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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 6. Apr 2019, 19:41
von sybille
wenn ich mich zurückerinnere, ich fand es als Bauernkind nicht immer so toll, dass ich ständig helfen musste und die anderen Kinder sehr viel Freizeit hatten. Wenn ich zurückdenke, wieviel meine Eltern arbeiten mussten, da war ich mir sicher, dass ich das einmal nicht machen werde.
So war das bei mir auch. Aber dieses Leben hatte mir gefallen. Im Gegensatz zu anderen Familien war bei uns nach der Schule immer jemand zuhause und die Arbeit auf dem Feld gefiel mir. Naja, sonntagsmorgens um 4 Uhr aufstehen um Erdbeeren zu pflücken war nicht so toll aber als Belohnung durfte ich dann auch mal R4 oder Trecker fahren. Heu und Stroh pressen liebte ich. Es war so schön den Wagen mit meiner Mutter zusammen zu beladen.
hier in der nähe gibt es einige solawis. ich kenne auch höfe, wo mehrere personen gemeinsam wirtschaften.
leider habe ich ja meinen hof vor 12 jahren verkauft. hätte ich meinen exmann auszahlen können, dann hätte ich auch weitergemacht.
Leider habe ich meinen Geschiedenen auch nicht ausbezahlen können. Wir hatten eine schöne Selbstversorgung, die ich sonst gerne weitergemacht hätte. Aber hier gibt es auch eine SoLaWi mit der ich bisher zufrieden bin. Ich nehme nur das Gemüse. Eier und Hühnerfleisch habe ich selber und Rindfleisch kaufe ich einmal im Jahr vom Bauern vor Ort. Die Rinder sind aus Biohaltung und werden beim Metzer vor Ort geschlachtet und nach dem Abhängen zerlegt geliefert.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 6. Apr 2019, 23:16
von Benutzer 4754 gelöscht
ina maka hat geschrieben:ein offener Stall mit Rindern und ein Misthaufen davor...
Ich denke, das brauchen diese Schwalben.

Eben: <<kleinbäuerliche>> Landwirtschaft.
Rohana hat geschrieben:Am Rückgang der Schwalben ist selbstverständlich die intensive Landwirtschaft schuld, so neulich im Spiegel zu lesen. Klar, kann auch gar nicht sein dass es damit zusammenhängt dass immer mehr (kleine) Ställe aufgegeben werden.
Ja, daran ist die intensive Landwirtschaft schuld. :im:
(Auch!!) wegen ihr geben viele (kleine) Ställe auf.... Das ist jetzt aber doch wirklich alles andere als "Bauernbashing" ...

Die "Kleinen" fehlen halt überall.
Ich weiß, ich wiederhole mich
aber nur weil klein vorne dran steht ist es nicht besser als groß, bzw groß nicht automatisch schlechter als klein.

Die Konkurrenz meines Arbeitgebers mästet Rinder (Bullen und Färsen), mehrere tausend Tiere im Jahr.
Weil es das beste (im bezahlbaren Rahmen) für die Rinder ist und in diesem Betrieb arbeitswirtschaftlich sinnvoll, stehen diese großteils auf Stroh in Offenställen.

So, die haben über Winter auf ihrem Misthaufen etwa 2500-3000t Mist gesammelt und fahren den nun so nach und nach auf die Felder.

Dort wohnen genau so viele Insekten im Mist und im Stall wie auf einem kleinen Betrieb.
Schwalben sind dort keine Seltenheit sondern die Regel.


Es kommt nicht auf die Größe an, sondern auf die Arbeitsweise.
Bei gleicher Arbeitsweise ist der größere wirtschaftlicher als der kleine,
steigenden Anforderungen hinsichtlich Tierschutz, Düngereinschränkungen oder gestiegenem Verwaltungsaufwand ist der größere Betrieb besser gewachsen als der kleine.
Der kleine wird von den immer weiter verschärften regeln überrollt und geht daran kaputt.
Mein Arbeitgeber hat 2 Mitarbeiter in der Verwaltung die sich alleine um das Einbuchen und Planen von Dünge- bzw Pflanzenschutzmaßnahmen kümmern, weitere zwei die sich um den Papierkrieg fürs Amt kümmern und drei die Rechnungen schreiben bzw bearbeiten, sich um die Pachtverträge kümmern und sonstige Dinge erledigen (schließlich besteht das Unternehmen aus einem Verbund von 4 verschiedenen Unternehmen).
Die mittlerweile stillgelegte Tierproduktion (Milchviehhaltung) hatte auch ihre Sekretärin.

