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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mo 30. Sep 2019, 23:32
von Benutzer 4754 gelöscht
Wildmohn hat geschrieben:
Oelkanne hat geschrieben: Man beachte bitte die Flächenstruktur/die vielen Bäume und Hecken als es um die Kartoffeln geht, (...)
Und man beachte bitte die Flächenstruktur heutiger landwirtschaftlich genutzter Flächen.
Alles plattgemacht, damit die Fläche rational und effektiv das Maximalprinzip erfüllt, wo kein Vogel mehr zwitschert und der Wind die Ackerkrume davonträgt...
vielen Dank Wildmohn für die selbstentlarvung das du den Film nicht angeguckt hast :)

In den besagten Szenen (Minute 15:30 und 19:40) sieht man weder Baum noch Hecke,
sondern Rüben bzw Kartoffeln bis zum Horizont.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 1. Okt 2019, 08:23
von Wildmohn
Hatte mich schon gewundert, dass Du sowas schreibst. :haha:
Ändert aber nichts am Wahrheitsgehalt meiner Aussage.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 1. Okt 2019, 15:42
von hobbygaertnerin
Ich hab die Kartoffelernte von Hand viel mehr geschätzt als dann mit dem Vollernter.
Mit der Hand war es sicher nicht so schnell, aber da wurde viel mehr gelacht, Spass gemacht, pro Korb bekamen wir einen kleinen Betrag fürs Taschengeld und am Schluss das Kartoffelfeuer und die im Feuer gebratenen Kartoffeln, das war eine Spezialität. Rüben hacken, verziehen, meine Eltern hatten dafür meist wenig Zeit also durfte ich alleine nach der Schule dort draussen tätig werden, meist oft noch im Schlepptau meine Geschwister bespassen, die viel jünger als ich und an dieser langweiligen Arbeit keine Freude hatten. Am Schlimmsten fand ich das Aufstellen von Getreidegarben, die Hitze, der juckende Staub der Garben- der Mähdrescher, welch eine segensreiche Erfindung.
Als Kind war ich mir sehr sicher, dass ich was anderes machen möchte- und wenn Bäuerin, dann nur mit Garantie, dass dort keine Kartoffeln und Rüben zu hacken wären. Ich war auch froh, dass wir auf dem Hof keine Schweine mehr hatten, als Kind musste ich immer den Schweinestall ausmisten, die Schweine waren nett, da konnte ich nichts sagen, aber wenn sie gefüttert wurden, dann kam eine ganze Schar von Tieren mit sehr langen Schwänzen und vor denen graut mir heute auch noch bis aufs Blut.
Damals war es total selbstverständlich, dass Kinder überall mithelfen mussten, es hat sicher nicht geschadet und nebenher hab ich eine Menge gelernt- ich konnte mit 10 Jahren ziemlich gut kochen, hab früh gelernt, die Arbeit zu sehen und sie sinnvoll zu erledigen. Sebst das Hähnchen sclachten hab ich als Kind lernen müssen, das war für mich die furchtbarste Arbeit, aber auf einem Hof war Leben und auch der Tod ein Alltagsbegleiter. Die kleinen Ferkeln im Schweinesatll, ich fand die immer so nett, aber immer wieder gab es, dass eine Sau nicht feinfühlig war und das eine oder andere ihrer Ferkel platt machte.
Wir bekamen jedes Jahr Flaschenlämmer,die wir mit der Hand aufzogen- sie wurden im Herbst verkauft und das Geld kam auf unser Sparkonto-
Mithelfen bei der Gartenarbeit- heute bin ich echt froh um dieses erlernte und erworbene Wissen, das Aufwachsen als Bauernkind hat sicher mit mir was gemacht-
heute kann ich Bauernkinder sehr gut verstehen, dass sie die Biege machen.
Man kann heute sehr preiswert bei Ald...... einkaufen, braucht sich nicht bücken, abmühen und kann höchstens schimpfen und lästern.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 1. Okt 2019, 18:31
von Wildmohn
Ein sehr schön beschriebener Eindruck des bäuerlichen Lebens aus Deiner Kindheit @hobbygärtnerin. :daumen:
Nur Dein Fazit finde ich etwas ungerecht und leicht überheblich.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 1. Okt 2019, 19:33
von viktualia
Nur Dein Fazit finde ich etwas ungerecht und leicht überheblich.
