Kann sein, dass ich mich hier für einige etwas in die Nesseln setze:
Für mich ist dieser oben verlinkte Beitrag über
Orthorexie, (nicht der Wiki-Artikel, den ich verlinke), ein typischer Fall, wo das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird.
Wer wahllos alles isst, ernährt sich genauso falsch wie jemand, der aus einer pseudoreligiösen Lebenseinstellung heraus fast nichts mehr isst, weil er allem misstraut, was irgendwie zubereitet worden ist ("Wer durch des Argwohns Brille schaut, findet Raupen selbst im Sauerkraut", W. Busch - trifft es ziemlich genau).
Das tut der Autor aber selbst in seinem Artikel auch, indem er die Folgen bewusster Ernährung übertrieben darstellt. Zwischen Cola und Billig-Mikrowellenpizza und selbstangebauter Rohkost gibt es noch viel.
Ernährungsphysiologisch ist der Mensch ein Allesfresser. Deshalb können viele Menschen ihre seltsame Ernährungsweise auch jahrelang überleben.
Das gilt für bewusst unterernährte Leute (ich nenne es mal so) ebenso wie für Übergewichtige mit Bewegungsmangel. Beiden sieht man es an.
Spricht man den Übergewichtigen darauf an, dann ist es ihm wurscht oder er weiss es und tut "später" etwas dagegen.
Spricht man eine bewusst unterernährte Person darauf an, bekommt man eine ähnliche Reaktion, wie wenn man einen Zeugen Jehovas fragt, warum er nie flucht.
Wenn ich etwas esse, von dem ich glaube, dass es mir schadet, dann tut es das auch. Daraus kann man eine selbst erfüllende Prophezeihung machen.
Das
geht es bei der Präferenz von Personen für bestimmte Lebensmittel oft keineswegs nur um den Wunsch nach gesunder Ernährung (den man sich auch ganz im Privaten erfüllen könnte), sondern um Selbstdarstellung und um eine Individualisierungsstrategie
(im oben verlinkten Wiki-Artikel) trifft es bei manchem Personen ganz genau, weshalb diejenigen, welche sich betroffen fühlen, auch quietschen.
Das Wichtigste zum Thema Essen geht bei der Diskussion gerne unter: Man sollte eine Lebensaufgabe haben und sich in seiner Haut wohlfühlen, denn dann hat man Hunger und deshalb schmeckt das Essen besser, weil man die Nahrung auch braucht. Und dann wird das Thema nicht wichtiger als es ist.
Ich esse nicht jeden Dreck, aber ich definiere mich nicht über mein Essen. Wenn ich einen Tag auf der Baustelle bin, dann muss etwas auf Teller, was Boden gibt und vorhält. Bei der Arbeit werde ich sonst mürrisch, das merken zuerst die anderen.