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Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Di 18. Sep 2018, 09:41
von 65375
Gutes Essen ist viel wert, aber ich brauche, wenn es wirklich gut ist, deutlich weniger.
Gestern hatten wir Nudeln mit Tomatensoße aus eigenen Tomaten, und ich habe erstaunt festgestellt, daß ich rechtzeitig ein angenehmes Sättigungsgefühl hatte. Bei Fertigsoße aus dem Glas esse ich oft mehr, als mir gut tut. Ich nehme an, es liegt an darin verarbeiteten getrockneten Tomaten, also an Glutamat. Die eigene Soße war wunderbar fruchtig, aber im Vergleich eher zart im Geschmack.

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Mi 19. Sep 2018, 06:03
von hobbygaertnerin
Mir fällt auf, dass das selbstgekochte Essen anders schmeckt, bzw. andere Geschmacksknospen anspricht.
Ob das selbstgekochte Essen jetzt gesünder macht oder nicht, keine Ahnung, aber ich freu mich über meine eigene Geschmackserlebniswelt und muss mir nicht von anderen das vorsetzen lassen, was sie für geschmacklich passend halten.
Selbstgemachte Tomatensosse aus Ofentomaten hat meinen Geschmack, ausserdem kenne ich meine selbstherangezogenen Tomaten vom Samenkorn an.
Ich sammle schon seit ewigen Zeiten Rezepte- bring ich auf die Schnelle ein gutes Essen ohne diese ganzen Halb- und Fertigsachen hin, brauche keine Fix- und sonstigen Päckchen und Pülverchen.
Deshalb gehen wir auch sehr selten zum Essen, weil es nur noch wenige Gastwirtschaften gibt, die so kochen, wie ich mir das vorstelle. Ich schmecke den Geschmack von Fertigsuppen, -sossen und sonstigen Gerichten sofort raus- warum soll ich mir das antun. Da sind mir frischgekochte Pellkartoffeln mit selbstgemachtem Kräuterquark viel lieber.
Hab mir vor einer Wele ein wenig Zeit genommen und die Lebensmittel, die ich in der Regel selbst mache- in Verpackung im Geschäft durchgelesen, was da so alles an Inhaltstoffen reinkommt.
Ob das jetzt harmlos ist oder nicht, es ist schon beeindruckend, was alles ins Essen reinkommt, was bei uns nicht enthalten ist.
War mal in einem Vortrag von Hans-Ullrich Grimm- die Suppe lügt- damals hiess es in einer Packung Hühnersuppe für 4 Personen seien 4 g Trockenhuhn oder 7 g Nasshuhn enthalten-
ich brauche für eine gute Hühnersuppe ein ganzes Huhn.

Wenn das bei allen anderen solchen Sachen nach ähnlichem Muster läuft- guten Appetit.
Aber eines muss ich schon feststellen, es braucht Zeit und macht Arbeit, wer nicht gerne in der Küche steht, bzw. wenig Zeit hat - greift zu vorgefertigtem Essen.

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Mi 19. Sep 2018, 07:29
von si001
hobbygaertnerin hat geschrieben:ch schmecke den Geschmack von Fertigsuppen, -sossen und sonstigen Gerichten sofort raus-
Ich brauche das oft gar nicht kosten - man riecht die Tütensachen. In Heilbronn ist ein "Tütenhersteller". Im Umkreis von 500 m liegt dir der Geruch in der Nase. Boh, ich mags nicht.

Oder wenn ich vormittags in unserern kleinen Dörfern unterwegs bin und so gegen 11:00 Uhr gekocht wird: Bei manchen könnte ich mich einladen. Wenn z.B. es so schön nach angebratener Zwiebel riecht. Bei anderen falle ich in tiefes Bedauern. Dort riecht es nach Fertigzeugs. Auch, und das ist das Bedauernswerteste, bei den alten Haushalten, die Garten und Landwirtschft haben oder hatten.

Mein Hausarzt hat mir 2x irgedwelche Nahrungsergänzingsmittelchen empfohlen. Wahrscheinlich in der Annahme, dass ich auch nur Fertigfutter esse. Beim 2. Mal habe ich ihn verwarnt und ihm gesagt, dass ich den Arzt wechsle, wenn er mir so nen Mist rät. Als ich ihm erzählt habe, wie wir uns ernähren, hat er sich bei mir entschuldigt.

Ich bin fest davon überzeugt, dass Ernährung seinen Teil dazu beiträgt, seine Gesundheit zu erhalten. (Gehandelte) Lebensmittel müssen heute maschinenverarbeitbar und handelsgerecht sein. Der Mensch ist in dieser Kette nicht interessant.