Hier spielt es keine Rolle ob die nun noch zwei Zettel extra Ausdrucken oder eine Düngemasnhame statt an 2 an 4 stellen verbuchen.
Der sich ständig wandelnde und vergrößernde Papierberg ist ja deren täglich Brot.

Das ist das was Manfred "gewaltige interne Bürokratie" nannte.
Ja, von den neun stellen könnte man sicher 3 streichen
aber die Leute kann man nicht kündigen

sind alles Genossenschaftsmitglieder,
die bringen alle Land und Geld in den Betrieb.

Der kleine geht auch nicht auf Grund des großen kaputt, sondern er stirbt den Tod der unwirtschaftlichkeit weil er bei sinkenden Preisen zu teuer produziert.
Wir haben die selben sinkenden Preise, können aber durch Skaleneffekte etwas günstiger produzieren.

Sollten aber die Preise schlechter werden oder die Produktionskosten noch weiter steigen (und das werden sie tun) wandelt sich unsere schwarze Null auch in eine rote Zahl...


Dann gibt es eben Weizen aus China, Zucker aus Brasilien, Fleisch aus Polen, Neuseeland und Argentinien :michel:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 7. Apr 2019, 08:18
von Reto94
http://m.20min.ch/finance/news/story/93 ... t-16371580

Wer hätte das gedacht... Wie wirds wohl bei den spanischen Flächen für Biogemüse aussehen?! :hmm:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 7. Apr 2019, 13:13
von Narrenkoenig
Vermutlich nicht wesentlich besser.
Das heißt aber nur daß die Inverkehrbringer den Abdrift nicht im Griff haben.
Also Ausbringungstechnik und Schutzabstände unzureichend sind.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 7. Apr 2019, 15:15
von emil17
Das heisst dann, dass die erforderliche oder vorgeschriebene Technik zum konformen Ausbringen solcher Mittel praxisfremd sind bzw. nur in der Theorie oder unter Laborbedingungen funktionieren.
Ähnlich wie kein Mensch so autofahren kann, dass die offiziellen Verbrauchswerte des Fahrzeuges auch nur annähernd zutreffen.
Eine weitere Interpretationsmöglichkeit wäre, dass sich die Substanzen viel langsamer abbauen als erwartet.
Das würde heissen, dass man die Zulassungen überdenken müsste.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 9. Apr 2019, 07:27
von Rohana
Mal ein paar Links zur Verdeutlichung, warum es nicht reicht in D (oder in Ö) hohe Standards zu haben:
https://kurier.at/politik/ausland/hendl ... /400458490
https://bio-markt.info/berichte/eu-komm ... izenz.html

und eine kleine Studie zum Thema Ethik oder Preis...
https://bio-markt.info/kurzmeldungen/bi ... tudie.html

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 9. Apr 2019, 11:54
von emil17
Eben weil über den Preis gekauf wird, muss der Staat die Schranken für unzulässige Produktionsverfahren setzen, denn sonst gewinnt der billigste - und das ist der, welcher alle Kollateralschäden ignoriert oder sie den anderen überlässt.
Ich hbe aber keine Lust dazu, per Umweltschäden, die auch mich beeinträchtigen, den Billigfrass der anderen mitzubezahlen.

Was auch hierher passt: Eine Bekannte war kürzlich in dem Teil Spaniens wo die Früherdbeeren unter Glas kultiviert werden. Das Zeug hat ein Bio-Label, ist alles hors-sol in Hydrokultur auf optimaler Pflückhöhe.
Die Landschaft sieht schlimm aus, weil überall Fetzen von Kulturfolien und Plastikmüss herumliegen, die Arbeiter sind aus Nordafrika, werden unter aller Sau bezahlt und leben auch in Folienunterkünften.
Landschaft wird für noch mehr Kulturen plattgemacht, Grundwasserspiegel ist jedes Jahr ein paar Meter tiefer, den Landwirten nebenan wird das Wasser abgegraben und in den Flüssen ist auch im zeitigen Frühajahr schon alles Wasser zur Bewässerung entzogen.
Aber es ist Bio. :sauenr_1:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 9. Apr 2019, 12:52
von Sonne
emil17 hat geschrieben: Was auch hierher passt: Eine Bekannte war kürzlich in dem Teil Spaniens wo die Früherdbeeren unter Glas kultiviert werden. Das Zeug hat ein Bio-Label, ist alles hors-sol in Hydrokultur auf optimaler Pflückhöhe.
Die Landschaft sieht schlimm aus, weil überall Fetzen von Kulturfolien und Plastikmüss herumliegen, die Arbeiter sind aus Nordafrika, werden unter aller Sau bezahlt und leben auch in Folienunterkünften.
Landschaft wird für noch mehr Kulturen plattgemacht, Grundwasserspiegel ist jedes Jahr ein paar Meter tiefer, den Landwirten nebenan wird das Wasser abgegraben und in den Flüssen ist auch im zeitigen Frühajahr schon alles Wasser zur Bewässerung entzogen.
Aber es ist Bio. :sauenr_1:
Ähnlich habe ich letztes Jahr mal einen Film gesehen über Tomaten von REWE auch aus Spanien. Die, die sich mit einem Pro-Planet-Siegel schmücken.

