Rohana hat geschrieben:Manches können wir umsetzen, anderes wird ausgebremst durch wirtschaftliche Gegebenheiten / Lagen oder ganz aktuell durch die Witterungsbedingungen der letzten zwei Jahre, oder auch durch die Gesetzgebung.
Die Gesetzgebung wird von den Landwirten als Schikane empfunden, aus Sicht des Gesetzgebers werden Exzesse verhütet, vor allem was Umweltschutz angeht. Die strengere Düngeverordnung gab es beispielsweise nur, weil die Grenzwerte von Nitrat im Trinkwasser nicht eingehalten worden sind. Wäre Nitrat kein Problem, gäbe es auch keine derartigen Vorschriften. Weil Gesetze nun mal für alle gelten, betreffen sie auch alle.
Bezüglich Witterung usw. gibt es zwei Dinge zu beachten.
1. springt der Staat (für CH weiss ich es, für D vermute ich es) ein, wenn es einen wetterbedingten Totalschaden gibt, das war z.B. 2017 beim katastrophalen Spätfrost der Fall.
2. eine Landwirtschaft kann nur dann langfristig sein, wenn sie den Ausgleich zwischen guten und schlechten Jahren betriebswirtschaftlich hinbekommt. Wenn man so wirtschaftet, dass durchschnittliche Jahre "Nulljahre" sind und die guten so halbwegs rentabel, dann hat man keine Reserven mehr. Das Wetter ist nun mal variabel, das war schon immer so.
Aus eben diesem Grund wird krisenanfälliger, wer auf hochrentable Monokulturen setzt. Ändern die Marktbedürftnisse oder kommt eine Krankheit auf, gegen die es keine Abwehr gibt, oder gibt es mal mehrere nasse oder trockene Jahre in Folge, dann ist das das Ende.
Rohana hat geschrieben:Letzten Endes stört es mich, dass 98% der Bevölkerung so agieren als hätten sie nichts mit der Landwirtschaft zu tun, sondern nur die 2% die sie aktiv betreiben, die sollen dann "alles" richten. Geht halt nicht, es gehört nicht nur der Produzent dazu, sondern auch der Konsument, der Verarbeiter, der Handel, die Politik, bis hin zur Logistik... und wenn jeder, in seiner Funktion, eben tun würde was er/sie kann - dann wär ja schonmal einiges getan. Dazu gehört halt bissl mehr als mal ne Unterschrift leisten.
Genau hier setzt doch die Kritik an der - ich nenne sie mal Lobby-Industrielandwirtschaft - an: Die 98% Konsumenten sollen mehr sein als nur Konsumenten, aber sie sollen gefälligst nur alles, was produziert wird zum Wunschpreis der Bauern kaufen und sich raushalten, was Umweltbelastungen, Tierhaltung und so weiter angeht, weil sie davon nichts verstehen. Lassen sie sich so nicht ruhigstellen, dann ist das Ausland schuld an den Problemen.
Mündige Bürger als Partner kann man nicht so abfertigen, mit denen muss man auf Augenhöhe diskutieren. Das ist unbequem, wie jede Regierung in einem demokratischen Land weiss. Hört sie nicht auf diejenigen, die sie zu vertreten behauptet, dann kommen eben die Unterschriften und Demos.
Die Landwirtschaft als grosser Subventionsempfänger sitzt da ganz besonders im Glashaus, das müsste man den Funktionären und Lobbyisten, die Euch zu vertreten behaupten, ab und zu mal sagen.