Das hier?:
bei Ald...... einkaufen, braucht sich nicht bücken, abmühen und kann höchstens schimpfen und lästern.
Wildmohn, das ist ja Schleichwerbung - Ald... produkte verdienen Lob und Wertschätzung?

Ich finde das Fazit realistisch.
Alles in bequemer Höhe, ausser die ganz billigen Sachen, große Einkaufswagen, ultraschnelle Kassierer (mein persönlicher Grund, nicht im A. mein Geld zu lassen - diese Hetzerei) und lästern geht immer, nech?

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 1. Okt 2019, 20:59
von Rohana
Wildmohn hat geschrieben:Ein sehr schön beschriebener Eindruck des bäuerlichen Lebens aus Deiner Kindheit @hobbygärtnerin. :daumen:
Nur Dein Fazit finde ich etwas ungerecht und leicht überheblich.
Sieh dich mal um unter den alten Bäuerinnen, die ihr Leben lang so schuften mussten wie Hobbygärtnerin das beschreibt - nicht wenige sind froh und dankbar dafür dass es A!di und Konsorten gibt.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 2. Okt 2019, 06:30
von hobbygaertnerin
@Rohana
Von den paar alten Bäuerinnen lebt aber Ald..., Lidl und Co mit Sicherheit nicht alleine.
Vikutalia,
ob jetzt Ald Produkte schlecht sind, kann ich nicht beurteilen, wenn ich mich richtig erinnere, gabs letzte Woche Straussenfleisch- Kalbfleisch und auch sehr hochpreisiges Rindfleisch, jetzt in der Zeit bis Weihnachten kommt mir Deutschland als ein Land der Geniesser vor- was es alles bei diesem discounter gibt.
Ich weiß was an Mühe drinn steckt, selbst Gemüse im Garten zu erzeugen, ich bin keinem Gemüsebauern neidig der für dieses überverwöhnte und mäklige Land Gemüse erzeugt- auch hier, was da alles dann wieder eingemulcht werden muss- ich glaub ich würde das nicht aushalten.

@Wildmohn, nein ich bin weder abgehoben noch überheblich, ich muss mich oft einfach nur gewaltig ärgern-
wenn z.B. fairer Honig bei diesem Discounter um unter 4 Euronen das 500 Gramm Glas zu haben ist, ich weiß, was Arbeit dranhängt, bis man den Honig im Glas hat- um so einen Schleuderpreis gäb ich meinen Honig nicht her. Aber mit fair un bio wird dem Kunden suggeriert, dass er zu den Guten gehört, weil er so einkauft.
Auch hier stellt sich mir die Frage, wie kann sich das für den Produzenten noch ausgehen.
Wir haben selbst einiges an Äpfeln und wenn ich im Ede... Geschäft schaue- die Äpfel vom anderen Ende der Welt kosten das Gleiche als die vom Regionalvermarkter, da kann auch was nicht mehr stimmen. Ich war im Winter bei einem Baumschneidekurs unseres Imkervereins, ein regionaler Obstanbauer hielt den Kurs und da kam die Frage nach den Pflanzenschutzmaßnahmen des Obstbauers- er gab an, minimum 20 mal, da wurde dann gemurrt. Seine Antwort, wenn ein Wurm, eine Schorfstelle an einem Apfel wäre, würde ihm die ganze Lieferung zurückgeschickt- von Apfelsaft könne er nicht leben.
Sein Rat, jeder der die Möglichkeit habe, solle sich selbst im Garten ein paar Obstbäume reinstellen und selbst heranziehen, weil es da eben egal wäre ob ein paar Würmer oder Schorf an den Äpfeln sei. Wir haben bei unseren Äpfeln auch den Wandel bemerkt, die Grossetltern kommen noch und holen sich die Äpfel, die Kinder kaufen im Geschäft, weil deren Kinder die Pink Lady eben lieber mögen.
