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Re: GVO in der Landwirtschaft - Diskussion und Meldungen

Verfasst: Do 6. Aug 2015, 20:47
von Advocatus Diaboli
Lysistrata hat geschrieben:Weil Procter & Gamble ein Patent auf die Gewinnung von Carotinoiden aus Palmöl hat? (und nicht nur die)
http://www.google.com/patents/US2460796
(1949! :pfeif: )
Wie machen die das nur, ein Patent ist üblicherweise (http://www.patent-page.com/patentlaufzeit) nach 20 Jahren abgelaufen? Für Europa ist es anscheinend erst 1996 eingetragen worden, dürfte also bald fällig sein.

Aber das Patent ist ja an ein bestimmtes Herstellungsverfahren gebunden, gibt es wirklich nur diese eine Möglichkeit?
Und warum haben die Umweltfuzzis noch nicht eingegriffen, P&C zeigt sich doch sonst auch gefügig?
https://www.greenpeace.de/presse/presse ... es-palmoel

Lysistrata hat geschrieben:
Rohes Palmöl enthält je nach Herkunft zwischen 500 und 3.000 ppm Carotinoide mit einem hohen Anteil an beta-Carotin sowie geringere Konzentrationen an Tocopherolen, Tocotrienolen und Sterolen.
Ob der Wunderreis da mitkann?
Wenn mein ppm-Rechner nicht spinnt läuft es auf einen Esslöffel Palmöl oder 100 g Goldenen Reis täglich hinaus?


:kuuh:

Re: GVO in der Landwirtschaft - Diskussion und Meldungen

Verfasst: Do 6. Aug 2015, 21:16
von Benutzer 3991 gelöscht
Da gibts einen ganzen Schippl Patente, und schon lang, d.h. man weiß das eh schon ne Weile, was jetzt abgelaufen ist oder nicht ändert nix an der Tatsache, dass man das Malheur mit eh vorhandenen Mitteln hätte beseitigen können..
1 Liter Palmöl kostet, wenn ich richtig umgerechnet habe, ca. 0,50 € pro Liter, und bei 1,1 Mrd. Menschen in Afrika wäre das doch ein Klacks, vom finanziellen her, ganz ohne Reis... Wieviel Wasser, Fläche und Aufwand braucht der Reis, wieviel eine Palme, die bis 350 kg im Jahr trägt, wovon die Hälfte Öl ist... und das jedes Jahr.. wenn man es nur auf die Vitamin - Versorgung bezieht

Komisch alles, oder.. :hmm:

Re: GVO in der Landwirtschaft - Diskussion und Meldungen

Verfasst: Do 6. Aug 2015, 21:22
von Reisende
Wen interessierts, solange die Kleinbauern das Zeugs kostenlos erhalten. Von nur einer Lieferung war nie die Rede...
mich.
damit werden sie nämlich auch schön in abhängigkeit gehalten. und es ist ganz leicht, an diese kostenlose abgabe bedingungen zu knüpfen.
die möglichkeit, vom ertrag das saatgut fürs nächste jahr zu erwirtschaften, halte ich für eine ganz elementare sache. vor allem für kleinbauer.

Re: GVO in der Landwirtschaft - Diskussion und Meldungen

Verfasst: Do 6. Aug 2015, 21:35
von emil17
Bevor ihr Euch da um des Kaisers Bart streitet:
es ist naiv anzunehmen, irgend eine Tablette täte einfach so den Zweck.
Das Ganze findet in Gegenden statt, wo vor allem Analphabeten leben und es kaum irgendwie nutzbare Infrastrukturen gibt.
Die Rechnung 40'000 (oder 250'000) Opfer mal 35 Cent pro Vitamintablette mal 365 Tage pro Jahr = Gesamtkosten von 5 Mio USD pro Jahr und das Problem ist gelöst, stimmt so jedenfalls nicht.

Bei uns sterben pro Jahr vermutlich mehrere 10'000 an Rauchen oder Überfressen und die Regierung ... tut auch nix.

Ein Problem dort ist nach meiner Einschätzung (ich war nie vor Ort, rede also wie der Papst vom Kindermachen), dass das Länder sind, in denen man tatsächlich verhungern kann. D.h. es gibt keinen Staat der sich kümmert oder das auch nur zu seinen Aufgaben zählen würde. Die kaufen lieber Atombomben und Panzer oder der Präsident und sein Clan werden noch reicher.

