hobbygaertnerin hat geschrieben:Ich sehe nicht, dass die "Kleinen" wegen der Grossen aufhören.
An der technischen Innovation und die Mengendegression bei den Stückkosten sind ja nicht die Großen schuld. Das ist einfach Realität. Und wer sich am schnellsten an neue Realitäten anpasst, hat einen Wettbewerbsvorteil.
Und unsere "Großen" sind im internationalen Maßstab eher Winzlinge.
War neulich bei einem der Größten hier bei uns auf bayerischer Seite. ca. 160 Milchkühe + Nachzucht. Der freut sich an seinen Schwalben. Hat extra eine Matschecke, um den Nestbau zu fördern. Die Uhus brütet nebenan im alten Steinbruch und sitzen öfter mal auf den Stalldächern. Der Rotmilan flog gerade über der Hofstelle. Ein Problem hat er mit Massen an Spatzen, die die Silofronten und Futtertische plündern. Eine Hygiene und Gesundheitsversorgung wie in den Ställen würde bei einem großen Teil der Menschheit viele unnötige Kindstode verhindern.
Jetzt baut er am Stall eine Weide für die Färsen und Trockensteher. Mehr Fläche hat er dort leider nicht. Aber wenigstens diese Tiere, die noch im "alten" Kuhstall stehen, sollen im Sommerhalbjahr diesen zusätzlichen Komfort erhalten.
Die beiden Familien, die den Hof zusammen Betrieben, machen m.E. sehr gute Arbeit.
Und über den 10-fach größeren Milchviehbetrieb im benachbarten Thüringen kann ich auch nicht meckern.
Hat alles seine Vor- und Nachteile.
Bei den großen Genossenschaften hat man einen normalen Arbeitsplatz mit normalen Arbeitszeiten (klar gibt es auch da Arbeitsspitzen) Urlaub usw.
Auf dem kleineren Hof man an den engeren Bezug zur Familie und die Einbindungen von Kindern und älteren Menschen. Das ist so nah an den ursprünglichen Sippengesellschaften, wie es kaum ein anderer Beruf erlaubt. Es braucht keine gekünstelte Zwangsbespaßung für Kinder und Alte und sie vegetieren nicht nur vor dem TV vor sich hin.
Evtl. kriegen wir es ja hin, in den größeren Betrieben die Familien wieder mehr mit einzubeziehen und bei den kleinen Betrieben die Fesseln an den Betrieb etwas zu lösen. Beides würde die Lebensqualität für alle Beteiligten verbessern.
Um die technische Entwicklung und die Stückkostendegression kommen wir nicht herum. Man kann dagegen Anverbieten und -
Subventionieren. Viel besser ist es, diese Entwicklungen bestmöglich einzubinden. Wir haben die Maschinenringe und Lohnunternehmer, die auch kleineren Betrieben den Zugang zu schlagkräftigen, gut ausgelasteten und damit kostengünstigen Maschinen ermöglichen. Wir haben Rechtsformen, die den gemeinsamen Bau und Betrieb größerer Ställe ermöglichen usw.
Ich sehe die Zukunft in einer viel flexibleren Kombination von Groß und Klein, die heute durch die Bürokratie so furchtbar erschwert wird. Joel Salatin macht es mit seinen Betrieben im Betrieb vor.
Was wäre, wenn wir hier auf unserem Grenzertragsstandort ein oder zwei große Gemeinschafts-Rinderherden (oder Gemischtherden) hätten, die nach dem Konzept der ganzheitlich geplanten Beweidung wie einst die großen Wildtierherden über die Landschaft ziehen und das Grünland pflegen und erhalten.
Dahinter dann im Abstand saisonales Freilandgeflügel in Regie Einzelner oder kleiner GbRs, die die Hinterlassenschaften der Herden auf natürliche Weise nutzen und das Grünland weiter pflegen.
Darin eingestreut Ackerbaubetriebe und Lohnunternehmer, die Heu als Notreserve für den Winter oder Dürrephasen bergen, falls mal extremes Wetter einige Wochen bis Monate die Beweidung erschwert.
Spezialisierte Gemüse- und Obstbaubetriebe usw.
Und für die, die lieber alleine Arbeiten, hätten auch reichlich Nischen und ausgezäunte Flächen ihren Platz.
Heute aufgrund der Bürokratie undenkbar, sowas in Gemeinschaft zu organisieren. Das ginge nur als einzelne Juristische Person, die eine gewaltige interne Bürokratie aufbauen müssen, wie eben die Großbetriebe im Osten.
Was sich nicht in die engen Schubladen der Schreibtischtäter quetschen lässt, darf nicht sein...
Wir brauchen nicht noch mehr Schubladen. Wir müssen endlich anfangen, die Schubladen zu zerschlagen, um wieder Platz für Kreativität und Vielfalt zu schaffen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.