Auch Geschmäcker wrden geprägt, die vielen alten Sorten werden mit der Zeit aussterben, weil sie nicht mehr gebraucht werden.
Dass es spezielle Äpfel gibt, die den besten Apfelstrudel machen, wieder andere das beste Apfelmus und wieder andere ein Gedicht für den Kuchen sind- wen interessiert das noch- man kauft inzwischen vieles vorgefertigt-
wer kennt noch den Geruch reifer Äpfel- den zarten Schmelz reifer Birnen-
im Geschäft ist alles verpackt und knackig.
Und wenn ich mich recht erinnere, so richtig löblich hab ich von dir über Landwirtschaft auch noch nie was gehört.
Zu den Kartoffeln- ich hab ja als Kind ziemlich viel damit geholfen, draussen am Feld, dann beim Klauben, später beim Sortieren, wenn dann im Frühling im Keller die Kartoffeln abgewurzelt wurden dann an der Pflanzmaschine sitzen und bei jedem Klang eine Kartoffel ins das Legefach legen- aber ich bin auch ein Genisser von guten Kartoffeln, brauche da nur >Kräuterquark oder Butter und etwas Salz dazu- da kann keine noch so edle Speise mithalten.
Das was an Kartoffeln im Geschäft angeboten wird, bereits gewaschen- das hat für mich nichts mehr mit einer guten Kartoffel zu tun.
Und das mag jetzt für dich überheblich klingen, weil es mir wichtig ist, etwas Gutes zu essen, bin ich Bäuerin geworden, ich bin da an der Quelle und kann vom Anbauen bis zur Ernte meinen Beitrag leisten- für danach hab ich keinen Einfluss.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 2. Okt 2019, 07:03
von Rohana
hobbygaertnerin hat geschrieben: Und wenn ich mich recht erinnere, so richtig löblich hab ich von dir über Landwirtschaft auch noch nie was gehört.
Ich auch nicht, ich höre Wildmohn nur immer auf die böse Agrarindustrie schimpfen und der guten alten Zeit nachtrauern... :pfeif:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 2. Okt 2019, 08:11
von emil17
Vielleicht ginge es darum einen Mittelweg zu finden?
Den ganzen Tag von Hand Rüben jäten will keiner, aber damit hat man sich ja noch nicht automatisch für vollindustrielle Landwirtschaft mit all den bekannten Kollateralschäden entschieden.
Diese, und nicht die Tatsache, dass der Bauer einen Traktor hat der mit Diesel fährt, sind ursächlich für die Imageprobleme.

Zu Aldi&Co: Einem in der Wolle gefärbten Öko-Fundi können die natürlich nichts recht machen. Die haben wie alle Grosshändler Ware in den Gestellen, die genug Umsatz pro Verkaufsfläche und Zeit macht. Seit Bio nachgefragt wird, haben die auch Bio-Lebensmittel.
Dadurch wird diese Produktekategorie einer breiten Kundschaft zugänglich und ermöglicht somit vielen Bio.Bauern eine Existenz.
Das Label vergibt aber nicht der Supermarkt und auch da gelten Marktregeln: Wie komme ich mit möglichst wenig Aufwand an das Label, das höhere Abnahmepreise ermöglicht?
Da gibt es dann echtes Weidefleisch von Freiland-Eringerkühen hier, aber ganz ohne Label, und im gleichen Supermarkt Bio-Erdbeeren aus Spanien, mit haufenweise Plastikmüll auf den Feldern und unsäglichen Bedingungen für die Erntearbeiter aus Nordafrika, um mal zwei Extrembeispiele zu nennen.
Die Kühe nehmen keinem Nahrung weg, und was jetzt mehr Bio und besser für den Planeten ist, mag jeder selber entscheiden.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 2. Okt 2019, 09:29
von hobbygaertnerin
Von den anderen Discounter kann ich nichts sagen, wir bekommen jeden Samstag mit der Tageszeitung die Ald...zeitung-
und da gibts alles, normales bio, faires bio, vegan in allen Variationen, vegetarisch, Fleisch mit Tierwohllabel und ohne- preiswerte Markenprodukte und ohne Marken. Gemüse ist unwahrscheinlich billig, ebenso Obst- die Ansprüche von Aldi sind sehr hoch und vor allem auch der Preis niedrig - hier ist der Discounter meistens voraus.