Zudem, und das ist jetzt zynisch, sterben in chronisch überbevölkerten Ländern sehr viele Leute an ganz banalen Sachen (nicht trinkbares Trinkwasser z.B.), die ursächlich zu behandeln hierzulande ganz wenig Geld kosten würde. Oder glaubt hier jemand, die 40'000 Opfer pro Jahr hätten sich, diese Vitamin A Tabletten oder das Schüsselchen Golden Rice täglich vorausgesetzt, alle zu glücklichen und von Gesundheit strotzenden Familienvätern und -müttern entwickelt?
Lysistrata hat geschrieben:1 Liter Palmöl kostet, wenn ich richtig umgerechnet habe, ca. 0,50 € pro Liter, und bei 1,1 Mrd. Menschen in Afrika wäre das doch ein Klacks, vom finanziellen her
Das ist leider nicht so einfach, die Ölpalme braucht ganzjährig feuchtes Tropenklima und wird deswegen in Südostasien so erfolgreich kultiviert. In Afrika ist dieser Klimatyp eher selten und dort gibts dann so Plagen wie Tsetse, die eine Besiedelung verhindern. Kommt das Produkt von auswärts, hast du wieder das Verteilungsproblem. In tropischen Ländern brauchst du für die Verteilung von Lebensmitteln eine Kühlkette und dafür wieder eine Infrastruktur an Energie und Verkehr.

Re: GVO in der Landwirtschaft - Diskussion und Meldungen

Verfasst: Fr 7. Aug 2015, 11:54
von Advocatus Diaboli
Lysistrata hat geschrieben:Komisch alles, oder.. :hmm:
Exakt - diese indische Doktorin versucht angeblich seit 30, 35 Jahren den Leuten vor Ort den Anbau zusätzlicher Pflanzen zur Versorgung mit Vitamin A beizubringen, die UNICEF besteht auf der Verteilung ihrer V A-Kapseln weil Lebenmittelzusätze nichts nützen, der Goldene Reis wird von Dogmatikern verhindert aber was ist das Problem beim Palmöl? Brauchen die Pflanzen so spezielle Anbaubedingungen die in Afrika nur wenig zu finden sind (von Indien hat noch niemand gesprochen)?

:aeug:

Re: GVO in der Landwirtschaft - Diskussion und Meldungen

Verfasst: Fr 7. Aug 2015, 12:00
von Advocatus Diaboli
Reisende hat geschrieben:mich.
damit werden sie nämlich auch schön in abhängigkeit gehalten. und es ist ganz leicht, an diese kostenlose abgabe bedingungen zu knüpfen.
die möglichkeit, vom ertrag das saatgut fürs nächste jahr zu erwirtschaften, halte ich für eine ganz elementare sache. vor allem für kleinbauer.
Wo du recht hast...
Aber leider konnte ich über die Samenechtheit des Goldenen Reises nichts finden und "Goldener Reis steht Entwicklungsländern unter einer humanitären Lizenz zur Verfügung; Fast alle Bauern (bis auf die Reichsten) dürfen ihre Ernte als Saatgut aufbewahren/anbauen, tauschen, lokal verkaufen, …", ich gehe also davon aus dass sie nicht von Firmen sondern von der UNICEF "abhängig" sind, sollte die Samenechtheit wirklich nicht gegeben sein.

:kuuh:

Re: GVO in der Landwirtschaft - Diskussion und Meldungen

Verfasst: Fr 7. Aug 2015, 18:22
von Benutzer 3991 gelöscht
emil17 hat geschrieben:Das ist leider nicht so einfach, die Ölpalme braucht ganzjährig feuchtes Tropenklima und wird deswegen in Südostasien so erfolgreich kultiviert. In Afrika ist dieser Klimatyp eher selten
http://www.adas-buka.de/palmoil.htm
The main oil palm belt of West Africa runs through the southern latitudes of Sierra Leone, Liberia, Ivory Coast, Ghana, Togo, Benin, Nigeria, Cameroon and into Zaire and Angola.
Da kommt schon ein bissl was zusammen..
By 1840 palm oil had already succeeded the slave trade as the coasts leading export product because of it's increasing demand in Europe as one of the myriad inputs of industrialising societies. It was used as fuel and lubricant for the factories, for lighting as candle was produced from it, soap manufacturing (Palmolive) and in tin plate processing. Palm kernels were used in manufacturing margarine and the residue for cattle food. The industrial revolution in Europe brought a boom in the production and exportation of palm oil so that in 1855-6 Delta exported 25,060 tons which was over half the total quantity of oil exported from Africa to Europe for cattle food. The industrial revolution in Europe brought a boom in the production and exportation of palm oil so that in 1855-6 Delta exported 25,060 tons which was over half the total quantity of oil exported from Africa to Europe
Alles schon mal dagewesen. Fragt man sich halt schon ein wenig, warums sie selber nix damit gemacht haben, was in Europa so begehrt war.
Advocatus Diaboli hat geschrieben:Brauchen die Pflanzen so spezielle Anbaubedingungen die in Afrika nur wenig zu finden sind (von Indien hat noch niemand gesprochen)?
In Afrika sind sie nicht so ertragreich wie in Asien, aber wachsen tun sie da schon. Indien ist neben China der größte Importeur von Palmöl, allerdings meist auch raffiniert, und
Rohes Palmöl hat eine rote Farbe, was auf den hohen Carotinoidgehalt zurückzuführen ist. In Europa wird Palmöl üblicherweise in raffinierter Form verkauft und verzehrt, d. h. nachdem es gebleicht und desodoriert wurde. Während des Raffinierens gehen die meisten Carotinoide verloren.
Tja, das ist natürlich blöd, wenn man das rausnimmt, was man eigentlich brauchen tät :dreh:

Re: GVO in der Landwirtschaft - Diskussion und Meldungen

Verfasst: Fr 7. Aug 2015, 20:01
von Advocatus Diaboli
emil17 hat geschrieben:Bevor ihr Euch da um des Kaisers Bart streitet:
Du hast Recht aber gerade weil es nur ein relativ kleines Teilproblem ist, wäre es doch sehr schön wenn man wenigstens dort einen Erfolg vorweisen könnte - gäbe vielleicht den Ansporn die großen Probleme endlich anzupacken weil man dann sieht, dass eine Änderung möglich ist.
Aber wenn man noch nicht mal das hinkriegt...?

:motz:

Re: GVO in der Landwirtschaft - Diskussion und Meldungen

Verfasst: Fr 7. Aug 2015, 20:33
von Advocatus Diaboli
Lysistrata hat geschrieben:http://www.adas-buka.de/palmoil.htm
The main oil palm belt of West Africa runs through the southern latitudes of Sierra Leone, Liberia, Ivory Coast, Ghana, Togo, Benin, Nigeria, Cameroon and into Zaire and Angola.
Die Speisekarte eines afrikanischen Restaurants als Quelle, ehrlich jetzt?

Lysistrata hat geschrieben:Da kommt schon ein bissl was zusammen..
Seltsamerweise gehören diese Gebiete zu denen, in denen Vitamin A-Notstand herrscht - wir sollten uns vom Palmöl als Lösung vielleicht verabschieden?
https://de.wikipedia.org/wiki/Vitamin_A ... ciency.PNG


:aeug:

Re: GVO in der Landwirtschaft - Diskussion und Meldungen

Verfasst: Fr 7. Aug 2015, 20:55
von Benutzer 3991 gelöscht
http://www.eolss.net/sample-chapters/c1 ... -27-00.pdf
The real palm belt in Af
rica runs through the southern
latitudes of Guinea, Sierra
Leone, Liberia, Ivory Coast, Ghana, Togo,
Benin, Nigeria, Cameroon and into the
equatorial regions of Equatorial Guinea
and the Congo.
Besser? :aeug:
Seltsamerweise gehören diese Gebiete zu denen, in denen Vitamin A-Notstand herrscht - wir sollten uns vom Palmöl als Lösung vielleicht verabschieden?
Vielleicht haben die schlicht gar nix zu beißen, obwohls eh da wär? :hmm:

Oder ist schlicht mehr zu verdienen, wenn mans exportiert?
Zu dem goldenen Reis heißt es ja auch, dass man das nicht will, weil nur am Heimmarkt verkäuflich, und dafür will man sich der möglichen Kontamination der anderen Reissorten nicht ausliefern.