Eine einzige Katastrophe. Das gleiche wie: 'Siehe oben'.

Ich kaufe noch Tomaten, aber es wird mir zunehmend peinlicher.

Ebenfalls eine Doku (Italien/Griechenland) kürzlich erst über diese beliebten Minitomaten, die dann auch noch so ursprünglich mit Stiel verpackt werden. Das muss noch mal schlimmer sein, in der Herstellung, als bei normalen Tomaten.

Für mich sind solche Sendungen dann wenigstens ein Ansporn, selbst aus meinem Garten rauszuholen was möglich ist. Und da habe ich zum Glück noch Ausbaupotential.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 9. Apr 2019, 13:11
von emil17
Wenn es um Gewinnoptimierung geht, gibt es offenbar keine anderen Werte mehr.
Jeder, der es macht, behauptet, er wolle nicht, aber müsse.
Wir leben in einem Wirtschaftssystem, das mehr technische Möglichkeiten als je bietet, und keinen machen lässt, was er für sinnvoll hält.
Scheiss-System

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 10. Apr 2019, 05:48
von hobbygaertnerin
@Sonne,
gibt ja immer wieder solche Filme, wie Gemüse, Früchte usw. in anderen Ländern erzeugt wird- ebenso über Kakaobohnen, Avocados, Bananen, Kaffee..........................
aber wenn ich in den LEH´s sehe, dass inzwischen auch die fairen Banaen verscherbelt werden, um Preise, wo ich mir nicht mehr vorstellen knann, dass das noch passt- und vor allem auch, wie grasgrün die Bananen angeliefert werden, da vergeht mir auch die Lust auf Bananen.
Bei der Schokolade ist es ähnlich, als erste Zutat Zucker, als 2. in der Liste Palmfett und die Schokolade schmeckt auch entsprechend.
beim Kaffee, ich staune ja immer, wie sie es geschafft haben, die Kapseln den Leuten auzufschwatzen, besonders zu welchen preisen der Kaffee dann verhöckert wird oder was die heutigen kaffeeautomaten kosten,
bei den Gewürzen ist es mir neulich auch aufgefallen, wie billig sie verkauft werden.
Ich hab mir neulich ein kleines Päckchen Tomaten aus regionalem Anbau gekauft- brauch ich bestimmt nicht mehr, die Tomaten aus dem eigenen Garten schmecken um so vieles besser.
Bis dahin müssen die eingeweckten und getrockneten Früchte herhalten.
Vergangene Woche war ich beim Einkaufen und hab mir ein paar Minuten Zeit genommen:
speziell die Obst - und Gemüsetheke des Geschäftes mal darauhin anzuschaute, woher alles kommt, wir haben wohlgemerkt Anfang April und da gibts aus regionalem Anbau noch recht wenig.
Aber es gabt eine Fülle von Tomaten, Gurken, Paprika, Salate und was das Herz begehrt, die Heidelbeeren aus Marokko, die Erdbeeren ebenso aus Spanien, die Himbeeren aus Peru, vermute mal, dass die Kartoffeln noch aus unserem Land waren und vielleicht die Zwiebeln.
Äpfel kamen aus allen möglichen Ländern, als normaler Konsument, der jetzt mal einfach nur sich an der Fülle und Vielfalt freut, auch an den recht moderaten Preisen- haben wir ein Schlaraffenland.
Ich hab mich neulich gefragt- was ist besser, so wie es jetzt ist, wo dann irgendwo auf der Welt Menschen in der Landwirtschaft zu entsprechenden unmenschlichen Lebensbedinungen arbeiten, um uns dieses Schlaraffenland zu ermöglichen und hoffen, dass es keinem selbst mit solchen Arbeitsbedingungen trifft oder darauf zu achten, nach Möglichkeit anders einzukaufen, zu leben?
