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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 16. Apr 2019, 07:13
von emil17
Rohana hat geschrieben:Tja, dafür hat man Zweinutzungsrassen. Jedes Kalb ein Gewinn, ob für Zucht und Milch oder für Mast...
Binuns gibts di schwarzn Eringer, das sind Dreinutzungsrassen:
Die besten Kühe sind die, welche an den Kämpfen gewinnen
Gewinnt sie nichts, gibt sie ja noch Milch
... und sonst kann man sie essen.
Die Rasse ist genügsam und wetterfest, kommt auf steilen mageren Weiden gut zurecht.
Bevor mir jetzt einer vorrechnet, dass das finanziell so nicht gehen kann: Es geht.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 16. Apr 2019, 07:30
von emil17
Oelkanne hat geschrieben: Es wird aber nicht konsequent umgesetzt!
Natürlich nicht, warum sollen die Dänen, wenn die Deutschen auch irgendwas machen, was die Dänen wollen, aber nicht dürfen?
Im Elsass jammern die französischen Gemüsebauern, die deutsche Konkurrenz macht ihren Markt mit billigem Gemüse kaputt, weil die irgendwas dürfen was die Franzosen so nicht dürfen (oder weil Polen billiger sind als Marokkaner?)
Die Ägypter machen auch nichts, solange die Chinesen ...
Mit dieser Argumentation kann man jeden Unsinn rechtfertigen.
Wenn du was ändern willst, musst du es vormachen.
Keine Nachfrage da zu teuer? Bevor der erste Biobauer angefangen hat, war die Nachfrage nach Bio Null, weil es das nicht gab. Die haben allen Landwirtschafts- und Finanzberatern zum Trotz gemacht, was sie für gut fanden.
Sie wurden zuerst von ihren Berufskollegen angefeindet. Der erste Bio-Weinbauer im Unterwallis wurde von Berufs"kollegen" tätlich angegriffen, etwa so wie die Ketzer im Dreissigjährigen Krieg behandelt wurden. Heute machen viele hochpreisige Bio-Weine und können davon offenbar leben.
Ja, Weinbau ist etwas anderes, da geht das ... Damals war Wein auch Massenware mit Abnahmegarantie durch den Bund, entsprechend war die Qualität.
Heute wird von den Konventionellen gejammert, dass es zuwenig Nachfrage nach hochpreisigen Lebensmitteln gäbe ...
Ich verstehe nicht, wie man einen Beruf auf eine Weise ausüben kann, die man selbst nicht gut findet.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 16. Apr 2019, 07:42
von Rohana
emil17 hat geschrieben:
Rohana hat geschrieben:Tja, dafür hat man Zweinutzungsrassen. Jedes Kalb ein Gewinn, ob für Zucht und Milch oder für Mast...
Binuns gibts di schwarzn Eringer, das sind Dreinutzungsrassen:
Die besten Kühe sind die, welche an den Kämpfen gewinnen
Gewinnt sie nichts, gibt sie ja noch Milch
... und sonst kann man sie essen.
Die Rasse ist genügsam und wetterfest, kommt auf steilen mageren Weiden gut zurecht.
Bevor mir jetzt einer vorrechnet, dass das finanziell so nicht gehen kann: Es geht.
Tjaja, geht bloss bestimmt nicht wenn jeder Eringer hat... oder wenn P€ta und Konsorten Kuhkämpfe verbieten (lassen) ;) abgesehen davon bin ich nicht scharf auf Umgang mit aggressiven Kühen mit Hörnern. Darf natürlich jeder halten wie er will - mir reicht Zweinutzung. :kaffee:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 16. Apr 2019, 07:51
von Rati
Hildegard hat geschrieben:....Vielleicht erübrigt sich die ganze Diskussion über die "Futtermittelproduktion" für den Menschen bald und wir drucken uns das Schnitzel einfach in 3D aus.

Herz aus menschlichem Gewebe in 3-D-Druck hergestellt...
ja nee, so bald wird das nix Hildegard :). Denn Preis für so ein Organ können sich vielleicht die Oberen 10 000 leisten, Als Nahrungsmittel kann das keine bezahlen.

Grüße Rati

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 16. Apr 2019, 07:55
von emil17
Die kämpfen von selber, spätestens nach dem Alpaufzug wird die Rangordnung zwischen denen so ausgemacht und daraus ist die Tradition entstanden.
Sonst sind die gar nicht so aggressiv. Unfälle sind jedenfalls nicht häufiger als mit anderen Rassen.
Rohana hat geschrieben:Tjaja, geht bloss bestimmt nicht wenn jeder Eringer hat
Dieser Einwand ist symptomatisch: Du musst nicht für den Rest der Welt eine Nische finden, bloss für Dich oder für einige Gleichgesinnte.
Dass das in Ostfriesland etwas anderes ist als in den Zentralalpen, dürfte logisch sein.
Wenn Landwirtschaft auf Weltmarktniveau gemacht wird, dann allerdings muss man mit allen gleichauf bleiben. Aber warum sollte man sich das antun, wenn es anders geht? Ich muss doch mein Einkommen nicht davon abhängig machen, dass irgend ein Idiot einer Agrargrossmacht einen Handelskrieg anfängt und so die Preise ruiniert, und dafür noch meine Felder kaputtmachen.
ich bin ja nicht mit allem gleichauf, was dieser Sepp Holzer so macht, aber grundsätzlich hat er schon recht - wir werden zu Lemmingen erzogen, die jeden Mist nachmachen. Und danach ist es dann auch.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 16. Apr 2019, 08:30
von Rohana
Lemminge? Naja. Man kann nur so oft das Rad neu erfinden. Milch ist ein Massenprodukt, genau wie Fleisch oder Mehl. Natürlich kann man sich von anderen abheben indem man jetzt z.B. Eringer-Milch anbietet, die wecken die Kampfkuh in dir, oder so. Als Nische mag das taugen - solange bis ein paar mehr das machen, dann muss deine Eringer-Milch von der Superkuh sein oder sonstigwelche besonderen Merkmale aufweisen. Solange, bis andere gleichziehen...
Klar darf und soll man seine Leistung vermarkten (Weidemilch, Biomilch, Heumilch...) aber sobald das Standard wird, ist der Vorteil dahin. GVO-frei ist da das beste Beispiel für. Das höher-schneller-weiter macht auch vor diesen "Hervorhebungsmerkmalen" nicht halt, so erstrebenswert sie auch sein mögen. Da unser Standort nix in der Richtung Weide/Heumilch wirtschaftlich leisten kann, können wir so oder so nicht mitspielen. Vielleicht bei A2-Milch :kaffee:

Achja, Eringer-Milch würde ich gerne mal verkosten, sagst dann Bescheid? ;)

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 16. Apr 2019, 08:36
von Benutzer 72 gelöscht
Rohana hat geschrieben:Milch ist ein Massenprodukt, genau wie Fleisch oder Mehl.
Was wäre, wenn jeder das nötige Land hätte, sich selber zu versorgen - wären dann "die Bauern" noch immer sooo wichtig?? :hmm:
Wer täte dann noch die undankbare Aufgabe übernehmen, Pestizide zu erzeugen, Traktoren zu bauen oder Haare zu schneiden? (bei uns in der Familie mach ich das :lol: )

nur so zum nachdenken, ich halte Landwirte nicht für Menschen, die nichts können, aber "Landwirt" ist man in erster Linie, weil man Land hat (oder eben wegen der Ungerechtigkeit, die emil erwähnt hat - Land pachtet).....

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 16. Apr 2019, 08:40
von Benutzer 72 gelöscht
Rohana hat geschrieben:Da unser Standort nix in der Richtung Weide/Heumilch wirtschaftlich leisten kann, können wir so oder so nicht mitspielen.
etwas anderes anbaun??
hat nicht jeder Standort seine speziellen Besonderheiten? :troest:

Jeder Ort hat die passende Kuh
- oder so ähnlich??

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 16. Apr 2019, 08:45
von Rohana
Stell dir vor jeder hätte das nötige Land, hätte er auch die nötige Motivation die Arbeit zu machen und die nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse, die Arbeit gut zu machen? Land haben ist das eine, Land bewirtschaften das andere. Siehe Kiesvorgärten und Rasenmähroboter.
etwas anderes anbaun??
hat nicht jeder Standort seine speziellen Besonderheiten? :troest:

Jeder Ort hat die passende Kuh
- oder so ähnlich??
Bei uns wachsen Steine besonders gut, aber die will keiner haben :hmm:
Manche Standorte sind halt speziell unergiebig, ich fürchte das ist schwierig zu vermarkten :pft: kauft unsere Milch, da steckt besonders viel Arbeit drin! oder so... :kuuh: :lala:
Nein, ernsthaft, ich denke wir sind schon recht gut an den Standort angepasst so wie wir derzeit wirtschaften, aber wir sind ja nicht im Vakuum, um uns rum tut sich auch was. In 10 Jahren wird es sicher anders sein.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 16. Apr 2019, 18:21
von emil17
Ich bin der Ansicht, dass Standard-Lebensmittel aus der Umgebung kommen sollen, wenn diese solche erzeugt, und dass man, wenn man in einer Gegend wohnt, die gute Standard-Lebensmittel erzeugt, sich auch zur Hauptsache davon ernähren soll. Milch zum Beispiel ... es gibt keinen Grund, warum man z.B. in einem Supermarkt in der Nähe von Darmstadt Milch aus der Normandie kaufen können soll. Die ist zweifellos gut, aber wenn ich in der Normandie bin, fehlt mir Milch aus Hessen nicht, die zweifellos auch gut ist.
Damit musst du auch keinem aus einer anderen Region Konkurrenz machen. In Gegenden mit viel Milchwirtschaft muss man halt Käse draus machen. Ist der gut und hat einen Namen, so kriegt man auch einen anständigen Preis dafür. Hier ist das so, die Käserei kann alles ohne Werbung verkaufen, obwohl die Landwirtschaft hier "nur" Wein und Milchprodukte sowie etwas Fleisch erzeugt.
Man kann natürlich auch nur so eine Art essbaren Gummi herstellen, dafür hunderte von Tonnen, und dann über die schlechten Preise klagen.
Eringer-Milch? Ist halt Milch, wir beziehen sie von der Molkerei um die Ecke roh, so um die 70 Liter pro Monat. Die ist je nach Jahreszeit anders, Im Mai hat sie wesentlich mehr Rahm als im Herbst.
Wir bezahlen etwa die Hälfte der Differenz von dem, was der Bauer kriegt, zum Abgabepreis im Supermarkt. Das ist für uns ein doppeltes Geschäft - besserer Preis und keine Milchpackungen im Abfall.
Von Juni bis Ende September gibts keine, weil dann die Milch auf der Alp verkäst wird.
Label oder Bo-Zertifikat? Brauchts nicht, man kennt sich.