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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 24. Okt 2019, 12:50
von Gelöschter Benutzer 54
Teetrinkerin hat geschrieben: Do 24. Okt 2019, 09:43
@kraut_ruebe,
ich bin hier nie irgendwie unverschämt geworden, daher finde ich es echt unschön, wenn mir die Wiese zum Gras fressen angeboten wird. Kritik ist das eine, beleidigend werden, das andere. Oder wie darf ich sonst den Post auffassen?
Am Liebsten so, wie ich ihn aufgefasst hab: Du warst mit der Wiese nicht gemeint
Aber, natürlich (ich bin auch so) fühlt man sich betroffen, wenn man mitdiskutiert, wenn kein Zitat oder direkte Ansprache vorhanden ist. Und vielleicht war es auch so, und ich fassse es falsch auf.
Ich denke aber, wenn wir die Bauern unter uns nicht so sehr in die Verteidigungsposition zwingen, können wir uns alle besser unterhalten und mehr einbringen und mehr mitnehmen. Und es gibt dann auch weniger Anlass zu gereizten Kommentaren und als Folge weniger verärgerte Diskutanten.
Und, oder aber: Nein, ich meine nicht Dich mit den andauernden Sticheleien. Das ist ein Versuch, zuerst mal eher allgemein drauf hinzuweisen, dass es aus Moderatorensicht besser ginge, wenn es sich damit nicht bessert, folgt ne konkrete Ansprache. Und nochmal nein, Du hast nicht Schuld daran, dass unter uns wenige Bauern und viele Nicht-Bauern sind, das zahlenmässige Ungleichgewicht in der Diskussion ist einfach so wie es ist.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 24. Okt 2019, 14:00
von Benutzer 72 gelöscht
wir Landwirte können die paar Hansel aus der Industrie mit durchfüttern da sehe ich kein Problem.
Nicht arbeitende Mütter, der Wasserkopf der Verwaltung und Finanzen usw fallen dann ja weg.
Das verstehe ich unter "Sticheln"
(p.s.: "die paar Hanseln aus der Industrie" sind die, die "der Landwirtschaft" unbedingt notwendige Dinge wie Hybridsaatgut, Erntemaschinen, Melkroboter, Kraftfutter, Impfungen, Pestizide, Herbizide etc. zu Verfügung stellen!!)
an Ölkanne: es ist was anderes, ob man etwas bestimmtes essen will oder muss (das in Richtung der "Städter")
kraut_ruebe hat geschrieben:Ich denke aber, wenn wir die Bauern unter uns nicht so sehr in die Verteidigungsposition zwingen,
danke!!
gilt aber "für die anderen" auch....
Umweltsünder oder wie immer man sie nennen mag, gibt es überall und in einer arbeitsteiligen Gesellschaft, wie wir sie haben, kann einer nicht ohne den anderen - ist so.
gilt für Landwirte und "Städter"
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 24. Okt 2019, 14:48
von emil17
Rohana hat geschrieben: Do 24. Okt 2019, 12:32
Emil, weisst du warum auf den Milchpackungen die Kuh auf der Blümchenwiese steht (oder zumindest kein Melkroboter abgebildet ist)? Weil die Kunden das so wollen und dem LEH das gefällt. Nenn' es einfach "Serviervorschlag" und überleg mal, wie gross der Anteil an Streichelzoo-Idylle-Höfen an der Milchproduktion (!) ist.
Klar, und deshalb fahren die Autos in der Werbung immer alleine auf leerer Strasse in idyllischer Landschaft, in Wirklichkeit schleichst du auf der rappelvollen Stadtumfahrung dahin.
Dennoch stört es mich, wenn die Packung Produktionsweisen suggeriert, die in Wirklichkeit so nicht stattfinden. Schliesslich soll der Kunde ja mehr bezahlen als der Billigimport kosten würde, das Produkt ist gleich weiss und gleich nass, also muss der Mehrwert wohl an der Produktionsweise liegen.
Wenn du im Prospekt die Villa mit Meeranstoss mietest und in Wirklichkeit kommste in die dritte Reihe mit Anstoss an die Schnellstrasse, biste ja auch nicht zufrieden, obwohl das eine Werbung war und das andere Wirklichkeit.