Inzwischen gibts dort 3 mal die Woche was im Angebot- einmal Mode für die Kleinkinder, dann wieder für die Grossen, für Fischer und Radfahrer, Schulbedarf...........................
Im Ort:unser Bioladen hat vor ein paar Jahren zugemacht, der Absatz ging so zurück- der Geschirrladen ist auch Geschichte, unser gut sortiertes Sportartikelgeschäft hat ebenfalls aufgehört, ebenso das Schuhgeschäft, Bäcker ist nur noch von einer grösseren Bäckerei als Filialbetrieb, das Schreibwarengeschäft ist Geschichte, eine Metzgerei aber das ist auch nur eine Frage der Zeit, wir haben keine Gastwirtschaft mehr ausser einer Pizzeria und Bekleidung gibts auch nur noch von NKD oder KIK.
So gesehen, die Entwicklung geht in eine andere Richtung, ein Mausqlick und Amazon und andere liefern- 5 Discounter machen mit Preiskampf Kundenwettbewerb- und das macht nicht nur mit den Kunden was, sondern auch mit den Produzenten. Manche lassen sich ihr Brennholz per Post schicken, brauchen das Zeugs nicht in den 3. Stock schleppen, dafür der Postbote.
Um wieder zu den Lebensmitteln zurückzukommen-
die meisten Geschäfte verlangen gewaschene Kartoffeln, damit ist Haltbarkeit und Geschmack beeinträchtigt, aber niemand will mehr "Dreck" beim Einkaufen haben,Nur super Qualität in Grösse und Aussehen kommt in den Laden- Beleuchtung macht sicher auch noch ein bisschen was.
Ich habe heute gesehen, die grüne Milch wird um 79 Cent verkauft- bis jetzt war diese Milch immer beste Qualität und fairer Preis für die Bauern.
Ich bin in den 60iger Jahren auf einen Bauernhof aufgewachsen, war eine andere Zeit als heute- damals wurden noch viele Kartoffeln von den Kunden eingelagert, heute kauft man Tiefkühlpommes oder sonstige halb- und Fertigprodukte.
Lange galt es als sehr fortschrittlich- nicht kochen zu können, wer sich nicht wehrt, steht dann am Herd-
die Regalmeter dieser Produkte werde immer länger- wer hat noch Zeit und Lust, sich mit den Lebensmitteln näher zu befassen, auch bei den Bioprodukten ist der Trend in Richtung halb- und Fertig zunehmend und bei Vegan sowieso.
Wo sollen die leute, die in der Landwirtschaft arbeiten wollen, herkommen, aus Rumänien, Bulgaren noch derzeit aber auch zu sehen, sie werden weniger.
Also alles arbeitsbelastende aussourcen, die kleinen Gurken für die Konservenindustrie kommen mit dem Flieger aus Indien, wie die Heidel- und Himbeerena aus Peru und Chile zu uns kommen- vermutlich auch mit dem Flieger.
Im Heidlebeerselbstpflückerfeld sind die Eltern mit ihren verzogenen Gören, die die Beeren grün runterreissen und sich damit bewerfen und keines der Eltern sagt was- bei den Erdbeerfelder - man nimmt eine Bande von Kindern mit, die sich den Bauch vollschlagen, Muttern pfückt ein kleines Schälchen. In den Geschäften sin die Erdbeeren aus anderen Ländern telweise so billig, da kein kann heimischer Betrieb mehr mithalten.
Es mag ja sein, dass es bei euch in der Schweiz anders ist- hier bei uns in Oberbayern- einer industriell sehr gefragte Gegend werden Arbeitskräfte gesucht, gibt auch ein gutes Einkommen- aber ich sehe jetzt nicht, dass damit bewusster eingekauft wird-
ich vergönne jedem seine 4 und 5. Flugreise pro Jahr-
aber auch da läuft einiges schief.
Die Bauern kommen mir so vor wie in der Fabel vom Esel, egal wie sie es machen, sie machen es verkehrt.