Moin,
SchwieMu wird dieses Jahr 80, also Bj 31, und mit 14 mit ihrer Oma aus dem heutigen Tschechien geflüchtet, 7 Kinder in 15 Jahren, Häuschen gebaut mit eigenen Händen, 2000qm Garten dabei (ihres Mannes Leidenschaft - zugekauft wurde im Herbst 1 10l Eimer Erdbeermarmelade und 1 10l Eimer Rübensirup), mal hatten sie auch Kaninchen, mal auch ne Ziege, direkt beheizter Waschkessel im Keller

, und von 40 bis 63 noch arbeiten gegangen, mit 50 den Führerschein gemacht, Kirchenchor, und gut in der Nachbarschaft vernetzt.
Der Keller war immer voll mit Eingemachtem, und sie erzählt immer noch, was für eine Erleichterung die erste vollautomatische Waschmaschine war, und was für ein Technikwunder die erste Spülmaschine war, ganz zu schweigen von Kühlschrank und Gefriertruhen. Und ne Nähmaschine, die auch einen Stopfstich hatte...bei 5 Jungens eine gewaltige Erleicherung.
Zufrieden? Ja, aber auch immer in Angst vor größeren unvorhersehbaren Rechnungen, weil irgendwas kaputt ging. Als Familie dieser Größe und als Flüchtlinge dauerte es sehr lange, bis man die Nachbarn von seiner Seriosität überzeugen konnte, 7 Kinder waren auch in den 60ern eher "asozial", aber sie wollte immer eine wirklich große Familie.
Jetzt, fast 60 Jahre später, sind so ziemlich alle Kinder ziemlich weit weggezogen, durch Partner oder Job, sie hat 18 Enkel, 8 Urenkel und schon die erste Ur-Ur-Enkelin. Es ist aber nix geworden mit dem Traum, im Kreis seiner großen Familie alt zu werden - dafür sind alle viel zu weit weg, und sie bekommt kaum Besuch.
So hat sie sich das nicht vorgestellt - sie nimmt es hin, aber glücklich ist sie nicht. Weihnachts- oder Geburtstagskarten und Telefonate ersetzen da nicht Besuche.
Sie sagt, sie hatte ein gutes Leben, im Rückblick, aber in den aktuellen Situationen sei es durchaus öfter eher die Hölle gewesen.
Ich krieg jedesmal Gänsehaut, wenn ich mir das Arbeitspensum jeden Tag vorstelle - aber sie hat es sich so ausgesucht, und hat selten geklagt, sagt der Mann.
Sie sagt, daß es damals einfacher gewesen sei als heute, alle in der Umgebung hätten ungefähr die gleichen Probleme gehabt, und es gab nicht diese Unmengen an Werbung für allen möglichen Sch****, weil wenn man nicht weiß, daß es etwas gibt, vermißt man es auch nicht.
Ich mag meine SchwieMu sehr.
