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Re: terra preta

Verfasst: Mi 1. Aug 2012, 06:44
von hobbygaertnerin
Hallo Ullerich
kannst du ein wenig mehr über diesen Ofen schreiben- benutzt du auch dieses Kochsystem?
Auf alle Fälle ist das endlich einmal etwas greifbares.
Danke
Gruss
hobbygaertnerin

Re: terra preta

Verfasst: Mi 1. Aug 2012, 13:10
von Ullerich
Also,

der Gärtnermeister, der den Sambada importiert ist in einem anderen Forum, in welchem ich gelegentlich mal reinsehe aufgetaucht.

Im Sommer in der Hütte den Holzherd anzuwerfen ist nicht zumutbar, so dass wir an den Wochenenden mit Spiritus kochen. Nun ist die Energie des Spiritus natürlich nicht so hoch wie bei Gas oder Benzin (damit wollen wir nicht kochen), so dass es mit Gemüse oder Nudeln schon ziemlich dauern kann, bis man mehrere Liter Wasser zum kochen bringt.

Also ich hab den Ofen dann mal bestellt, vor allem, weil mich das mit der Holzkohle auch interessiert hat.

Der Ofen kam dann letze Woche, so dass ich ihn am Wochenende das erste mal ausprobieren konnte. Ich stell in einem Folgethread nochmal 3 Bilder ein (wenn ich darf).

Hier der Bericht den ich am Wochenende für ein paar Freunde gemacht habe:

Die Erfahrungen:
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Das Innenteil ist mit einer Rostschutzfarbe geschützt, sieht wie Bleimenige aus. - Gefällt mir nicht.-

Ansonsten alles gut verarbeitet und sehr massiv.

Das Teil fängt zu arbeiten an wie ein Hobo. Ich verwendete trockenes Feuerholz, aber es hat trotzdem ganz schön am Anfang gequalmt. Ich würde das Teil auf keinen Fall in einem geschlossenen Raum oder neben einem geöffnetem Fenster betreiben. Dann kommt die Phase des Holzvergasens. Tatsächlich kommen oben aus den Löchern des Turms kräftige Gasflammen raus. Danach kokelt die Holzkohle. Will man die Holzkohle gewinnen muss man nach dieser Phase löschen. Ansonsten kann man jederzeit nachlegen.

Der Topf mit den Bohnen hat sehr schnell gekocht (ca. 1 Min.) und die 3/4 Stunde hat es durchgehend geblubbert, so dass die Bohnen schön durch waren. Der Ofen war auch sehr sparsam mit dem Brennmaterial.

Als Nachteil war zu werten, dass der Topf sehr rußig wurde, die Pfanne für die Spiegeleier zu heiß war. Die Spiegeleier sind, nachdem ich sie in die Pfanne mit dem Öl schlug fast explodiert. Man sollte dies vermutlich erst tun, wenn die Holzkohlenphase beginnt. Der Speck für die Bohnen lies sich in der Pfanne dagegen sehr gut anbraten.

Die abgelöschte Holzkohle war von guter Qualität, soweit ich es beurteilen kann. Man könnte sie jederzeit zum Grillen verwenden. Ein sehr gutes Ergebnis. Den Sarai, der mit Holzkohle befeuert wird liefert dieser Norbert erst im September. Bin schon gespannt und werde die selbstgewonnene Holzkohle dann verwenden.

Fazit:
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Als mobile Lösung zu schwer. Für stationären Gebrauch im Garten gut, in einem mitteleuropäischem Haushalt wird man damit allerdings nicht täglich kochen. Möglicherweise kann man die festgestellten Defizite abstellen, wenn man die Gebrauchsanleitung auf der mitgeschickten CD liest :032.gif: . studiert, was ich leider am Wochenende nicht machen konnte, da ich hier kein Laufwerk dafür habe. Ich werde dies in der Wohnung nachholen und berichten, wenn es hier Unterschiede zu der von mir ausgeübten Praxis geben sollte. Der Clou war die Holzkohle.
Die Töpfe werd ich auf ein Blech bzw. eine Gußeisenplatte nächstes mal stellen.