Ich hab bewusst nach einem Film, den ich vor sehr langer Zeit gesehen habe, mein Einkaufsverhalten schon sehr verändert, auf alle Fälle diese Mär, dass man nur mit einem dicken Geldbeutel bewusster einkaufen kann, die stimmt nicht. Aber ich muss natürlich auch zugeben, ich hab meine SV ziemlich optimiert, wobei da immer noch was zu verbessern geht (Beispiel Wintergemüseanbau)- wir haben in der Gegend zum Glück viele Bauern mit Direktvermarktung, wir haben gut sortierte Wochenmärkte. Und ich hab immer weniger Lust, mir halbreifes Obst nach Hause zu holen, es schmeckt einfach nach nichts, Birnen gibt es eben nur zu der Zeit, wo es eben Birnen gibt, wir haben zum Glück eine ziemliche Auswahl bei unseren Streuobstäpfelsorten, bei den Weintrauben ist es mir auch aufgefallen, sie schmecken im Herbst von unserem Spalier so ganz anders als die gekauften Trauben, selbst bei den Orangen sind die Früchte, die unser Lagerhaus direkt aus Spanien holt, kein Vergleich zu dem was im Supermarkt angeboten wird.
Ich war vor einer Weile in einem Bauschnittkurs, den ein Erwerbsobstbauer gehalten hat, da war auch die Frage nach Pflanzenschutz- und die war schon ein wenig nachdenklich machend- seine Antwort, wie oft er behandeln muss, war sehr eindeutig, der Handel verlangt Äpfel, die makellos sind, alles was da nicht reinpasst, nimmt ihm keiner ab und nur von der Saftproduktion könnte er nicht leben ( der Saft kommt inzwischen sehr, sehr billig aus China). Sein Rat, jeder der die Möglichkeit hat, einen Baum in seinen Garten zu pflanzen, sollte es tun und allen anderen gab er den Rat, bei Bauern mit Streuobstgärten nachzufragen.
Wir haben bis jetzt so gut wie keine Nachfrage nach dem Obst, sicher, wenn ich es frei Haus liefere, für ein Danke bekomme ich es schon ein wenig davon los.
Letztes Jahr sind Unmengen an Äpfeln einfach in die Äcker geworfen worden, selbst die Bäume werden nicht mehr beerntet, weil man die knackigen Äpfel aus dem Geschäft haben will.
Selbst die Bauern, die Erdbeeren und andere Beeren anbauen, klagen, wie die Leute in den Plantagen mit dem Obst umgehen, es ist einfach keine Wertschätzung mehr vorhanden.
Was ich noch einpflanzen will, grossfruchtige Kiwis, hab im Herbst einen Eimer von einem Kleingartler bekommen, der Geschmack war so was von besser als die gekauften Früchte, Bananen kann ich vermutlich vergessen, aber bei den Zitronen bin ich inzwischen schon ganz gut aufgestellt, was ich so übers Jahr brauche, liefern meine Kübelpflanzen.

Aber manchmal denke ich mir schon, Arbeit macht das Ganze schon nicht wenig- und man braucht ein sehr stabiles Selbstwertgefühl, denn man wird belächelt, verspottet und Wertschätzung gibts wenig dafür.
Aber so wie jetzt, wo die Obstbäume ihre Blüten rausschieben und unsere Bienen als blütenstetige Arbeiterinnen das ganze Dorf blütenmässig bearbeiten, die Bienen an den Beerensträuchern auch immer sehr fleissig arbeiten, da denke ich mir, es lohnt sich die ganze Mühe.

Zur Landwirtschaft ist mir auch noch was dazu eingefallen, wir haben früher im Herbst immer ein Rind geschlachtet, die Leute hätten 10 mal soviel Filet und Lende haben wollen, es brauchte sehr viel Überzeugungsarbeit, den Leuten die einfacheren Teilstücke mit Rezepten und Kochkursen klar zu machen, was da alles zu kochen ist.
Wir kaufen uns inzwischen unser Rindfleisch auch bei einem Direktvermarkter, der freut sich über mich, weil ich die nicht so edlen Teile sehr bewusst haben will, auch Knochen für Suppe- ein langsam geschmortes Fleisch göttlich.
Hab mich schon öfters gefragt, ob es irgendwann wieder eine Zeit geben wird, wo vernünftiges Essen auf dem Tisch wieder eine Wertschätzung bekommt?