Thomas/V. hat geschrieben:Mal ne Nachdenkfrage: Versorgt sich ein Tier, welches durchs Gelände streift und sich von heruntergefallenen Früchten ernährt, selbst?
Die Früchte hat der Baum "weggeworfen", das Tier, welches diese frißt, hat nichts dafür "geleistet", außer das es vielleicht den Boden unter dem Baum gedüngt hat, oder auch nicht ...
Die Biologie hat darauf eine eindeutige Antwort: Alles, was irgend ein Tier isst, wurde irgendwann einmal durch Photosynthese, also von grünen Pflanzen, aufgebaut. So gesehen ist jeder nur Konsument ohne Eigenleistung.
Aber:
- Viele Pflanzen sind darauf angewiesen, von Tieren "genutzt" zu werden. Das Gras braucht es, gemäht oder abgefressen zu werden. Unterbleibt dies, so wird aus einer Wiese wieder Wald.
- Würde der Abbau organischer Substanz nicht funktionieren, so gäbe es gar keine Pflanzen, die Wälder würden in ihrere eigenen Streu ersticken. Wie das wäre, konnte man damals sehen, als in Neapel die Müllabfuhr nicht funktioniert hat. Auch die nicht funktionierende Atomenergie ist ein Beispiel dafür, was passiert, wenn man drauflosproduziert, ohne sich um die Abfälle oder Nebenwirkungen zu kümmern.
Aufbau und Abbau sind zwei Seiten der gleichen Medaille, das eine ist ohne das andere nicht denkbar.
Man muss also kein schlechtes Gewissen haben, wenn man Dinge zum Leben braucht, die andere erzeugt haben.
Leistung von anderen klauen ist ein Problem, das erst in der menschlichen Gesellschaft existiert. Die Stechmücke hat vermutlich kein Problem damit, dass niemand gestochen werden will, der Fuchs frisst ein erwischtes Karnisckel ohne schlechtes Gewissen, der Liane ist es egal ob der Baum, den sie überwuchert, das toll findet oder nicht, und wenn ich Laust auf Salat habe gehe ich in den Garten und schneide (ermorde) einen ab.
Wenn man eine egalitäre Gesellschaft befürwortet, wo alle Menschen nicht gleich, aber gleichberechtigt und gleichwertig sind, dann hat niemand das Recht, andere ohne Gegenleistung für sich arbeiten zu lassen, ausser dieser andere sei aus freiem Willen bereit, für diesen anderen mitzuleisten.
Hier kommt Geld ins Spiel: Als Warentauschmittel erfunden und bewährt, macht es Sinn welches davon zu haben. Einfach weil es sonst lästig wird, weil, wenn man klamm ist, den Kopf nicht für wichtigere Dinge frei hat. Genauso wie ein hungriger Mensch keine kreativen Leistungen vollbringen kann, da all seine Gedanken nur darum kreisen, wie er den magen füllen kann.
Als Lebensinhalt taugt Geld hingegen nicht, genauso wie Leistung als Selbstzweck nicht taugt. Mindestens leuchtet mir das nicht ein und mir geht jeder Sinn für Spitzensport ab: "YX hat 100m in 9.76 Sekunden geschafft"! Schön für ihn, aber lohnt es sich, dafür jahrelang den ganzen Tag nichts als Leichtatlethiktraining zu machen? Das Beispiel ist insofern harmlos, weil es sich immerhin um Eigenleistung wenn auch mit für mich unerkennbarem Zweck handelt - aber das sinnvoll finden muss der Läufer, nicht ich.
Wenn hingegen Geld zum Lebensinhalt wird und man es dadurch zu erwerben sucht, dass man andere für sich leisten lässt, dann wird es unethisch. Ich muss, um beim Beispiel zu bleiben, nichts dafür tun, damit der noch schneller laufen kann, und deswegen ist es mir egal. Der Läufer muss es ja auch nicht gut finden oder gar fördern, dass ich meinen Salat selber anbaue. Wird Spitzensport durch Steuergelder gefördert, wird es schon kritisch. Da ich vermutlich auch Förderung für Dinge vom Staat bekomme, welche andere Leute sinnlos finden dürften, kann ich damit leben.
Wenn ich jedoch Zinsen zahlen muss, nur damit ich überhaupt Leistung erbringen kann (z.B. durch Geschäftskredite oder Miete, die über die Unterhaltskosten des schon lange abbezahlten Gebäudes hinausgeht), dann ist das eigentlich eine Form von Parasitismus.
Nicht umsonst gehören Geiz und Habgier zu den Sieben Todsünden.
Thomas/V. hat geschrieben:Warum soll es also keine SV sein, das in Anspruch zu nehmen, was andere wegwerfen oder freiwillig weggeben? (Ja, auch Sozialleistungen werden "freiwillig" , wenn auch institutionalisiert, gegeben. Man könnte ja auch eine Regierung wählen, die diese abschafft, oder versuchen, keine SL mit seinen Beiträgen zu finanzieren, indem man z.B. keine Steuern zahlt, keine Krankenkasse usw.).
Du wirst in jedem Land eine politische Partei finden, die genau das fordert. Wähler sind mehrheitlich Leute, die von der Arbeit anderer leben.
Selbstverständlich kann man von dem leben, was andere nicht mehr brauchen. Nur, vom Bettler zum Dieb oder Räuber ist es manchmal nicht weit.