nicht nur an der EU oder nicht-EU. Aber wenn man nur Massenprodukte auf grossen Flächen kann, muss man auch mit anderen mithalten, die auch Massenprodukte auf grossen Flächen machen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 11. Okt 2021, 22:41
von Benutzer 4754 gelöscht
Auf die schön Rechnerei der massiven Förderung braucht man nicht weiter einzugehen.
Ver suche mal Weizen außerhalb der staatlich festgelegten Freimengen von Deutschland in die Schweiz zu verkaufen... du wirst dir am Zoll die Zähne ausbeißen.
emil17 hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 22:24 In D gibt es auch genug Betriebe die so etwas können, also liegt es nicht nur an der EU oder nicht-EU. Aber wenn man nur Massenprodukte auf grossen Flächen kann, muss man auch mit anderen mithalten, die auch Massenprodukte auf grossen Flächen machen.
Es kommt nicht auf die Anzahl der Betriebe an, sondern auf die Fläche die mit diesen Absatzmethoden bewirtschaftet wird. Die wird unter 1% an der gesamten LN liegen.
Die Landwirtschaft könnte problemlos mit der Konkurrenz aus Osteuropa mithalten, wenn hier die selben Produktionsbedingungen herrschen würden.
Das tun sie aber nicht.
Die Worte Düngeverordnung, Tierschutznutztierhaltungsverordnung, Pflanzenschutzgesetzt, TA-Luft, BImSchG, Mindestlohngesetzt usw
sind dort ein Fremdwort.
Von der immens teuren Bürokratie ganz zu schweigen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 12. Okt 2021, 05:46
von emil17
Oelkanne hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 22:41 Es kommt nicht auf die Anzahl der Betriebe an, sondern auf die Fläche die mit diesen Absatzmethoden bewirtschaftet wird.
Aus Sicht des Betriebes ist das ganz egal, denn man muss nicht volkswirtschaftlich relevant werden, sondern seine Nische finden, die ein Auskommen für den Betrieb generiert. Für die Betriebe, die hier bei der lokalen Milchgenossenschaft und Käserei mitmachen, funktioniert es ganz gut, also macht man es, und ist dem Preisdruck der grossen Käsekonzerne ausgewichen.

Wahrscheinlich sind eure 3000 ha für ganz Deutschland auch weniger als 1 % - ist doch egal, solange für Euch die Rechnung aufgeht.
Wenn sie nicht aufgeht und ihr Euer einzigens Produkt nicht hochwertiger verkaufen könnt, müsst ihr halt anders wirtschaften oder etwas anderes erzeugen, was sich besser verkaufen lässt. Denn Euch dürfte auch wurscht sein, wie der Nachbar über die Runden kommt, der "nur" 500 ha hat. Das ist Marktwirtschaft - der Kunde bestimmt den Absatz, nicht der Produzent.
Bei der Landwirtschaft kann reine Marktwirtschaft nicht funktionieren, weil sie extrem umweltrelevant ist, deshalb gibts auch Subventionen vom Staat. Wenn die aber schon fliessen, bloss weil man Fläche bewirtschaftet, egal wie, dann setzt das falsche Anreize und die Zusatzprämien für Blühstreifen usw. lohnen sich nicht.
Die Erhaltungsprämien für den Krisenfall - Nahrungsmittel-Grundversorgung, früher der Hauptgrund eine eigentlich unrentable Landwirtschaft am Leben zu erhalten - sind der politischen Situation anzupassen und hier ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Länder in Europa wieder auf autark machen und ihre Grenzen schliessen.
Also muss man die Subventionspolitik insofern korrigieren, indem es nur für gesellschaftsrelevanten Zusatzaufwand überhaupt etwas gibt. Damit bezahlt die Gesellschaft dann den Zusatzaufwand der Landwirtschaft, der nicht durch den Produktepreis gedeckt werden kann, weil er nicht im reinen Interesse der Produktion ist. Lästigkeitsprämien - bezahlt mich dafür, dass ich darauf verzichte, die Umwelt zu belasten - dürfen auch nicht sein, denn dann will ich auch Geld vom Staat, weil mein Auto einen Kat hat und ich das Grundwasser nicht verschmutze. Das wäre auch fair nach dem Gleichbehandlungsprinzip - andere Gewerbe bekommen nicht bloss deshalb schon Geld vom Staat, weil sie es betreiben.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 12. Okt 2021, 06:52
von penelope
Oelkanne hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 22:41
Die Landwirtschaft könnte problemlos mit der Konkurrenz aus Osteuropa mithalten, wenn hier die selben Produktionsbedingungen herrschen würden.
Das tun sie aber nicht.
Abgesehen von allen Umweltaspekten: Löhne und Arbeitsbedingungen wie in Russland wären aber ganz sicher keine Verbesserung für die Menschen in der Landwirtschaft in Deutschland.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 12. Okt 2021, 11:33
von penelope
Man kann einen Markt auch nicht nur von der Angebotsseite aus betrachten. Nur einmal als Gedankenspiel: Was würde denn passieren, wenn von jetzt auf gleich sämtliche Auflagen gelockert würden? Vermutlich wären dann recht kurzfristig merkliche Produktionssteigerungen machbar.