Gruß

Re: terra preta

Verfasst: Mi 1. Aug 2012, 13:13
von Ullerich
ich hoffe, ich konnte den Info-Bedarf ein bischen decken.

Anbei die Folgebilder.

Re: terra preta

Verfasst: Do 2. Aug 2012, 07:30
von hobbygaertnerin
Hallo Ullerich,
ist interessant, also sollte man die alten Töpfe nicht als Blumenpötte verwenden, sondern aufbewahren.
Bin sehr neugierig, wie deine weiteren Erfahrungen mit diesem Holzkohleofen werden.
Für die Länder, in denen Brennholz knapp und teuer ist, ist dieser Ofen wohl eine grosse Hilfe.
Im Jahr 3 der Versuche mit diesem indianischen Kompost stelle ich fest, dass besonders die Pflanzen wie z.B. Kartoffeln, Paprika, Tomaten, Auberginen, Zuckermais, Gurken, Zuccinis sehr gut damit klarkommen. Kohl hat sich auch sehr gut und früh entwickelt, der mittelfrühe und späte Kohl wurde leider ein Opfer der Raupen.
Für nächstes Jahr werd ich mir ein Gemüseschutznetz zulegen.
Bis zum nächsten Jahr hoffe ich, genügend Kompost für alle unsere Gartenpflanzen zu haben.
Einige der Beerenpflanzen haben dieses Jahr schon etwas davon bekommen, wäre natürlich ein sehr praktischer Kreislauf, die Beerensträucher dann wieder als Holzkohle dem Kompost zuzufügen.
Bis jetzt kamen sie nur als geschreddertes Material unter den Kompost.
Nuss- und Kartoffelschalen, Rosen- Beerenstauchzuschnitt, verholzte Stauden, auf dem Kompost nicht immer ganz praktisch verwertbar, so käme vielleicht ein Teil als holzige und ein Teil als biokohlen Zugabe der Umsetzung des Kompostes zu gute.
Freu mich auf weitere Erfahrungsberichte.
Gruss
hobbygaertnerin

Re: terra preta

Verfasst: Do 2. Aug 2012, 10:15
von Ullerich
Bin mir noch nicht sicher, ob ich einen Terra-Preta Test auf einem kleinen "Versuchsfeld" machen soll.

Auch mein Kohl ist für den Kompost, alles auf- und angefressen. Ich decke nächstes Jahr auch ab.

Bohnen Kohlrabi und Rote Beete ernte ich derzeit ohne Ende. Da wir nur 2 sind hab ich meine Kollegen mitversorgt. Ich nehme an, das ich heuer ein wenig mehr geerntet habe lag daran, dass, als ich im Herbst nochmal durchgefräst hatte, ziemlich viel Hornspäne ausgebracht habe (sonst bringe ich nur Kompost aus und dünge überhaupt nicht).

Ich bin mir noch nicht schlau drüber ob ich Holzkohle in den Kompost kippen soll. Also Holzasche habe ich gelesen, dass man nicht darauf entsorgen soll, weil sich Schwermetalle, die von den Pflanzen aufgenommen wurden in der Asche konzentrieren. Dies hab ich immer vermieden und die Asche im Hausmüll (natürlich nicht heiß) entsorgt. Der Oberfunktionär vom OGV, der in der Jahreshauptversammlung vom Verein war, den ich mal daruf angesprochen habe hat gemeint, dies wär kein Problem. Er fand aber auch das Material, was aus der Kompostieranlage kommt besser als das aus dem eigenen Kompost (Begründung, bessere Durchhitzung) ist, wo ich angesichts des Dreckes, der drin war, als mein Schwiegertiger da seine Thuya reingepflanzt hat (Glasscherben, Plastikteile) vollkommen anderer Ansicht bin. Ich hab genug organisches Material durch die Hecken und die Streuobstwiese bei mir. Allein das Sieben ist halt arbeit. Der Mann sieht es vielleicht entspannter, weil er Erwerbsgärtner ist.

