@Hobbygärtnerin...
Wir haben leider keine Garantie oder Anrecht darauf, dass unsere Kinder oder Enkelkinder unseren Lebensstil 1:1 übernehmen.
Wir mussten immer sehr sparsam leben, dazu kommt, dass mir Kleidung nicht sehr wichtig ist. Ich trage noch das älteste Zeug auf. Heuer habe ich mir 2 neue Winterjacken gekauft, nachdem mir meine jüngste Tochter die alte energisch verboten hat...so ungefähr nach dem Motto: So geh' ich mit dir nirgendwo mehr hin.' Meine Töchter haben mir dann noch ein Photo unter die Nase gehalten, damit ich sehen konnte, wie alt die Jacke wirklich war.
Nun - heute glaube ich, dass ich das Tragen von Second-Hand-Klamotten und Vererben von Geschwister-zu-Geschwister wahrscheinlich übertrieben habe. Und ich habe zu wenig darauf geachtet, dass es für meine Kinder wesentlich wichtiger war, als ich das wahrgenommen habe. Meine Enkel sind sämtlich immer sehr schick angezogen. Aber das Leben lehrte meine Kinder inzwischen langsam auch, dass Second-Hand doch auch eine preisgünstige Alternative sein kann....wenigstens ab und zu. Meine Töchter sind Zalando-Fans...aber die Jüngste hat jetzt den Flohmarkt für sich entdeckt und eine hat schon verlauten lassen, dass sie weniger online kaufen will. Das ist doch auch schon mal was. Ich bemühe mich auch, möglichst nicht rumzumeckern, auch dann nicht, wenn wieder mal gleich drei Päckchen auf einmal kommen und davon zwei gleich wieder zurück geschickt werden. Nur ab und zu, bringe ich dann das Gespräch auf die Bedingungen, wie die Klamotten wohl hergestellt werden. Und dass die ganze Menschheit viel zu viel konsumiert und produziert. Aber möglichst nicht in so einem übereifrigem Ton. Wenn's fanatisch wird, schalten meine Kinder ab. Dann hab' ich gar nichts gewonnen.
Gerade unser Ältester liebt einen gewissen Luxus, obwohl er kein sehr großes Gehalt hat. Mit Luxux meine ich jetzt auch nicht wirklichen Luxus. Aber manchmal haben wir schon die Luft angehalten. Mit Kommentaren versuchen wir uns dann wohlweislich zurückzuhalten. Vielleicht mal 'ne Bemerkung, dass wir uns solche Autos nie leisten konnten...und einfach immer billige kaufen mussten. Aber die Modelle von vor 35 Jahren hatten ja auch noch nicht soviel Elektronikszeug und man konnte, wenn man Geschick hatte, auch mal selbst was reparieren. Heute kannste ja mit Normalwerkzeug nicht mal die Schrauben öffnen.
Und dann passiert es auf einmal, dass er sein überteuertes Leasingauto abstößt und wenigstens für ein paar Jahre ein billigeres kauft. Weil es ihm eben doch wichtiger ist, dass seine Frau ein bisschen länger bei den Kindern bleiben kann und der Kleine eben nicht mit einem Jahr in die Krippe muss.
Oder meine Tochter hat mir neulich klipp und klar erklärt...sie kauft Gemüse im Laden, das ist praktisch und unkompliziert...und die ganze Gartenarbeit wäre nie was für sie.
Nur - letztens standen wir dann gemeinsam im Garten. Da fragt sie dann auf einmal, was mir die ganze Arbeit hier eigentlich gäbe. Nun, die Frage kam überraschend und meine Antwort war etwas unbeholfen. Am Schluss meinte sie: Naja...einmal im Monat uns helfen alles durchzugießen, da könne sie sich schon vorstellen, dass das nett wäre. Mehr aber nicht...und niemals nicht.
Aber - ist das nicht ein Anfang?
Auch unser ältester Sohn kibbelt sich öfter mit mir, er würde hier mal alles zupflastern. Beton statt Blümchen. Aber dann sucht er 'nen Schrebergarten oder Haus mit Garten.
Liebe Hobbygärtnerin. Weder deine Kinder noch deine Enkelkinder sind am Ende ihrer Lebensentwicklung. Ja, wir haben versucht, ihnen Werte zu vermitteln, aber entdecken müssen sie das für sich selber. Da kann noch viel passieren. Manchmal braucht es einen Aha-Effekt und es kommen Prozesse in Gang. Und dann ist es auch 'ihres' und nicht nur eine Kopie von euch/uns.
Ich denke, das Wichtigste ist immer, mit den (Enkel-) Kindern im freundschaftlichen Gespräch zu bleiben...ohne den mahnenden Finger allzusehr hochzuhalten und mit Respekt vor ihrer Lebensweise. Manchmal zum Beispiel, ist es vielleicht besser, man spielt mit den Kids eine Runde NitendoDS und hat Spass mit ihnen, als ihnen einen Vortrag zu halten, dass es für ihr Gehirn doch wichtiger wäre, ein Buch zu lesen. Das Buch ist natürlich sehr wichtig...und für Kinder sicher besser als der wahnsinnige Medienkonsum. Aber da muss man mit List Wege suchen...und mit einer guten Beziehungsbasis gelingt das leichter.
Ich habe schon öfter mal YouTube-Filmchen gesehen, mit Menschen die so ganz extrem alternativ leben. Ihre Kinder wollen das meist nicht 1:1 übernehmen. Aber bei den meisten schimmert doch so ein ganz kleiner Funke hervor, dass sie es schon irgendwo doch auch gut finden, was Eltern/Vater/Mutter machen.