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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 9. Okt 2019, 13:54
von Rati
Oelkanne in zwei zusammengefassten Zitaten hat geschrieben:...Da bist du einem riesigen Irrtum aufgesessen.
Ohne Nervengifte, Multienzymhemmer, Häutumgshemmer, Giftgas und Mineralöl gebe es kein Bio-Obst, kein Bio-Gemüse, keine Bio-Kartoffeln und kein Bio-Bier.
Auch die in der Bio-Landswirtschaft gibt es Wirkstoffe die B1 (sehr Bienengefährlich) sind oder auch schon nach einmaliger Anwendung das Bodenleben nachhaltig schädigen...Pflanzenschutzmittel ist Pflanzenschutzmittel.Egal wo der Wirkstoff herkommt, wer ihn entdeckt/erfunden hat oder wie er synthetisiert wird.Nervengift: PyrethrumMultienzymhemmer: Kupferionen Häutungshemmer: AzadirachtinGiftgas: Schwefel (setzt sich auf der Blattoberfläche zu Schwefeldioxid um, dieses Gas wirkt dann gehen Pilze)Mineralöl: Parafinöl
Wenn die im Bioanbau erlaubte Stoffe für dich das gleiche sind wie die im konvi Anbau, wo liegt dann das Problem sie zu benutzen?
Für mich besteht das schon ein Unterschied, in der Art und weise der Wirksamkeiten und Anwendungen.
Schau, das Zellgift Methanol würde kein Mensch (der sich damit auskennt) zu sich nehmen.
Das Zellgift Ethanol hingegen ……
Ich will damit sagen das du da mMn eine zwar nachvollziehbare aber eher als Schutzreaktion gedachte Verallgemeinerung benutzt, die niemandem weiterhilft.
Grüße Rati
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 9. Okt 2019, 14:08
von Wildmohn
Manfred hat geschrieben:
Wir beiden verfolgen halt komplett gegensätzliche Ansätze.
Ich suche nach echten, ganzheitlichen Lösungen, welche die bisherigen Verfahren überflüssig machen.
Deshalb engagiere ich mich in Sachen Holistic Management und Regenerative Landwirtschaft.
Dein Engagement in ehren, aber zwei, drei Sätze, wie die "echten, ganzheitlichen Lösungen" aussehen könnten, fänd ich in diesem Zusammenhang wichtig.
Ich habe durchaus versucht, den Kernansatz von "Holistic Management" und der "Regenerativen Landwirtschaft" sowohl hier als auch in Deinem Forum zu ergründen, aber entweder bin ich zu doof das zu verstehen oder dieser ist nicht klar herausgearbeitet.
Manfred hat geschrieben:
Du dagegen willst blindwütig zerstören, was dir nicht gefällt und hoffst darauf, dass dann alles besser wird.
Quasi die klassische Revolution, die dann mit steter Regelmäßigkeit ihre eigenen Kinder frisst.
Bei einer weltweiten Zwangsumstellung auf den sogenannten Ökolandbau (der ja mit dem ursprünglichen Biolandbau-Gedanken fast gar nichts mehr zu tun hat) würden wir auf den bisher konventionellen Anbauflächen ca. 50% Ertragsverlust sehen und den regionenweisen Totalausfall ganzer Ernten durch Pilzkrankheiten erlegen.
Die Folge wäre Hunger. Weniger in den reichen Ländern, die anderen das Essen wegkaufen können. In den ärmeren Ländern würde ich von mehreren 100 Millionen Hungertoden ausgehen.
Wäre Dein Modell denn besser bezüglich des Horrorszenarios, das Du da aufzeigst?
Ich halte mit diesem Link dagegen:
https://www.oekolandbau.de/service/zahl ... ernaehren/
Vorraussetzung ist jedoch, dass der Mensch sein Konsum-und Ernährungsverhalten grundlegend ändern müsste...
Manfred hat geschrieben:
In der Not würden die dann natürlich jede noch nicht urbar gemachte Fläche neu in Produktion nehmen und so diverse Rest-Lebensräume bedrohter Arten vernichten.
Ich will weder mitschuld an einem solchen Massenmord an Menschen noch an der Massenausrottung von Arten sein.
Ich unterstelle dir, dass du das auch nicht möchtest. Aber dann solltest du besser durchdenken, was du forderst.
Der Flächenfraß und die Ausrottung wird auch munter weitergehen, wenn nichts geschieht und der Mensch nicht grundlegend der Schalter umlegt.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 9. Okt 2019, 14:28
von Manfred
Literatur zu Holistic Management, Regenerative Agriculture, Carbon Farming etc. gibt es ja inzwischen reichlich.