Um zum Thema zurück zukommen. Das sich die im Holz aufgenommen Schwermetalle in der Holzasche eine hohe Konzentration haben könnten, kann ich mir durchaus vorstellen. Bevor ich meine Beete mit Holzkohle anreichern würde, würde mich interessieren, ob hier eine Problematik zur Holzkohle vorliegt. Deswegen wart ich mal ab, ob hierzu mal irgendwas kommt.

Wie gesagt, eventuell ein kleines Versuchsbeet. Mein Domizil ist heiliger Boden und liegt ziemlich Abseits von jeglichem Straßenverkehr. Ich würde mir hier ungern mehr Verunreinigung eintragen als es eh schon durch die Umwelt passiert.

Gruß Ullerich

Re: terra preta

Verfasst: Do 2. Aug 2012, 12:26
von luitpold
hallo ullerich, tolles teil was du da aufgestellt hast. :daumen:

zum thema asche und düngen hatten wir da einen faden

bei holzkohle kannst du meines erachtens den faktor x30 ansetzen.

ausbeute holzkohle ~30%
anfall asche ~1%

Re: terra preta

Verfasst: Do 2. Aug 2012, 19:15
von hobbygaertnerin
Hallo Ullerich,
in einem der Terra Preta Filme war unter anderem auch ein Beitrag über einen Sandboden in Deutschland, er wird seit ein paar Jahren mit einem speziellen Kompost mit Holzkohle und gehäckseltem Holzmaterial versorgt-
es wäre sehr praktisch, einen Teil des anfallenden Holzmaterials zu shreddern und einen Teil zu Holzkohle machen zu lassen.
Dein Ofen wüde mir hier gut gefallen, die Wärme zu nutzen und das anfallende Material.
Hoffentlich wird die nächste Zeit etwas ruhiger, dann könnte ich endlich wieder Fotos machen- die Indiandererde ist kein Wundermittel, aber es scheint besonders den Pflanzen aus diesem Kulturraum besonders zu behagen.
Der Zuckermais war heuer hervorragend, auf einem Beet 2 m mal 1,20 m standen 50 Maispflanzen, die Kolben waren sehr gut gefüllt. (Ich weiß, dass man andere Abstände machen müsste, ich wollte nur wissen, wie die Mischung von verschiedenen Möglichkeiten der Bodenbearbeitung besonders den sehr hungrigen Mais in einer engen Pflanzung heranwachsen lassen würde.)
Bei der zuvor üblichen Kompostgabe war der Ernteertrag um vieles weniger.
Den Weisskohl hab ich leider übersehen, schade, aber das liegt nicht an der indianischen Erde, hier haben sich Schädlinge durchschmarotzt.
Man kann inzwischen gut über das Handgelenk in den Boden ohne Widerstand graben, der Boden wird sehr locker.
Allerdings haben das auch die Feldmäuse zu schätzen gelernt.
Warum draussen in der Wiese mühsam das Leben fristen, wenn einem im Garten der Tisch so reich und vor allem mit so wenig Mühe gedeckt wird.
Einen Kartoffelkäfer hab ich gefunden, bis heute ist noch jede Kartoffelpflanze gesund und frei von Krautfäule, aber bei dem schwülen und immer wieder feuchten Wetter bin ich selbst neugierig, wie das weitergeht.
Gruss
hobbygaertnerin

Re: terra preta

Verfasst: Sa 4. Aug 2012, 10:16
von hobbygaertnerin
Dieses Forum ist eine Quelle von Wissen, dafür möchte ich den Betreibern und allen, die mithelfen, dass wir uns austauschen können, von ganzem Herzen danke sagen.
Unser Frühstück war heute draussen, Spiegeleier, Tee, dazu noch angenehme Wärme, 10 l kochendes Wasser und nochmals 5 Liter sind sehr heiss geworden und eine schöne Ausbeute an Holzkohle.
Ullerich, danke für den Tip mit dem indischen Ofen, ich bin bis jetzt an einem Aztekenofen, einem Feuerkorb und am Grill immer nichtkonsumentisch vorbeigekommen,
der indische Ofen war erstaunlich schnell da, Hackschnitzel hab ich zur Verfügung, die Sträucher shreddere ich als Kompostzugabe.
Hab mir vorgenommen, einmal pro Woche damit zu kochen, damit müsste doch einiges an Holzkohle zusammenkommen.
Freu mich über unseren neuen Aussenofen, jetzt kann ich zu unserem Heizungsbauer gehen und ihm genau zeigen, was ich mir für einen neuen gemauerten Ofen vorstelle.
Danke,
Gruss
hobbygaertnerin