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Mi 19. Sep 2018, 07:47
von emil17
si001 hat geschrieben: Ich bin fest davon überzeugt, dass Ernährung seinen Teil dazu beiträgt, seine Gesundheit zu erhalten. Der Mensch ist in dieser Kette nicht interessant.
Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte:
Sicher ist Fertigfutter im Übermass (wie fast alles andere auch) nicht gerade gesundheitsfördernd, aber ...
Früher, in der guten alten Zeit der Selbstversorgerwirtschaft, war Krebs des Verdauungstraktes (Speisröhre, Magen, Darm) wegen einseitiger Ernährung und vor allem wegen unsachgemässen Konservierungsmethoden eine häufige Todesursache.
Hier hat erst die Industrie Abhilfe geschaffen.
Ernährungsbewusste Menschen sind nur dort interessant, wo sich mit ihnen Wertschöpfung erzielen lässt. Das ist wegen unserem Wirtschaftssystem so, nicht aus ideologischen Gründen. Deshalb kannst du mit RedBull Geld verdienen, mit selbstangebauten Karotten hingegen nicht.
Leider (leider aus Sicht gewisser Industriezweige) entscheidet immer noch der Kunde, was gekauft wird.
Solange du nicht ausschliesslich Industriefutter issest, ein abwechslungsreiches Leben führst, dich nicht nur im Fitnessstudio bewegst und "bewusste Ernährung" nicht alleiniger Lebensinhalt wird, wirst du aber nicht zwangsläufig krank davon. Immerhin ist die statistische Lebenserwartung heute so hoch wie nie.
si001 hat geschrieben:(Gehandelte) Lebensmittel müssen heute maschinenverarbeitbar und handelsgerecht sein.
... und sind darum nicht zwangsläufig schlecht: Eine unbequeme Tatsache dieser Argumentation wäre, dass in Deutschland gegen 240 Menschen pro km2 wohnen. Die essen - und so viele abzufüttern geht nun mal nicht anders als mit maschinenverarbeitbarer Ware.

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Mi 19. Sep 2018, 07:52
von hobbygaertnerin
Den Geruch von in Fett gedünsteten oder gebratenen Zwiebeln-
fällt mir auch auf, dass man das immer weniger riecht.
Von dem Geruch bekomme ich immer Hunger.
Eigentlich schon ein Verlust, wir leben in einem reichen Land, es gibt mehr als genug an Essen, aber der Geruch und der Geschmack wird zu einem hohen Maße künstlich zugesetzt.
Wir haben gestern Äpfel gepflückt, der Raum, in dem die über Nacht waren- riecht so wunderbar nach Äpfeln, frische Kräuter,frisch gedünsteter Zwiebel bleibt in Fertiggerichten aussen vor, angeblich haben wir so eine Art Bauchirn, die Nase, die Gerüche sehr gut erkennt- und was macht das, wenn die mit falschen Gerüchen und Aromen getäuscht werden?

Ich find diese ganzen Fix-Packerl täuschen und verändern die Geschmacksknospen-
im Fernsehen schau ich mir manchmal Kochsendungen an, muss da immer lachen, wenn von Texturen und irgendwelchen Begriffen herumgefaselt wird, wenn Sösschen und Anrichten zelebriert werden, aber ich hab da eigentlich nie das Gefühl,
so etwas nachzukochen.

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Mi 19. Sep 2018, 08:20
von Doris L.
Spätestens wenn man ins Alten-und Pflegeheim kommt ist es vorbei mit der Freiheit auszuwählen was und wie man essen möchte. Wo ich arbeite , in einem Heim mit Hausgemeinschaften, da werden Fleisch-und Gemüsebrühen eingesetzt, abends gibt es so gut wie immer etwas fertiges aus dem Tiefkühler, oder fertigen Salat. Es ist ja keine Zeit zum richtig kochen.
Seit ich da arbeite überlege ich wie mich dem entziehen kann. Ich will das nicht essen müssen. Ich habe noch nie Fertigbrühen für Soßen benutzt. Außerdem bin ich allergisch gegen diesen Mist :nudel: .

