Ich bin halt vom Charakter her skeptisch, wenn es dann gut wird umso besser
Wenn ich einen kasachischen Wildapfelbaum hätte, würde ich ihn auch nicht wegwerfen.
Reisende hat geschrieben:... dass die forscher, die in kasachstan unterwegs waren, gezielt samen von besonders großen und schmackhaften äpfeln ausgesucht haben. sprich solche, die den unseren verkaufsfähigen sorten sehr nahe kommen.
Moment ... Verkaufsfähige Sorten sind nach wie vor solche, die den grössten kommerziellen Ertrag bringen. Da ist "marktfähig" leider nach wie vor das grösste Kriterium. Deshalb schmecken ja alle Früchte, die Du beim Supermarkt findest, ziemlich gleich. Dass man bei der Züchtung umdenkt, ist erfreulich. Kommerziell umgesetzt ist das deshalb leider noch lange nicht.
Reisende hat geschrieben:die Krankheitsresistenz von malus siversii ist ja grade das große merkmal, weshalb man sich da so drauf stürzt, und versucht, durch einkreuzungen diese resistenzen auf unsere sorten zu übertragen.
Zweifellos ... nur ist Krankheitsresistenz eben sehr oft eine Frage vom Klima. Viele Krankheiten, die wir hier haben, sind anderswo bedeutungslos und umgekehrt. Das sieht man z.B. daran, dass Forstbäume in unpassender Lage gerne an Krankheiten und Insekten leiden, die an geeignetem Standort nicht auftreten.
Man geht immer davon aus, dass für die Resistenz gegen einen Erreger ein Gen zuständig ist, das man dann übertragen kann. So einfach ist es aber oft nicht.
Des weiteren sind Krankheitsresistenzen oft genetisch mit anderen Eigenschaften gekoppelt, die unerwünscht sind. Die (einheimischen) Holzapfelbäume, die man hier viel sieht, habe ich noch nie krank gesehen - trotzdem pflanzt sie keiner, einfach weil dir beim Essen der Früchte das Hemd drei Nummern kleiner wird, so sauer sind die.
Ich hatte mal eine wilde Kartoffelsorte, die war wirklich resistent gegen Krautfäule. Gegen Knollenbildung leider auch.
Reisende hat geschrieben: das klima in kasachstan ist gar nicht sooo unterschiedlich zu unserem, auch hier findet sich kontinentales klima, nur sind dort die temperaturschwankungen in winter und sommer höher.
Da bin ich nun nicht einverstanden. Hauptunterschied vom subatlantischen und atlantischen Mitteleuropa, zu dem ganz Deutschland gehört, sind die Kälterückschläge im Frühjahr und die sommerlichen Regenperioden, die in wirklich kontinentalem Klima fehlen. Das bedeutet z.B., dass hiesige Sorten gegen Pilzkrankheiten resistent sein müssen, die zur Verbreitung auf nasse Blätter während der Vegetationsperiode angewiesen sind.
Solche Krankheiten sind bei uns der Apfelschorf, der falsche Rebenmehltau, die Frucht- und Zweigmonilia der Aprikose, die Krautfäule der Kartoffel und so weiter. Diese sind in wirklich kontinentalen Gebieten bedeutungslos.
Was in Deutschland als "kontinental" bezeichnet wird, ist immer noch sehr deutlich maritim beeinflusst, einfach weil man zu nahe am Meer ist. Statt "Kontinental" würde man besser "weniger ozeanisch" sagen. Wo in den Wäldern Buchen wachsen, ist man nicht im kontinentalen Klima. Das Lokalklima der furztrockensten Hänge der inneralpinen Trockentäler (Wallis, Vintschgau, Valle d'Aosta), wo man z.B. bei flachgründigen Kalkböden recht nahe an der physiologischen Wachstumsgrenze von Bäumen ist, ist dort Normalklima. Typische Leitpflanzen sind dort z.B. Federgräser (Stipa) oder gewisse Beifuss-Arten, die es bei uns nur auf kleinflächigen Spezialstandorten gibt.
Die Frostresistenz des Baumes ist sicher hervorragend - jedoch kann diejenige der Blüte oder der frisch ausgetriebenen Zweige mangelhaft sein, weil im Herkunftsgebiet die für unser Klima bezeichnenden Wetterrückschläge nicht auftreten. Typisches Beispiel hierfür wäre die Aprikose, die sehr frosthart ist, jedoch das nasskalte Frühjahrswetter überhaupt nicht verträgt. Auch wenn dann Blüten und Zweige nicht gleich abfrieren, kann doch die Anfälligkeit für Schwächeparasiten erhöht sein.
Die Anpassung an den mitteleuropäischen Klimacharakter sieht man an der Buche sehr gut: Die treiben im Frühjahr spät aus, weil sie "gelernt" haben, dass man sehr oft eins auf die Mütze kriegt, wenn man auf die winterlichen Wärmeperioden reinfällt.
Reisende hat geschrieben: dass der bezug legal möglich ist, hat appelbohm doch bereits bewiesen?

die kommen nicht direkt aus kasachstan, also konfkliktgebiet oder nicht ist irrelevant. die samen kommen aus usa. das amerikanische landwirtschaftsministerium wird schon wissen was es da tut, und selbst der deutsche zoll hat keine schwierigkeiten gemacht.
Man kann zu Forschungszwecken kleine Mengen von Pflanzen an Zuchtinstitute und botanische Gärten einführen, bei Sämereien ist es oft noch einfacher. Will man Bäume in grösserer Menge einführen, so wie es etwa die Gartenabteilungen der Supermärkte tun, sind die Vorschriften beim grenzüberschreitenden Verkehr deutlich strenger. Ich darf z.B. wegen Feuerbrandprophylaxe zur Zeit kein Kernobst und Verwandte (Weissdorn, Cotoneaster, Misplen etc.) legal aus Deutschland in die Schweiz einführen.
Das Amt, das aufpasst, ist logischerweise der Einfuhrzoll. Was ausgeführt wird, ist den Amis egal, wenn es nicht gegen Artenschutzabkommen verstösst.
Wie die Formalitäten beim deutschen Zoll sind, hängt von der Deklaration der Ware, vom Herkunftsland und vom Empfänger ab. Wenn das den ordentlichen Weg geht und Einschleppungsgefahr von Pflanzenkrankheiten besteht, sind die bürokratischen Hürden sehr hoch.
Reisende hat geschrieben:woher nimmst du denn hier dein wissen? vll gibt es unterschiede zwischen pflanzen und saatgut?
das hat mit meinem Beruf zu tun.