"Weil die Kunden das so wollen" heisst ja inzwischen genau das gleiche wie "die Kunden sind blöd", wenn damit jeder Mist gerechtfertigt wird.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 24. Okt 2019, 17:29
von Rohana
Ich hab nochmal bissl drüber nachgedacht. Habe länger keine Milch in Tüten mehr gekauft

aber sind wirklich überall Kühe mit Blümchenwiese drauf und keine entsprechende Milch darin? Bärenmarke hat den Alpenbär, Domspitz/Bayernland hat n stilisierten Bauernhof (und keine Trinkmilch), die Eigenmarken haben bloss Symbole und sowas... es wäre sicher mal einen Gang durch die Supermärkte wert um zu schauen, wo denn die Kühe auf der Blümchenwiese auf der Verpackung wirklich drauf sind - ich würde fast wetten dass zu den Molkereien *auch* Weidebetriebe gehören, somit also drin ist was drauf abgebildet ist, wenn vielleicht nicht ausschliesslich. Ob's dazu eine Regelung gibt, weiss ich nicht. Es wird allerdings sicher weder verpflichtend noch möglich sein, akkurat die Produktionsbedingungen der einzelnen Betriebe abzubilden, sofern die Milch bzw. das Milchprodukt nicht aus einer Hofmolkerei stammt.
Ich versuche dran zu denken wenn ich das nächste Mal im Supermarkt bin und evtl ein paar Bilder zu machen. Machst du mit? Oder andere?

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 24. Okt 2019, 18:01
von woidler
Ihr könnt natürlich gerne Fotos von Produktverpackungen für den Eigengebrauch machen, um dann hier das Dargestellt zu beschreiben.
Aber bitte in Hinblick auf den Urheberrechtsschutz die Fotos hier nicht reinstellen !
admin
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 24. Okt 2019, 18:04
von emil17
Ich weiss es nur aus der CH, da hat der Denner (Billiganbieter) die schöne Kuh mit die Blümchen drauf, Milch kommt aus der Schweiz. Bergmilch kann auch von Talbetrieben im Berggebiet sein. Dann gabs eine Weile die Marke Vallait (für Walliser Milch), mit einer anderen Kuh und anderen Blümchen drauf. Die wurde aber nicht im Wallis abgefüllt, weil hier die meiste Milch wie oft im Berggebiet im Sommer lokal auf der Alp verkäst wird.
Das alles haben weniger die Bauern als die Grossmolkereien zu verantworten.
Für mich ist wichtig, ob das Stallkühe mit einem hohen Anteil an Importkraftfutter waren. Dass die saisonal anderes Futter haben, im Sommer auf der Alp, im Winter Heu aus dem Tal, ist normal und war immer so. Wenn man aber Silomilch wegen dem Geschmack mit anderer verlängert, bis das Gemisch als unauffällig durchgeht, wird es haarig.
In D ist das Angebot für mich unüberschaubar, an Regelungen wirds auch nicht mangeln.
Seit ich aber weiss, dass Schinken von Schweinen, die in Niedersachsen mit Futter aus Argentinien gemästet worden sind, im Schwarzwald geräuchert werden und das Ganze dann als Schwarzwälder Schinken durchgeht, halte ich alles für möglich.
Die Franzosen sind bezüglich ihres Roquefort-Blauschimmelkäses sehr stolz darauf, dass nicht etwa Schafmilch von ausserhalb der Region zugekauft wird, obwohl sie die Mehrproduktion problemlos absetzen könnten. So sollte es überall sein.
Neuester Geniestreich der Branche (Lebensmittel): Migros hat dänische Bio-Forellen im Angebot. Wegen einem Problem bei der Produktion haben die, um ihren Liefervertrag erfüllen zu können, Bioforellen aus ... Griechenland gekauft, in DK verpackt und hier in CH kann man sie kaufen. Bio ist erfüllt, dennoch sind die Käufer unzufrieden
Das alles ist nicht Schuld der Bauern, aber es fällt negativ auf sie zurück. Dem kann man nur mit stur lokalen Labeln auskommen ... und dann mal halt nicht liefern, wenn eine Ernte schwach war.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 24. Okt 2019, 18:12
von Rohana
Ok, wir machen das einfacher... das Internet hat ja genug Bilder.