Das hört sich natürlich erst einmal gut an, aber wie geht es dann weiter? Die Nachfrage ist relativ stabil, die Preiselastizität (übrigens mal wieder ein wirtschaftswissenschaftlicher Begriff, den Friedrich Merz nicht so richtig versteht ;) ) ist sehr gering. Es entsteht ein Überangebot an einem bestimmten Gut. Die Produzenten werden Schwierigkeiten bekommen, ihre Güter los zu werden und die Verhandlungsmacht der Käufer (Molkereien, Verarbeiter, Lebensmitteleinzelhändler) steigt. Natürlich werden diese dann bei dem kaufen, der bereit ist, für den niedrigsten Preis zu verkaufen und die Marktpreise insgesamt werden fallen. Der Produzent „ackert“ (im wörtlichen Sinne) mehr, wird aber unter dem Strich am Ende wirtschaftlich nicht besser dastehen.

Eine noch weitere Steigerung der Produktivität in den Bereichen, in denen wir eh schon überversorgt sind, stärkt am Ende nur die Lebensmittelindustrie, aber schwächt die Position der Landwirte noch weiter.

Diese Strategie geht aus volkswirtschaftlicher Sicht, auch nach ganz klassischer erzkonservativer Linie, und auch unter Ausbeldung aller Umweltaspekte einfach nicht auf.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 12. Okt 2021, 17:51
von sybille
Hier erhält so ein Milchviehbetrieb immerhin 300 Euro je ha an Subventionen und einen Milchpreis von 35 Cent.

Mein Biomilchbauer nimmt 60 Cent/Liter ab Tank. Nur gekühlt, nicht pasteurisiert. Und er hat viele Milchkunden. Die einen kommen nur für die Milch, die anderen kaufen die Milch 10 l weise da sie Käse machen den sie aus der pasteurisierten Milch nicht machen können. Die frische gekühlte Milch hält sich im Kühlschrank mind. eine Woche. Ein Umdenken der Landwirtschaft und auch des Verbrauchers wäre sinnvoll. Unterstütze ich lieber den Landwirt selber oder die, die seine Produkte vermarkten?

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 12. Okt 2021, 19:00
von Rohana
Eberhard hat geschrieben: So 10. Okt 2021, 16:37 Es gibt auch jene, die feststellen, so wie sie bisher gewirtschaftet haben, können sie nicht mehr weitermachen.

Aus Syntropie statt Monotonie - Eine andere Landwirtschaft ist möglich.
„Mindestens elfmal pro Erntezyklus sprühen wir, also im Schnitt alle zehn Tage“, erzählt Borges, ein misstrauischer Grossbauer in Karohemd, Jeans und Strohhut. Der 49jährige besitzt 10.000 Hektar. Zweimal erntet er im Jahr, Soja und Mais im Wechsel.
Ja, in den ersten drei Sätzen steht schon was bei dem falsch läuft, und DAS mit der Landwirtschaft hier zu vergleichen, ist völlig sinnfrei. Wie gut dass ich hier zwei Tage nicht rein geguckt habe :roll:

Wie das so ist mit regionaler Versorgung übrigens... es gibt im näheren Umkreis keine Gemüsebauern, genauso gibt es hier keine Kühe auf der Weide. Warum? Weil's nicht funktioniert - oder zumindest nicht so gut, dass es sich lohnt! Essen wir jetzt nur noch ganz regionales Fleisch (davon gibts viel), Milch und Eier, oder fressen wir den Viechern das Futtergetreide weg und leben halt ohne Gemüse? :hmm:

Ich überlege übrigens rein zum Spass eine Pseudo-SoLaWi mit zwei Freundinnen* zu gründen, um Pleiten, Pech und Pannen gemeinsam zu erleben. Muss nur noch meinem Mann ein kleines Stück Acker abluchsen und überlegen wieviel wir wirklich in Handarbeit machen wollen, bzw wer es macht und zu welchem Preis...

* = überzeugte Bio-Grüninnen, aber mit Bezug zur Realität

Aktueller Milchpreis übrigens seit 4 Monaten gleich, auf 37 Cent. Hat schon irgendwer erwähnt dass Mineraldünger mittlerweile mehr als das Doppelte kosten?

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 12. Okt 2021, 21:15
von Manfred
sybille hat geschrieben: Di 12. Okt 2021, 17:51 Mein Biomilchbauer nimmt 60 Cent/Liter ab Tank. Nur gekühlt, nicht pasteurisiert. Und er hat viele Milchkunden. Die einen kommen nur für die Milch, die anderen kaufen die Milch 10 l weise da sie Käse machen den sie aus der pasteurisierten Milch nicht machen können. Die frische gekühlte Milch hält sich im Kühlschrank mind. eine Woche. Ein Umdenken der Landwirtschaft und auch des Verbrauchers wäre sinnvoll. Unterstütze ich lieber den Landwirt selber oder die, die seine Produkte vermarkten?
Hm. Das sollte man evtl. nicht öffentlich schreiben. Das hört sich nach einem Geschäft unter der Hand und vorbei an den Behörden an.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass er legal zu diesem Preis Vorzugsmilch vermarkten kann.

Wenn es nach mir ginge, würden die gesamte Direktvermarktung und das kleine Lebensmittelhandwerk von allen lebensmittelrechtlichen Vorschriften freigestellt.
Ein Schild an die Tür, dass dieser Betrieb nicht staatlich kontrolliert wird und man auf eigenes Risiko dort einkauft. Dann je jeder selbst entscheiden, ob er dort kauft oder nicht.
Und wer es als Verkäufer als Vorteil ansieht, könnte sich nach belieben freiwillig prüfen und zertifizieren lassen.
Wer dort nicht kaufen will, geht halt wie bisher in den Supermarkt und kauft die komplett kontrollierte und zertifizierte Industrieware.

Dann könnte jeder Bauer günstig Milch am Tank verkaufen und der kleine Dorfmetzger und -Bäcker hätten wieder eine reale Chance und deutlich mehr Lebensfreude durch viel weniger Bürokratie.

Es passiert aber das Gegenteil. Jedes Jahr kommen neue Vorschriften dazu, die die kleinen Betriebe systematisch wirtschaftlich erdrücken und zudem den Betroffenen die Freude an der Arbeit und damit die Lebensqualität rauben.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 12. Okt 2021, 22:00
von Eule
Manfred hat geschrieben: Di 12. Okt 2021, 21:15 Ein Schild an die Tür, dass dieser Betrieb nicht staatlich kontrolliert wird und man auf eigenes Risiko dort einkauft. Dann je jeder selbst entscheiden, ob er dort kauft oder nicht.
Im Prinzip eine gute Idee, aber das Schild würde dann vermutlich nicht reichen, wie ich das mit dem Haftungsauschluss so kenne :roll:
Wahrscheinlich müsste jeder Kunde eine Auflistung mit möglichen Risiken und Nebenwirkungen per Unterschrift als gelesen quittieren :pfeif:

Ich kann mich erinnern, als Kind von meiner Mutter zum Milchbauern im Dorf geschickt worden zu sein, mit einer Milchkanne und einigen Münzen, um dort kuhwarme Milch zu holen. Irgendwie haben wir es schadlos überstanden :hmm:
Wenn's damals schon nicht legal gewesen sein sollte - es ist garantiert verjährt! :holy: