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Re: alte Rezepte

Verfasst: Di 5. Mär 2019, 11:10
von Doris L.
In dem Kalender ist einiges ausgefallenes und einheimisch :)
Wer käme darauf das der Bast vom Hirschgeweih im Frühling zubereitet wurde`?
Ansonsten sind in diesem Kalender erstaunlich wenig Gemüse. Nur mal Salate, aber auch nicht jeden Tag. Im Mai gibt es häufig Spinat, oder Hopfensprossen alle paar Tage. Sonst nichts an Gemüse. Fast nur Fleisch, viel Mehlspeisen, süße Aufläufe und jeden Tag zusätzlich Kuchen oder Plätzchen.


Von dem Lebensgefährten meiner Mutter der auf einem Bauernhof in Hiesfeld aufwuchs weiß ich das es abends täglich Pfannkuchen gab. Nichts anderes und als er so 14 war, da wollte er einen zweiten Pfannkuchen haben. Er wurde ordentlich verprügelt. Dabei hat er schon täglich vor der Schule und hinterher mitgearbeitet. Kinder wurden als unnütze Esser angesehen. Waren ja jede Menge im Haus.

Die Schwiegermutter einer Schwester hat ähnliches erzählt. Auch Bauernfamilie. Wenn es Familienfeste gab, gab es Blechkuchen. Kinder bekamen davon nichts ab, allenfalls ein Stück Kruste. Schwer vorstellbar das Bauern in den 30er so wenig zu beißen hatten. Alles was angebaut wurde, wurde verkauft.

Re: alte Rezepte

Verfasst: Di 5. Mär 2019, 13:19
von Gwenhwyfar
Ich glaube, Nutrias wurden vor noch gar nicht allzu langer Zeit vor allem in den neuen Bundesländern als Schlachttiere gehalten und gegessen. Hat mir zumindest ein aus Magdeburg stammender Freund erzählt.
In meiner Lehre haben wir an der Fleischtheke noch Ochsenzunge und Kalbshirn verkauft. Auch Kutteln und saure Nieren waren recht gefragt. Ob es mittlerweile auch noch gekauft und gegessen wird, kann ich nicht beurteilen. Wäre aber eigentlich schön, dass man, wenn man schon ein Tier schlachtet, dann so viel wie möglich davon verwertet.
Aktuell ist der Trend ja eher der, dass die Hähnchenbruststücke gefragt sind und der Rest der Hühner dann mit lückenhafter Tiefkühlkette nach Afrika geht.
Wenn überhaupt, dann gehen Innereien und andere "Reste" tatsächlich noch am ehesten an die Hunde.
Bei Eichhörnchen muss man wohl echt eine entsprechende Anzahl von Exemplaren zusammen haben um davon eine halbwegs sättigende Menge zu bekommen. Vielleicht doch eher was für den Eintopf?

Re: alte Rezepte

Verfasst: Di 5. Mär 2019, 13:43
von Griseldis
Gwenhwyfar hat geschrieben:Ich glaube, Nutrias wurden vor noch gar nicht allzu langer Zeit vor allem in den neuen Bundesländern als Schlachttiere gehalten und gegessen.
Nutrias wurden wegen ihres Felles/Pelzes gehalten. Und dann wurde natürlich auch das Fleisch verwertet. Schmeckt wie Kaninchen, ist aber mehr dran, als an einem normalen Stallkaninchen. Eine Nachbarin züchtete Nutrias, wir haben das Fleisch öfter gekauft, um Leberwurst zu machen, sehr sehr lecker! Nutrias sind fast ausschließlich Pflanzenfresser und so schmeckt auch das Fleisch, zart und mager. Ich glaube, die gehören zu den Meerschweinchen.

Re: alte Rezepte

Verfasst: Di 5. Mär 2019, 13:52
von 65375
Gwenhwyfar hat geschrieben:In meiner Lehre haben wir an der Fleischtheke noch Ochsenzunge und Kalbshirn verkauft. Auch Kutteln und saure Nieren waren recht gefragt. Ob es mittlerweile auch noch gekauft und gegessen wird, kann ich nicht beurteilen. Wäre aber eigentlich schön, dass man, wenn man schon ein Tier schlachtet, dann so viel wie möglich davon verwertet.
Mein Mann isst das alles gerne, außer Hirn, glaube ich; da hat er selbst genug davon. ;)

Re: alte Rezepte

Verfasst: Di 5. Mär 2019, 14:19
von Zacharias
Ich hätte kein Problem mit Niedlichkeitsfaktoren, wenn die Tiere Schaden anrichten. Und mancherorts müssen die Grauhörnchen ja intensiv bejagd werden, da ist es doch nur gut und richtig, das Fleisch auch zu verwerten, auch wenn man für eine Mahlzeit gleich mehrere braucht.
Ja, Nutrias sollen extrem lecker sein, kannte mal einen, der sie früher hatte.

Re: alte Rezepte

Verfasst: Di 5. Mär 2019, 14:57
von centauri
Wir haben mal auf einer Baustelle an einem Bach 14 Stk Nutrias weg gefangen. Hatten das vorher mit dem Stadtjäger abgesprochen und der war froh das wir das übernommen haben. Also 2 Lebendfallen aufgestellt und jeden Tag hatten wir 2 gefangen. Der Vater eines Mitarbeiters hatte seinen Nutriastall von damals noch mit Wasserversorgung und so. Also erst mal in diesen Stall gesperrt. Naja und nach und nach wurden die dann weggeschlachtet.

Re: alte Rezepte

Verfasst: Di 5. Mär 2019, 20:56
von Maeusezaehnchen
Bei uns gibts nur sehr wenige Eichhörnchen.

In unserer Gegend gab es in der Nachkriegszeit eine Nutria-Farm .... so richtig rein für Pelze.
Die wurde dann aufgelassen (die Eltern können sich noch gut daran erinnern) und die haben einfach alle Tiere freigelassen.
Netterweise haben sie sich schnell an die Freiheit gewöhnt und mangels natülicher Feinde auch entsprechend vermehrt.
Die Jäger sind fleißig am abschießen.
Da sie aber Allesfresser (ja, sie fressen auch Mäuse, Ratten, Schlangen, usw) ist ein amtlicher Fleischbeschau für jedes für den Verehr vorgesehen Tier vorgeschrieben (in Österreich). Das würde so viel kosten, dass wenn man dass auf den kg verbleibenden Fleisch hochrechnet besser ein schöner Lungenbraten gekauft werden kann. Daher landen die alle in der TKV

Niedlichkeit ist auch kein Faktor der Nicht-Essen bestimmt.
Auch meine Mädesel (Lieben Reiten, haben Kuschelhasen,...) essen Wildkaninchen und Reh ohne mit der Wimper zu zucken.
Sogar das Fohlenfleisch haben sie für sehr lecker befunden. Das war von einem verletzen Fohlen dass eingeschläfert werden musst. Hat mir super lecker geschmeckt
Als Niedlich ist auch essbar.

Re: alte Rezepte

Verfasst: Mi 6. Mär 2019, 04:27
von hobbygaertnerin
Inzwischen wird es ja wieder Mode- alles vom Tier zu essen, zumindest wird es in manchen edleren Gastwirtschaften so verkündet.
Eine Ochsenzunge ist genau wie der Ochsenschwanz ein Genuss, es ist vielleicht auch gar nicht so gesund, nur das Filet und die Lende von einem Tier zu essen, besonders die Fleischstücke mit viel Gelantine und Bindegewebe, schön langsam geschmort sind ein Genuss und auch für die Knorpel in uns nicht ganz schlecht.
Beim Durchlesen von älteren Kochbüchern- es ist immer auch eine Zustandbeschreibung der zu dieser Zeit herrschenden Esskultur.
Irgendwer gibt den Ton an und viele wollen da mithalten, war früher so und heute ist es nicht anders.
Kommt vielleicht noch dazu, dass heute viele das Essen als Religeon sehen und auch andere missionieren wollen, aber auch früher wurde Essen gesteuert.
Wer es sich vor 200 Jahren leisten konnte- Zucker in den Kaffee oder Tee zu geben, galt als besonders reich, Zucker wurde damals wie Gold gehandelt- heute kostet ein kg Zucker nicht mal mehr 50 Cent.
Und wo er in Fertiggerichten überall versteckt ist, naja, da brauch ich nichts darüber schreiben.
Wegen Kuschelfaktor oder Niedlichkeit - ich halte mir ein paar Kaninchen, den ganzen Sommer fressen sie das Gras aus dem Obstgarten, aber im Winter werden die Jungen geschlachtet, von den herangezogenen Küken kommen die dabei anfallenden männlichen Tiere im Herbst in die Gefriertruhe- und die Hühner werden nach dem Eierlegen in die Suppe kommen. Gerne mache ich das Schlachten des Geflügels nicht, es ist immer auch ein Leben, das daran hängt, aber auch die Fleischteile, die es zu kaufen gibt, waren einmal lebendige Tiere.
@Doris, die vielen Schnecken sind mir auch aufgefallen, habs nicht so mit den eckligen Schleimern, die bei mir im Garten wohnenden Weinbergschnecken würde ich sicher nicht essen.
Aber man sieht, dass tierisches Eiweiß früher sehr hochgeschätzt wurde, egal aus was es dann auf den Tisch kam.
Und heute - es werden die Insekten die nächsten Jahre wohl die Mode werden, darauf möchte ich doch lieber verzichten.
Finde dein reingestelltes Kochbuch auf alle Fälle höchst lesenswert und das eine oder andere werd ich sicher ausprobieren.

Re: alte Rezepte

Verfasst: Mi 6. Mär 2019, 08:26
von Doris L.
Die Großeltern bei denen wir wohnten hielten auch Kaninchen, Hühner und Enten. Ich bin in den Wald gegangen und habe Grünzeug für sie gesammelt. Diese Tiere waren zum essen da und ich hatte keine Bindung zu denen. Meine Omma konnte die Tiere nicht schlachten, da wurde eine Nachbarin geholt. Dann hing ein Kaninchen statt der Schaukel im Ring zum ausbluten. Mich hat immer gewundert das Omma nicht schlachten konnte, war sie doch Jahrgang 1892 und in einem kleinen ländlichen Ort aufgewachsen.
Wie kommt man mit den Mengenangaben in den alten Büchern zurech? Loth kann man noch nachlesen, aber Brötchen für 4 Kreuzer geht schlecht. Hefe für ? das Schriftzeichen kenne ich nicht, Pfennig?
Einige Rezepte wollte ich einfach nur kopieren, hinterher merkte ich das Mengenangaben dabei verschwanden, futsch.

Re: alte Rezepte

Verfasst: Mi 6. Mär 2019, 09:30
von Benutzer 72 gelöscht
hobbygaertnerin hat geschrieben:Wer es sich vor 200 Jahren leisten konnte- Zucker in den Kaffee oder Tee zu geben, galt als besonders reich, Zucker wurde damals wie Gold gehandelt- heute kostet ein kg Zucker nicht mal mehr 50 Cent.
Ja, Zucker war mal ein Gewürz, das nur in Maßen konsumiert wurde (sicherlich der Gesundheit sehr zuträglich!!)

Ich hatte mal eine kleine Diskussion mit ein paar Kindern - inklusive meinen :rot: :rot:
Da musste ich sie erst aufklären, dass man Zucker gar nicht braucht!
Die dachten doch tatsächlich, er wäre notwendiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung

@Doris L: meine Oma hat sehr gut gekocht und sie hat sich auch einiges notiert - aber die Mengenangaben... :pfeif:
"nach Gefühl", "bis es schmeckt" oder "bis der Teig die richtige Konsistenz hat" ...

hat man früher vielleicht wirklich weniger mit Waage und so gearbeitet?