Du müsstest dich halt mal etwas einlesen.
Komplexe Sachverhalte haben nun mal die Eigenheit, dass man sie nicht in 3 Sätzen erklären kann. Genau diese reduktionistischen Vorstellungen gilt es ja zu überwinden.
Und wenn alle Menschen perfekte Kommunisten oder Demokraten oder sonst was wären, würde das auch alles perfekt funktionieren. Aber Menschen sind nun mal so, wie sie sind. Deshalb gehört zu einer funktionierenden Lösung auch, das einzusehen und zu berücksichtigen.
Weiter gehört dazu die Einsicht, dass ca. 2/3 der Landmassen der Erde kaum bis gar nicht für den Ackerbau taugen und für das Funktionieren des Ökosystems Tiere benötigen und auch auf der restlichen Fläche Tiere die Funktion verbessern. Einfach mal drüber nachdenken, wofür die Evolution die Tiere gemacht hat. Wenn das Ökosystem mit Tieren nicht besser funktionieren würde als ohne, gäbe es keine. Und den geringsten ökologischen Fußabdruck erzeugt der Mensch, wenn er sich mögl. gut in diese Kreisläufe einfügt, also wiederum das tut, wofür die Evolution ihn gemacht hat.
Womit wir wieder bei völlig gegensätzlichen Ansätzen sind.
Permakultur, regenerative Landwirtschaft, HM etc. versuchen, den Menschen in die Natur zu reintegrieren.
Du versuchst, die Abspaltung des Menschen zu vertiefen und seinen Ver- und Entsorgungslogistik noch weiter zu denaturieren. Menschen in die Stadt sperren, damit sie die "Natur" nicht stören, und mit industriell aufbereiteten, chemisch veränderten Pflanzenstoffen ernähren. (Darüber, wo und wie diese erzeugt werden sollen, schweigt man sich aber lieber aus. Genau wie über die Entsorgungsproblematik. Verbrennen und Deponieren... und dafür chemisch düngen...)
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 9. Okt 2019, 14:54
von Benutzer 72 gelöscht
Manfred hat geschrieben:Literatur zu Holistic Management, Regenerative Agriculture, Carbon Farming etc. gibt es ja inzwischen reichlich.
Du müsstest dich halt mal etwas einlesen.
Das haben wir doch alle versucht ....
sehr viele Aussagen a la "es funktiniert sooo toll!"
Manfred hat geschrieben:Du versuchst, die Abspaltung des Menschen zu vertiefen und seinen Ver- und Entsorgungslogistik noch weiter zu denaturieren. Menschen in die Stadt sperren [....] und mit industriell aufbereiteten, chemisch veränderten Pflanzenstoffen ernähren.
Wann und wo hast du das gelesen??
Nur so eine Nebenbemerkung: ich war sehr lange Vegetarier, hab in der Zeit kein einziges industriell erzeugtes "Ersatzprodukt" gegessen - sehr gerne Gerichte mit Bohnen, Erbsen, Linsen selber gekocht
Als ich wieder anfing, Fleisch zu essen, war das erste eine (industriell erzeugte!!!) Leberstreichwurst .....
Inzwischen schmeckt mir der selber gemachte "vegane Leberwurstersatz" mit viel Kicherebsen und Majoran besser!
Die Gerichte mit Bohnen, Erbsen, Linsen essen wir bis heute sehr gerne und das ist weniger "industriell" als manch fleischiges Essen, was bei unseren Nachbarn im Magen landet.....
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 9. Okt 2019, 15:00
von emil17
Manfred hat geschrieben:
Du versuchst, die Abspaltung des Menschen zu vertiefen und seinen Ver- und Entsorgungslogistik noch weiter zu denaturieren. Menschen in die Stadt sperren, damit sie die "Natur" nicht stören, und mit industriell aufbereiteten, chemisch veränderten Pflanzenstoffen ernähren. (Darüber, wo und wie diese erzeugt werden sollen, schweigt man sich aber lieber aus. Genau wie über die Entsorgungsproblematik. Verbrennen und Deponieren... und dafür chemisch düngen...)
Oh, da bricht grad einer eine Lanze für Bio-Landbau ...
Ich habs schon mal gefragt, wer sperrt die Menschen in die Stadt? Die ziehen doch selber dorthin.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 9. Okt 2019, 15:06
von emil17
Oelkanne hat geschrieben:
Pflanzenschutzmittel ist Pflanzenschutzmittel.
Egal wo der Wirkstoff herkommt, wer ihn entdeckt/erfunden hat oder wie er synthetisiert wird.