Z.B. hier gleich 10 Milchpackungen auf einmal, leider aus dem traurigen Anlass des letzten Rückrufs:
http://www.produktwarnung.eu/pweu/wp-co ... 10/all.jpg
Keine einzige Weidekuh auf der Verpackung. Alles Eigenmarken. Wenn man mal nach Milch gockelt und Bildanzeige auswählt, muss man ganz schön lang suchen um Milchpackungen mit Kuh zu finden. Vielleicht gibts da doch ne Verordnung zu...
Oh, Emil hat schneller geantwortet. Ich kann zur Situation in der Schweiz nicht viel sagen, da hab ich noch nicht eingekauft

Ja, den bemängelten Umgang mit regionalen Herkünften die nicht strengstens geschützt sind, finde ich auch richtig schlecht. Aber tausend Label können doch nicht die Antwort sein, oder?
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 24. Okt 2019, 18:41
von emil17
Bei uns ist es im Vergleich zu einem Suopermarkt (R**E) in einer deutschen Provinz-oder Kreisstadt noch richtig übersichtlich. Es hat gewöhnlich eine Sorte Frischmilch (pasteurisiert, homogenisiert) mit 3.8 oder 3.5 % Fett, dann noch Magermilch und sehr viel "veredelte" Milchprodukte, Milchgetränke. Die interessieren mich aber nicht, Schokopulver kann ich auch selber unter die Milch mischen, wenn ich Lust auf Schokomilch habe.
Was ich vermisse, ist richtig gute Buttermilch, das können die Schweizer nicht.
Wenn du dich hingegen mal an feinen Hartkäse als Grundnahrungsmittel gewöhnt hast, bist du bei uns richtig.
Es ist mit Cerealien das selbe, gewöhnliche Haferflocken oder Vollmehl sind zu vernünftigen Preisen schwer zu finden, weil scheu hinten oben eingereiht, dagegen gibts Dutzende von aufgezuckerten Müeslimischungen in schön bunten Packungen.
In der Schweiz Grundnahrungsmittel einkaufen würde ich Dir nur mit einem Schweizer Einkommen empfehlen. Was da auf der Packung steht, sind Preise, keine Artikelnummern!
Ich jammere aber nicht, mit Schweizer Einkommen und Schweizer Preisen lebt sichs besser als mit D-Lohn in D. Wenn man dann sieht, was von dem, was man für eine Milchtüte an der Kasse lässt, beim Bauern noch ankommt, versteht man nicht, warum es so wenige Genossenschaftsmolkereien gibt.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 24. Okt 2019, 18:53
von emil17
Wir könnten uns ja mal über die feinen Unterschiede der Umgangssprache und der Maklersprache in Exposés unterhalten

. Dafür bist du aber eher ungeeignet, denn das von Dir kürzlich eingestellte ist sehr sorgfältig. Wenn du mal als naiver Kunde ein Haus nach Anzeigen suchst, lernst du das zwangsläufig.
Das ganze aber in einem anderen Thema ...
Ich denke, für Landwirte ist es schwer, weil sie und wir das selber und hier in unserer Gesellschaft erleben, was wir alle unbewusst beim Verbrauch aller möglicher Konsumwaren anderswo auf der Erde anrichten. Beispiele wären Kleider, internationale Spedition, Elektronikartikel ... Das kriegen wir alle nicht mit, und sehen nur die Auslagen in den Geschäften. So auf Weihnachten zu werden die alle noch einen Zacken drauflegen, um ihre Waren ins Publikum zu drücken. Wie es für die Leute ist, das Zeug in der Fabrik herstellen zu müssen, kriegt hier keiner mit, und wenn, ist es nur angelesen.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 24. Okt 2019, 19:02
von Wildmohn
Wenn wir in MV sind, kaufen wir oft Rohmilch direkt vom Bauern. Der produziert zwar nicht ökologisch und vorsichtshalber koche ich die Milch ab, aber trotzdem: der Geschmack dieser Mich ist unvergleichlich zur ansonsten normal gekauften (Bio-)Milch, da kommt einfach keine Milch ran.
Da Milch gerade das Thema ist:
Ich konsumiere momentan Biomilch die das Versprechen liefert, ohne antibiotikabehandelter Milchkühe produziert worden zu sein... ein Aspekt in der Tierhaltung, der leider oft vergessen wird. Wenn Lebensmittel zum Gefahrgut mutieren, macht das Essen und Trinken irgendwie nicht mehr so richtig Spass...