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Mi 19. Sep 2018, 08:54
von Benutzer 72 gelöscht
Doris L. hat geschrieben:Es ist ja keine Zeit zum richtig kochen.
Ich hab auch nicht immer Zeit zum "richtig" kochen, (gekaufte) Fertigsoßen verwende ich trotzdem keine.
Dann ist es eben mal ein einfaches Essen ohne großen Gaumenkitzel. ein paar frische Zutaten und schon geht´s los mit der Völlerei! ;)

aus Italien von einer (österreichischen) Freundin mitgebracht, die ihren italienischen Freund am Abend ganz schnell etwas eßbares servieren wollte:
Nudeln mit Tomaten und Mozarella.
dauert eigentlich nur 10 Minuten (solange kochen die Nudeln) - wichtig ist der frisch gepresste Knoblauch, ein bisschen Baslikum und dann ist es sogar eines unserer Lieblingsessen.
Das geht allerdings nur, wenn die Tomaten auch nach Tomaten schmecken.....

wobei :hmm: wenn man ganz streng ist, könnte man sagen, der Mozarella ist ein Fertiggericht (den machen wir nicht selber).

hab vor kurzem auch einen Braten gemacht, das (fast?) erste Mal, weil ich Fleisch nicht so mag, aber meine Kinder wollten.
Ich war ganz baff, wie einfach das sein kann, wenn man nicht allzu hohe Ansprüche stellt - hab das Fleisch mariniert, in die Rein (Kaserolle) und etwas Kokosöl, Sugo dazu. Backrohr einschalten und warten, die Erdäpfel dazu kochen auch von alleine.

Es gibt Alternativen zu Fertigsoßen, auch wenn man wenig Zeit hat:
bescheiden essen! :hhe:

Erdäpfel mit Sauermilch, Gurken, Butter und Salz zum Beispiel - ich denke, das werde ich auch mit 101 noch selber "kochen" können.

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Mi 19. Sep 2018, 09:57
von Doris L.
Nein, in den Heimen hat man keine Wahl, das Essen und die Ware dazu wird geliefert.. Du wirst auch keine Wahl haben falls du schwerbehindert wirst oder Dement. Wie es mal sein wird weiß man nicht.
Nachmittags hat man 4 Stunden, für den Kaffeetisch mit Kuchen. Das muß hinterher abgeräumt werden. Die Bewohner werden zu den Veranstaltungen gekarrt ob sie wollen oder nicht, Demente werden da gar nicht gefragt. Dann das Essen für abends vorbereiten, Wurst und Käseteller ,Butterbrote für diejenigen die nicht selbst schmieren können, Obstteller, Tomaten falls vorhanden. Die Wäsche verteilen und in die Schränke räumen, verschiedenes muß geputzt werden,jeden Tag etwas anderes, die Kühlschränke ,3 Stück, Waschmaschine und Trockner, die Schränke innen und außen. . Die Bewohner wieder abholen, Tisch decken, Essen auf den Tisch stellen und hinterher wieder abräumen und in die Maschine stellen. Ausräumen und alle Arbeitsflächen desinfizieren. Eßtisch desinfizieren. Frühstückstisch decken. Sind noch andere Sachen zu machen. Abfalleimer säubern, neue Tüten rein. Berichte schreiben und alles abhaken was gemacht wurde. Man hat kaum Zeit sich mit den Bewohnern zu unterhalten. Einige müssen das Essen angereicht bekommen, manche Demente wollen nach Hause und hauen ab, das täglich mehrmals, man muß sie zurückholen.
Das wäre nicht so schlimm wenn man nicht am Personal sparen würde. Es sind 7 HGs, aber nur 6 Personen die die Bewohner betreuen . Wir müssen also eine HG mitversorgen. Die sind zwischendurch ganz alleine. Pfleger gibt es auch nicht genug, aber das weiß ja schon jeder.
Man ist besser dran wenn man noch Familie hat die sich um einiges kümmert.

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Mi 19. Sep 2018, 10:28
von hobbygaertnerin
Ist nicht auch in Krankenhäusern, Kantinen, Kitas, Ganztagesbetreuung der Schulkinder das Essen oft nur rein unter dem Preisdiktat?

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Mi 19. Sep 2018, 10:29
von si001
Die Verpflegung in den Krankenhäusern und Heimen ist eine Katastrophe. Auch Schulessen ist nicht immer das, was es sein soll. Es wird gespart, wo es nur geht- an Personal und an Material. Der Mensch bleibt auf der Strecke, aber wen kümmert das?

Ich habe auch nicht immer Zeit oder Lust groß zu kochen, ich habe aber eine Schatzkammer im Keller, wo ich auf selbstgemachte Fertiggerichte zurückgreifen kann. Brühen, Suppen, Braten, gefüllte Paprikaschoten, Tomatensoße usw. Gemüse liegt z.T in Tiefkühler, z.T. kaufe ich etwas dazu. Obstkonserven hab ich zu 100% selbst.

Ein paar Kartoffeln, Nudeln oder Reis kochen dauer ein paar Minuten. Pfannkuche oder Reibekuchen sind auch schneller fertig, als man verhungern kann.
Vieles ist ein Frage der Planung. Ich koche fast nie nur für nur ein Essen.