Seite 22 von 62

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Mi 18. Jul 2018, 14:49
von poison ivy
strega hat geschrieben:wahrscheinlich nimmt sich der Grossteil der Bevölkerung auch einfach gar nicht die Zeit dazu, neben der Verwendung von Salz und Zucker noch an vieles anderes zu denken oder mal zu probieren was sonst noch geht...
wer gestresst von der Arbeit kommt schaut halt dass huschhusch möglichst irgendwas aufm Tisch steht, hauptsache schnell....
ich krieg hier immer die Krise, wenn Leute rumjammern, wie schrecklich lange kochen dauert und wie schrecklich viele Dinge man dazu braucht
und dann sogenannte Mahlzeiten vom Schnellfress-Schuppen heimschleppen (lassen)
noch schlimmer find ich diese Fast-Fertig-moechtegern-Gourmet-Gerichte von man google selber nach Home Chef, Sun Plate, Hello Fresh, Blue Apron ... da kriegst alle Zutaten portionsmaessig abgewogen, ja, ALLE incl Gewuerze in einzelnen Tuetchen, und 'kochst' daraus eine Mahlzeit, die nur geringfuegig mehr kostet als gleich Essen gehen

wenn ich so manches Supermarkt-Lebensmittel geschmacklich mit Geselbertem vergleiche, dann braucht die 4.-Aggregatszustand-von-Wasser-Tomate natuerlich Salz, meine eigene nicht

Salz war anno nicht so sehr wegen Geschmack wichtig als zum haltbar machen

'Ideal' ist wohl immer, was schwer bis nicht zu erreichen zB fuer eine hart arbeitende Leibeigene im Barock ueppig zu sein oder fuer eine Buerotretmuehlendame heute Zeit und Nerv genug zu finden, lange Stunden im 'Studio' und im 'Spa' zu verbringen

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Mi 18. Jul 2018, 17:30
von hobbygaertnerin
In dem Film neulich über den Ausbruch des Tambora vor 200 Jahren war das Getreide sehr knapp und es wurde verzweifelt nach Möglichkeiten gesucht, wie man schmackhaftes Brot backen könnte und trotzdem wenige Getreide verwenden zu müssen.
Damals wurde scheinbar das erste Mal Kartoffeln mit im Brot verbacken, das Brot konnte damit billiger verkauft werden.
Damals war eine Hungersnotzeit.
Wenn ich mir die Mühe mchen wollte und so manche ellenlange Zutatenliste von Nahrungsmitteln lesen würde- käme mir auch der Verdacht- wir hätten eine Hungersnotzeit, weil sovieles ins Essen reinkommt, dass es strecken soll, billiger machen.
Das bisschen Erdbeere im Joghurt- würde keinen geschmackvollen Joghurt machen, also brauchts Aromen, Farbstoffe......

Es gab und gibt beim Essen auch immer Modeströmungen, früher gab der Adel und dann die reiche Bürgerschicht den Ton an, bei der Normalbevölkerung wurde vermutlich schon auch darauf geachtet, dass das Essen satt machte, aber auch schmeckte.
Heute kann man aus gefühlten Millionen Rezepten aus Kochbüchern, aus dem Internet das passende Rezept finden, es gibt Unmengen an Zutaten, man kann sich aus aller Welt bedienen.
Den Leuten vor 200 Jahren würden sicher die Augen aus dem Kopf fallen über unsere Fülle-
aber was mir so auffällt, z.B. ein gutes Brot, das braucht nicht viel dazu, gute Kartoffeln schmecken mit Butter, Salz,
die neuen Äpfel schmecken als Apfelmus zu Dampfnudeln traumhaft gut,
man braucht nicht diese Masse an Zutaten für ein Gericht- aber beim Lesen von Rezepten kommt es mir so vor, als würden die auch immer umfangreicher.
Ein paar sonnenwarme Tomaten brauchen auch nicht mehr viel an Zutaten,
so ganz enfache Gerichte waren früher und sind auch heute ein Genuss.
Früher zeigten scheinbar die Reichen mit der Fülle an Gewürzen, die sie sich leisten konnten- ihren Reichtum-
wie zeigt man den heute?

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Mi 18. Jul 2018, 17:45
von Rohana
Mit Foodporn bei Instagram. Möglichst kleine Portionen möglichst opulent auf riesigen Tellern angerichtet, möglichst exotisch, ausgefallen, abgefahren... irgendwie so würd ich meinen. :michel:

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Mi 18. Jul 2018, 17:49
von centauri
Heute versucht man seinen "Reichtum" über Labels zu zeigen. Da kostet eben ein Poloshirt das bei K.K 5 Euro kostet mit dem richtigen Label das 20 fache.
Mit Urlaub konnte man früher das auch zeigen. Heute ist aber nichts außergewöhnliches mehr auf die Malediven zu fliegen. Also gibt es dann nur noch die Möglichkeit sich ein Hotel zu suchen wo eine Übernachtung 3500 € kostet und sich dann gut fühlen.
Man kann sich aber ab und an auch mal ein Stück Kobe- Rind leisten, oder Fugo. Alles wenn man es braucht um sich bestätigt zu fühlen.

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Mi 18. Jul 2018, 17:50
von si001
hobbygaertnerin hat geschrieben:Früher zeigten scheinbar die Reichen mit der Fülle an Gewürzen, die sie sich leisten konnten- ihren Reichtum-
wie zeigt man den heute?
Mit einer Hochglanzküche im Wert von einem halben Jahreseinkommem, Küchenmaschinen mit klangvollen Namen. Man kann es sich leisten sein Essen nach Hause bringen zu lassen, ob als Ferigpizza oder als Einzelzutaten abgewogen und hygienisch verpackt. So macht man weder die Küche noch die Hände schmutzig. (*)
Bei all den Zeigen was man sich so leisten kann, wird das Handwerk/Grundwissen verlernt oder gar nicht erst angeeignet. Das war früher bei den Reichen so und heute bei einer breiten Bevölkerungsschicht.

(*) Ups, ich hatte poison ivy´s Beitrag nicht gelesen.

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Do 19. Jul 2018, 07:38
von hobbygaertnerin
Ist mir neulich nur so gekommen,
nestfrische Hühnereier, der Duft der ersten Klaräpfel, der Geschmack von damit gekochtem Apfelmus, der erste Apfelkuchen, der neue Honig, noch ganz frisch aus der Schleuder oder wenn er dann alabasterfarbig nach dem Rühren in die Gläser kommt-
mit der Schüssel in den Garten gehen und ein paar Tomaten, Gurken, Salat holen und danach auf den Tisch bringen,
die kleinen Hühnerküken beim Heranwachsen begleiten zu dürfen,
ein paar Kräuter für den eigenen Haustee pflücken und mit der Tasse Tee eine Pause machen,
kann sicher nicht mit einer tollen Designerküche, irgendwelchen In-labels, mit teurem Urlaub, Spezialitäten aus dem Delikatessenladen mithalten.
Und man kann damit auch nicht zeigen, was man sich alles leisten kann.
Aber es nährt den Körper und die Seele, es macht zufrieden, liefert die eine oder andere Freude.
Und es liefert so einiges, was man sich mit Geld nicht kaufen kann.
Das alles empfinde ich als Reichtum und bin sehr dankbar dafür.

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Do 19. Jul 2018, 09:19
von Rati
Rohana hat geschrieben:
Rati hat geschrieben:Aber gerade weil sie oft nur wenig Auswahl hatten, wurde viel experimentiert um dem Essen guten Geschmack zu verleihen. Es ging nicht nur darum einfach irgend welche Nährstoffe in sättigender Menge in sich rein zu Stopfen.
Die meisten heute wissen auch nicht wie das ist wenn der Körper viel Energie braucht - harte körperliche Arbeit verrichten ja die wenigsten, oder?
ja, weis schon wie du das meinst :) , aber die meisten
die du meinst sind nur die paar aus den erste Welt Ländern. Die wirklich meisten sind auch heute noch Leute die eher wenig zu essen (aber zum Glück nicht mehr hungern müssen) und viel harte Arbeit haben.
Rohana hat geschrieben:
Rati hat geschrieben:Essen war immer auch etwas soziales und für das Seelenheil, das sollte schon auch schmecken.
.
Sicher. Und für Geschmack braucht es nicht unbedingt tausend exotische Würzmittel! Denk doch einfach mal dran was hier wächst und was alles importiert wird und wer sich zu welcher Zeit was leisten konnte.
ja eben, denk mal dran was hier so alles an einheimischen Würzkräutern wächst Rohana, das ist ne ganze Menge, Importware oder etwas das mensch kaufen muß war da gar nich sooo wichtig. :)
Außer natürlich das es auch damals wichtig für die Imagebildung :roll: war sich auländisches leisten zu können.

Grüße Rati

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Do 19. Jul 2018, 20:09
von Rohana
Ich denk nicht nur viel dran, ich verwende die auch :grinblum:

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Fr 20. Jul 2018, 08:54
von hobbygaertnerin
Rohana,
welche Kräuter verwendest du?
Ich mähe derzeit für die Hühner jeden Tag ein Stück Brennesselfläche- die sind ganz scharf auf die grünen Samen und die Blätter fressen sie auch.
Diese Würze schmeckt man in den Eiern.
Zeit um draussen Wildkräuter zu sammeln hab ich eher weniger, deshalb bin ich froh, um alles, was im Garten und rundherum wächst.
Die reifen Brennesselsamen sind zum Teil der Pfefferersatz, bei Zimt und Nelken muss ich passen, da hab ich noch nichts geschmacklich Gleiches gefunden- heute sind Gewürze ja nicht mehr Statussymbol und unbezahlbar.
Dost und Quendel würd ich gerne im Kräutergarten ansiedeln, aber das ist mir bis jetzt noch nicht gelungen.
Majoran wächst im Topf, Thymian geht mir meist im Garten über den Winter wieder ein und beim Oregano behauptet sich nur eine Sorte.
Der Salbei wuchert wie ein Weltmeister, der griechische Bergtee ist dieses Jahr das erste Mal zum Ernten.
Ein bisschen find ich es schon auch schön, dass wir auch Kräuter aus anderen Ländern bei uns anbauen können.
Schnittknoblauch - und Andere,
dafür vermehrt sich der Bärlauch unter den Himbeeren und auch der wilde Schnittlauch, da ist dann im Frühling bald was draussen zu finden.
Von den Linden hole ich mir die Blüten, die Bienen sind ganz begeistert von unseren Bäumen-
aus den grünen Walnüssen lässt sich so eine Art Olivenersatz herstellen,
die Leute früher waren sehr erfinderisch, um sich aus dem was vor Ort wächst, auch ihre Genüsse herzustellen.

Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

Verfasst: Fr 20. Jul 2018, 09:17
von Rati
Rohana hat geschrieben:Ich denk nicht nur viel dran, ich verwende die auch :grinblum:
:lol: :daumen:

Grüße Rati