Re: terra preta

Verfasst: Mo 6. Aug 2012, 04:59
von Ullerich
Na,

freut mich. Leider bin ich was Metallbearbeitung angeht nicht so fit, dass ich so ein Teil hätte basteln können. Mir wär eine nichtkonsumistische Lösung auch lieber gewesen.

Ich habs immer noch nicht geschafft die CD anzuschauen. Aber gestern hab ich auch damit gekocht.

Hast Du das in den Griff gekriegt mit den verrusten Töpfen und dem Qualm?

Gruß Ullerich

Re: terra preta

Verfasst: Mo 6. Aug 2012, 07:14
von hobbygaertnerin
Hallo Ullerich,
die Variante mit den Konservendosen war mir zu unergiebig, die Ölfassmethode - verbraucht mir zuviel Holz mit zuweniger Kochnutzung. Nur verköhlern, dann kann ich Holzstämme auch gleich verkohlen lassen.
Leider bin ich metallmässig nicht bewandert, hab jetzt wenigstens eine Vorstellung, wie dieser Ofen aufgebaut ist und was man damit machen kann.
An was ich denke, einen Aussenofen mit Schamottsteinen nach dem Muster des Sampada zu machen, aber das ist noch nicht ausgegoren.
Qualm war eher weniger, ich hatte aber auch sehr gut getrocknete Buchenholzhackschnitzel zur Verfügung.
Wie das mit getrockneten Kartoffelschalen, Reisspelzen geht- da vermute ich eine grössere Rauchentwicklung.
DVD- war noch zu wenig Zeit dafür- allerdings- der Name Dr. Reckin hat mich schon neugierig gemacht, seine Methode ist ein meinen Augen der einfachste und schnellste Weg zum schwarzen Kompost., ausserdem hat er sich schon damit befasst, als das noch keine Modeerscheinung war.
Die Lieferung war extrem schnell, einzig die Gebrauchsanweisung in englischer Sprache- hat mein schon etwas verrostetes Englisch zuerst übersetzen müssen.
Wegen Russ am Topf, das wird sich wohl nicht vermeiden lassen, hab eine alte Pfanne und einen 10 l Topf, der dafür verwendet wird, den Russ hab ich beim Abwasch noch weggebracht.
Beim Kochen- ich hab mit den Spiegeleiern angefangen, dann kochendes Wasser für den Tee, als die Hitze dann wirklich grösser war, den 10 l Topf relativ schnell mit kochendem Wasser und dann noch 7 l heisses Wasser.
Damit ein richtiges Mittagessen zu kochen, da muss man sich wohl hintasten.
Für ein länger dauerndes Fleischgericht wird man um das Nachlegen nicht herumkommen. Nur - es soll doch von oben nach unten abkohlen, wenn man drauflegt, ist unten der abkohlende Teil.
Was für diesen Oen spricht, er macht auch noch warm, man kann damit kochen und hat Holzkohle, die Variante Feuerkorb liefert nur Wärme und Asche, bei den Aztekenöfen hab ich auch noch keinen gefunden, der Wärme und Kochmöglichkeit wirklich sinnvoll liefert.
Früher gab es diese Öfen, die mit Sägemehl befüllt, auf den normalen Holzherd gestellt wurden und dann noch Wärme abgaben, da muss ich nachfragen, was aus dem Sägemehl wurde, müsste auch etwas verkohltes geworden sein.
Solche Sachen sind oft weggeworfen worden, auch die Backöfen früherer Zeit lieferten Holzkohle, das wrude auf den Kompost- oder Misthaufen geworfen, da hat sich niemand dabei gross Gedanken gemacht, welchen wertvollen Kompost man damit machen konnte.
Gruss
hobbygaertnerin