So versteht man wenigstens die Wahrnehmungsresistenz der indistriellen Landwirtschaft gegenüber der von ihr verursachten Umweltprobleme.
Abgesehen davon, dass es Unfug ist, einfach die Grundlagen des Biolandbau-Konzeptes anders zu definieren, als die Leute es tun, die es ja schliesslich erfunden haben:
Nach der gleichen Argumentationsweise ist Lebensmittel = Lebensmittel, egal woher es kommt.
Warum soll ich dann einheimische Produktion kaufen, wenn die Ausländer das gleiche Zeugs spritzen?
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 9. Okt 2019, 15:20
von Rohana
emil17 hat geschrieben:
Warum soll ich dann einheimische Produktion kaufen, wenn die Ausländer das gleiche Zeugs spritzen?
Tun sie ja nicht. Die haben noch schlimmeres

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 9. Okt 2019, 20:39
von Wildmohn
@Manfred:
Irgendwie keimt in mir das befremdliche Gefühl, dass die Diskussion, über den "richtigen" Weg, inzwischen obzolet ist.
Ich glaube, es geht mittlerweile nicht mehr darum, ob, wo und wie ein zukünftiges Landwirtschafts-Gesellschaftsmodell auszusehen hat, das sind eigentlich nur noch kleine Nebenkriegsschauplätze, sondern darum, wie das einzelne Individuum im auftürmenden Katastrophenszenario überleben wird.
Mag jetzt etwas hysterisch klingen, aber die paar Jahre, die wir "Wohlstandspreviligierten" noch einigermaßen friedlich erleben werden, werden nicht ausreichen, um den grundlegenden Wandel, egal unter welchen Bedingungen, zu erreichen.
In diesem Sinne ist diese Diskussion nur eines von vielen kleinen Lecks im Boot, während das entscheidende große Loch übersehen wird.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 9. Okt 2019, 21:18
von Rohana
Wildmohn hat geschrieben: Mi 9. Okt 2019, 20:39
@Manfred:
Irgendwie keimt in mir das befremdliche Gefühl, dass die Diskussion, über den "richtigen" Weg, inzwischen obzolet ist.
Ich glaube, es geht mittlerweile nicht mehr darum, ob, wo und wie ein zukünftiges Landwirtschafts-Gesellschaftsmodell auszusehen hat, das sind eigentlich nur noch kleine Nebenkriegsschauplätze, sondern darum, wie das einzelne Individuum im auftürmenden Katastrophenszenario überleben wird.
So siehts heute schon aus für landwirtschaftliche Betriebe. Nebenkriegsschauplatz ist der tatsächliche Umweltschutz... der wird halt irrelevant, wenn man einfach den Betrieb zumacht.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mi 9. Okt 2019, 22:38
von woidler
Ich erlaub mir mal den Hinweis, daß die vorher erwähnte Seite "Öko-Landbau" ein Projekt der Bundesregierung ist. das was die veröffentlichen, hat nicht zwingend was mit bio-organischen oder bio-dynamischer Wirtschaftsweise zu tun, wie sie von den klassischen Organisationen wi Bio-land, Naturland, usw verteten wird.
Ich würde mal drum bitten, die Diskussion hier wieder auf das Thema Selbstversorgung ein bisserl zu lenken. Es ist nicht AUfgabe des Forums hier Weltverbesserungs , bzw. Welternährungskonzepte auszuarbeiten. Hier in diesem Forum dürfte es erstrangig mal legitim sein, sich auf seinem eigenen
Land so naturgemäß, biologisch, ökologisch oder wie man es sonst bezeichnen will, zu betätigen, wie man es selber will und vertreten kann . Wenn jemand der Ansicht ist, daß das zuwenig zur Errettung von Nenscheit, Natur Umwelt oder sonst was ist, dann kann er ja gerne politisch handeln, aber bitte nicht hier agitieren.
Und wenn jemand zum Broterwerb in der konventionellen Landwirtschaft tätig ist , ist das genauso legitim, als wenn er zur Bestreitung des wesentlichen Teils eines Lebensunterhalts Heizöl ausfährt, Autos baut oder im Finanzamt sitzt. Das diskreditiert ihn nicht als user dieses Forums, wenn er versucht sich teilweise selbstzu versorgen und ansatzweise autonom zu wirtschaften.
Vorher ist das Thema Kupfer im Weinbau angesprochen worden. Die Problematik ist angesprochen, ob jetzt wer für sein paar Reben
Kupfer nimmt oder beim Einkauf darauf achtet, daß auch der Biowinzer kein Kupfer verwendet hat muß jeder selber entscheiden .
woidler